Cycle Spirit Rucksack Touring/Sport

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Sack-Karre

5  08.11.2005

Pro:
Guter Tragekomfort / Praxistauglichkeit / Platzangbot / Preis

Kontra:
Ich werd jetzt auch mit dem Motorrad zum Einkaufen gejagt

Empfehlenswert: Ja 

Tut_Ench_Amun

Über sich: Der frisch renovierte BUCHWURM ist umgezogen: buchwurm.org

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ein häufiges Problem beim Motorradfahren ist das Mitnehmen von Gegenständen, welche die Größe von Portemonnaie oder Brieftasche überschreiten. Das Einkaufen selbst einer Tüte Brötchen kann so grausam sein. Entstellende Koffer, Satteltaschen und Top-, sowie Side-Cases wären eine Alternative, rangieren aber vom Coolness-Faktor her irgendwo im Bereich eines plattgefahrenen Igels auf der B1. Also weit unter Null. Ok, praktisch ist sowas schon, doch wer - in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und funktionstüchtigen Sehnervs - schlunzt sich so einen potthässlichen Kladderadatsch an die Karre? BMW- und Roller-Fahrer mal ausgenommen, deren Geschmackssicherheit gemeinhin sowieso angezweifelt wird. Nein, so eine Peinlichkeit kommt mir nicht an die Kawa. No way! Ist ein japanisches Zweirad und kein türkisches Flugzeug.

Wohin also mit dem dämlichen (aber nichtsdestoweniger notwendigen - sonst wird die Pharaonin fuchtig) Päckchen Markenbutter aus'm Discount? Grade hat sie per Handy das zuckersüße "Schaaaa-hatz" geflötet - mit dieser Stimme, die normalerweise dazu führt, dass man sich das Nefer-Tuch ganz tief ins Gesicht zieht und einen auf unsichtbar und/oder verstorben macht. Oder entschuldigend "Muss grad Syrien erobern" murmelnd verduftet. Denn erfahrungsgemäß folgt ein Wunsch. Zum Beispiel, auf dem Heimweg, doch "mal eben" noch was fürs Abendessen mitzubringen. Mal eben - DER ist gut. Harhar. "Nicht viel" säuselts dann noch aus dem Lautsprecher (aber garantiert genug um es nicht mehr "mal eben" in die Lederkombi stopfen zu können). Bei Butter klappt das eh nicht so doll. Hatte letztens schon einmal experimentell nachweisen können (Versuch macht kluch), dass Butter keine Rotweinflecken hinterlässt.

Dolle Show. Nee, wirklich. Lob, ob dieser sicherlich bahnbrechenden Erkenntnis, gab's nicht. Dafür aber 1 Woche Strafdienst am herrscherlichen Waschvollautomaten und diesen gewissen, tadelnden Blick, der einen die gesamte Woche hindurch auch besser unten in der Waschküche ausharren lässt. Freiwillig. Das Nefer-Tuch umhüllte Haupt demutsvoll im Schmutzwäschekorb vergraben. Also was nu? Anhänger? Seitenwagen? Hmmm. Sicher etwas oversized. Ich habs! Ein Rucksack könnte ein solch banal scheinendes Transportproblem lösen. Eine Mumie - ein Wort. Dummerweise taugt nicht jeder Rucksack was auf dem Moped. Zumindest nicht auf Dauer. Quid ad est demonstrandum - der alte Rucksack ist eher ein regelrechtes Folterwerkzeug. Einige Eckdaten und Fähigkeiten muss so ein Kamerad nämlich schon mitbringen, will er im harten Alltagseinsatz auf dem pharaonischen Buckel bestehen.

Zu Merkwürdens Freude inserieren derzeit sämtliche Ketten, die sich die Versorgung von Bikern mit Motorradspezifischem auf die Fahne geschrieben haben, saisonbedingt verstärkt mit gepurzelten Preisen. Alles muss raus - fast alles. Auf jeden Fall sah Louis bei (einer seiner mannigfaltigen Hausmarken) Cycle Spirit "Sports"- und "Touring"-Rucksäcken den Produktzyklus offenbar für abgelaufen. Grund genug die beiden vermeintlich ollen Säcke von knapp 50 auf knapp 30 Euro zu reduzieren und im Helloween-Werbeprospekt anzupreisen, wie geschnitten Brot. Damit ich nicht wieder die Woche ohne Sex in der grausam nass-kalten Waschküche nächtigen muss, bin ich doch glatt mal peilen gegangen.

Die Unterschiede? Gering, der Tourer ist etwas breiter und hat seitlich noch zusätzliche Taschen aufgesetzt. In Schnitt, Farbgebung und Material unterscheidet ihn nur wenig von seinem sportlichen Bruder. Das für mich hauptsächlich (kauf-)entscheidende Tragegurt-System und so ziemlich der ganze andere Rest sind identisch. Da ich nicht aussehen will, wie ein ägyptischer Reisebus auf 2 Rädern habe ich mich nach Anprobe beider Varianten letztendlich aus optischen Gründen für die "Sports"-Version entschieden. Diese erschien mir bei nur geringfügig weniger Stauraum, vom Design her schnittiger und damit ansprechender. Nicht so plump und ungenau... Nein, nicht wie Feuerwaffen... sondern wie ein Strecken-Schlachtschiff mit Was-Weiß-Ich-Alles-Für-Cases.

Damit wären wir in der Sparte "Ausstattung" angelangt. Der, laut verstohlen eingenähtem Fähnchen, in Indonesien hergestellte Rucksack besteht samt und sonders aus Kunstfaser. Genauer gesagt aus Polyester, wobei das Gewebe nicht durchgängig nur aus einer einzigen Art besteht. Einige Teile haben zur Abwechslung etwas Leinen-artiges, andere sehen aus, wie Carbonfaser - was sich auf den zweiten prüfenden Blick natürlich als Fake herausstellt. Wohin das Auge auch blicket: Plastik und Gummi. Aber: stabil ist es gemacht. Der Tragegriff an der Oberseite sieht vertrauenswürdig genietet aus, ist rundum griffig gummigepanzert und lässt sich von einer durchschnittlich großen (Männer-)Hand anständig packen und schleppen.

Die anatomisch vorgeformten, breiten Schulterriemen sind mehrfach am Rückenteil vernäht. Sie sind auf ihrer Innenseite rutschfest gummiert und für besseren Tragekomfort wattiert. Ebenso die Seitenlaschen für den Bauchgurt, sowie die (sogar atmungsaktive) Rückenauflagefläche - alles gepolstert. In die Seitenlaschen sind zudem noch Kleinteil-Fächer mit Reißverschlüssen eingearbeitet. Mehr als ein paar einzelne Geldscheine oder die ADAC-Karte etc. bekommt man dort aber nicht unter. Für gute Sichtbarkeit sorgen Reflex-Biesen auf der Außenseite - den Regenschutz übernimmt ein an der Unterseite schön verstecktes, integriertes Polyester-Cover, welches bei Bedarf aus seiner Behausung geholt werden kann. Die Längen- bzw. Weitenverstellung aller Gurte funktioniert, wie einschlägig von diversen Schultornistern und anderen Rucksäcken gewohnt. Alle Gurte haben zudem deren bekannten Plastik-Click-Schnallen.

Der Inhalt kann in drei Fächern untergebracht werden, alle drei sind mit Reißverschlüssen gesegnet, zum Teil kaschiert. Das große Hauptfach kann mit 4 verstellbaren Strapsen (Stichwort "Kompressionsgurte") zusätzlich und individuell verschnürt und angepasst werden. Die Zugentlastung geschieht über einen elastischen Brustgurt. Die beiden größeren Innenfächer sind unterteilt. Im Innenfutter des großen Faches ist ein Einschub für Kartenmaterial, in der flacheren Außentasche für Handy, Brieftasche und kleinerem Krimskrams eingenäht. Somit kann während der Fahrt nichts großartig herumkleppern, wenn man es anständig darin verstaut. Auf der Oberseite ist noch ein kleineres Fach bzw. nach Innen gewandter Beutel, den ich hier einfach mal als "Sockenfach" tituliere. Vermutlich liege ich damit gar nicht so falsch. Das Gesamtvolumen gibt der Hersteller mit 24 Litern an - schon beachtlich was da so alles reingeht.

Die Verwendung des Geistes des Zweirades - so die freie Übersetzung zu "Cycle Spirit" - ist natürlich nicht nur aufs Motorrad beschränkt. Auch als Trekking Day Pack im Ruhrpöttischen Outback oder als Picknick-Sack am Wochenende, das ausnahmsweise auch mal ohne Moped stattfindet, macht er eine gute Figur. Obwohl er sich zumindest dem Namen nach ja vordringlich an Biker richtet. Da geht so Einiges rein, für gewöhnlich nehm ich darin mein Notebook samt Peripherie mit zur Firma, darin ist es gut und recht trocken aufgehoben. Auch die "Mal Eben"-Einkäufe für die schon ungeduldig wartende Pharaonin, bringen mich nun seltener in Verlegenheit. Als zusätzliches Gimmick kann mittels zweier Metall-Ösen der Sack sogar als eine Möchtegern-Satteltasche z.B. auf der Sitzbank zu verstrappst werden - in Jedem von uns steckt manchmal doch wohl ein BMW- oder Roller-Fahrer.

Fazit
Die Pharaonin frohnlockt. Ich kann jetzt für ihre spontanen Aufträge auf ein großzügiges Platzangebot zurückgreifen, bei dafür immer noch schlankem, gefälligem Design und geringem Eigengewicht. Bisher haben sich Verarbeitung und Material als robust und widerstandsfähig erwiesen. Das Außengewebe hält zudem Spritzwasser bis zu einem gewissen Grad ab. Bei leichtem Niederschlag benötigt man also nicht mal das Regencover, das muss dann den Inhalt erst bei Platz- oder Dauerregen schützen. Wünschenswert wäre allenfalls sog. Schnellöffner für die Schultergurte gewesen (dienen zum leichteren An- und Ablegen im beladenen Zustand), aber das ist in diesem Preissegment nicht machbar. Die dafür aufgerufenen 29,95 waren eine gute Investition in Hinblick auf den hinzugewonnenen Komfort und so manchem sinnvollem und praxisnahem Goodie, die ich allesamt mittlerweile nicht mehr missen möchte.

So Long

Der Packesel-Pharao
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Der pharaonische Sack - nein nicht DER. Der andere.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ra_amun

ra_amun

08.08.2012 22:11

:-*

Terminator-II

Terminator-II

12.11.2005 04:10

ou, das "Kontra" ist ja also schon wirklich eines! *schmunzel* Aber ´n BH mehr haste jetzt wenigstens dafür im (Ruck)Sack! ;o) CU, Termie!

Die_Buchhaendlerin

Die_Buchhaendlerin

11.11.2005 10:25

sehr amüsant zu lesen und auch mal ein Thema, mit dem ich was nafangen kann (denn gute Rucksäcke brauchen auch Nicht-Pharaoninnen)

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