Collateral (2004)

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Collateral (2004)

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Killer gegen Taxifahrer

3  16.05.2005

Pro:
Tom Cruise und Jamie Foxx, die Optik, siehe Bericht

Kontra:
Ich wurde ziemlich enttäuscht, siehe Bericht

Empfehlenswert: Ja 

Realjackass

Über sich:

Mitglied seit:16.11.2003

Erfahrungsberichte:955

Vertrauende:219

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 168 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ende letzten Jahres lief ein Streifen in den Deutschen Filmlichtspielen, den ich mir unbedingt ansehen wollte. Dabei wurde dieses "unbedingt-sehen-wollen" weniger durch den Film selbst, sondern vielmehr durch die positive Kritik angeregt, die das Werk überall abstaubte. Angeblich handelt es sich bei Michael Mann´s "Collateral" um ein eindrucksvolles und spannendes Erlebniss, welches von keinem Filmfreund verpasst werden darf. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich mir den Film dann auch angesehen und wie letztendlich meine Meinung ausfällt, erfahrt ihr jetzt.


Story
--------------------
Die Stadt der Engel:
Der schwarze Max arbeitet seit 12 Jahren im Nachtdienst als Taxifahrer. Dies tut er allerdings nicht, weil er auf Teufel komm raus Geld braucht, sondern weil ihm sein Job außerordentlich viel Freude bereitet und dementsprechend gut ist er darin. Das bemerken auch seine Kunden, die gerne mal das ein oder andere Trinkgeld springen lassen. Neben der Taxifahrerei träumt der symphatische Max aber auch von einem Leben, oder zumindest eine Reise auf eine schöne Karibikinsel, das nötige Taschengeld dazu lässt sich laut Max wunderbar als Taxifahrer verdienen.
Eines Abends läuft eigentlich alles wie immer: Es steigt eine hübsche Anwältin Namens Annie zu Max ins Auto, der er durch seinen unvergleichlichen Charme sogar ihre Telefonnummer entlocken kann. Also alles in allem ein durchaus gelungener Start in den Abend, würde da nicht ein Neuer Gast in den Wagen steigen, der diese Nacht im weiteren Verlauf noch ziemlich aufregend machen wird. Der Name des ca 40 jährigen Mannes mit den auffallend grauen Haaren und dem galanten Style ist Vincent und er bittet Max, ob er ihn von einem Kunden zum Nächsten bringen könne. Zuerst lehnt Max zwar ab, da es eigentlich nicht erlaubt ist, als er jedoch den sehr großen Batzen Geld sieht, mit dem ihm Vincent vor der Nase rumwedelt, ist es um Max geschehen und er willigt ein.
Nach einer gewissen Zeit tut sich aber ein gewisses Problem in Form eines toten Mannes auf Max´ Autodach auf, ein Kunde von Vincent, der von eben gennantem getötet wurde (Zitat: "Ich habe den Kerl nicht umgebracht, ich habe lediglich auf ihn geschossen. Der Sturz aus dem Fenster hat ihn getötet".). Jetzt wird dem Taxifahrer klar, wen er sich da als Kunden angelacht hat: Einen eiskalten Profikiller, der von Moral ungefähr so viel Ahnung hat wie Michael Schuhmacher von Basketball. Klar, das ergibt gewisse Differenzen zwischen den beiden, denn wer will schon als Komplize eines Killers fungieren? Vincent jedoch lässt sich nicht zweimal bitten und unter Androhung von Waffengewalt gehorcht ihm Max fürs erste.
So zieht sich eine blutige Spur quer durch Los Angeles, die der Polizei natürlich nicht unbemerkt bleibt. Und als ob das nicht das einzige Problem wäre, muss Max auch noch bitter erfahren, wer Vincent´s nächster "Kunde" sein soll: Die Anwältin Annie, mit der er sich erst vor ein paar Stunden so gut verstanden hat. Aus diesem Grund versucht Max nun, Vincent von seinem Plan abzuhalten, woraus sich ein spannendes Katz & Maus Spiel entwickelt, welches nicht jeder der Beteiligten überleben soll...


Schauspieler
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Tom Cruise. Was fällt einem zu diesem Namen ein? Richtig: Ein dauergrinsender, zu klein geratener Playboy, der in "Mission: Impossible 2"

Bilder von Collateral (2004)
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Die Special Edition
unbedingt cool sein wollte, in "Interview mit einem Vampir" hingegen aber auf voller Linie überzeugte. Jetzt wird sich der geneigte Leser natürlich fragen, in welche dieser beiden Richtungen Cruise in diesem Film hier abdriftet? Nun, glücklicherweise kann ich euch mitteilen, dass es eher die "Interview mit einem Vampir" Richtung ist. Nein, der gute Tom hat zwar keine zu lang geratenen Beißerchen, aber dafür spielt er richtig, richtig gut. Und dass ich das Wort zwei Mal benutze, heißt schon was. Da wäre zum einen der Look Tom´s, der der Gemeinheit halber auch als "Alter-Männer-Style" bezeichnet werden könnte, aber Gott sei Dank stehen Cruise graue Haare, grauer Anzug und graue Augenbrauen, sowie ein Dreitagebart echt gut, so dass ich mir hier abwertende Sprüche sparen kann. Auch wenn es bestimmt noch andere Schauspieler gegeben hätte, die diese Rolle ähnlich glaubhaft gespielt hätten, so hat Regisseur Mann mit Tom Cruise sicherlich keine schlechte Wahl getroffen.

Als nächstes hätten wir da Jamie Foxx. Der Sicherheit wegen sollte ich vielleicht erwähnen, dass es sich hierbei nicht um eine Pornodarstellerin, sondern um einen überraschend gut spielenden Akteur handelt, der eigentlich optimal besetzt wurde. Die Art und Weise wie sich sein Charakter weiterentwickelt (zuerst der Typ, der Vincent gehorcht, später dann lässt er es sich dann aber immer weniger gefallen) mag für manche zwar etwas unglaubwürdig erscheinen, so auch für mich, aber was solls, dafür kann der Schauspieler selbst ja nichts. So würde ich hier -sogar ohne dumme Sprüche-behaupten, dass Foxx ein durch und durch symphatischer, sowie größtenteils glaubwürdiger Schauspieler ist, dem man gerne zuschaut.

Wen hätten wir da noch? Achja, richtig Will Smith´s Freundinn (oder Frau?) Jada Pinkett Smith als Anwältin Annie, die sich blöderweise mit den falschen Leuten angelegt hat und nun deshalb auf Vincent´s Abschußliste steht. (Zur Logik, dass Max diese Frau ein paar Stunden vorher noch kennengelernt hat, komme ich später noch, auch wenn mir jetzt schon die Finger vor Verlangen und Begierde glühen.) Als ich Frau Pinkett Smitt Smith das erste mal erblicken durfte, musste ich mich eigentlich fragen, was sie sich dabei gedacht hat in diesem Film mitzuwirken? Das soll nicht heißen, dass sie schlecht spielen würde - vielmehr dass sogar der Auspuff von Max´ Taxi mehr Präsenz hat als sie. Man sieht sie am Anfang des Films kurz und eben zum Showdown, länger aber auch nicht. Wie gesagt: nicht schlecht dargestellt, aber für mich fraghaft, wieso man diese Nebenrolle mit einem "Star" besetzen musste.

Weitere Darsteller:
Mark Ruffalo, Peter Berg, Bruce McGill, Irma P. Hall, Barry Shabaka Henley, Richard T. Jones, Klea Scott, Bodhi Elfman, Debi Mazar, Javier Bardem uvm..


Daten zum Film
-------------------------------
Originaltitel: Collateral
Alternativtitel: -
Land: USA (2004)
Regie: Michael Mann
Länge: 114:57 Min.
Freigabe: 16
Indiziert: Nein
@ Realjackass


Die Deutsche DVD
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Die Deutsche DVD wird vertrieben von dem durchaus bekannten Label Paramount und ist sogar in 2 Versionen vertreten: Einmal die ausreichend mit Bonusmaterial bestückte Special Edition, sowie die Single Disc Edition, wobei beide jeweils zum Verkauf und zum Verleih angeboten werden. Wie immer in solch einen Fall rate ich euch natürlich, die Special Edition zu kaufen.


Kritik
--------------------
"Michael Mann." "Michael Wer?" "Mann. Michael Mann." "Achsoo.. Der Typ der HEAT und ALI gemacht oder?" "Genau der." Was dürfen wir also von einem Kerl erwarten, der zwar einen saudummen Nachnamen hat, aber uns in der Vergangenheit schon mit Werken wie eben "Heat" beglückte, in dem sich De Niro und Pacino ein spannendes Duell lieferten? Ich persönlich erwartete viel, vielleicht zu viel. Nachdem ich nämlich im Voraus die unzähligen Lobhudeleien gelesen hatte, die den Streifen ohne Übertreiben zu wollen in Grund und Boden lobten habe ich schon angefangen zu sabbern, wenn ich das Wort "Collateral" nur hörte. Aber um jetzt mal die Katze aus dem sprichwörtlichen Sacke zu lassen: Beim letztendlichen Betrachten des ach so guten Films ist mir das sabbern gehörig vergangen. Und das liegt nicht daran, dass der Film abgrundtief schlecht ist, sondern schlicht und einfach daran, dass er nicht halten kann was er verspricht.

Nun habe ich einiges zu kritisieren und wie ihr euch vielleicht erinnert, glühen mir immer noch die Finger im Anbetracht der Tatsache, dass ich die Logik in dem Streifen zur Sau machen möchte, aber der Reihe nach. Es ist nämlich nicht nur Gold, was glänzt (oder so ähnlich.) Soll heißen, der Film bietet nicht nur Anlaß zum plötzlichen Hirntod, sondern weiß an manchen Stellen auch verdammt gut zu unterhalten, oder bietet Aspekte, die man in dieser Machart sicherlich nicht häufig sieht und genau darauf gehe ich nun zuerst ein.

Was mir persönlich ausgesprochen zuesagt hat war die einmalige Neon-Optik. Dieser unterkühlte Look, welcher überwiegend auf HD-Video gedreht wurde, fängt optimal die Atmosphäre ein, die eine Großstadt bei Nacht bietet und dürfte dem ein oder anderen Filmzuschauer durchaus den Atem rauben. Es sieht nämlich ohne Übertreibung genial aus, wenn ein Helikopter bei Nacht über L.A. fliegt, man als Zuschauer tausende kleine Lichter sieht, welche sich aus Autos und Häusern zusammensetzen und dabei richtig das Leben spürt, welches in den Straßen der Stadt pulsiert. Doch das ist noch längst nicht alles: Des öfteren spiegelt sich die Stadt in Max´ blankpoliertem Auto, alles wirkt zudem noch sehr realitätsnah. Dadurch und eben durch die Tatsache dass das nicht unbedingt einem Standard entspricht, hat man ein paar Mal das Gefühl, wirklich dabei zu sein.

Aber das war dann auch, abgesehen von den Schauspielern und der Musik, das wirklich beste am Film. Ich möchte jetzt nicht sagen dass es von nun an nur noch Berg ab geht, aber um einen Veriß werde ich nicht drum rum kommen. Was wäre mir da am Negativsten aufgefallen? (Jetzt kommts! Festhalten!) Die Logik!! Dies äußert sich vor allem in der von mir vorhin schon erwähnte Tatsache, dass Max erst eine Dame in der Gegend herumkutschiert, diese dann ins wilde Großstadtleben entlässt und später stellt sich dann heraus, dass genau diese Frau aus der Abschußliste des Killers steht! Die Erklärung, wieso sie sterben soll ist dafür aber um so schlüssiger: Wie ihr alle als konzentrierte Leser wisst, ist diese Frau, namentlich Annie, Anwältin und hat einen Fall gegen irgend einen mächtigen Typen am Laufen. Diesem passt das allerdings garnicht und so wird Vincent angangiert, der Annie und 4 andere, in den Fall verwickelte Zeugen ausschalten soll. Die Tatsache, dass Annie Anwältin oder was auch immer war, fand ich ja noch ganz OK und dagegen gibts auch keine Einwände. Auch, dass sie sterben muss halte ich für in Ordnung, schließlich lässt man sich als mächtiger Mensch, dessen Namen ich nicht kenne, nicht gerne ans Bein pinkeln. Aber VERDAMMTNOCHMA, dass eben diese Frau dann vorher noch bei Max im Auto saß und die beiden sowas wie eine kleine Beziehung begonnen haben, bin ich mit meinem logischen Denken nicht bereit, einzusehen. Nennt mich einen Ignoranten, aber wenn ein Regisseur keine andere Möglichkeit sieht, eine vernünftige Lovestory einzubauen, dann könnte ich mich schon aufregen.

Aber das war noch nicht alles. Was man dem Film auch noch vorwerfen könnte ist, dass er am Anfang recht lahm vor sich hindümpelt, die Charaktere und alles weitere vorstellt, nur um dem Zuschauer dann zum Schluß richtig eins auf die 12 zu geben was Action anbelangt. Klar, es gibt Filme denen wir das durchaus verzeihen (siehe auch Lucky McKee´s "May" aus dem Jahre 2002), aber hier wirkt der aprubte Tempowechsel einfach nur fehl am Platz. Während man nämlich in erwähnter erster Hälfte ein interessantes Geisel-Killer Drama sieht, wandelt sich gegen Ende hin alles zu einem Katz & Maus Actionspiel, in dem sich der sonst so nette und Menschenfreundliche Max in eine Art Racheengel verwandelt, der keine Probleme damit hat, auf Vincent zu schießen. (Entschuldigt mir bitte das doofe Wort Racheengel, in dem Fall wusste ich keins zutreffendereres). Eine Lösung für jenen Tempowechsel wäre vielleicht gewesen, den Film nicht ganz so lang werden zu lassen. Klar, 114 Minuten sind an und für sich kein Problem für Filmfans, die von dem vielen Filmesehen schon eine Hornhaut am Gesäß haben, aber hier ist das ganze doch irgendwie happig. Damit möchte ich nicht direkt sagen langweilig, nennen wir es lieber *hüstel* künstlich gestreckt.

An dieser Stelle wollte ich eigentlich zum Fazit kommen, aber da ist mir doch noch einmal etwas eingefallen, für das man Michael Mann entweder küssen oder eine schallende Ohrfeige geben könnte: Es gibt auch hier, wie es bei Mainstream-Actionfilmen so üblich ist, das ein oder andere Klischee. Ein durchaus positives ist, dass Vincent gegen andere Bad Guys antreten darf, um zu zeigen, wie Bad er selbst ist. Und was soll ich sagen? Ich sehe es immer gerne, wenn ein Bösewicht von anderen Bösewichtern (in diesem Fall ein paar verkommene Diebe) blöd angemacht wird. Es ist nämlich nicht zu leugnen, dass sich während des Films eine gewisse, wenn auch abstrakte Symphatie zwischen Vincent und dem Zuschauer entwickelt.


Fazit
-------------------
Zwar verschwitzt und außer Atem, dafür aber glücklich, glaube ich, dass man die Kritik durchaus so stehen lassen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Was "Collateral" nämlich letzten Endes ist, ist ein überschätzter Actionfilm, der sich nie so recht entscheiden kann ob er nun ein Opfer-Täter Drama sein will oder eben ein Actionreißer, der unbedingt eine Geschichte erzählen will. Da kann auch die absolut geniale Optik nichts mehr retten und auch die stets passende Musik reißt nichts mehr heraus. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt nicht schlecht, könnten aber eigentlich auch durch andere Hollywoodgrößen ersetzt werden, die ihr Handwerk genauso gut verstehen. Das wäre zwar etwas schade, da man so nicht die Möglichkeit hätte Tom Cruise als ergrauten und bööösen Killer zu sehen, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Fakt ist, dass ich von "Collateral" hinsichtlich der sehr guten Kritiken enttäuscht wurde, ihn aber dennoch mit 3 Punkten empfehlen kann.

Mfg
Realjackass
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
lushlife83

lushlife83

09.06.2005 19:39

Der hat mich irgendwie ueberfordert ... ich mein, Zufaelle gibts ja ... aber ich vermisse irgendwie den Oberboesewicht, den Auftraggeber, fuer den der Vincent eigentlich arbeitet ... Daher erscheint mir das ganze Rumgekille als ziemlich sinnlos und unlogisch ... *ggg* mein erster Film in den Staaten uebrigens und ich hatte die Freude bereits im August '04 ... Liebe Gruesse aus DC, Steffi

Dr_Labude

Dr_Labude

07.06.2005 20:26

Boykott! Das ist mir für eine Filmkritik einfach zu lang. Da ich öfters gescrollt habe, enthalte ich mich auch einer Bewertung.

Fanta_L

Fanta_L

27.05.2005 23:40

wow, du hast perfekt strukturiert und voll ausführlich geschrieben. mag deinen schreibstil sehr. hab an den film gedacht und kann dir bei vielem zustimmen. alles wird so gedreht, dass die "logik" passt...und eine gewisse sympathie war auch gegeben: vincent war doch so ein lustiger kerl... ;-) lg, sarah

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