Im Kubus des Todes: Psycho-Horror
28.11.2003 (29.11.2003)
Pro:
spannend, genaue Figurenzeichnung, viele Überraschungen
Kontra:
wenig Humor, wenig Romantik
Empfehlenswert:
Ja
 mima17
Über sich:
Mein jüngster Bericht: "Die Gnomenmaschine" (Buch). +++ Mein "Kriegsfieber"-Beri...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Schon wieder eine Truman-Show, aber diesmal eine des puren Horrors... Handlung °°°°°°°°°°
Sechs Personen, vier Männer und zwei Frauen, finden sich urplötzlich und ohne zu wissen, wie sie hierher gelangt sind, in einem stählernen Kubus wieder, an den andere Kuben angrenzen, die über Luken zu erreichen sind. Jede Luke ist mit einer mehrstelligen Zahl gekennzeichnet. Da die Personen weder Wasser noch Nahrungsmittel haben, sondern nur eine Art Uniform-Overall tragen, müssen sie schleunigst zusehen, dass sie aus ihrem Gefängnis herauskommen. Doch nicht alle Kuben sind gleich, wie sie schon bald feststellen. Einige sind ungefährlich, in anderen verbergen sich unsichtbare Todesfallen. Bereits im Vorspann wird ein Mann von einer Art Eierschneider für Menschen (aus monomolekularem Draht) in Scheibchen geschnitten, die langsam auseinanderfallen – ein Anblick, den man seinen Kindern ersparen möchte.
Auch den Ausbrecherkönig Rennes erwischt es in einem unverhofften Augenblick. Er hat eine Methode gefunden, die Sicherheit eines Raumes zu testen, indem er zuerst einen seiner Stiefel hineinwirft. Erfolgt keine Reaktion, hält er den Raum für sicher. Dass dies ein Irrtum sein kann, merkt er leider zu spät: Sein Kopf wird von einer Säure zersetzt. Die richtige Einstellung kann also offensichtlich über Tod oder Leben entscheiden. Zunächst reißt der Polizist Quentin die Führung an sich. Er kann sich die Unterstützung der Mathestudentin Leaven sichern, die schon bald herausfindet, welche Kuben sicher und welche tödlich sind: Die Primzahlen auf den Luken sind ein wichtiger Hinweis. Doch das ist leider nur die halbe Antwort, wie sich zeigt.
Quentins Gegner sind die paranoide Ärztin Holloway und der Designer Worth. Worth hat die Außenhülle des riesigen Kubus entworfen, weiß aber nicht, wozu der Apparat dienen soll. Das Ding wurde jedenfalls schon vor Monaten in Betrieb genommen. Aber wozu? Leaven kann schon bald die Position einer Kubus innerhalb des Gesantkubus berechnen und somit die Gruppe zur Außenhülle führen. Doch die Kuben bewegen sich nach einem festgelegten Rhythmus, der sich anhand von Permutationen der Zahlen in den Luken berechnen lässt. Hoffnung auf Freiheit kommt auf: Es gibt eine Brücke zur Außenwelt!
Doch die Gruppe hat nicht mit der zunehmenden psychotischen Gewaltbereitschaft von Quentin, dem Cop, gerechnet... Filminfos °°°°°°°°°
O-Titel: Cube (Canada 1997) Vertrieb: VCL Video FSK: ab 16 Länge: 91 Min. Regisseur: Vincenzo Natali Drehbuch: Andre Bijelic, Graeme Manson, Vincenzo Natali Musik: Mark Korven Darsteller: Nicole deBoer: Leaven, die Mathestudentin Maurice Dean Wint: Quentin, der Polizist Nicky Guadagni: Holloway, die Ärztin David Hewlett: Worth, der technische Designer Andrew Miller: Kazan, der geistig Behinderte Wayne Robson: Rennes, der Ausbrecherkönig Julian Richings Mein Eindruck °°°°°°°°°°°°°
Die Versuchsanordnung ist klar: Man werfe sechs Personen in eine tödliche Umgebung und beobachte, ob sie sich retten können. Von der grundsätzlichen Absurdität des existentialistischen Geworfenseins der Personen mal abgesehen, entwickelt die Handlung eine interessante Dynamik, die nicht nur von der ständigen Bedrohung herrührt. Zunehmend gewinnt die Psychologie der Gruppe bestimmenden Einfluss. Zufallselemente wie etwa weitere Personen und die Kubenbewegung kommen hinzu, um die Situation weiterhin dynamisch zu halten. Die Figuren fragen sich zunächst, was sie hier sollen und ob es sinnvoll ist, sich überhaupt mit der Situation auseinanderzusetzen. Es gibt die Pragmatiker wie Rennes und Quentin und die Theoretiker wie Holloway und Worth, die den Sinn des Ganzen nicht einsehen wollen. Die Intelligenz von Leaven spielt zunächst eine rein instrumentelle Rolle: Ihre Fähigkeit wird zum Überleben eingesetzt. Dann aber entwickelt Leaven ein moralisches Bewusstsein, das sich auf direktem Kollisionskurs mit Quentins Herrschaftsanspruch befindet.
Eine Welt, eine Sicht aufs Leben im Kleinen: Die Versuchsanordnung wird konsequent weitergeführt. Nach dem Reden und Rätseln am Anfang kippt die Handlung zunehmend in Action um, die mehrere Opfer fordert. Hier haben die Macher den Anforderungen des Esoterik-Horror-genrefilms Genüge getan. Das verhindert aber, dass der Film durch Verkopfheit zu langweilen beginnt, wie es bei Tarkowskiys "Solaris" der Fall ist. "Cube" ist jedenfalls nichts für schwache Nerven. Der Schluss ist von sublimer Ironie: Nur der "Idiot", Kazan, entkommt der tödlichen Falle. Die DVD °°°°°°°
Der Sound in Dolby Digital 5.1 transportiert die Atmosphäre im Kubus dreidimensional zum gehörgang des Zuschauers, wohingegen die Bildqualität nicht ganz mithalten kann. Die ist bei "Hypercube" wesentlich besser, wie ich finde. Der Film liegt in deutscher und englischer Sprache jeweils mit Untertiteln vor. An Bonusmaterial herrscht jedoch auf der Leih-DVD eklatanter Mangel: Die Silberscheibe bietet nur Trailer zu anderen Streiefen. Auch in dieser Hinsicht schneidet "Hypecube" besser ab: Making-of, Regiekommentar und etliches andere beglücken den Filmfan.
Laut Amazon.de bietet die Kauf-DVD, die im Mai 2001, folgende Extras: • Deleted Scenes • Special Effects Artwork • Audiokommentar • Infos zum Produktionsdesign Wohl dem, der sich die knapp 25 Euro Neupreis leisten kann. gebraucht ist die SIlberscheibe bei Amazon für immer noch stattliche 10 Euro zu haben.
Unterm Strich °°°°°°°°°°°°° Die klaustrophobische Atmosphäre eines KZs fasziniert den Zuschauer von Anfang an, die unterschiedlich eingefärbten Kuben zerren an den Nerven, und zunehmend erhalten die entgleisenden Emotionen die Oberhand. Wir können zusehen, wie der alte Adam in die Steinzeit zurückkehrt. Das sieht dann besonders gegen Schluss aus wie Horror-Action, wie man sie im Dutzend billiger in der Videothek bekommt. Um dies zu werten, muss man entscheiden, ob man dem Ideengehalt oder der Unterhaltungspotenz des Films den Vorzug geben will.
Daher gibt es nicht die volle Punktzahl: vier von fünf Sternen. Michael Matzer © 2003ff
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03.12.2003 15:55
@Bjoern.Becher: Waaaaaaaaaaas: Du kennst diesen Film nicht? Jetzt bin ich aber echt schockiert.....
03.12.2003 15:54
Genialer Film! Schade nur, dass ich die DVD eigentlich noch nirgends gesehen habe?! Klar ist jedenfalls, dass ich den Film momentan nicht neu bei amazon.de kaufen werde, denn DVDs gibts ja häufig mal im Sonderangebot. Du hattest doch mal über Bella Martha geschrieben, nicht wahr? Den gibts inzwischen überall für 10 Euro! Bei Cube warte ich auch auf das 9,99 Euro-Angebot!
01.12.2003 16:06
Habe ich leider noch nicht gesehen. Den muss ich irgendwann mal nachholen, nach den vielen positiven Stimmen.