Sehnsüchtige Erinnerungen an die DDR-Rockszene

5  26.10.2004

Pro:
zeitlose Musik, super Bands, noch viele Fans

Kontra:
seit 15 Jahren tot

Empfehlenswert: Ja 

macfischkopp

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Lange habe ich nichts von mir hören lassen, ich weiß, aber das wirkliche Leben geht nun mal vor. Heute allerdings muss ich einfach mal wieder meinen Gedanken freien Lauf lassen, denn mir brennt ein Thema auf der Seele, zu dem ich schon ewig mal meinen Senf ablassen wollte.

Dieser Tage wird –zumindest hier in Berlin- überall Werbung für das neue City-Album gemacht. Es wird von allen Seiten als das beste Werk der Band seit der Wende bezeichnet, und das völlig zu Recht. Beim Beschäftigen mit diesem Album fiel mir auf, dass auch andere Ex-Ost-Rockbands gerade wieder äußerst populär sind und einen Zulauf haben, als hätte es die Wende und die mageren Jahre danach nie gegeben. Nun, ich sehe allerdings einige dieser Wiederauferstehungen mit gemischten Gefühlen, doch dazu später mehr.

Einige Leser dieses Berichtes, vor allem die Jüngeren unter uns, werden sich an dieser Stelle fragen: Wovon redet denn der Kerl überhaupt? Nun, ich rede von unserer guten alten DDR-Rockmusik, von einer Musiklandschaft, die wohl einzigartig war in ihrer Qualität und Vielfalt im Europa der 70er und 80er Jahre. Ja, ich wage sogar die Behauptung aufzustellen, dass wir im Vergleich zur damaligen BRD in der DDR die eindeutig bessere, kreativere und qualitativ hochwertigere Musikszene hatten.

Warum nun gibt es 15 Jahre nach dem Mauerfall wieder einen solchen Run auf diese Musik, auf unsere Helden von damals? Weshalb ziehen die Puhdys immer noch 20.000 Fans in die Waldbühne, spielt City immer noch in ausverkauften Hallen, erlebt die Stern Combo Meißen gerade ihren dritten Frühling, ist Gerhard Schöne erfolgreich wie eh und je? Was zum Teufel macht diese Musik, diese Bands so unsterblich? Ich will mal versuchen, diese Frage in den kommenden Minuten zu beantworten, zunächst aber einen kleinen Rückblick auf eben diese so wundervolle Musikszene der DDR werfen und meine Gedanken abrunden mit einem Blick auf die Gegenwart.
Aber eins gleich vorneweg als WARNUNG: Es wird vermutlich wieder ein Mammutbericht.


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DIE ANFÄNGE
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Während sich im westlichen Europa der 50er und 60er Jahre die Jugendlichen an der großen Zeit des Rock`n Roll, später dann an den Stones, Beatles usw. erfreuen konnten, war es für die DDR-Jugend nicht so einfach sich musikalisch zu orientieren. Okay, es gab natürlich auch unter der Walter Ulbricht-Regierung so etwas wie eine Musikszene, doch waren das mehr Versuche den Rock`n Roll der westlichen Welt zu kopieren. Und man sang zumeist englisch. Die bekanntesten Vertreter dieser Zeit waren die Sputniks, die Butlers und Team 4.
Irgendwann gewannen dann die Stones und Beatles auch in der DDR an Einfluss, und neue Bands schossen wie Pilze aus dem Boden. Den Oberen war jedoch diese „Gitarrenbewegung“ mehr als suspekt, denn schließlich kam es aus dem Westen. Ulbricht holte zum Gegenschlag aus und hielt 1965 seine legendäre Rede, in der er „dieses amerikanische Yeah Yeah Yeah“ verdammte und somit für unerwünscht erklärte.
Daraufhin mussten viele Bands ihren Namen ändern (aus Team 4 wurde z.B. die Thomas-Natschinski-Gruppe, aus den Butlers die erste Klaus Renft Combo), sich von der rockigen Musik in Richtung Schlager wandeln oder wurden sogar ganz verboten.


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DIE 70er JAHRE - AUFBRUCHSTIMMUNG
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Wie alles in der DDR wurde nun auch die Musiklandschaft der staatlichen Kontrolle unterworfen. Es wurde beschlossen, die „Jugendtanzmusik zu entwickeln und zu fördern“. Das sah dann so aus, dass man sich Einstufungstests und Prüfungen unterziehen musste, bevor man als Band öffentliche Auftritte absolvieren durfte, ganz zu schweigen von der verlangten Musikerausbildung.

Trotz all dieser Hürden entwickelten sich in dieser Phase Bands wie die Puhdys, Klaus Renft Combo, Panta Rhei oder die Elektra Combo, und es ließ sich schon erahnen, dass sich da etwas Großes entwickelte.
Ebenso drängten zu dieser Zeit aus den östlichen Nachbarländern eine Menge Gruppen auf den Markt. Die bekanntesten Vertreter waren z.B. aus Polen Czeswlaw Niemen (der übrigens kürzlich verstarb), die Roten Gitarren und die Skalden. Die meisten Bands kamen aber aus Ungarn, wo man bereits eine florierende Musikszene vorzuweisen hatte. Scorpio, Piramis, LGT, Fonograf, Hungaria, General, vor allem aber die legendären Omega waren die Hauptakteure. Es war für die junge ostdeutsche Musikszene echte Konkurrenz und trug ganz entscheidend dazu bei, dass die Qualität unserer Musik immer mehr zunahm.

Mitte der 70er Jahre dann boomte der Musikmarkt. Die Jugend nahm die heimischen Bands an und identifizierte sich mit ihnen. Auch nahm die Stilbreite immer mehr zu. Es gab inzwischen nicht nur tolle neue Rockbands wie Lift, SET, Prinzip, Karat (aus Panta Rhei hervorgegangen), Veronika Fischer und Band, Stern Combo Meißen, City oder eben die Puhdys, sondern auch Bereiche wie Soul (Modern Soul Band, Uschi Brüning), Blues (Diestelmann, Biebl, Kerth, Engerling) und Jazz (Klaus Lenz, Günther Fischer) wurden abgedeckt. Nicht zu vergessen die tolle Chanson- und Liedermacherszene der DDR. Mit den Puhdys, Karat und später auch City durften sogar die ersten Gruppen im westlichen Ausland auftreten.


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DIE 80er JAHRE – VIELES WURDE ANDERS
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Anfang der 80er Jahre erreichte meiner Meinung nach die DDR-Rockmusik ihren Höhepunkt – was die künstlerische Seite anging. City, Karat, immer noch die Puhdys, Karussell, Berluc, Pankow, Rockhaus und viele andere, vor allem aber auch Silly mit der phantastischen Tamara Danz produzierten Musik vom Feinsten.

Aber es zeichnete sich allmählich eine Art Trendwandel ab. Die DDR-Jugend liebte zwar ihre Idole, aber sie wollte endlich auch freien Zugang zur westlichen Musik haben. Die Plattenumsätze gingen dramatisch zurück, Konzerte waren nicht mehr ausverkauft, und die schrittweise Öffnung der ostdeutschen Medien –vor allem dank solcher Sender wie DT 64- ließ schwere Zeiten für die erfolgsverwöhnten Bands anbrechen. Manche Bands waren aufgrund ihrer Klasse durchaus in der Lage auf moderne Trends zu reagieren – so hatten z.B. die Puhdys Anfang der 80er mit ihren beiden Songs „Jahreszeiten“ und „TV-Show“ Riesenerfolg, da sie im Stile der damals gerade aktuellen Neuen Deutschen Welle arrangiert und produziert wurden.

Alles in allem jedoch stand die ostdeutsche Musikszene am Scheideweg. Erschwerend kam hinzu, dass viele großartige Künstler inzwischen das Land in Richtung BRD verlassen hatten oder ausgewiesen worden waren (Veronika Fischer, Franz Bartsch, Diestelmann, Holger Biege, Hansi Biebl, Ute Freudenberg,…). Diese Verluste waren nicht zu ersetzen.
Aber auch sonst taten sich erstaunliche Dinge. Viele Musiker waren im Zuge der sich abzeichnenden politischen Veränderungen nicht mehr länger bereit, sich der Willkür der DDR-Kulturoberen zu unterwerfen, was sich u.a. in den Texten widerspiegelte. Die Folge waren reihenweise Auftrittsverbote und Lieder, ja ganze Alben, die auf dem Index landeten und nicht öffentlich gespielt werden durften. Prominenteste Opfer waren Silly (Der Titel „Mont Klamott“ stand auf dem Index, das Album „Liebeswalzer“ sollte eigentlich „Zwischen unbefahrenen Gleisen“ heißen und musste wie drei Titel des Albums vor dem Erscheinen umbenannt bzw. umgetextet werden), die Puhdys („Ich will nicht vergessen“ war indiziert), Kerschowski (er bekam bereits nach dem ersten Album Auftrittsverbot), oder auch City, deren Album „Casablanca“ von den Bossen ganz und gar vom Markt genommen werden sollte, was sich aber wegen des gigantischen Erfolges und der Drohung der Band, von einem BRD-Gastspiel nicht zurück zu kehren, nicht begründen ließ.

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ZURÜCK ZUM THEMA
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Soweit ein kleiner, arg gestraffter Blick in die eigentliche Geschichte der DDR-Musik. Was aber macht denn nun –um auf meine Eingangsfrage zurück zu kommen- auch heute noch den Reiz dieser Musik aus?

Ich denke, da spielt vieles hinein. Zunächst mal ist es natürlich viel (N)ostalgie dabei. Jeder, der in der DDR groß geworden ist, verbindet mit vielen dieser Bands und ihren Titeln irgendwelche Erinnerungen. Bei mir z.B. ist Lakomys „Es war doch nicht das erste Mal“ das allererste Lied, welches ich selbst auf Tonband aufnahm. War irgendwann 1976. Oder mit „Zeit die nie vergeht“ von Perl haben wir während meiner Armeezeit die Längerdienenden immer wieder auf (© macfischkopp) charmante Art und Weise daran erinnert, dass sie noch ein ganzes Stück Weg vor sich haben. Diestelmanns „Bluesgeschichte“ war 1984 der Startschuss für eine unvergessliche Liebesnacht. Oder bei Karats „Wie weit fliegt die Taube“ muss ich immer wieder an meinen Vater denken, der diesen Song ebenso wie Ute Freudenbergs „Jugendliebe“ über alles geliebt hat. Oder wenn ich an „Hallo Erde, hier ist Alpha“ von Berluc denke, komme ich noch immer ins Schmunzeln, denn seit ich dieses Lied erstmals hörte, wollte ich unbedingt Gitarre spielen lernen. Ich könnte das noch endlos fortsetzen.

Sicher hat auch jeder, der in der BRD aufgewachsen ist, irgendwelche Beziehungen zu bestimmten Liedern. Aber bei uns war eben das Besondere, dass es nicht diese unerreichbaren amerikanischen oder englischen Stars waren, sondern Bands und Sänger, die aus unseren Reihen kamen, die waren wie wir. Jedenfalls empfinde ich das so –auch heute noch.

Etwas ganz Entscheidendes war auch die Qualität und die ganz eigene Stilistik der DDR-Bands. Es gab eine ungeheure Anzahl von Klasse-Bands, die vor allem auch über Jahre hinweg am Ball blieben. Dabei hatte man es längst nicht mehr nötig die großen internationalen Bands zu kopieren. Nein, in der DDR schuf man eine ganz eigene Musiklandschaft, die –ich wiederhole mich da gerne- einmalig war in Europa. Keine Gruppe klang wie die andere, aber jede Band für sich war unverkennbar. Es wurden glanzvolle Songs geschrieben, hervorragende Alben eingespielt. Dabei denke ich nicht nur an „Der blaue Planet“ von Karat, sondern mir fallen spontan etwa 20 Alben ein, die ich auch heute noch als genial bezeichne. Man muss dabei unbedingt erwähnen, dass die ostdeutschen Musiker aufgrund der Tatsache, dass sie ja unbedingt eine Ausbildung an der Musikhochschule brauchten, um öffentlich auftreten zu dürfen, allesamt Perfektionisten an ihren Instrumenten waren. Das hörte man der Musik auch jederzeit an, selbst wenn manchmal wegen der fehlenden technischen Ausstattung der Sound nicht unbedingt erstligareif war. Die Titel glänzen oftmals durch ausgefeilte Arrangements, und es wird deutlich, dass da tatsächlich eine Band hinter steckt.

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WARUM FEHLT(E) DER ERFOLG IM WESTEN?
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Nun, einige wenige Bands durften ja durchaus im „NSW“ –Abkürzung für Nichtsozialistisches Währungsgebiet :-) - auftreten, aber letztendlich waren das Eintagsfliegen. Es mag ja sein, dass die Puhdys oder Karat mit ihren Konzerten die Leute in der Bundesrepublik begeistern konnten, aber eine wahre Chance auf dortigen Erfolg hatten sie nie. Dann nämlich wären sie auch von den westdeutschen Rundfunkanstalten gespielt worden, um so ihre Musik einer breiten Masse zugänglich zu machen. Aber genau das passierte nicht, weder damals noch heute. Aber warum war und ist das so?

Ich denke mal, eine ganz gewichtige Rolle spielen die Texte unserer Bands. Der durchschnittliche Bundesbürger konnte einfach mit den Belangen, die eine DDR-Band oftmals in ihren Liedern ansprach, nichts anfangen. Hinzu kam, dass die Sprache, die in den Liedern gewählt wurde, nichts zu tun hatte mit dem Liebesgesülze vieler westdeutscher Schlagerstars oder auch nicht vergleichbar war mit dem Slang eines Udo Lindenberg. Wir hatten stattdessen ganz exzellente Texter (Kurt Demmler, Werner Karma – um nur zwei der Besten zu nennen), die oft die deutsche Sprache bis zum letzten ausschöpften, viel Poesie einbrachten, aber eben auch oft versteckte Botschaften übermittelten, die nur ein DDR-Bürger verstehen konnte.

Aber wir hatten nicht nur super Texter, sondern auch unwahrscheinlich kreative und erstklassige Komponisten, die für diese Vielzahl großartiger Titel verantwortlich zeichneten. In der Regel gab es in jeder Band mindestens einen dieser genialen Köpfe, was uns wohl auch von der musikalischen Massenware des Westens abhob. Wir hatten keine Chinn/Chapmanns, die für ungefähr 20 Bands reihenweise und jahrelang Hits am laufenden Band produzierten. Nein, bei uns hießen die Genies Ed Swilms (Karat); Cäsar (Renft, Karussell), Birr/Meyer (Puhdys) usw. Dadurch wurde eben wirklich gewährleistet, dass jede Band einzigartig und unverwechselbar klang. Und was den Federn und Köpfen dieser Leute entsprang, hob sich eben deutlich vom Einheitsbrei der Charts ab. Ja, wir hatten früher sicher (© macfischkopp) nicht diese Disco-Kracher a la Boney M. oder Abba, aber darüber war auch niemand, der ein bisschen was von guter Musik verstand, traurig. Die ostdeutsche Musik brachte stattdessen Meisterleistungen wie „Albatross“, „Über 7 Brücken“, „Der blaue Planet“ (alles von Karat), „Das Buch“ oder „Wenn ein Mensch lebt (Puhdys), „Lieb ein Mädchen“ und „Wer die Rose ehrt“ (Renft/Karussell), „Am Fenster“ (City), „Mont Klamott“ und „Bataillon d`amour“ (Silly) usw. usf. hervor.

Tamara Danz bekam nach der Wende mal von einem westdeutschen Rundfunkmacher zu hören: „Frau Danz, Ihre Musik ist wirklich hervorragend, aber wir können sie nicht spielen. Ein BRD-Bürger kann mit dieser Art Musik und vor allem Ihren Texten nichts anfangen. Er versteht Sie einfach nicht!“ Ich denke, diese Worte treffen genau ins Schwarze. Wobei ich meine, damit stellt man den Bundesbürgern wohl ein ziemliches Armutszeugnis aus, zumindest den wirklich Musikinteressierten. Es ist sicher gewöhnungsbedürftig, wenn man plötzlich von Maffay Co. auf Berluc, City und andere umsteigen soll, aber glaubt mir: es lohnt sich! Zeigt mir eine aktuelle Band, die beispielsweise diese Tiefe und Klasse der Songs von Silly oder den Karat-Titeln der 80er erreicht. Mir fällt derzeit nichts dergleichen ein.


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FAZIT
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Ich hoffe doch sehr, dass sich keiner zwischen Flensburg und München durch meinen Artikel auf den Schlips getreten fühlt. War nicht meine Absicht. Ich weiß auch nicht, ob es mir gelungen ist klar zu machen, warum viele „Ossis“ heute wieder der Musik von damals huldigen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls nie aufgehört, diese Songs zu hören. In meinem Auto liegen auch immer einige CD`s mit entsprechender Musik. Für viele ist es ja vielleicht auch nur die mangelnde Qualität des derzeitigen Musikmarktes, diese ganzen Retortenbands und –sänger/innen, die einfach keine Identifikation mit ihrer Musik zulassen. Da erinnert man sich doch gerne wieder zurück an seine „frühen“ Jahre. Die Musik war ehrlich und handgemacht, nicht so seelenlos wie viele der heutigen Acts, man konnte ganz einfach eine Verbindung zu seinem eigenen Leben herstellen.


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WAS MACHEN UNSERE IDOLE HEUTE?
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Viele der im Osten so erfolgreichen Bands haben nach dem Mauerfall resigniert und sich aufgelöst. Die musikhungrige DDR-Jugend wollte logischerweise nun erst einmal all das hören und kaufen, was ihnen 40 Jahre lang vorenthalten wurde.

Aber es ging eben auch anders: Bands wie City, Karat oder die Puhdys haben sich über die Jahre am Leben erhalten und auch immer wieder neue Alben produziert. Nur merkt man leider diesen früher so begnadeten Bands an, dass sie sich notgedrungen gewandelt und dem musikalischen Trends angepasst haben. Ihren Titeln der 90er Jahre fehlt einfach die Tiefe und die Klasse, die sie früher so ausgezeichnet haben. Die Texte sind banal geworden, der Sound flach und einfach irgendwie 08/15. Von der einstigen Kreativität dieser Bands ist leider über die Jahre kaum noch etwas übrig geblieben. Da steckt nichts Eigenes mehr dahinter, es ist leider auch fast schon austauschbar geworden.
Eine Ausnahme macht da das anfangs schon mal angesprochene nagelneue City-Album „Silberstreif am Horizont“. Endlich besinnt sich City wieder auf die ureigenen Tugenden und macht intelligente Musik mit ansprechenden Texten, die auch eine Aussage haben.

Andere Bands wie Stern Meißen, Electra und Lift touren seit einigen Jahren als sogenannter „Sachsendreier“ durch die Lande und spielen ihre alten Hits. Auch Pankow hat sich gerade wieder zusammengerauft und ihre einstigen Hits neu auf die Bühne gebracht. Inwieweit sich diese Bands auf Dauer allerdings selbst einen Gefallen damit tun, als reine „Oldiebands“ zu wirken, sei mal dahingestellt. Okay, ich finde es auch toll, auf diesen Konzerten meine alten Lieblingshits von früher zu hören, aber ich wäre auch nicht böse darüber, wenn in Zukunft auch neues Material nach käme. Aber dann stellt sich sofort wieder die Frage, ob irgendwer von der heutigen Hörerschaft mit dieser Art Musik noch etwas anfangen kann. Wohl eher nicht, und schon würde den Bands die Grundlage für ein erfolgreiches Weitermachen fehlen. Das gilt ebenso für alle anderen Bands, die es heute noch mal versuchen.


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UND WAS NUN?
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Ich meine, man sollte die DDR-Rockmusik der 70er und 80er Jahre so in Erinnerung behalten wie sie war: innovativ, intelligent, niveauvoll und einfach große Klasse! Wer diese Zeit nicht erlebt hat und die Nase voll hat von diesem ganzen elenden Brei, der heutzutage die Charts verseucht, dem empfehle ich ganz dringend mal die Beschäftigung mit dieser damaligen Zeit.

Es gibt im Netz etliche Seiten, die sich mit der DDR-Musikszene befassen, so z.B. www.ostbeat.de oder www.ostrock.de, und in jeder gut sortierten Musikhandlung sollte umfangreiches CD-Material zur Verfügung stehen. Allerdings empfehle ich nicht unbedingt diese unzähligen Sampler, denn da wurde wie üblich viel Müll mit rauf gepackt. Wer Tipps für Hörproben haben möchte, wende sich vertrauensvoll an mich.


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NACHTRAG
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Einen Punkt möchte ich noch schnell anfügen: Es wurden zwar schon etliche Alben aus der DDR-Epoche als CD neu aufgelegt, aber eben längst nicht alle. Ich weiß ja nicht, wer da wo und was entscheidet, aber ich denke, daß es da immer noch einen riesigen Nachholbedarf gibt. Ich rede auch nicht von diesen schon angesprochenen Samplern oder Best Of-Verschnitten, sondern von den Originalalben. Beispielsweise vermisse ich immer noch CD`s von NO 55, Magdeburg, Jürgen Kerth, um nur einige zu nennen. Also, liebe Plattenfirmen: Der Markt ist da, werdet ativ!

Vielen Dank für Eure Geduld und Aufmerksamkeit!

P.S. Schnellklickern und Textklauern mögen beim Hörern der nächsten Chartbreisoße die Ohren für immer zuwachsen!

© 26.10.2004 macfischkopp
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
calista78

calista78

30.10.2007 16:24

Super Bericht, NSW - das ist gut :-) Danke für die tollen Infos, ich liebe die Musik von damals einfach auch noch :-)

beegeemania

beegeemania

08.10.2007 19:16

Suuuuuuper Bericht und eines ist auf jeden Fall klar - wie Du schon schreibst: Die Musik der DDR der 80er Jahre ist/war um Meilen besser als die der BRD----->wenn ich da an die NDW denke (Da da da, so'n *Driss*) wird's mir heute noch schlecht......ich konnte der Mucke nie etwas abgewinnen :-) Grüßle Bärbel

LadyInWhite

LadyInWhite

29.09.2007 11:29

wow, wie ausführlich! das scheint ja echt DEIN thema zu sein? hoffe, du kannst auch aktueller musik einiges abgewinnen?!

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