Titel : Colatteral
Genre: Thriller
Länge: 120 min.
im Kino (D) seit : 09/2004
- Crew
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Stuart Beattie, Frank Darabont, Michael Mann
Kamera: Paul Cameron (das Bruderherz vom "Titanic"-Regisseur James)
Schnitt: Jim Miller, Paul Rubell
Musik: James Newton Howard
- die Darsteller und ihre Rollen
Vincenz = Tom Cruise
(“Top Gun”, “Last Samurai”, “Minority Report” ect.,ect.)
Max = Jamie Foxx
(“Breakin all the Rules” I-III, demn. in “Stealth”)
Annie, die Staatsanwältin = Jada Pinkett-Smith
(“The Matrix” II & III, im richtigen Leben die Frau von Will Smith)
Die Darsteller, deren Mitwirkung sich haupsächlich auf Sterbegeräusche nach ausgiebigen Schußwaffengebrauch beschränkte, habe ich hier weggelassen. Doch nun zur Hauptsache.
Tom Cruise ist der lebende Beweis, dass man nach Testosteron-Klassikern wie „Top Gun“ oder völlig aus der Luft gegriffenen Zukunftsvisionen wie „Minority Report“, verpfuschten Filmpartner-Affären und dem daraus folgenden Verlust von Frau und Kind immer noch ins ernste Fach wechseln kann.
Im vorliegenden Fall gibt er „Vincenz“ - einen grau-melierten aber ansonsten namenlosen Killer, der in einer lauen Nacht in L.A. nach dem Willen seiner Auftraggeber ein paar Prozesszeugen und die anklageführende Staatsanwältin abräumen soll, deren Verfallsdatum, nach dem Dafürhalten eines Drogenbosses, abgelaufen ist.
Dazu schnappt er sich „Max“, einen ahnungslosen Taxifahrer, der sich seit zwölf Jahren mit seinen Hirngespinsten betreffs der eigenen Zukunft herumschlägt, ohne je wirklich mit deren Umsetzung anzufangen. Durch seinen halbweichen Keks geistern Zukunftsvisionen von einer Flotte Miet-Limousinen die er gerne von seiner eigenen Insel aus befehligen würde. Nur blöd das er Mami schon davon erzählt hat. Da trifft es sich gut, dass Mami momentan nicht aus dem Krankenhaus rauskommt. Er besucht sie jede Nacht, wenn er Taxi fährt.
Max gerät an Vincenz als er eine ziehmlich gutaussehende Staatsanwältin zu ihrer Kanzlei fährt. Sie steht ganz oben auf Vincenz „to do“ – List, ist aber nicht da wo sie sein sollte als Vincenz klingelt um sie wegzupusten. Die Staatsanwältin fährt die Rolltreppe rauf, während Vincenz selbige in der Gegenrichtung runterkommt. Das Leben kann einfach weitergehen – vorerst.
Max soll den - bis dahin noch guten weil undurchschaubaren Vincenz (im Zweifel für den Angeklagten) – zu verschiedenen Geschäftsterminen fahren. 700 Dollar sind geboten. Weil das eine ganze Menge Holz ist, und Max auf die Anzahlung für die erste S-Klasse seines geplanten Limo-Service spart, nimmt er an.
Dieses überschaubare Leben wandelt sich für Max, dem sich der Killer als Immobilienmakler vorstellt, schlagartig in einen Alptraum als das erste Opfer von Vincenz auf dem Dach seines Taxis aufschlägt. Max beginnt, sich die Sache zusammenzureimen, denn doof isser ja nicht – nur bisschen (sehr) langsam.
In der Folge ballert sich Tom alias Vincenz durch den Film und Jamie alias Max versucht wahlweise mal abzuhauen oder Vincenz den nächsten Kill zu verkorksen. Die restlichen Akteure dienen als Pausenfüller oder Kanonenfutter für Vincenz Automatik- High-End-Knarre, deren Schussleistung an alte russische Filme über den großen vaterländischen Krieg erinnert.
Einige werden es noch wissen – fünftausend Schuß von Moskau bis Berlin –
Nachladen ? Fehlanzeige.
Je nachdem welchen Job sie gerade haben, leben die meisten Nebenrollen in der spannend angelegten „Rent-a-Killer“-Geschichte unterschiedlich lange. Eins haben alle gemeinsam : Sie leben insgesamt zu kurz. Polizisten z.B. haben ein sehr kurzes Leben, ganze zwei kommen davon - ohne zu ahnen was ihnen entgeht. Banditen, die blöderweise Vincenz Tasche mit der „to do“-Liste aus Maxens Taxi stehlen wollen leben etwas länger, aber eben nicht lange genug um sich über ihren Fang zu freuen.
Der Film ist über weite Strecken spannend, weil es dem Regisseur gelingt die Story nicht ganz so vorhersehbar umzusetzen. Die Spannung lebt aber nicht nur zuletzt davon, dass die Akteure sich verhalten wie es im richtigen Leben keiner machen würde. Hollywood eben.
So arbeitet Vincenz stur sein Programm ab, während Max davor wie dabei nicht zu Potte kommt mit dem was er eigentlich machen sollte und auch will aber irgendwie immer nicht kann. Die Polizei tappt im Dunkeln und wenn es im Film lange nicht geknallt hat, schießt sie auch mal hinein - in das Dunkle....oder in einen vollbesetzten Nachtclub. Hollywood-Polizei eben. Gott steh uns bei... wenn das Schule macht.
Die gute Staatsanwältin taucht insgesamt nur zweimal im Film auf – am Anfang, als sie den Termin mit ihrem Killer vergeigt und am Schluß, als Vincenz noch mal ohne Termin reinschaut weil die „to do“-Liste noch nicht ganz abgearbeitet ist. Dabei stellt sie sich in der Disziplin „Survival“ , zusammen mit Max, dermaßen dusslig an, dass man sich unweigerlich fragt wie die beiden jemals über eine Strasse mit mehr als zwei Autos im Abstand von zwanzig Minuten gekommen sind .....ohne auf der „Intensiv“ zu landen.
Unklar bleibt auch warum ausgerechnet immer wieder die Frau den Döspaddel geben muss (wenn schon nur zwei Exemplare nennenswert in Erscheinung treten), Vincenz sie nicht sofort abknallt als er die Gelegenheit dazu hat, Polizisten immer alles treffen nur den nicht - den sie treffen sollten und wie jemand auf die Idee kommt, dass man mit Taxifahren die Anzahlung für eine Mercedes S-Klasse in unter zwanzig Jahren zusammenbekommt. Ebenfalls für immer, wird es dem aufmerksamen Betrachter völlig rätselhaft bleiben, warum Vincenz Max nicht umlegt als klar ist, dass er die geplante Nummer – nämlich Max das Feuerwerk am Schluss in die Schuhe zu schieben – vergessen kann. Statt dessen sucht er das Weite und findet es auch - eine Zeit lang. Wäre mir an seiner Stelle nicht unbedingt eingefallen, aber bitte....
Gute Dramaturgen sind eben schwer zu finden aber Kameramann und Schnittmeister haben ganze Arbeit geleistet. Die Musik ist kaum aufgefallen, sie könnte problemlos in jedem Lift laufen. Alles in allem hat Regisseur Mann die dünne Story aber relativ interessant verpackt.
Fazit:
Wer schon immer mal spannend unterhalten werden wollte (knapp aber immer noch unter zweihundert Toten) und Tom Cruise ganz gerne mal als brillianten, eiskalten Bösewicht erleben möchte, ist mit diesem Film gut beraten. Es empfiehlt sich jedoch vor Filmbeginn mindestens eine Gehirnhälfte zu deaktivieren, denn zuviel nachdenken sollte man/frau darüber nicht.
Na denn, Comments are welcome.
Greetz from Moneysafer
23.01.2005 21:08
Dein Bericht gefällt mir :-). Du hast einen herrlich ironischen Stil über Filme zu schreiben. Mein Favorit ist aber immernoch der Bericht zu "Wir waren Helden" ;-). Mfg
05.11.2004 17:01
Spitzenkommentar. Mehr fällt mir auch nicht mehr ein.
19.10.2004 01:50
Ich finde es bewundernswert wie du es schaffst deine eigene Meinung in die Story mit ein zu beziehen. Toll! SH. Liebe Grüße. Franky.