Commodore Business Machines

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eine gute Idee nach der anderen...?

3  17.09.2006

Pro:
Commodore schrieb in seinen über 40 Jahren durch einige legendäre Rechner ein großes Stück Computergeschichte .  War vor allem in den 80er Jahren nicht aus der Computerwelt wegzudenken

Kontra:
es gab ab Mitte der 80er zuviele Fehlentscheidungen und verlustträchtige Flop - Modelle .  Das jahrelange Missmanagement und falsche Marketing ruinierte Commodore am Ende vollständig

Empfehlenswert: Ja 

Terminator-II

Über sich: still out of order ▪ (o:-♥ dich Schnuffel!

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Es ist noch gar nicht mal so lange her, als Anfang der achtziger Jahre auch bei uns die Ära der Homecomputer anbrach. Viele wußten damals noch nicht einmal, was es mit solchen elektronischen Geräten eigentlich genau auf sich hatte. Doch diese faszinierende Technologie bot seinerzeit dermaßen viele neue Möglichkeiten, daß ein regelrechtes Computer-Fieber ausbrach - und der Homecomputer Einzug in die deutschen Wohnzimmer hielt! Ein Name hat sich dabei ganz besonders profiliert und in unsere Erinnerung eingeprägt - der Name 'Commodore'. Viele, die in dieser tollen, neuen Epoche aufwuchsen und sich dort zum ersten mal mit einem Computer befassten, taten das wohl mit einem Commodore. Doch ich denke, auch diejenigen unter euch, die seinerzeit einen Rechner der Konkurrenz besaßen, werden bei diesem einen Begriff ähnlich rasch in irgendwelchen nostalgischen Erinnerungen an diese einmalige Zeit schwelgen! :o)

Als es 1994 plötzlich hieß, "es ist aus mit Commodore"... ehrlich, das war ganz und gar unmöglich, ich konnte es einfach nicht glauben, was ich da laß. Den Weltkonzern, den Computer-Giganten, der jahrzehntelang Computergeschichte schrieb und von dessen Rechnern ich so überzeugt war, sollte es mit einem mal nicht mehr geben? Für mich war diese Tatsache damals fast schon ein Schock - und bis heute habe ich weder das Commodore-Ende so richtig verdaut, noch hat mich dieses Thema jemals losgelassen. Dieser eine Moment, in dem ich zum ersten mal vor einem Computer saß, bleibt für immer unvergessen... ich war unglaublich fasziniert und begeistert davon, er brachte mich zum Bauklötze-staunen und auch meiner kreativen Ader war damals nichts förderlicher - tja, und dieser Computer war ein Commodore 64. Es hört sich jetzt wahrscheinlich sentimental an, aber durch diesen Rechner und seine Nachfolger wurde Commodore für mich im Laufe der Jahre einfach zu einer Art Wegbegleiter, dessen Technologie mich begeisterte, von dem ich absolut überzeugt war und dem ihm selbstverständlich treu blieb - doch von einem Moment auf den anderen war er einfach nicht mehr da.

Ja, so hat sich das damals bei mir angefühlt, denke ich. Doch so felsenfest ich zu der Zeit auch von Commodore überzeugt war - heute stehe ich diesem Namen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Wo Licht ist, ist auch Schatten, und wenn mir heute eine Sache klar ist, dann die, das es hinter dem glanzvollen Namen und der Fassade von Commodore v i e l Schatten gab. Ich weiß momentan noch nicht, wie dieser Bericht am Ende aussieht, doch er dürfte lang werden - schließlich möchte ich hier über vierzig Jahre Commodore unterbringen und dabei auch noch hinter die Kulissen dieses einstigen Weltkonzerns blicken! Sicher hat sich der eine oder andere damalige Fan schon einmal gefragt, w a r u m es mit Commodore überhaupt zu Ende ging. Nun, ich hoffe, daß die Hintergründe dazu nach meinem Bericht ein wenig klarer sind, auch wenn am Ende wohl längst nicht alle Fragen beantwortet sein dürften! Nun aber viel Spaß bei der Zeitreise zurück zu den Anfängen von Commodore und seinen über vierzig Jahren Firmengeschichte, über die ich hier schon lange einmal schreiben wollte! :o)

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■ COMMODORE HISTORY - DIE FRÜHEN JAHRE (1953 - 1980)

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▪ 1 9 5 3 - wie alles begann

Der Gründer von Commodore war Jack Tramiel (*1929). Der gebürtige Pole, der eigentlich Idek Tramielski heißt, überlebt Ausschwitz und emigriert 1947 in die USA. Im Frühjahr 1948 verpflichtet sich Tramiel bei der US-Army, wo er aber anstatt mit Waffen eher mit Öl und Schraubenziehern kämpft, um defekte Schreibmaschinen wieder auf Vordermann zu bringen! Nach seiner Zeit in der Army eröffnet Tramiel 1953 sein erstes Geschäft in der Bronx: 'Commodore Portable Typewriter', wo er zunächst weiterhin Schreibmaschinen repariert. 1955 kann er einen alteingesessenen Hersteller von mechanischen Schreibmaschinen übernehmen, und so wird der Firmen-Grundstein endgültig gelegt. Tramiel gründet 1958 in Toronto, Kanada, die 'Commodore Business Machines International' (CBM). Erstmals eng wird es, als in den späten fünfziger Jahren billigere japanische Schreibmaschinen auf den Markt schwappen. Um nicht unterzugehen, sattelt Tramiel schnell und erfolgreich auf mechanische Rechenmaschinen um. Der Expansionskurs hält an, als er auch noch die Möbelfirma übernimmt, deren Produkte er bislang verkaufte. Und so wird Commodore Anfang der sechziger Jahre neben den mechanischen Rechenmaschinen der größte Hersteller von Büromöbeln in Kanada.

▪ 1 9 6 2 - der Börsengang

1962 ist Commodore bereits so erfolgreich, das Tramiel sein Unternehmen an die Börse bringt. Unter dem Namen 'Commodore Business Machines' firmiert Jack Tramiel als Präsident, Chairman (das ist in etwa der Vorsitzende des Aufsichtsrates) wird der Präsident einer mittleren, kanadischen Privatbank - C. Powell Morgan. 1965 wird Morgan von einer Kommission jedoch wegen "raffgieriger und prinzipienloser Finanzmanipulationen" öffentlich angeklagt und verurteilt. Diese Kommission begutachtet daraufhin auch das Verhältnis zwischen Morgan und Tramiel, doch letzten Endes kann man Tramiel hier nichts nachweisen. Die öffentlichen Diskussionen um diese Affäre schaden Commodores Ruf jedoch ganz erheblich. Als die Umsätze zurückgehen und das Geld knapp wird, scheint Commodores erster Konkurs sehr nahe. Abgewendet wird er durch den Investor Irving Gould, der für 400.000 Dollar 17% der Commodore-Aktien aufkauft und gleichzeitig Tramiels neuer Chairman wird.

▪ 1 9 6 9 - die Elekronik hält Einzug

Ende der sechziger wird Tramiel bewußt, daß sich die Ära der mechanischen Rechenmaschinen ihrem Ende zuneigt. Und so gelingt ihm 1969 erneut ein genialer Coup: der erste elektronische Commodore-Taschenrechner erscheint - doch er wird gar nicht von Commodore selbst gefertigt, Tramiel lässt nur das Commodore-Logo aufkleben! Der Rechner basiert auf einem Bowmar LED-Display, einem Texas Instrument-Chip und beherrscht nur die vier Grundrechenarten. Dennoch ist er zu dieser Zeit konkurrenzlos und wird Commodore zu einem Preis von 100 Dollar regelrecht aus den Händen gerissen. Der Firma geht es zu dieser Zeit finanziell hervorragend, doch schon einige Jahre später wendet sich das Blatt erneut - Texas Instruments (TI) will mehr, als nur die ICs für den Commodore-Rechner zu liefern. Und so bringt TI 1975 eine eigene Rechnerserie auf den Markt, die nur halb so teuer wie die CBM-Rechner sind. Ein IC kostet TI in der Herstellung 12 Dollar, Tramiel bezahlt dagegen für dasselbe Bauteil 45 Dollar - und seine Lager sind voll damit. Der Markt verlangt kurz darauf aber viel höhere Stückzahlen, und als der Preis des ICs daraufhin auf einen Dollar fällt, ist das eine finanzielle Katastrophe für Tramiel - Commodore schreibt in diesem Jahr 5 Millionen Dollar Verlust. Zu dieser Zeit sagt er, "er habe seine Lektion gelernt und wird nie wieder von jemandem abhängig sein".

▪ 1 9 7 6 - MOS Technologies

Erneut erweist sich Irving Gould als Firmenretter, indem er 3 Millionen Dollar Kapital auftreibt. Mit diesem Geld kauft Tramiel 1976 für 800.000 Dollar die Chipschmiede MOS Technologies auf. MOS ist zu der Zeit selbst finanziell angeschlagen, dennoch war der Kauf ein Glücksgriff für Commodore. Firmen wie IBM registrieren zwar die Erfindung des Microprozessors, bauen aber ihre schrankgroßen Systeme weiterhin aus zig-tausenden von Transistoren und ICs. Einmal mehr denkt Tramiel hier einen Schritt voraus. Er verlegt den Commodore-Firmensitz in das Steuerparadies Bahamas. Bei MOS Technologies entwickelt zu der Zeit ein bis dato noch unbekannter Ingenieur, Chuck Peddle, die Motorola-CPU 6800 weiter und nennt seine Variante 'MOS 6502'. Dieser Prozessor wird die legendäre Basis vieler folgender Commodore-Rechner und kostet im Verkauf nur den Bruchteil eines Intel 8080. So wird er schnell von anderen Entwickern als Herz ihrer Computer-Basteleien eingesetzt, unter anderem auch von einem gewissen Steve Wozniak in seinem 'Apple'! Eines Tages spricht Peddle Tramiel einfach auf dem Flur an: "Vergessen Sie die Taschenrechner - wie wäre es mit einem Desktop-Computer?" - "Bauen Sie einen", antwortete Tramiel. Und so wird Peddle zum damaligen Chef-Entwickler bei Commodore.

▪ 1 9 7 7 - der PET

Auf der Chicago CES 1977 wird dann die erste 8 kB-Version des 'Personal Electronic Transactors' (PET) präsentiert. Besucher und Presse sind begeistert. Ein Computer mit Tastatur und Daten-Recorder, Betriebssystem und Basic im ROM, und das für 800 Dollar - eine kleine Sensation! Das Messe-Gerät war nur ein unfertiger Prototyp, und Peddle brauchte drei schlaflose Tage, um das Ding rechtzeitig zum laufen zu bekommen! Doch der PET hält während der Messe durch, und so wird er zum endgültigen Durchbruch für Commodore. Innerhalb weniger Monate gehen bis zu 50 Händleranfragen pro Tag ein. Diese enorme Nachfrage ermöglicht es Tramiel, sich die Händler auszusuchen - nicht jeder durfte ihn verkaufen. Als die Auftragszahlen später in die Tausende gehen, verkauft Commodore nur noch direkt an große Handelsketten, die gleich Dutzende von Rechnern auf einmal ordern. Der PET kommt auch in Europa in Schulen oder bei Geschäftsleuten gut an - durch ihn wird Commodore zur Weltmarke. Aus technischer Sicht allerdings werden die ersten PETs noch vor ihrer Marktreife verkauft. Das Betriebsystem enthält zum Teil gravierende Fehler, und die teuere Floppy speichert zwar Programme, doch die Laderoutine stürzt regelmäßig ab. Auf Anfrage verkauft (!) man den Kunden fehlerbereinigte ROMs für teures Geld. Solche, ihren Kunden gegenüber äußerst unkulanten Praktiken, wurden für Commodore später leider mit zum Markenzeichen.

▪ 1 9 7 9 - die CBM Business-Linie

Nach dem relativ großen Erfolg des PET werden schnell neue Modelle entwickelt. Technisch bauen diese zunächst nur auf den PET auf, und sie erhalten mehr Speicher, einen größeren

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Commodores Anfänge
Bildschirm mit 80 Zeichen-Auflösung oder eine vollwertige, schreibmaschinen-ähnliche Tastatur. Dennoch erhält die jetzt schlicht 'CBM' benannte Serie auch neue Features, die beim PET noch nicht denkbar oder technisch machbar gewesen wären, wie z.B. kleinere und leichtere Laufwerke (die des PET waren 22 kg schwere Monster) mit höherer Speicherkapazität. Ab 1979 kommen diese Geräte auf den Markt. Die Verkaufspreise liegen zwar erheblich über dem des PET, peilen aber auch klar den Profibereich an - als Homecomputer waren diese Rechner nicht gedacht. Die neue CBM 3000- und 4000-Baureihe verzeichnet zunächst mäßige, die spätere Einführung der CBM 8000-Serie dann große Erfolge. Diese letzte Serie war so beliebt, das sie noch bis zur zweiten Hälfte der achtziger Jahre weiter produziert wird. Erstmals werden für die CBM-Serie auch Drucker eingeführt, die das Commodore-Label tragen. Diese werden allerdings von Epson oder Seikosha hergestellt. Zwischen 1981 und 1984 wächst der Umsatz auf das siebenfache an - auf 1 Milliarde Dollar. Bis 1984 ist Commodore zum größten Hersteller in der EDV-Branche angewachsen, und der Marktanteil liegt zeitweilig bei über 60%.

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■ DIE HOMECOMPUTER-ÄRA (1980 - 1984)

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▪ 1 9 8 0 - Firmen-Split und VC20

1980 entschließt sich Tramiel dazu, die Entwicklungsabteilung aufzuspalten. Die professionelle Linie wird nach Braunschweig, Deutschland verlegt, da hier auch ein Großteil der Business-Rechner abgesetzt wird. In den Staaten sollen dagegen Homecomputer entwickelt werden. Diese radikale Trennung der Entwicklungsabteilungen spornt zwar beide Teams an, sorgt aber intern auch für Rivalitäten. 1980 wird von den US-Entwicklern der VIC (Video Interface Chip) fertiggestellt, einer der ersten farbfähigen Video-Chips. Einen Abnehmer dafür findet Commodore aber nicht. Da zur selben Zeit auch noch Unmengen von 1 KByte RAM-Chips eingelagert sind, ordnet Tramiel an, aus diesen Bauteilen einen Homecomputer zu entwickeln, der unter 300 Dollar kosten soll. Zunächst sollte dieser 'Vixen' (Füchsin) heißen, was aber für den deutschen Markt ein unmöglicher Name war! :o) 1981 wird schließlich der 'VIC20' präsentiert. Auch dieser Name wirkt im deutschen recht zweideutig, so daß ihn Commodore bei uns als 'VC20' einführt. Mit gerade einmal 5 kB Speicher, 22x23 Zeichen, 16 Farben und MOS 6502-Prozessor mit 1.02 MHz ist die Hardware-Ausstattung des Rechners eher mager. Immerhin ist er aber der erste Commodore-Computer, der Farben darstellen und Töne erzeugen kann. Und da dieses Paket zu einem Preis von rund 1000.- DM angeboten wird, geht er quasi wie von selbst über die Ladentische. So ist der VC20 im Jahre 1982 der meistverkaufte Homecomputer. Bis 1985 werden weltweit rund 500.000 Rechner verkauft, und durch diese kann Commodore sehr viele neue Anwender für sich gewinnen.

▪ 1 9 8 1 - die deutsche CBM 8000- und CBM II-Serie

In Braunschweig baut man zunächst nur importierte CBM 4000-Platinen in Gehäuse ein, was dann groß als 'made in Germany' vermarktet wird. Schon bald darauf entwickelt man dort aber die CBM 8000-Serie, die u.a. den CBM 8032 und später auch den 8032SK enthält, den ersten CBM in einem modernen und ergonomischen Gehäuse. Kurz darauf wird auch die CBM II-Serie vorgestellt, die als PET- und CBM-Nachfolger gedacht ist. Sie besteht zunächst aus den CBM 510- und 610-Rechnern im Tastaturgehäuse, später erscheint dann auch der CBM 710 mit abgesetzter Tastatur. Diese Serie erhält zum Teil sehr innovative Features wie den Speicherausbau bis 960 kB via Bankswitching oder einen Erweiterungsschacht für einenzweiten Z80 / Intel 8080-Prozessor, welcher dann auch CP/M ermöglicht. Doch ein großes Manko war, daß die neuen Rechner nicht abwärtskompatibel zur beliebten CBM 8000-Baureihe waren - deren Software lief zumeist nicht auf den "neuen". Der CBM 710 ist für 1982 angekündigt, erscheint aber erst 1984, wo ihn die Fachpresse als überteuert und inkompatibel in der Luft zerreißt. Dagegen werden die kleineren 510er und 610er zu diesem Zeitpunkt vom Erfolg des Commodore 64 überrollt und später für kleines Geld verramscht. Commodore-typisch: die CBM II enthalten zunächst nur englische Handbücher, die deutschen "durfte" man später nachkaufen. Programmierer können ihre Software nicht anpassen, da Commodore die Entwickler-Dokumentationen nicht herausgibt. Es kam, was kommen mußte: die gesamte, technisch eigentlich sehr gute CBM II-Serie bleibt erfolglos und stellt Commodores ersten größeren Fehlschlag dar.

▪ 1 9 8 2 - der Commodore 64

Der VC20 erreicht immerhin einen Marktanteil von rund 25% - doch Tramiel wollte mehr. 1982 verstärkt er die amerikanische Entwicklungsabteilung und verlangt einen Homecomputer auf Basis des VC20, aber mit verbesserten grafischen und soundtechnischen Fähigkeiten. Außerdem sollte er 64 kB Speicher bieten - eine solche Speichergröße gilt damals bei einem Homecomputer als nicht realisierbar. Alle relevanten Chips werden jedoch kostengünstig von MOS gefertigt, was vor allem auch gegenüber der späteren Konkurrenz ein großer Vorteil war. Und so kann sich das Entwickler-Team mal so richtig austoben! Im September 1982 wird der Commodore 64 präsentiert, und er schlägt ein wie eine Bombe. Das, was dieser Rechner für 1400.- DM grafisch und soundtechnisch zu bieten hatte, war einfach nur sensationell. Zwar gibt es in der ersten Zeit massivste Qualitätsprobleme (in der ersten Woche gibt rund ein Viertel aller Geräte ihren Geist auf), doch Commodore zeigt sich hier untypischerweise völlig kulant. 1984 sind bereits 4 Millionen Rechner verkauft, und jeden Monat gehen rund 300.000 weitere über die Ladentheke! Die später aufkommende Konkurrenz seitens Texas Instruments oder Atari wird in einem knallharten Preiskampf an den Rande des Ruins gebracht - Commodore kann sich das dank seiner Tochter MOS erlauben! Und so wird das Kürzel 'C64' innerhalb kürzester Zeit zum Inbegriff für 'Homecomputer'. Der Commodore 64 wird, wohlgemerkt technisch weitestgehend unverändert, noch bis in die frühen neunziger Jahre weiterproduziert und verkauft sich bis dahin weltweit rund 22 Millionen mal. Das verhalf ihm zu einem Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Dieser Rekord ist bis heute ungebrochen und wird das wohl auch für alle Zeiten bleiben!

▪ 1 9 8 4 - Tramiel muß gehen

Jack Tramiel war für seine knallharten Geschäftspraktiken bekannt. Im Prinzip trifft er alle wichtigen Entscheidungen alleine - und dem, dem das nicht paßt, wird gefeuert. Commodore ist zwar eine Aktiengesellschaft, doch Tramiel führt sie wie ein Familienunternehmen. Erst, als er 1983 seine Söhne in der Vorstandsetage unterbringen will, regt sich Widerstand im Aufsichtsrat - im Januar 1984 verliert Tramiel seinen Posten als Präsident. Doch er handelt sofort, indem er seine Commodore-Aktien verkauft und nur sechs Monate später Atari aufkauft - dieselbe Firma, die er durch seinen C64-Preiskampf kurz zuvor an den Rande des Ruins trieb! Schnell räumt er dort mit seinen rigurosen Methoden auf und entwirft später zusammen mit dem C64-"Vater" Shivji Shivaz und einigen weiteren Ex-Commodore-Entwicklern die völlig neue 16 Bit-Linie Atari ST. Mit ihm sollte Tramiel zum schärfsten Konkurrenten seiner eigenen Ex-Firma Commodore werden. Doch Tramiel war nicht nur ein knallharter, sondern auch ein begnadeter Geschäftsmann, der Commodore von einem Erfolg zum nächsten führte. Sein Nachfolger Irving Gould will dagegen nur Geld verdienen, wie, das interessiert ihn nicht. Und so ist es auch kein Wunder, daß Commodore nach Tramiels Abgang mehr und mehr ins Schlingern gerät - bis 1985 muß fast die Hälfte der Angestellten ihren Hut nehmen. Das Geschäftsjahr 1985 schließt man mit 237 Millionen Dollar Verlust ab - Banken und Investoren werden unruhig. Nur das Weihnachtsgeschäft, welches überraschend zum Quartal mit dem größten Umsatz in der Firmengeschichte wird, kann den Konkurs gerade noch einmal abwenden.

▪ 1 9 8 4 - die neuen 8 Bit-Systeme

Die Konkurrenz denkt längst an 16 Bit-Systeme - die Reste des verbliebenen CBM-Entwicklungsteams entwerfen dagegen neue 8 Bit-Rechner. Doch die Resultate wirken planlos, denn sie stellen gegenüber ihren erfolgreichen Vorgängern eher Rück- als Fortschritte dar. Die 264er-Serie - bestehend aus Commodore 16, 116 und Plus/4 - soll den VC20 und den C64 ablösen, doch sind sie in jeder Hinsicht -völlig- inkompatibel zu ihnen. Keiner der 264er kommt grafisch oder soundtechnisch auch nur annähernd an den Commodore 64 heran. Da zudem auch kaum Software für die "neuen" erscheint, wird die 264er-Serie vom Markt abgelehnt - ab 1986 wird sie in Supermärkten zu Preisen zwischen 100 bis 300 DM verramscht. 1985 wird der Commodore 128 präsentiert, in dem gleich drei Computer auf einmal stecken: Im 128er-Modus arbeitet der Rechner mit 128 kB RAM, 2 MHz CPU-Takt und dem erweiterten Commodore Basic 7.0. Im 64er-Modus emuliert der C128 einen vollwertigen und kompatiblen C64, und auch ein (recht langsames) CP/M-System ist aufrufbar. Auch der Commodore 128 sollte -der- C64-Nachfolger sein, doch er war seinem Vorgänger durch den 64er-Modus einfach zu ähnlich - einen "echten" C64-User konnte er kaum zum Kauf bewegen. Der 128er-Modus an sich ist zwar leistungsstärker, doch es wird kaum Software für ihn entwickelt. Deshalb fristen die meisten C128 ihr Dasein abstrakterweise im 64er-Modus! Und so ereilt den Commodore 128 schließlich dasselbe Schicksal wie die schon zuvor gescheiterten C16 und Plus/4: er überlebt den erfolgreichen Commodore 64 nicht. Nicht eines dieser 8 Bit-Modelle ist in der Lage, wenigstens seine Entwicklungskosten wieder einzuspielen.

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■ DER AMIGA (1984 - 1989)

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▪ 1 9 8 4 - Atari vs Commodore: das pokern um den Amiga

Die Geschichte des legendären "Commodore" Amiga beginnt schon zwei Jahre zuvor: Jay Miner, der bei Atari u.a. an der Entwicklung der Atari 2600-Spielkonsole beteiligt war, steigt 1982 aus und gründet seine eigene Firma 'HiToro', die er kurz darauf in 'Amiga Inc.' umbenennt. Miner plant zunächst seine eigene Amiga-Spielkonsole, woraus wiederrum ein Amiga-Computer wird. Im Frühjahr 1983 steht das Konzept, und zumindest auf dem Papier wird ein völlig neuer, geradezu revolutionärer Computer geboren. Jay Miner und seine Entwickler wollen damit nicht einfach nur Geld verdienen - die Computerwelt sollte mit diesem Rechner entscheidend verbessert werden! Das Arbeitstempo zieht an, denn den kleineren Investoren droht langsam aber sicher das Geld auszugehen. Schließlich wird der erste Amiga-Prototyp im Januar 1984 auf der CES vorgeführt. Auf dem Tisch steht dabei ein optisch vollständig wirkender Dummy, der -eigentliche- Amiga mit seinen dutzenden ICs, Prototyp-Platinen und einem gigantischen Kabelsalat, befindet sich darunter! Das berühmte Bouncing Ball-Demo begeistert die Besucher. Es zeigt einen rotierenden, rot-weiß karierten Ball, der von den Monitorgrenzen abprallt - so etwas kann zu der Zeit kein anderer, bezahlbarer Computer leisten.

Trotz dieser tollen Vorführung ist zunächst keine der großen Firmen bereit, Geld in den Amiga zu pumpen. Die Finanzlage wird bedrohlich, Jay Miner und viele seiner Angestellten nehmen sogar Hypotheken auf, um "ihren" Amiga am Leben zu erhalten. Auch Miners Ex-Arbeitgeber Atari gewährt ihm 500.000 Dollar Kredit. Später, im Herbst 1984, tritt aber plötzlich Jack Tramiel wieder auf den Plan, der ja erst kurz zuvor Commodore verlassen und Atari aufgekauft hatte - ihm fallen beim überprüfen der Bücher tatsächlich die offenen 500.000 Dollar von Amiga Inc. auf! Tramiel weiß genau, daß Amiga Inc. das Geld nicht aufbringen kann. Zur Not brauchte er nur ein bisschen länger, nämlich auf die Fälligkeit des Kredits zu warten, und schon würde Amiga Inc. ihm gehören. Tramiel verhandelt deshalb knallhart - er drückt den Kurs, zu dem er die Amiga-Aktien aufkaufen will, immer weiter herunter, am Ende bis auf unter einen Dollar pro Aktie. Kurz vor der letzten Frist sucht Amigas Finanzverwalter aber Irving Gould bei Commodore auf. Commodore kommt die 16 Bit-Technologie des Amiga wirklich wie gerufen, und Irving Gould bietet 4.25 Dollar pro Aktie - Amiga Inc. willigt ein. Und so fällt der Amiga im allerletzten Moment nicht Tramiel bzw. Atari, sondern für 27 Millionen Dollar Gould und Commodore in die Hände.

▪ 1 9 8 5 - der Amiga 1000

Amiga Inc. ist gerettet, doch von Anfang an gibt es neue Probleme. Das, was sich Jay Miner und Commodore unter einem Amiga vorstellen, sind zwei verschiedene Welten. Commodore will einen Computer ähnlich dem IBM-PC. Viele Features, die der Amiga nach Miners Konzept von Anfang an hätte bieten sollen - darunter interne Erweiterungsslots, ein Modul-Steckplatz, ein internes Modem oder ein Laser Disc-Anschluß - streicht das Marketing aus Kostengründen sofort wieder heraus. Dafür stellt man ihm ein Gehäuse hin, in das der Amiga gefälligst hineinzupassen hat. Miner will auch die ursprünglichen Grafik- und Soundchips, deren Konzept von 1982 stammt, verbessern und die Möglichkeiten von 1984 ausschöpfen - Commodore lehnt ab und es bleibt beim ´82er-Entwurf. Wenigstens kann er sich beim Speicher (256 kB) und dem Diskdrive (3.5" 880 kB) des Amiga durchsetzen, hier wollte CBM eigentlich nur 128 kB und ein 5.25" 360 kB-Drive haben. Am Ende hat der Amiga mit seinen ursprünglichen Entwürfen nicht mehr allzuviel gemein. Jay Miner ist entäuscht darüber, wie Commodore mit seinem Traum umspringt. Später sagt er, "er hätte damals lieber gleich etwas wie den späteren Amiga 2000 gebaut, anstatt dieses bereits bei der Vorstellung veraltete System".

Jack Tramiel ist dagegen sauer, das er die Amiga-Technologie nicht bekam. Er beauftragt seine Atari-Entwickler, einen Amiga-ähnlichen 16/32-Bitter zu entwerfen. Außerdem verklagt er Amiga Inc.: Jay Miner hätte mit dem Amiga Patente aus seiner Zeit bei Atari verletzt. Sofort reicht Commodore Gegenklage ein, Tramiel habe massenhaft Commodore-Entwickler abgeworben - der Atari vs Commodore-Kampf beginnt und sollte sich noch über Jahre hinziehen. Er macht später teilweise selbst die User beider Systeme zu Gegnern. Wie auch immer - bei Amiga arbeitet man mit Hochdruck an dessen Fertigstellung. Schließlich ist die Hardware zwar soweit serienreif, doch das Amiga-Betriebssystem ist noch völlig unbrauchbar. Das Weihnachtsgeschäft 1984 streicht vorüber, und zur nächsten CES im Januar 1985, rund ein Jahr nach seiner ersten Präsentation, ist noch immer kein serienreifer Amiga lieferbar - wohl aber der unglaublich schnell entwickelte Atari ST! Commodore und Amiga Inc. sind schockiert, denn man wird sich bewußt, daß man das Rennen um den ersten 16 Bit-Homecomputer verloren hat. Commodore weiß, das es brennt und pumpt viel Geld in das Projekt 'Lorraine', welches Mitarbeiter mittlerweile auch als "rettet-Commodore-Maschine" bezeichnen.

Nach Monaten von Dauerschichten feiert der erste serienreife Amiga dann am 23. Juli 1985 auf einer Commodore-eigenen Veranstaltung im New Yorker Lincoln Center endlich Premiere. Dort ist auch Prominenz vertreten, u.a. Debby Harry (Blondie) und Andy Warhol - während Blondie singt, bearbeitet Warhol das Videobild in Echtzeit, was auf einer großen Leinwand gezeigt wird. Software-Star ist der 'Transformer', der einen IBM-PC emuliert und so den Zugriff auf fertige PC-Programme ermöglicht. Die Besucher sind restlos begeistert - kein Zweifel, dieser Amiga war eine starke Kiste! Wie der Apple Macintosh basiert er auf einem schnellen Motorola 68000 16/32 Bit-Prozessor - doch dank drei zusätzlicher Custom-Chips ist er wesentlich schneller als ein Mac. Der Amiga beherrscht hochauflösende Grafik mit 4096 Farben, echtes Multi-Tasking, 4 Kanal-Stereosound und Sprachausgabe - ein Fachmagazin schreibt, "das Ende der PCs und Macs wäre gekommen". Doch der Einstiegspreis für ein Komplettsystem ist mit etwa 1800 Dollar (damals rund 7000 DM!) für Heimanwender viel zu hoch. Auch anfängliche Fertigungsprobleme und Kapazitätsengpässe machen dem Amiga das Leben schwer. Seine Entwicklung und die vorherigen 8 Bit-Flops haben Commodores finanzielles Polster aufgebraucht - so umwerfend der Amiga also auch war, nur der Dauerbrenner C64 hält den Konzern in dieser Zeit am Leben!

Anfang 1986 kommen endlich die europäischen Amigas mit PAL Video-Ausgang und einer deutschen Tastatur auf den Markt. Im März 1986 findet die offizielle Premiere in der Frankfurter alten Oper statt, Frank Elstner moderiert die Veranstaltung. Doch auch bei uns kommt es zu denselben Startschwierigkeiten wie vorher schon in den USA. Während sich der günstigere Atari ST blendend verkauft, führt der Amiga wegen seines Einführungspreises von rund 6000.- DM nur in wenigen professionellen Nischenbereichen wie TV-Studios seine Abnehmer - und nur rund sechs Monate nach der deutschen Premiere scheint die bahnbrechende Amiga-Technologie schon wieder vor ihrem Ende zu stehen. Jay Miner bietet Commodore an, den Amiga 1000 innerhalb von weiteren sechs Monaten neu zu designen, die ursprünglich geplanten, moderneren Chips zu integrieren und somit den Fertigungs- und Verkaufspreis zu senken. Commodore will genau dasselbe, macht das aber lieber auf eigene Faust. Zutiefst enttäuscht verläßt Miner daraufhin Commodore, und auch die meisten Mitentwickler des "Ur"-Amiga kehren dem Konzern kurz darauf den Rücken zu.

▪ 1 9 8 6 - Amiga 500 und 2000

Commodore meint, der Amiga verkaufe sich schlecht, da er zu professionell wirkt - ein preiswerter Amiga im Tatstaturgehäuse a'la Atari ST mußte her. Witzigerweise unternimmt Atari genau zur selben Zeit Anstrengungen, den ST dem Amiga ähnlicher zu machen, und so wird dort die Mega ST-Serie als Desktop mit abgesetzter Tastatur a'la Amiga 1000 entwickelt! :o) Das Management entsinnt sich an die Zeiten, in denen der C64 der Homecomputer und ein CBM 8000 der Profirechner war - und man beschließt, die Amiga-Linie auf die gleiche Weise zu splitten. In den Staaten beginnt man 1986 mit der Entwicklung eines kleineren Amiga-Tastaturcomputers, während die deutsche Abteilung den "Profi"-Amiga und Nachfolger des zu teueren Amiga 1000 in Angriff nimmt. Im Januar 1987 wird auf der CES der Amiga 500 und der Amiga 2000 präsentiert. Der Amiga 500 ist mit 512 kB RAM und einem Preis von rund 1100.- DM klar als Homecomputer gedacht. Der Amiga 2000 schlägt dagegen mit rund 2400.- DM zu Buche. Etwas unverhältnismäßig, da er sich prinzipiell nur durch den doppelten Speicher, sein großes Gehäuse und seine internen Erweiterungsslots vom Amiga 500 unterscheidet! Er sieht optisch einem IBM-Rechner verblüffend ähnlich - so hofft man, im Büromarkt endlich wieder an die früheren Erfolge der CBM 8000 anknüpfen zu können. Beide Modelle kommen an, besonders der Amiga 500 verkauft sich gut - während seiner Produktionszeit über 1.000.000 mal. Auch, wenn der kleine Amiga 500 bei weitem nicht an die Erfolge des C64 anknüpfen kann, gilt er heute dennoch offiziell als dessen Nachfolger.

▪ bis 1 9 8 9 - zusammengefasst

1986 erhält der nach wie vor beliebte Commodore 64 ein Facelift. Das neue Gehäuse des intern als C64C bezeichneten Nachfolgers ist flacher und moderner, und viele Bauteile werden zu höher integrierten zusammengefasst. Das spart zwar Platz und Kosten, dadurch passen plötzlich aber auch viele interne Erweiterungen nicht mehr. Durch die entfallene 9 Volt-Leitung am Userport des Rechners wird für dort angeschlossene Pheripherie ab sofort ein separates Netzteil notwendig. Die alten "Brotkasten"-Modelle verkauft man zunächst zu reduzierten Preisen ab, doch nur zwei Jahre später wird das zwar moderne, aber unbeliebte Gehäuse des C64C wiederrum durch das ursprüngliche "Brotkasten"-Gehäuse ersetzt.

Der Amiga 2000 bleibt im Büro-Sektor erfolglos, und so beginnt Commodore damit, seine eigene PC-Linie zu kreieren. Doch man kauft die Bauteile nicht in Fernost ein, sondern entwickelt unter hohen Kosten alles selbst. Mainboard, Grafikkarte - fast alles entspricht eigenen Standards und ist zur restlichen PC-Welt inkompatibel. Damit sind Commodore-PCs teuerer als andere, leisten aber nicht mehr. In Deutschland, wo Commodore noch den Ruf des Bürorechner-Herstellers genießt, verkaufen sich die PCs halbwegs gut, in den Staaten dagegen gar nicht. Dort trägt Commodore das Image des Spielcomputer-Herstellers - der C64 und der Amiga machen Geschäfte mit Bürokunden fast unmöglich. Außerdem läßt es der Commodore-PC so aussehen, als ob Commodore selber nicht so ganz von seinem Amiga überzeugt wäre. Commodore schreibt mit seinem PC-Geschäft Jahr für Jahr tiefrote Zahlen, dennoch läßt man erst davon ab, als der finanzielle Schaden bereits in die hunderte-Millionen geht.

Bis 1989 gehen auch die Verkaufszahlen des C64 allmählich zurück - Commodores letztes Zugpferd ist nun der Amiga. Doch während die PC-Technologie sich immer schneller voranentwickelt, stagniert zu dieser Zeit die Weiterentwicklung des Amiga, wie auch Commodore selbst, fast völlig. Es erscheinen zwar einige kleinere Erweiterungen und Amiga-Bundles - aber einfach keine wirklich neuen Amiga-Computer oder ein modernisiertes Betriebssystem. Der sowieso nicht sehr große Marktanteil des Amiga fällt erstmalig. Das Management meint, daß sich der Amiga genau wie der Commodore 64 von selbst verkaufe, doch genau das ist nicht der Fall. Erst gegen 1989 erreicht man mit dem Amiga die Millionengrenze, doch das Management und Marketing unternimmt gegen diese Tatsache nach wie vor nicht viel. Großartige Werbekampagnen oder Versuche, das Spielcomputer-Image des Amiga aufzubessern, bleiben aus. Schon Ende der achtziger Jahre beginnen die ersten Hard- und Software-Firmen, sich vom Amiga-Markt zurückzuziehen und entwickeln stattdessen für den Mac und den PC..

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■ DAS ENDE VON COMMODORE (1990 - 1994)

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▪ 1 9 9 0 - das CDTV

Erst um 1990 schreckt man bei Commodore wegen der zunehmend düsteren Marktsituation des Amiga plötzlich auf. Mit einem mal macht man sich daran, neue Modelle zu entwickeln. Im März 1991 erscheint zunächst das Commodore CDTV - eine schicke, schwarze Multimedia-Konsole im Gehäuse eines CD-Players, die auf einem Amiga 500 mit integriertem Single Speed CD-Laufwerk basiert. Doch der Begriff 'Multimedia' war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren, und es gibt auch kaum Software, die die Möglichkeiten des neuen Mediums CD wirklich nutzt. Der Player läßt sich auch zu einem vollwertigen Amiga-System ausbauen, was sich aber mit rund 2600.- DM einmal mehr als viel zu teuer erweist. Commodore plant außerdem, das CDTV als Info- und Präsentations-Player für Messen oder Museen anzubieten. Doch obwohl er für solche Zwecke ideal ist, gilt Commodore auch bei dieser Zielgruppe als der Spielcomputer-Hersteller, und so wird der Player dort nicht angenommen. Das CDTV war der erste echte Multimedia-Player, doch seine vielseitigen Möglichkeiten kann er nirgendwo richtig unter Beweis stellen. Für Neukunden kommt dieses Multimedia-"Ding" um Jahre zu früh, und Amiga-Fans sind wegen des hohen Preises und der nicht 100%igen Kompatibilität zu anderen Amigas kaum zum Umstieg zu bewegen. Und so wird das CDTV bis 1993 als Komplettsystem inklusive schwarzem Monitor für unter 1000.- DM ausverkauft - unnötig zu erwähnen, daß dies einmal mehr mit herben Verlusten für Commodore verbunden ist.

▪ 1 9 9 0 - der Amiga 3000

Am 24. April 1990 wird der Amiga 3000 vorgestellt, und mit ihm kommt nach Jahren -endlich- ein neues Modell auf den Markt, das sich wieder sehenlassen kann - der erste Amiga mit durchgängiger, schneller 32 Bit-Architektur. Der Rechner verfügt unter anderem über einen leistungsstarken Motorola 68030-Prozessor mit 25 MHz, den neuen ECS-Chipsatz, einen Onboard SCSI-Controller und interne 32 Bit-Erweiterungsslots. Zusammen mit dem Amiga 3000 erscheint auch das modernisierte, längst ersehnte und stark erweiterte Betriebssystem Amiga OS 2.0. Kurz darauf wird zusätzlich der Amiga 3000 T, eine hervorragend erweiterbare Tower-Variante, eingeführt. Es besteht kein Zweifel, leistungsmäßig ist der Amiga 3000 zu dieser Zeit ein High End-Rechner und zumindest für die Profis unter den Amiga-Fans ein großer Schritt nach vorne - denn zu einem Preis von rund 6000.- DM ist er abermals nicht für jeden Fan erschwinglich, der ihn gerne hätte. Es wird auch eine Unix-Variante präsentiert, der Amiga 3000 UX. An diesem zeigt sogar der große WorkStation-Hersteller Sun Interesse. Dort will man den UX als kleines OEM-Begleitsystem für die neuen und sehr teueren Sparc-Stations anbieten, doch für solch einen OEM-Deal ist sich das Commodore-Management zu fein. Sun kauft daraufhin in Fernost ein und Commodore lässt sich so die einmalige Chance entgehen, den Amiga auch im professionellen WorkStation-Bereich zu etablieren - nicht zu fassen.

▪ 1 9 9 1 - die ECS-Katastrophe

Die Fehler, die dann gemacht werden, bezeichnen heute viele Genre-Kenner als den Genickbruch für Commodore. Schon 1991 ist der AGA (Advanced Graphics Architecture)-Chipsatz serienreif. Er hätte unter anderem eine noch schnelle 32 Bit-Architektur und 24 Bit-Grafik ermöglicht - AGA sollte ursprünglich schon im Amiga 3000 verwendet werden! Doch bereits einige Zeit vorher läßt der neue Leiter der Entwicklungsabteilung unverständlicherweise alle laufenden AGA-Projekte einfrieren. Der PC entwickelt sich schnell voran, und dieser Chipsatz hätte dem Amiga 1991 nochmals einen großen Vorsprung verschafft. Doch stattdessen ordnet der Entwicklungsleiter kleine ECS-Amigas an. Der originale Amiga 500 erlebt zu dieser Zeit gerade seinen zweiten Boom und verkauft sich gut, doch quasi von heute auf morgen wird er durch den neuen Amiga 500 Plus ersetzt. Der bietet neben 1 MB Speicher und Amiga OS 2.0 auch besagten, neuen ECS-Chipsatz. Zwar sind damit nun höhere Auflösungen und bis zu 2 MB Grafikspeicher möglich - doch genau dieser Chipsatz, der dem Amiga 3000 als Arbeitstier noch recht gut stand, sorgt beim Amiga 500 Plus für viele Inkompatibilitäten bei Spielen. In der Amiga-Szene spricht sich dieses Manko wie ein Lauffeuer herum, doch das Management kümmert es nicht. Um Platz für den neuen Plus zu schaffen, werden die Bestände des "alten" Amiga 500 zu Spottpreisen abverkauft. Genau darauf stürzen sich die Käufer, während sie den neuen Amiga 500 Plus links liegenlassen. Erneut ein "genialer" und immens verlustreicher Schachzug des Commodore-Managements.

▪ 1 9 9 2 - der Amiga 600

Doch Commodores neues Entwicklungs-Genie hat noch mehr zu bieten. Der Amiga 500 Plus lag wie Blei in den Regalen, und so wird ein Jahr darauf der Amiga 600 zusammengekleistert. Dessen einzige Neuerungen ist ein interner IDE-Anschluß und ein PCMCIA-Port. Dem gegenüber stehen jedoch erhebliche Nachteile. Auch er besitzt den zu vielen Spielen nicht kompatiblen ECS-Chipsatz. Das viel zu kleine Gehäuse und die nun fest verlöteten anstatt gesockelten ICs machen interne Erweiterungen quasi unmöglich. Der Tastatur fehlt ein separater Zahlenblock, was wiederrum für Probleme bei Software sorgt, die ihn voraussetzt. Selbst die akkugepufferte Echtzeituhr wird wegrationalisiert. Man glaubt es kaum - die ersten Revisionen werden mit einem Kickstart-ROM ausgeliefert, das weder den IDE- noch den PCMCIA-Port unterstützt! Insgesamt ist der Amiga 600 ein Rechner, der mehr kostet und dafür weniger bietet. Man kündigt an, eigene Pheripherie für den PCMCIA-Port anzubieten. Doch das passiert nie, und nur wenige Monate später läßt Commodore verlauten, man werde diese Schnittstelle nicht "weiter" unterstützen. Nur kurz darauf ist der Amiga 600 überall untendurch. CBM Deutschland-Chef Helmut Jost, der bei der Einführung noch großmundig behauptet, er könne pro Quartal 300.000 Geräte absetzen, ist kurz darauf damit beschäftigt, den Amiga 600 fast schon zum Kilopreis an diverse Handelsketten zu verramschen. Um die Entwicklungskosten wieder hereinzubekommen, wird dabei auch gleich der Amiga 500 Plus mit großen Verlusten abverkauft. Und so erweist sich der Amiga 600 zu einem der verlustreichsten Flops in der Firmengeschichte. Obwohl auch die Commodore PC-Linie schon seit Jahren tiefrote Zahlen schreibt, wird sie erst in diesem Jahr eingestellt - nach einem Verlust von 177 Millionen Dollar.

▪ 1 9 9 3 - das letzte aufbäumen

Das Jahr 1993 beginnt genauso, wie das letzte endete - mit stark rückläufigen Verkaufszahlen und hohen Verlusten. Doch irrsinnigerweise hat Commodores Firmenleitung seine Lektion noch immer nicht gelernt, denn ein weiterer ECS-Rechner, der Amiga 2200, soll auf den Markt. Dieser sollte leistungsmäßig die Lücke zwischen dem gefloppten Amiga 600 und dem Amiga 3000 schließen. Doch bei diesem Modell stellen sich nun selbst das mittlere Commodore-Management und die Vertriebsleute quer - während die weltweiten Commodore-Niederlassungen sogar drohen, den 2200er zu boykottieren (!!!) Zwei Jahre zuvor hatte das Management den schon damals serienreifen Amiga AGA-Chipsatz abgewürgt - j e t z t holt es ihn plötzlich wieder aus der Schublade hervor. Mit AGA, schnelleren Motorola-Prozessoren bis hin zum 68040, 24 Bit-Grafik, mehr Speicher und dem nochmals modernisierten und erweiterten Amiga OS 3.0 erscheinen dann 1993 der Amiga 1200, der große Amiga 4000 und die erste 32 Bit-Spielkonsole der Welt, das Amiga CD³². Die Tester sind sich einig: endlich wirklich neue Modelle, die aber um mindestens zwei Jahre zu spät kommen. Wenigstens in Punkto Grafik und Geschwindigkeit kann der Amiga nun wieder halbwegs Anschluß an den PC finden - überholen kann er ihn zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Einst war die Amiga-Technologie dem PC um fast ein Jahrzehnt voraus, doch bis 1993 hat das Management es geschafft, diesen Vorsprung durch jahrelange Stagnation, Fehlentscheidungen und einer Fehlentwicklung nach der anderen aufzubrauchen - Commodore läuft dem Markt längst hinterher, anstatt ihn noch anzuführen.

▪ 1 9 9 4 - der Konkurs

Erstmals ist die Nachfrage nach den neuen Amigas wieder recht groß. Gerade der neue Amiga 1200 verkauft sich sehr gut, und auch die ersten 100.000 produzierten CD³² sind quasi über Nacht ausverkauft. Doch Commodore fehlt bereits das Geld für größere Stückzahlen - die Zulieferer bestehen wegen der hohen Schulden aber auf Barzahlung und so kommt es zu erheblichen Lieferengpässen. Die Lager sind zwar noch voll mit Amiga 600, CDTV und Amiga 3000, doch die will nun erst recht niemand mehr haben - die Leute warten lieber auf die schlecht lieferbaren AGA-Ger

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Vegacom01

Vegacom01

23.02.2011 21:47

Hi mein lieber! Bewertet habe ich scheinbar bereits, allerdings ist es mir völlig schleierhaft, warum´s dafür keinerlei Auszeichnung gab... Auch ich habe die komplette Entwicklung von Commodore seinerzeit live miterlebt und musste just jetzt beim Lesen feststelllen, daß ich entweder langsam senil werde, oder da aber verdammt viele Infos drin waren, die mir schlichtweg noch nicht bekannt waren... danke nochmals für diesen grandiosen Artiikel Gruss Marcus

LSR_Online

LSR_Online

20.12.2008 13:16

Genialer Bericht ! Bin auch ein Commodore-Kind der 80er und habe Aufstieg und Fall mitbekommen - schade um so ein Unternehmen ! BH & LG, vorab schöne Festtage ;-)

kersy

kersy

20.06.2008 17:12

Na da hast aber einiges auf die Beine gestellt.. Lesen ist beinahe so anstrengend wie tippen *Buchstabensalat im Kopf hat* Von mir auch ein BH, nachträglich ^^

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