Ich glaub', mein Blinker piept!
20.06.2012
Pro:
Preiswert und ansprechend, alles nötige drin .
Kontra:
Verbrauch könnte etwas besser sein
Empfehlenswert:
Ja
 throckmorton
Über sich:
Mitglied seit:15.06.2012
Erfahrungsberichte:4
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Es war einmal – in einer Zeit, an die sich nur noch wenige erinnern werden -, da fuhr auf Deutschlands Straßen ein Auto namens DKW, das durch seinen knatterigen Zweitaktmotor und seine ungewöhnliche Karosserie auffiel. Dieses Auto, genauer der DKW 1000 S, war der Einstieg meiner Eltern in die Mobilität (Credo meines Vaters: „DKW ist kein Auto, sondern eine Weltanschauung“) und ich kann mich gut erinnern, wie sich DKW-Fahrer unterwegs per Handzeichen, später per Lichthupe gegenseitig grüßten (Heute würde man eine Blitzerwarnung vermuten, so ändern sich die Zeiten!). Der Dacia Sandero Stepway, der hier besprochen werden soll, könnte einen ähnlichen („weltanschaulichen“) Status erhalten: Kontrovers diskutiert, mit Vorurteilen konfrontiert („Oh Gott, aus Rumänien…“ – „Ganz schön spartanisch…“ - „So billig – wo ist da der Haken?“) rollt er in einer Zeit ziemlich teurer, durchelektronisierter, multitasking- und internetfähiger Autos zu einem erstaunlich günstigen Preis auf den Straßen, bietet alles wichtige und doch auch ein bißchen mehr als das – und seine Fahrer grüßen sich zwar vielleicht nicht, aber gelegentliches Grinsen ist mir schon entgegengekommen.
Subjektivität Besonders bei der Bewertung von Autos muß man wohl die starke emotionale Bindung ihrer Besitzer berücksichtigen: In der Regel wird ein Autokäufer seine Kaufentscheidung verteidigen und nach guten Gründen suchen – es sei denn, er gerät wirklich an eine Katastrophenkiste. Auch ich kann und will nicht verhehlen, dass mir dieses Auto gefällt, dass ich die Idee pfiffig finde und dass ich zu objektiver Bewertung zwar bereit, aber mangels einer Qualifikation als Kfz-Mechaniker, Tester oder Gutachter nur bedingt fähig bin.
Der Kauf Um gleich noch eins draufzugeben: Genau genommen handelt es sich hier nicht um ein, sondern zwei Autos gleichen Typs, die im Februar 2011 in Waren (Müritz), Mecklenburg-Vorpommern (das ist das schöne Land mit der endlosen Ostseeküste und den tausend Binnenseen) bei dem Renault/Daciahändler Piahowiak gekauft wurden. Das wird hier erwähnt, weil dort der Kundendienst in Ordnung ist und man zum Geburtstag einen Gratulationsanruf bekommt.
Beide Autos sind in Motorisierung und Farbe identisch (Flammen-rot metallic, das scheint die beliebteste zu sein) und unterscheiden sich nur dadurch, dass eines (meins) ein normales Audio-CD-Radio hat, während das andere (nicht meins) ein etwas teureres Audio-CD/mp3-Radio und dafür einen kleinen Steuerungshebel an der Lenkradsäule mitführt. Für den Kauf gab es zwei Gründe: Unsere Wohnung liegt landschaftlich phantastisch (siehe oben) – aber nicht an einer befestigten Straße, sondern an einem Feldweg, der bei starkem Regen oder im Winter schon mal Probleme bringen kann. Mein Vorgänger-Auto
Bilder von Dacia Sandero Stepway 1.6 MPI
war deshalb auch ein Geländewagen, der aber zu durstig und zu alt war – und so waren dann in der Partnerschaft fast gleichzeitig zwei neue Autos fällig, die mit diesen etwas holprigen und ausgefahrenen Bedingungen zurechtkommen würden. Sicherlich wäre auch der Duster mit seinem Allradantrieb eine Option gewesen, aber da war der Geldbeutel (der zweite Grund) anderer Meinung – und mal ehrlich: Allrad braucht man ja nun auch nicht dauernd. Und der optische Eindruck des Stepway – und seine gegenüber normalen PKW etwas größere Bodenfreiheit (knapp 20 cm) gaben dann den Ausschlag. „Meiner“ kostete € 11.839,00, der zweite mit dem erweiterten Audiopaket naturgemäß etwas mehr.
Technische Angaben Wie sicher bekannt, gehört Dacia zur Renault-Gruppe. Viele Bauteile, vor allem der Motor, stammen von Renault. Die Angaben sind Werksangaben – hier die wichtigsten:
Typ: Schrägheck, viertürig, 5 Sitze Antrieb: 4 Zylinder, Hubraum 1.598 cm³, Leistung kW/PS 62/84 bei 5.250, Frontantrieb Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h Beschleunigung: 0 – 100 km/h : 13,5 sec Kraftstoff: Bezin Super 95 / E 10 Verbrauch: I/A/K: 9,8 / 6,2 / 7,3 Tankinhalt: 50 l Schadstoffklasse: E 5 (CO2-Emission kombiniert: 169 g/km) Getriebe: 5-Gang Schaltgetriebe Sicherheit: ABS, Front-Airbags Gesamtlänge: 4.024 mm Radstand: 2.588 mm Spurbreite: 1.494 mm (V), 1.484 mm (H) Gesamtbreite: (mit Außenspiegeln) 1.997 mm Gesamthöhe: (mit Dachreling) 1.584 mm Zulässiges Leergewicht / Gesamtgewicht:: 1.137 kg / 1.561 kg Zulässige Anhängelast (gebremst/ungebremst): 1.100 kg / 565 kg Stützlast / Dachlast: 60 kg / 80 kg Bereifung: 195/55 R16 Wartungsintervalle: alle 20.000 km bzw. einmal jährlich Weitere Ausstattung: Wagenheber, schraubbare Abschleppöse, Ersatzrad
Eindruck Von außen: Da hier ein Typfoto in der gleichen Farbe eingestellt ist, muss dazu nicht viel gesagt werden. Der Stepway ist eigentlich ein Sandero, der etwas mehr Bodenfreiheit verpasst bekommen hat. Außerdem gibt es ein bisschen SUV-Look durch einen (vermutlich nicht ernsthaft belastbaren) Unterfahrschutz und Seitenschweller unter den Türen. Die Dachreling kann mit zusätzlich zu erwerbendem Trägergestänge genutzt werden. Die Karosserieform muss wohl – angesichts vieler ähnlicher Entwürfe bei anderen Autoherstellern – als „trendy“ bezeichnet werden.Von innen: Rein geht’s per Zentralverriegelung für alle Türen einschließlich Heckklappe. Bei Dunkelheit wird dabei auch die Innenbeleuchtung für eine Weile eingeschaltet – beim Verriegeln schaltet sie sich verzögert aus. Dank der etwas erhöhten Sitzposition ist der Einstieg bequem – nicht so gut ist die relativ hohe Ladekante im Heck. Der Stauraum ist mit 320 l ordentlich und kann durch Abnahme der Abdeckung und Umklappen der Rücksitzlehnen (1/3 /, 2/3) erweitert werden.
Ja – edelholzverwöhnte und multitastaturpanelaffine Autofahrer werden betroffen sein – die Optik ist schlicht: Viel Hartplastik (Dunkelgrau/Silber) rund um Armaturen und Mittelkonsole, auch die Innenverkleidung der Türen besteht daraus. Bodenbelag und Sitze sind ebenfalls sehr dunkel. Und Kontroll- , Bedienungs- und Lüftungselemente sind – sagen wir mal – eher ökonomisch. Aber – und das ist zweifellos Anssichtssache: Alles wesentliche ist da, übersichtlich und leicht zu bedienen – und das Raumgefühl ist angenehm. Man fühlt sich nicht eingeengt, auch nicht auf den hinteren Sitzen, Kopffreiheit und Rundumsicht sind gut. Die Vordersitze lassen sich zwar nicht in der Höhe verstellen, aber der horizontale Spielraum ist ausreichend bemessen. Die Sitze fühlen sich straff an und die Auflage ist für mich (ca. 1,76 m) OK. Zwei Rundinstrumente – Drehzahlmesser und Tacho, eine digitale Anzeige für Uhrzeit, Gesamt- und Tageskilometer und die üblichen LEDs. Die Außenspiegel werden mechanisch von innen über kleine Hebel eingestellt, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage selbsterklärend. Die vorderen Seitenscheiben werden elektrisch, die hinteren per Kurbel bedient. Für Raucher gibt es auch einen Aschenbecher, der als Plastikbecherchen mit Deckel vor dem Schalthebel in einer runden Aussparung der Konsole sitzt und bei Bedarf zum Beifahrer umgesetzt werden kann. Nicht so gut gelöst: Da der Aschenbecher sehr tief sitzt, müssen rauchende Fahrer den Blick länger von der Straße nehmen, um ihn zu treffen. Außerdem ist der Bereich nicht beleuchtet (was man aber mit einem kleinen knopfzellengespeisten LED-Klebelämpchen lösen kann).
Fahreindruck und ermittelte Werte Beim ersten Losfahren kam mir der Motor relativ laut vor. Das hat sich nach dem Einfahren gegeben; man kann durchaus während der Fahrt Radio hören, auch wenn das Auto natürlich kein Nobelflüsterer ist. Etwas knurrig wird er zwischen 130 und 140 km/h, darunter und darüber ist er leiser. Schaltung und Lenkung fühlen sich gut an, man behält das Gefühl zum Boden (allerdings auch zum Kopfsteinpflaster!). Die Bremsen packen ordentlich zu, was nach nunmehr 2 x 20.000 Fahrkilometern schon einige unliebsame Begegnungen mit Mensch und Tier entschärft hat. Überholmanöver auf Landstraßen gelingen zügig – die Beschleunigung aus 80, 90 km/h ist ordentlich. Auch ein Langstreckentest – eine Urlaubsfahrt nach Süditalien mit insgesamt etwa 5.000 Fahrkilometern – hat positive Ergebnisse gebracht: Keine negativen Überraschungen (wenn man von der extremen Verdichtung von Radarfallen und –meßstrecken auf italienischen Autobahnen mal absieht) und vor allem kein lahmes Kreuz für Fahrer wie Beifahrerin.
Etwas Vorsicht ist bei Seitenwind geboten – den mag der Stepway nicht so und Wind von vorn schon gar nicht: Das geht spürbar auf den Spritverbrauch, zu dem wir jetzt ohnehin kommen. In unserer ländlichen Umgebung (Landstraßen, Bundesstraßen, gelegentlich Autobahn und kleine Städtchen) rechnen wir mit einem Durchschnitt von 7,5 bis 8 l/100. Steigern kann man das durch Gegenwind (s.o.), Autobahnfahrten oberhalb 140 km/h und großzügigen Einsatz der Klimaanlage, die per Knopfdruck zugeschaltet wird, das Wageninnere angenehm (aber nicht extrem) kühlt – und von der Motorleistung nicht viel, aber eben doch merklich etwas wegnimmt. Eine Tankfüllung ergibt also eine Reichweite von etwa 620 km/h – welcher Aktionsradius nach Aufleuchten der Tankwarnleuchte noch bleibt, haben wir noch nicht ermitteln können. Das übliche Leiden: Die Tankanzeige, hier durch kleine Bälkchen dargestellt, ist nicht linear, zum Schluss geht es relativ schnell abwärts.
Für den Stepway wird zwar ein AHK-Paket (ca. € 320,00) angeboten, aber Hängerbetrieb dürfte den Verbrauch ziemlich in die Höhe treiben. Unproblematisch ist demgegenüber die Frage, ob ihm Super 95 oder E 10 angeboten wird. Hier konnten wir keinen Unterschied in Fahrverhalten und Leistung feststellen. Wäre auch verwunderlich, da ja „bei Renault zu Hause“ wohl schon längst höhere Bioanteile im Sprit vertankt werden. Der Ölverbrauch ist minimal.
Natürlich gibt es etliche Autos auf dem Markt, die inzwischen ökonomischer mit dem Sprit umgehen. Hier zeigt sich, dass die Dacias nicht völlig folgenlos preiswert sein können – der Motor ist vermutlich ziemlich konventionell.
Meckern und Macken Eigentlich nur wenige. Einer der beiden Stepways wurde Opfer einer Rückrufaktion: Der mitgelieferte Wagenheber sollte bruchgefährdet sein und wurde ausgetauscht. Na ja.Zwischen der Vorderseite der Armaturenverkleidung und der Unterkante der Winschutzscheibe ist ein schmaler Schaumstoffstreifen verklebt, der keine weitere Funktion hat. Der wellt sich etwas und muss irgendwann nachgeklebt werden.
Die hinteren (kurbelbedienten) Scheiben können bei längerer ruckeliger Fahrt ein bisschen, d.h. einige Millimeter, nach unten rutschen, was man durch lauteres Windgeräusch mitbekommt. Und – einzige wirklich störende Macke: Die Leuchthöhenregulierung der Scheinwerfer. Das geschieht über einen Drehknopf, der anscheinend über Bowdenzüge o.ä. die Scheinwerfer verstellt. Das tut er auch, nur leider nicht symmetrisch. Das kann dazu führen, dass man nach dem Einstellen mit den beiden Scheinwerfern unterschiedlich hoch in die Welt guckt, also das tut, wofür man seine entgegenkommenden Mitmenschen vor allem im Winter gern beschimpft.
Das Ersatzrad befindet sich in einer Halterung unter dem Wagenboden und wird dort mit einem Bügel gehalten und einer Schraube fixiert, die vom Kofferraum aus zu lösen ist. Das Herausnehmen geht relativ problemlos, aber zum Einlegen braucht man etwas Kraft und muss zumindest ein Stück drunterkrabbeln. Was hier ausdrücklich nicht negativ aufgeführt wird, ist das in einigen Foren – wohl auch hier – bemängelte Piepsen des Blinkers. Warum soll ein Blinker nicht piepsen? Anderswo knackt er, wird ewig nicht gehört und so fährt man auf der Autobahn und blinkt vor sich hin – und wird beschimpft (siehe oben).
Fazit Pfiffiger Wurf: Ein preiswertes, ansprechendes Auto, das auch mal einen Feldweg bewältigt, seine Insassen bequem unterbringt, die wichtigsten und einige angenehme Ausstattungsmerkmale mitbringt, aber im Verbrauch mit hochentwickelten neuen Motoren nicht ganz mithalten kann.
Nachtrag Dacia hat den Wagentyp inzwischen durch den "Stepway II" ersetzt. Beim Datenvergleich habe ich nur wenige Veränderungen entdeckt: Der Motor scheint in seinen Abgaswerten und im Verbrauch etwas besser geworden zu sein. Abmessungen usw. sind offenbar unverändert, auch preislich hat sich nichts wesentliches getan. Die Beliebtheit dieses Typs erkennt man zur Zeit leider auch an den Wartezeiten bei Bestellung.
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Toll berichtet.