Comdirect Private Finance

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Äußerste Vorsicht walten lassen

1  23.05.2009

Pro:
Es gibt Kaffee, zentrale Fillialien

Kontra:
Einiges verschwiegen, scheint rein Provisiongetrieben

Empfehlenswert: Nein 

HannesE

Über sich:

Mitglied seit:18.11.2001

Erfahrungsberichte:9

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hier mein "Erfahrungsbericht" zur Comdirect private finance, kurz cpf. Ich schreibe über das was mir passiert ist. Es kann sein das ich ein Einzelfall bin und andere Personen gute Erfahrungen mit den Diensten der cpf gemacht haben. Ich beurteile das was mir Widerfahren ist.


Die cpf bietet Dienste rund um Vermögensberatung an. Sie unterhält Büros in vielen deutschen Städten. Ihre Website findet sich hier:
http://www.comdirect.de/pbl/cms/cms/direct/cori4115_uebers_beratung.html oder über google nach "comdirect private finance" suchen.


Unsere Geschäftsbeziehung hat im April 2007 angefangen. Ich hatte einige Fragen zum Girokonto bei der comdirect und stieß beim surfen auf Werbung für diesen Zweig der comdirect Bank welcher persönliche Beratung anbietet. Nachdem ich ein Formular ausgefüllt hatte wurde ich recht bald von einer freundlichen Dame zurückgerufen die mir einen Termin mit einem "Berater" der cpf gegeben hat.


Die Geschäftsräume liegen in einem schönen Bereich in der Innenstadt und sind sehr gepflegt. Im Empfangsbereich steht ein Fernseher der "n-tv" sendet. Hierzu steht auf Finanzparasiten.de etwas witziges:
"Man nimmt Ihnen den Mantel ab und geleitet Sie ins Wartezimmer, wo ununterbrochen Businessinformationen von „N-TV“ über einen TV-Monitor flimmern. Ausliegende Wirtschaftsmagazine suggerieren Ihnen ebenfalls tagesaktuelle Kompetenz." [Quelle: http://www.finanzparasiten.de/html/vermoegensanlage/02_mp-berater.html]


Mein "Berater" Herr S. geleitete mich in einen kleinen Konferenzraum. Wir hatten etwas small talk und dann begann unser "Beratungsgespräch". Er erkundigte sich über meine Erwartungen und erklärte mir was die cpf "für gewöhnlich macht". Ich sei nämlich kein gewöhnlicher Kunde da ich noch in der Ausbildung bin. Man sei aber an längerfristigen Beziehungen interessiert und würde mich deshalb trotzdem "beraten". Nachdem meine Fragen zum Giro-/Tagesgeldkonto beantwortet waren ging Herr S. zum eigentlichen Verkaufsgespräch über. Mittels eines Gesprächsleitfadens "analysierte" er meine persönliche Situation. Er hatte perfekte, genau auf meine Situation passende Vorschläge bezüglich Renten und Unfallversicherungen. Er erklärte mir alle Dinge so, dass sie mir einleuchtend erschienen. Ich hatte mich schon vorher mit Renten auseinandergesetzt und hielt er für sehr kompliziert. Doch diese Erklärungen waren so bestechend einfach das ich wirklich begeistert war.


Mein persönliches Konzept sah einen Rentenplan in drei Ebenen vor:
- 1. Schicht: Basisrente "Rürup" und gesetzl. Rentenversicherung
- 2. Schicht: Förderrente "Riester", betrl. Altersvorsorge
- 3. Schicht: privater Vermögensaufbau


Dieses Konzept erhielt ich auch ein einer schriftlichen Zusammenfassung die allerdings wie lieblos zusammengewürfelte Standardblöcke wirkt.


Ich schloss drei Rentenverträge ab.


Nun geschah eine Weile nichts.


Im ersten Quartal 2008 haben wir Nachwuchs bekommen. Wir wollten einen Sparplan aufstellen damit die Kleine zu Ihrem 18. Geburtstag Geld für ein Auto oder so hat.
Mir wurde ein Renten-(spar)-vertrag für sie empfohlen. Dieser sieht vor, dass man zur Volljährigkeit des Kindes einen Betrag entnehmen kann und den Vertrag als Rentenvertrag weiterlaufen lassen oder einfach komplett auflösen kann. Dazu gibt es eine Versicherung die Beiträge weiterzahlt falls die Versorger sterben. Außerdem erhält man einen Bonus für besondere schulische Leistungen des Kindes.
Mein "Berater" hat außerdem damit geworben, dass dieser Vertrag ja die steuerlichen Vorteile von heute hat. Tatsächlich gibt es aber keine steuerlichen Vorteile. Die Beiträge sind nicht steuerlich absetzbar und die die Ausschüttungen müssen versteuert werden.
Die enthaltene Versicherung ist totaler Blödsinn für uns, da wir nicht zu einer Risikoklasse gehören und mehr als genug Verwandte haben die sich um unsere Tochter kümmern würden.
Das heißt die hohen Kosten (welche mir verschwiegen wurden!) die für die Verwaltung und Provision anfallen sind raus geworfenes Geld.
Zum Glück ist mir dies relativ zeitnah bewusst geworden. Ich habe nun angefangen mich mit diesen Dingen näher auseinanderzusetzen. Dabei sind mir auch viele Dinge an meinen Rentenverträgen aufgefallen - dazu später mehr.


Als ich einige Punkte hatte die ich klären wollte schickte ich meinem "Berater" eine e-mail. Diese kam als unzustellbar zurück. Auf telefonische Nachfrage habe ich dann erfahren, dass Herr S. nicht mehr für die cpf tätig ist. Wäre toll gewesen mich mal vorher zu informieren! Nun, es sollte sich zeitnah sein Nachfolger bei mir melden. Eigentlich hätte ich erwartet, dass dies spätestens am nächsten Tag passiert, da ich schon deutlich gemacht hatte das ich es nicht sehr schön finde durch eine unzustellbare e-mail zu erfahren das mein "Berater" nicht mehr im Unternehmen ist. Etwas mehr als eine Woche später hat sich dann der neue "Berater" gemeldet.


Die Art dieses ganzen Ablaufs hat mich sehr, sehr stutzig gemacht. Herr S. schien das Unternehmen im Streit verlassen zu haben. Nun bin ich noch tiefer in in alles eingestiegen. Was soll ich sagen. Das so genannte "Kleingedruckte" in solchen Verträgen zu verstehen ist fast unmöglich. Als ich die wichtigsten Punkte zusammen getragen hatte habe ich mich mit meinem neuen "Berater" Herrn G. getroffen. Er ist ein recht freundlicher Mensch und hat sich meine Punkte fleißig notiert. Bis heute habe ich übrigens keine Rückmeldung bezüglich meiner Fragen die er als gut bezahlter Vermittler klären sollte.


Nochmal deutlich was aus meiner Sicher komplett falsch gelaufen ist:
- Ich wurde nie über die immens hohen Verwaltungskosten aufgeklärt. Dies bedeutet, dass die Beiträge der ersten 3-5 Jahre fast ausschließlich in die Provision an den Vermittler fließen.
- Drei Rentenverträge zu haben ist eigentlich wirtschaftlich totaler Unsinn.
- Die abgeschlossenen Verträge passen teilweise überhaupt nicht in meine Situation.
- Unterm Strich fühle ich mich komplett verarscht.


Nach unserem letzten Treffen habe ich mich entschieden den Vertrag für unsere Tochter (zum Glück so rechtzeitig das kaum finanzieller Schaden entstanden ist) und meinen Rürup Renten Vertrag zu kündigen. Bei letzterem ist mir leider schon eine schöne Summe Geld verloren gegangen. Ich denke aber, dass dies immer noch rentabler ist als ihn weiter zu führen. Er ist sehr teuer und der Vorteil, dass ich die Beiträge steuerlich absetzen kann ist als Angestellter lächerlich. Er bietet keine Flexibilität, da erst zu Rentenbeginn ausgezahlt werden darf (gesetzlich festgelegt). Läge ich das Geld zudem in einem anderen Vertrag an ist der Zinseszins Effekt viel größer. Das ist meine Meinung dazu, die cpf sieht das natürlich anders. Vielleicht ist es auch tatsächlich falsch, aber so kann ich wenigstens mit einem besseren Gefühl schlafen.
Bisher habe ich übrigens auch keine sinnvolle Begründung erhalten warum ein Rürup Vertrag für mich Sinn macht. Lediglich Begründungen wie "Renten machen immer Sinn" wurden bisher angeführt.


Warum habe ich überhaupt unterschrieben?
Zuzugeben dass es dumm war und überhaupt auch davon öffentlich zu berichten fällt wirklich schwer. Leider habe ich mich von der rhetorischen Überlegenheit des Herrn S. blenden lassen. Das Gefühl so richtig geniale Anlagen für meine Renten abzuschliessen überlagerte die nötige Skepsis. Natürlich war mir bewusst dass die cpf durch Provisionen von Vermittlungen ihr Geld verdient. Das diese Provisionen aber fast die kompletten Beiträge der ersten 3-5 Jahre vertilgen wurde mir verschwiegen. Bei einem Vertrag wurde mir von Herrn S. versprochen, dass ich die Verwaltungsgebühren zurück erhalte sobald diese Phase abgelaufen ist - eine Lüge. Die schriftliche Erklärung sollte er mir bei unserem nächsten Treffen, zu dem es aus oben genannten Gründen nicht kam, geben.


Meine Empfehlung lautet:
Nur von jemandem beraten lassen dem man ganz sicher vertrauen kann. Ob man Beratern die keine Provision nehmen sondern pro Beratungsstunde bezahlt werden vertrauen kann weiß ich nicht. Auf jeden Fall scheint dies ein sinnvolleres Konzept zu sein. Es gibt etliche Webseiten die solche Berater vermitteln.
Ansonsten selber so Sachkundig wie möglich machen. Dann bei einem Direktversicherer abschliessen weil es viel günstiger ist und dann muss man seinen Vertrag natürlich bis zum Ende durchhalten auch wenn es zwischendrin mal schlecht aussieht. Für Angestellte ist glaube ich ein stinknormaler Riester Vertrag ne sichere Sache. Und ansonsten einfach das Geld auf ein fest verzinstes Konto tun, so kommt man auch dran wenn man es mal braucht und ist von Wirtschaftskrisen nicht betroffen so wie all die Leute die ihr Geld in Fondsprodukten verloren haben.


So, ich hoffe damit allen die sich über die cpf informieren wollen etwas weiter geholfen zu haben.
Wie gesagt, ich _hoffe_ für die cpf, dass meine Erfahrungen eine Ausnahme sind. Wäre interessant mal -echte- Berichte von anderen Kunden zu lesen. Bisher gibt es ja leider keine hier auf ciao und auch ansonsten findet man keine solchen Informationen im Internet.


Ansonsten ist dies mein Stand bis heute, 23. Mai 2009. Sollten sich noch Änderungen ergeben so werde ich meinen Bericht entsprechend aktualisieren.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Skybob

Skybob

19.11.2009 19:03

auch ich habe mit cpf Erfahrungen gemacht ... mein Eindruck war auch, dass es vorrangig um Provisionen geht (so soll ich z.B. einen Sparplan über cpf abschließen, obwohl ich das bequem online machen kann) und letztlich war die Dame nicht mal in der Lage die Formulare richtig auszufüllen ... das mache ich nun lieber selbst.na wenigstens wurde ich nicht mit Versicherungszeugs belästigt, da ich genau wusste was ich wollte ... GLG Sven

trenker26

trenker26

02.06.2009 01:17

sehr wichtige infos

Ulman

Ulman

25.05.2009 02:14

"sehr hilfreich" auch wenn ich Deine letzen Zeilen nicht unterschreiben würde. Fondslösungen sind nicht immer schlecht. ;-) Gruß Ulman

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