Copy von David Brin

5  14.01.2006

Pro:
interessantes Thema sehr gut umgesetzt

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

goswin

Über sich: Neue Buchkritiken... btw. kurze Inhaltsangaben sind Absicht. Ich will schliesslich niemandem die Spa...

Mitglied seit:30.03.2001

Erfahrungsberichte:223

Vertrauende:39

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 79 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

* Inhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft besitzen die Menschen die Technologie, Kopien von sich herzustellen. Diese Kopien haben jedoch nur eine Lebenszeit von 24 Stunden. Spätestens dann müssen sie zu ihrem Original zurück, damit sie ihre Erinnerungen übergeben können.
In dieser Welt ist Albert Morris Privatdetektiv. Natürlich geht er kaum noch selbst aus dem Haus, die gefährlichen Fälle können seine Kopien erledigen. Doch eines Tages sind all seine Kopien unterwegs, so dass er selbst ermitteln muss. Doch schnell merkt er, dass er und seine Kopien etwas Großem auf der Spur sind…


* Aufmachung:

"Copy" von David Brin ist 2005 als Taschenbuch im Verlag Heyne erschienen. Das amerikanische Original stammt von 2002. Der mit fast 690 Seiten recht dicke Roman besteht aus 4 Teilen, die alle im Buch enthalten sind. Dem Roman vorangestellt sind eine Kurzbiographie des Autors und eine Zusammenfassung des Inhalts. Im Anschluss an den Roman gibt es eine Danksagung des Autors.
Der Rückentext sagt nichts über den Inhalt aus, sondern beschreibt nur grob die Grundidee des Romans. Das Cover zeigt eine Person verwaschen in der Rückansicht, über die ein Raster gelegt ist. Darüber sind groß Name des Autors und Titel gedruckt. Das Cover ist vertretbar. Es ist zwar wenig spezifisch, widerspricht dem Inhalt aber auch nicht. Der Titel ist ähnlich zu bewerten, er ist sehr allgemein, hat aber zweifellos mit dem Inhalt zu tun.


* Kommentar:

"Copy" ist ein besonderer Roman. Zwar mag die Idee nicht neu sein, aber die Umsetzung ist dem Autor sehr gut gelungen. Er erschafft in seinem Roman eine Welt, die lebendig ist, den Leser mitnimmt und erst wieder loslässt, wenn man das Buch beendet hat.

Zuallererst bemerkt man als Leser, dass der Autor eine seltene Form der Perspektive gewählt hat, die Ich-Form. Diese Form wird kaum genutzt, weil man seine Leser schnell verlieren kann. Durch die Ich-Perspektive ist man als Leser sofort im Geschehen, wenn dieses Geschehen aber unsinnig oder einfach unspannend ist, dann ist diese Perspektive das Todesurteil. Zudem haben Autoren oft das Problem, dem Leser mit dieser Perspektive nicht alle nötigen Informationen zukommen lassen zu können. In diesem Fall hat der Autor aber richtig gewählt, denn er hat nicht nur die genannten Schwierigkeiten vermieden, sondern das stilistische Mittel zu einem interessanten Teil des Buches gemacht.

Denn der Leser erlebt die Handlung aus der Ich-Perspektive des Hauptdarstellers, sowie 3er Kopien von ihm. Das verdoppelt die Schwierigkeit für de Autor, denn die Kopien übernehmen zwar Erfahrungen und Persönlichkeit des Originals, sind aber jeweils Spezialisten, also für bestimmte Aufgaben geschaffen und unterscheiden sich demnach geringfügig. Der Autor hat diese Unterschiede glaubhaft umzusetzen gewusst und hat 4 Figuren geschaffen, die jede für sich lebendig wirkt. David Brin hat auch darauf geachtet, dass ihm keine Fehler unterlaufen, denn schnell kann es in so einer Handlung passieren, dass der eine plötzlich Informationen eines anderen benutzt, obwohl die Handlung dies nicht hergibt.
Die gute Charakterisierung der Hauptfigur(en) hat allerdings den Nachteil, dass sämtliche Nebenfiguren nur wenig ausgearbeitet sind. Sie sind wenig mehr als Klischees. Allerdings ist es auch extrem schwierig, aus der Ich-Perspektive andere Figuren lebendig wirken zu lassen.

Die Handlung ist ziemlich komplex. Der Autor hat sich eine Story ausgedacht, die so verwickelt ist, dass man als Leser erst sehr spät ahnt, wer hinter all dem steckt. Da man als Leser die Story aus 4 Gesichtspunkten betrachtet, also viele Informationen besitzt, ist die Leistung des Autors um so höher einzuschätzen. Die Handlung hat kaum spürbare Längen, sondern bietet dem Leser immer neue spannende Situationen.

Der Autor benutzt verschiedene stilistische Mittel, um seine Idee zum Leser zu transportieren. So nutzt er z.B. verschiedene Farben für verschiedene Kopien eines Menschen. Dabei können die Farben etwas über die besonderen Fähigkeiten der Kopie aussagen (eine schwarze Kopie ist beispielsweise mit besonderem Intellekt versehen, weiterhin gibt es Grüne, Graue, Weiße, Rote…). Die Gegenspieler des Protagonisten tragen hingegen auch ausgefallene Farben oder Muster.
Ein weiteres Mittel ist die Einführung von speziellen Begriffen oder Bezeichnungen. So wird z.B. der Mensch Albert zuweilen RealAlbert genannt, während Kopien den Vorsatz Dit bekommen. Diese Begriffe beziehen sich aber auch auf Geräte, Technologien oder auch Verhaltensmuster und erleichtern mit der Zeit das Verständnis. Damit solche Begriffe funktionieren, muss man sie anfangs erklären. Hier hat der Autor es zu gut gemeint, weil er noch am Ende des Romans Begriffserläuterungen einbaut, die er schon diverse Male gegeben hat.

Obwohl die Welt die David Brin in seinem Roman erschafft, zeitlich nicht allzu weit von unserer entfernt ist, haben sich doch einige gesellschaftliche Veränderungen ergeben, nicht zuletzt durch das Kopieren von Menschen. Brin baut diese gesellschaftlichen Veränderungen geschickt in seine Handlung ein, ohne dabei die Spannung zu unterbrechen. Ob es z.B. der Bedeutungsverlust von Gewerkschaften ist, oder Standpunkte der Religion zu den "seelenlosen" Kopien, der Autor hat viele Auswirkungen, die man sich als Leser zu dem Thema vorstellen könnte glaubhaft in die Story eingebaut.

Ein Roman mit diesem Thema hat natürlich auch eine philosophische Komponente. Fragen nach Ethik, Moral und Religion tauchen auf. Wünsche und Träume, die uns heute nicht möglich sind, werden plötzlich Alltag, auch mit all ihren negativen Folgen. Wie bereits das Internet, könnte solch eine Technologie z.B. auch von der pornographischen Industrie benutzt werden und Hemmschwellen herabsetzen.
David Brin berührt viele solcher Fragen. Zu einigen lässt er seine Figuren einen Standpunkt darlegen, andere lässt er absichtlich unbeantwortet. So bleibt viel Freiraum für den Leser, sich seine eigenen Gedanken zu machen.


* Fazit:

"Copy" ist ein Roman, den man gelesen haben sollte. Er ist nicht soweit von unserer Welt entfernt, dass nicht auch ein nicht SF-Fan sich in die Handlung finden könnte. Das Thema hat der Autor in all seinen Facetten sehr gut aufgearbeitet und bietet dem Leser damit viele Ansätze für eigene Gedanken.


PS: Diese Kritik habe ich unter gleichem Namens auch bei www.x-zine.de veröffentlicht.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
rollingbeaver

rollingbeaver

19.03.2007 15:13

hört sich echt interessant an, werd ich makl anlesen! gruss h.

Finetta12

Finetta12

13.02.2007 18:29

Klasse Bericht

Whazzup14

Whazzup14

18.01.2006 16:03

Das nenn ich mal nen etwas anderen BVuchbericht, gefällt mir aber super. ----> BH ig Tom

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"besonders hilfreich" von (3%):
  1. Finetta12
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  1. Zwilling1670
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