Concierto De Aranjuez / Fantasia... - Various

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Concierto De Aranjuez / Fantasia... - Various

Joaquin Rodrigo (Komponist) - 1 - CD - Deutsche G - Universal - 29. Oktober 1985 - 028941534927

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Erfahrungsbericht über "Concierto De Aranjuez / Fantasia... - Various"

veröffentlicht 25.07.2006 | dahmane
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http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/janne-teller-zur-last-der-de utschen-geschichte-14221785-p5.html?printPagedArticle=true#pageIndex_5 Zutiefst anrührend ...
Ausgezeichnet
Pro Traurig und fröhlich.
Kontra Ausgelutscht. Man muß es noch einmal von vorne versuchen, bei Null sozusagen
sehr hilfreich

"De profundis"

Der junge Komponist

Der junge Komponist

Als er drei Jahre alt war, erkrankten alle Kinder in dem Viertel, in dem seine Familie wohnte, an Diphtherie. Zwölf Kinder starben, zwei überlebten, eines davon war er. Aber er konnte, als er endlich aus den Fieberschüben aufwachte, fast nichts mehr sehen. Über dreißig Jahre später, als er seine spätere Frau kennenlernte, eine Türkin, die in Paris lebte, konnte er immerhin noch hell und dunkel unterscheiden, und wenn er sich eine Photographie von ihr nahe vor die Augen hielt, bekam er wenigstens eine Ahnung von ihrem Aussehen. Einige Zeit danach erblindete er vollends.
Was er komponiert hat, können wir uns nicht wirklich durch bildhafte Vorstellungen erschließen. Seine Musik ist geprägt, mehr als die aller anderen Komponisten seiner Zeit, durch die machtvolle Geschichte seines Landes - wenn ihn die Blindheit nicht daran gehindert hätte, soll er gesagt haben, wäre er Historiker geworden - und durch Geräusche und Düfte; wir dürfen annehmen, daß sich in seiner gewaltig ausgreifenden Phantasie alles das vereinte zu einer Imagination, die uns blühend und pulsierend erscheint vor Farben und Emotionen. Wir wissen nicht, was Farben ihm bedeuten konnten, an was er sich erinnerte und was er nie gesehen oder einfach vergessen hat.
Victoria war selbst Musikerin, das hat sie ein Leben lang zusammengehalten. Aber die ersten Jahre, als sie beide in Paris lebten, waren schwierig genug. Sie hatten nur wenige Monate zusammengelebt, als er sich wieder von ihr trennte; er hat nie erzählt, warum. Als in Spanien der Bürgerkrieg ausbrach, kehrte er zu ihr zurück.

Als sie frisch verliebt waren, durchwanderten sie manchmal den Park von Aranjuez. Was er davon wahrnahm, war dies. Den Duft seiner Liebsten. Den Druck ihres Armes auf seinem. Den sanften Andrang ihrer Schulter. Die Wärme ihrer kleinen festen Hand. Ihre sprudelnde Stimme, die das Spanische mit einer anrührenden Weichheit und mit ausdrucksvollen Vokalen artikulierte.
Die Sonne auf seinem Gesicht. Den Duft der Magnolien in voller Blüte. Das Lärmen der spielenden Kinder. Das Rieseln der Fontänen. Den Wind in den Bäumen.
Das Schlagen seines Herzens.


19. Mai 1961 (Carnegie Hall)

Es ist eine der traurigsten Melodien, die ich kenne, die Gil Evans und sein Orchester da aus sich herauspressen wie eine lange verlorene Erinnerung. Dann setzt Miles Davis seine Trompete an und spielt noch einmal. Obwohl die Trompete viel lauter klingt und viel klarer, wirkt sie wie das Echo einer Erinnerung an etwas, das so schmerzvoll war, daß selbst das Echo und noch zum Weinen bringt.
Wir kennen den Grund für diesen Schmerz nicht, aber Miles Davis bläst, als wolle er sich trösten über alle verschenkten Gelegenheiten in unserem Leben, über alle Hoffnungen, die wir haben fahren lassen müssen, nein, die wir selbst zerschmettert haben, so sehr, daß wir die Scherben nicht mehr zusammensetzen können. Bei 5:19 kann er es nicht mehr aushalten, da weicht er aus in eine Region, in die wir ihm nicht mehr folgen können, und beginnt eine Variation über das Thema des Adagios, die so selbstvergessen und verloren klingt, daß sie gerade auf diese Weise eine Reinheit gewinnt, die wir vielleicht niemals erwartet hätten.
Dahinter die leisen Seufzer des Orchesters, davor, bei 7:40 eine ferne klare Klage, bevor die Reprise einsetzt mit er typisch spanischen Vorhaltnote und einer letzten Volte hinein in lärmende Verzweiflung und lähmende Niedergeschlagenheit. Zwischen diesen Extremen wird der zweite Teil oszillieren. Wir sollten - ich weiß, das klingt seltsam - das Original vielleicht noch einmal hören, nachdem wir gespürt haben, was Miles Davis und Gil Evans daraus gemacht haben.
Sie erreichen eine so bodenlose Tiefe, daß jeder, der das hört, fast an der Seriosität seines eigenen Schmerzes zweifeln könnte, und dann geben sie ihm einen Ausdruck von solch seltener, in sich ruhender Schönheit, daß man sich mit seinen eigenen banalen Gefühlen fast zurückgewiesen vorkommt: lerne leiden.
Und dann der Schluß. Die letzte Minute dieses Stücks ist vielleicht das Vollkommenste, das Miles Davis je gespielt hat.


Ende 1939 (irgendwo in Madrid)

Das Baby ist gestorben. Victoria erwartete ein Kind, ihr erstes Kind, aber es ist gestorben, während sie es erwartete, und sie selbst will am liebsten auch sterben. Es war zu wenig Zeit. Er hat seine Frau doch noch gar nicht lieben lernen können. Wir denken immer, lieben wäre so leicht, dabei müssen wir es lernen wie alles, das uns verwandelt.
Er sitzt in den stillen Nächten an seinem alten Klavier und spielt eine Melodie, die so entsetzlich traurig und erfüllt von Sehnsucht ist, daß die Freunde leise aus dem Zimmer gehen. Nicht jeder Kampf mit dem Engel ist ein tapferes Ringen, aber der Dialog zwischen Gitarre und Orchester ist unüberhörbar, ein Wechselgesang, der nach siebeneinhalb Minuten oder so in eine vergrübelte Solokadenz mündet, die sich schließlich selbst umrundet und darin totläuft. Wenn dann die Reprise anhebt, mit all der Majestät, die man in den Gärten von Aranjuez empfinden kann, kommt es uns so vor, als sei der Disput entschieden. Und doch hält das Adagio noch eine Überraschung für uns bereit, die nicht weniger anrührend ist als das Ende der Version von Miles Davis.
Es endet, über ruhigen Streicherakkorden, mit einer aufsteigenden Flageolettfolge der Gitarre. Dies, hat Victoria später gesagt, sei die aufsteigende Seele des Kindes.

Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu Ende, heißt es in "Don Carlos"; der Ernst des Leben beginnt. Und doch wird dieses sehnsuchtsvolle Adagio umrahmt von zwei schmissigen Allegrosätzen. Aber der zweite, der Schlußsatz des Konzertes, ist generöser, gereifter. Was ist ein Leben wert, um das man nicht kämpft bis zur letzten Patrone, und sei es mit Gott selbst.


Miles Davis & Gil Evans: "Concierto des Aranjuez"
Aus der Serie "Giants of Jazz"
ASIN: B000001BRG


23Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok, 24nahm sie und führte sie über das Wasser, so daß hinüberkam, was er hatte, 25und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26Und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27Und er sprach: Laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28Er sprach: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob. 29Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißest du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 31Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

Genesis 32, 23 - 32


"De profundis" ist der Beginn der lateinischen Fassung (Vulgata) von Psalm 130

1Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.
2Herr, höre meine Stimme! Laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
3Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst - Herr, wer wird bestehen?
4Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.
5Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.
6Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen […]

Joaquin Rodrigo wurde am 22. November 1901 bei Valencia geboren. Gestorben ist er am 6. Juni 1999 in Madrid.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Ovelinha veröffentlicht 14.09.2006
    Das Stück ist unvergleichlich; vielleicht kommt es im Traurigkeitsgehalt aber dem (oft ausgelutscht gespielten) Adagio von Samuel Barber nah. Feines Bericht, das :)
  • TumblingDice veröffentlicht 24.08.2006
    "Sketches of Spain", die habe ich von Miles Davis. Da spielt der das schöne Stück regelrecht kaputt. alea iacta
  • Pik7 veröffentlicht 06.08.2006
    Selten kann ich mti einem Abgleich zwischen Vita und Werk etwas anfangen. Hier schon.
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Produktdaten : Concierto De Aranjuez / Fantasia... - Various

Produktbeschreibung des Herstellers

Joaquin Rodrigo (Komponist) - 1 - CD - Deutsche G - Universal - 29. Oktober 1985 - 028941534927

Haupteigenschaften

Titel: Concierto De Aranjuez / Fantasia...

Künstler: Yepes; Navarro; English Chamber Orchestra

Komponist: Joaquin Rodrigo

Genre: Soloinstrument mit Orchester

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 29. Oktober 1985

Label: Deutsche G

Vertrieb: Universal

EAN: 028941534927

Titel auf CD 1

1.: Concierto De Aranjuez for Guitar and Orchestra

2.: 2. Adagio (Original Version)

3.: 3. Allegro Gentile (Original Version)

4.: Fantasía Para Un Gentilhombre for Guitar and Small Orchestra

5.: 2. Españoleta Y Fanfare De La Caballería De Nápoles Adagio - Allegretto Molto Ritmico (Original Version)

6.: 3. Danza De Las Hachas Allegro Con Brio (Original Version)

7.: 4. Canario Allegro Ma Non Troppo (Original Version)

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