Bruckheimer as usual: laut und überflüssig
12.09.2003
Pro:
es krawummt alle Nase lang, der Spaßfaktor ist hoch, es kommt keine Langeweile auf, cooler Score
Kontra:
Das Drehbuch ist vom Reißbrett, die Darsteller unterfordert, das Happy - End so sicher wie das Amen in der Kirche - keinerlei Überraschungen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 HansGruber
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"There's always free cheese in a mousetrap!"
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[Filmproduzent sein, das ist fein, und mein Geld wird immer mehr - doch noch schöner wäre Filme machen, wenn ich nicht alleine wär’!] Jerry Bruckheimer, der zwei Jahrzehnte lang Popcorn-Kino in Reinkultur unter die Leute geschaufelt hatte („Top Gun“, „Tage des Donners“, „Flashdance“, „Beverly Hills Cop“), sah sich Ende des letzten Jahrtausends einer neuen Herausforderung gegenüber: Nach dem Drogentod seines Weggefährten Don Simpson musste er nun alleine weitermachen. Allerdings war die Herausforderung dann doch nicht so groß, denn Bruckheimer tat einfach das, was er die Jahre davor auch schon getan hatte und verließ sich auf Konzepte, die sich immer bewährt hatten. Diese sind: Videoclip-Ästhetik, viel Zeitlupe, laute Musik, keine tiefgründigen Stories (wenn man von „Crimson Tide“ absieht), jede Menge Action.
So macht es auch bei „Con Air“ keinen Unterschied, wer auf dem Regiestuhl sitzt. Den ehemaligen Werbefilmer Simon West kannte zu Drehbeginn keine Sau, aber das kümmert nur wenig - schließlich sind bei Filmen dieser Art eher stilistische und logistische Arbeit gefragt als Gespür für Timing, Logik und Darsteller. [„Die Hard“ im Flugzeug]
Weil Bruce Willis 1988 an den Kinokassen abräumte, gab es bald Trittbrettfahrer, die nur Protagonist und Location austauschten und den Rest beibehielten. So auch hier. Der Ex-Marine Cameron Poe [Nicholas Cage] muss in den Knast, nachdem er in Notwehr (er ist ja der Gute!) einen Blödmann kalt machte. Jetzt (nach acht Jahren) ist er auf seinem Gefangenentransport auf dem Weg in die Freiheit. Das Dumme: mit ihm sind ein rundes Dutzend Lehrbuch-Bösewichte an Bord des Fliegers, der ihn sicher nach Hause bringen soll. Unter der Führung von Cyrus Grisom [John Malkovich] nehmen die Sträflinge (englisch: Convict) das Flugzeug kurz nach dem Start in ihre Gewalt und wollen unbeschwert in die Freiheit segeln. Da aber Poes Kumpel [Mylkelti Williamson] sein Insulin braucht (sonst verreckt er), muss das Flugzeug schnell auf den Boden und die Polente her! Verzweifelt versucht Poe im Flieger zu erreichen, was Marshall Larkin [John Cusack] am Boden nicht gelingt - die Situation glimpflich zu lösen. Dass dabei jede Menge zu Bruch geht, sollte klar sein…
[so viel Potential…] …und wie schändlich wird es verschenkt. Oscar-Preisträger Cage hatte schon in „The Rock“ mehr mit seiner Frisur als mit seiner Rolle zu tun, der Oscar-Nominierte Malkovich (für „Gefährliche Liebschaften“ und „In the Line of Fire“) gibt den Oberfiesling routiniert aber ohne Glanz, der gnadenlos unterschätzte Cusack kann sich immerhin ans Revert heften, dass er Dank dem Casting-Agenten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, Colm Meany kann mal etwas anderes anziehen als eine Enterprise-Uniform,und Mylkelti Williamson (spielte in dem TV-Remake von „Die 12 Geschworenen“ und war Pacinos Partner in „Heat“) hat in seiner Biographie nun einen Kassenschlager vorzuweisen. Schade, dass alle ebenso unterfordert sind wie Independent-König Steve Buscemi, der mit seiner Darstellung des irren Killers Garland Greene aber hin noch einen denkwürdigen Hannibal-Lector-Gedächtnis-Auftritt hinlegen konnte und am Ende als einziger (und geheilt) davonkommt.
[Das Popcorn-Kino - meine Liebe, mein Alptraum] Ich habe nichts gegen fetzige Unterhaltung, bei der ich im Kinosessel grölen kann, bei der die Explosionen und die Feuergefechte mich aus dem Sessel hauen. „Die hard“, „Predator“ und „Face/off“ zähle ich zu meinen Lieblingsfilmen. Allerdings nervt es mich, wenn das alles in einer so strunzdämlichen Verpackung präsentiert wird, dass ich nach der Spucktüte greife. Sicher hat Con Air seine guten Momente; nämlich immer dann, wenn es an dem Helden ist, die Welt zu retten. Leider konnten sich die Drehbuchschreiber nicht verkneifen, Cage eine ganze Palette dämlicher Plattitüden in den Mund zu legen und ihn als Ober-Heiligen darzustellen. Cages Alter Ego Poe erzählt teilweise so dämliches Zeug, dass mich das kalte Grausen überkommt (*heul, schluchz* „Ich fahr’ nach Hause!“ - oder auch: „Sie ist mein Kolibri!“ - und natürlich mein Favorit: „Na dann…schlagen wir zu!“). Zum Glück sprechen Helden in der Regel nicht so viel, sie handeln eher. So kommt es dann auch einer Erleichterung gleich, wenn Cage schweigt, die Waffen sprechen lässt und das schauspielern Malkovich überlässt. Dieser (und mit Abstrichen Ving Rhames) vermag den einzigen darstellerischen Glanzpunkt in dem Ensemble der Knallchargen zu setzen und zeigt wieder einmal, dass jeder Actioner nur so gut ist wie sein Bad Guy.
Leider kann aber auch ein gut aufgelegter Malkovich nicht über das hirnrissige Skript hinwegtrösten. Wenn es nach dem Zuschauer ginge, würde sich Poe bei der Zwischenlandung nach einer halben Filmstunde aus dem Staub machen. Da Simon West dann aber hätte viel weniger in die Luft jagen dürfen, wird kurzerhand die Zuckerkrankheit von Poes Freund eingebaut, der unbedingt eine Insulinspritze braucht. Damit diese Tatsache nicht auf allzu wackligen Füßen steht, muss schnell noch eine Frau her (ein Aufseher mit 75-B), die einer drohenden Vergewaltigung durch den passionierten Triebtäter Johnny 23 [Danny Trejo] entgegenblickt. Gleich zwei Menschen, die Hilfe brauche - na dann huste ich eben mal auf meine Familie (sollen Frau und Tochter ruhig noch einen halben Tag auf mich warten, nach acht Jahren tut das nun auch nix mehr zur Sache!) und biege das alles wieder hin. Damit sich die Macher nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, ihr Film sei nicht aberwitzig genug, legt der Knastflieger erst einmal eine astreine Bruchlandung in der Wüste von sonst wo hin. Weil man mit einem anderen Flieger eines Drogenbarons in den Süden entfleuchen wollte, kümmert diese Tatsache erst wieder, als eben dieser Flieger zu Bruch geht und nun Plan B greifen muss: die gestrandete Mühle wieder flott machen, gleichzeitig jede Menge Staatspolizisten über den Haufen knallen, ein paar Geiseln windelweich prügeln und Poe davon abhalten, den Neustart zu verhindern.
So, jetzt haben wir unser Pensum aber erf...ach nein, der Showdown muss ja noch mal einen draufsetzen, sonst wäre es kein Blockbuster (ich kann dieses Wort nicht mehr hören). Also wird in den letzten 10 Filmminuten ein kompletter Straßenzug von Las Vegas in Schutt und Asche gelegt (Las Vegas - Nicholas Cage…da war doch mal was? Beabsichtigter Insider oder nur Zufall…?), ein Feuerwehr-Wagen entführt, ein Geldtransport in die Luft gejagt und die übrig gebliebenen bösen Jungs über die Wupper geschickt. [Happy-End-Garantie]
Natürlich kommt keiner der schlimmen Knastbrüder davon (ok einer, aber das ist eine andere Geschichte), Poe kann seinen Kolibri (sprich: Lebensabschnittsgefährtin) und seine Tochter in die Arme schließen, US-Marshal Vince Larkin kann in seinem Bericht vermerken, das alles glimpflich ausging, hinzu kommt die Freude darüber, dass er einem Kollegenschwein das Auto zerdeppert hat, die Fußgänger von Las Vegas freuen sich über einen unverhofften Geldregen und das Gute hat gesiegt. [hoher Schauwert]
Nachdem ich nun so sehr über den Film hergezogen habe, muss ich ja erklären, wo die drei Sterne herkommen: Die Action ist atemberaubend inszeniert (davon versteht West offensichtlich etwas), der Showdown beginnt im Grunde nach 20 Minuten, der Sachschaden ist enorm, einige coole Sprüche („Eine Bewegung - und der Hase ist tot!“) sorgen für Lacher, die Komponisten Mark Mancina und Trevor Rabin haben einen für Bruckheimer-Filme außergewöhnlich guten Anarcho-Score hingelegt (irre E-Gitarren-Sounds und pompöse Bläser lassen einem den Brustkorb erbeben) und die Schnittfrequenz lässt die Pupillen erzittern. Oscar-reif ist der Streifen zur keiner Sekunde, aber er erfüllt die Minimal-Anforderung: er unterhält. Mehr ist es aber auch im Endeffekt nicht, weshalb er in meiner Bewertung nicht über die mittelmäßigen drei Sterne hinauskommt. Für Fans von: Alarmstufe: rot, Speed, The Rock
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29.01.2005 21:34
"Für Fans von: The Rock, Speed" - hm, da knallt es zwar auch ganz gut, aber die fand ich trotzdem besser. Obwohl ich Con Air wirklich nicht schlecht fand. Spannende Unterhaltung eben, dank John Malkovich - und man mag mich jetzt für plemplem halten: aber den hasen fand ich wirklich süß
18.01.2005 22:55
Ja - genau. Dein Fazit rundet Deinen Bericht sehr schön ab,
10.02.2004 23:49
Einfach herrlich - da schaffst Du es doch, einen Film, den ich eigentlich gerne mag, innert Kürze zu zerreissen, dass da nicht mehr viel bleibt als ein hilfloses "Sie ist doch mein Kolibri..." - Applaus!