Dancer in the dark

Erfahrungsbericht über

Dancer in the dark

Gesamtbewertung (100): Gesamtbewertung Dancer in the dark

 

Alle Dancer in the dark Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


 


Emotionstanker mit starkem Tiefgang

5  14.10.2000 (30.04.2004)

Pro:
Innovativer Film, starkes Thema, Björk spielt sensationell gut

Kontra:
Nichts für schwache Nerven, emotional vielleicht etwas überfrachtet .

Empfehlenswert: Ja 

Flavius

Über sich: Filme, Musicals und anderer Kram... Lese gern Meinungen mit "Herzblut".

Mitglied seit:04.10.2000

Erfahrungsberichte:37

Vertrauende:11

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

...oder: Lars von Trier will über den Großen Teich. Und zieht alle seine Register.
Nachdem in den letzten Jahren immer wieder europäische Filme in den USA achtbare Erfolge sowohl bei Kritik als auch beim Publikum, erzielten, wollte sich auch der Däne Lars von Trier (“Geister“,"Dogville") im Mutterland der Blockbuster einen Namen machen.
Genannt zu werden in einer Reihe mit Filmen wie „Das Leben ist schön“, „Ganz oder gar nicht“, „Alles über meine Mutter“, die eine oder andere Oscar-Nominierung, ja das wäre schon was, mag er sich gedacht haben, als es an die Planung und Realisierung von „DANCER IN THE DARK“ ging.
Nun, das mit den Oscars hat (zu Unrecht) nicht ganz geklappt.
Allerdings gab es ordentlich andere Lorbeeren (Zwei Goldene Palmen in Cannes: Bester Film und beste Hauptdarstellerin) und massenhaft Kritikerlob.

Die Handlung:
USA, Ende der 50er Jahre, eine ländliche Gegend. Die tschechoslowakische Emigrantin Selma arbeitet in einer metallverabreitenden Fabrik. Sie leidet unter einer schweren, schleichenden Augenkrankheit und nimmt ihre Umgebung nur noch sehr undeutlich wahr. Ihre Erblindung steht kurz bevor.
Sie hat einen Sohn, der die selbe Krankheit hat. Bei ihm ist sie allerdings durch eine teure Operation heilbar.
Bis zu seinem 13. Lebensjahr muss Selma genug Geld zusammen haben, um die Operation zu finanzieren. Selma arbeitet daher sehr hart und lebt äußerst sparsam.
Ihr Sohn weiß nichts von seiner Krankheit und ihrem Umfeld gegenüber gibt Selma vor, das erarbeitete Geld, an ihren kranken Vater in die CSSR zu schicken.
Stattdessen sammelt sie das Geld aber in einer großen Dose, welche sie bei sich z Hause aufbewahrt.
Selma strahlt nach außen hin einen, von fast kindlicher Lebensfreude geprägten, ruhigen Charakter aus. Über das wahre Ausmaß ihres Augenleidens hält sie ihr Umfeld im Unklaren, aus Angst, ihre Arbeit und damit ihre Erwerbsquelle zu verlieren. Sie ist recht beliebt und jeder hilft ihr, so gut er kann.
Ihrem Nachbarn, dem Ortspolizisten erzählt sie eines Tages von ihrem Geheimnis.
Dieser hat große Geldsorgen, weil seine Frau, in Annahme ihr Mann sei reich, das Geld mit vollen Händen ausgibt. Er hat Bedenken, seine Frau zu verlieren, wenn sie erfahren sollte, daß es finanziell so schlecht um ihn steht.
Der Nachbar stiehlt Selma daraufhin ihr Geld. Selma will sich ihr Erspartes wiederholen, es kommt zu einem Handgemenge. Der körperlich Starke aber charakterlich so Schwache gegen die fast blinde, aber willenseiserne Selma.
Der Polizist stirbt im Zuge des Streits. Selma kann zunächst fliehen und gibt ihr Geld dem Arzt, der ihren Jungen operieren soll, sobald dieser das nötiger Alter erreicht hat. „Es ist nicht genug, aber es muß reichen“, sagt sie.
Kurz darauf wird sie verhaftet, vor Gericht gestellt. Ihr droht die Todesstrafe. Doch unternimmt sie nichts zu ihrer Verteidigung. Sie traut niemandem mehr. Ihr einziges Ziel ist die Heilung ihres Sohnes....

Bewertung:
Ein rührseliges Drama, ein konstruierter Problemfilm mit energischer Sozialkritik, zugeschnitten auf eine Hauptdarstellerin. All dies ist DANCER IN THE DARK.
Aber es ist eben auch ein Lars von Trier-Film. Er schrieb Drehbuch und Regie und machte einen Fim, nicht jenseits, aber doch abseits der Norm.

Altbekanntes Rezept (aus den DOGMA-Regeln): Gnadenloser Einsatz der Handkamera (Wackelbilder!) keine bis wenige von der STORY ablenkende Spezialeffekte, wenig Hintergrundmusik, dokumentarischer Schnitt.

Grandioser Stileinfall: Die Remeniszenz an ein uramerikanisches Filmformat:
Selma flüchtet sich nämlich regelmäßig in ihre Phantasie, als Ausgleich zu ihrer harten Realität.. Ihre große Liebe gilt dem Filmusical! Sie träumt sich in die heilste aller Welten, singt, tanzt, lacht und steppt. Und alles tanzt nach ihrer Pfeife, das Stampfen der gefährlichen Maschinen in der Fabrik wird zum großen Orchester, der herannahende Güterzug verliert alle Schrecken und auch Gefängnismauern wirken plötzlich erträglich.

Speziale Zutat: BJÖRK! Die isländische Popsängerin, ursprünglich für das Schreiben der Musicalsongs engagiert, schließlich nach langem und harten Kampf zum Spielen und „Nichthinschmeißen“ der Hauptrolle überredet.
Über die intesiven, "angeschrägte" und so wunderbar wirkungsvollen Musikstücke müsste ein extra-Bericht geschrieben werden.
Selma, nahezu die ganzen 140 Minuten im Bild ist das wichtigste Element des Films. Und Björk (“einmal und nie wieder“) spielt wie eine Besessene. Sie gibt der Rolle die vom Drehbuch geforderte kindliche Naivität, erweitert sie aber um die wichtigen Facetten der willensstarken, gereiften Persönlichkeit eines Erwachsenen, einer Mutter. Eine Meisterleistung!

Die oben aufgeführten Zutaten machen den Film zu einem Hauptgang, der schwer im Magen liegt.
Keine leichte Kost, für nicht jeden genießbar. (Noch nie, abgesehen von so mancher üblen Sneak-Prewiev, habe ich vorher erlebt, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Kinobesuchern nach und nach während des Films den Saal verließ!)

Zunächst sorgen die wackeligen Bilder (wird mit der Zeit besser) für ein flaues Gefühl im Magen, dann folgen die melancholisch-tieftraurig-schrägen Musicalnummern, und schließlich wächst ein dicker Kloß im Hals, genährt aus Mitleid, mit der tragischen Hauptfigur sowie Entsetzen und Empörung über gewaltige Systemfehler in der mächtigsten Region der Welt.

Direkte Wirkung: Nur wenige Stunden bevor ich den Film damals im Kino sah, hatte ich im TV live das zweite Fernsehduell der beiden Präsidentschaftskandidten der USA gesehen. George W. Bushs selbstzufriedene Bemerkungen über die Todesstrafe (bzw. Al Gores Schweigen hierzu...) und das texanische/ amerikanische Gesundheitssystem klangen mir nach Besuch des Films DANCER IN THE DARK noch bitterer im Ohr!

Fazit:
Dieser Film ist kein "schöner" Film. Vielleicht sogar ein wenig überfrachtet. Möglicherweise war Lars von Trier zu ambitioniert, zu ehrgeizig. Aber es ist dennoch ein sehr, sehr guter Film. Noch heute denke ich aufgewühlt an das Kinoerlebnis zurück.
Hervorragende Schauspieler, eine emotionale Geschichte, die den Zuschauer in ihren Bann zieht, ihn mitfiebern lässt mit der Hauptfigur sowie eine überwältigende Gesamtästhetik prägen dieses Werk..
Man muss schon starke Nerven haben; sich klar machen, dass es sich um ein bewusstes Stilmittel handelt, den Zuschauer streckenweise regelrecht zu quälen mit all dem Leid und der Ungerechtigkeit. Ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zu den "Wohlfühl-Gute-Laune"-Krachern, die uns doch nur allzu oft im Lichtspielhaus ("Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino") und Videothek ("Video rein, Alltag raus!") angeboten werden.

Wer also mit der richtigen Erwartung an das Werk herangeht, für den wird ein wirklich sehens- und hörenswertes Filmerlebnis geboten.
TIP: Im englischen Original wirkt der Film am besten!

Statistik:
Dancer in the Dark (Dänemark/Frankreich, 2000)
Buch und Regie: Lars von Trier.
In den Hauptrollen: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare.
Nebenrolle: u.a. Udo Kier
Laufzeit: 140 Minuten
FSK 16
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
logan

logan

11.07.2007 21:17

Will ich sehen!

mozarteum

mozarteum

18.11.2006 15:25

deine rezension macht lust, sich diesen streifen mal anzuschauen ...! lg mozarteum

JerryMaguire

JerryMaguire

23.08.2004 17:14

Mir sagt Björk als Musikerin oder Avantgardekünstlerin nur sehr bedingt zu, so dass mich ihre schauspielerischen Fähigkeiten recht wenig interessieren. Ein vielfach hochgelobter Film, ich befürchte das mir dort etwas entgeht. Inhaltsstarker Bericht, könnte mich "bekehren". Viele Grüße!

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Ähnliche Angebote
Dancer in the Dark [VHS] (Video) Dancer In The Dark [VHS] (Video) Movie - Dancer In The Dark (Highlight) DVD-Video Album
Dancer in the Dark [VHS] ​(Video) Dancer In The Dark [VHS] ​(Video) Movie -​ Dancer In The Dark ​(Highlight)​ DVD-​Video Album
Amazon.de Marketplace DVD Amazon.de Marketplace DVD Grooves-inc.com
€ 9,90 *

Händler kann Preis
erhöht haben

€ 5,89 *

Händler kann Preis
erhöht haben

€ 10,89 *

Händler kann Preis
erhöht haben

Versandkosten: 3.​00
mehr
Versandkosten: 3.​00
mehr
Versandkosten: weltweit: 2,00 Euro, ab 20,00 Bestellwert versandkostenf...
mehr
 zum Shop  zum Shop  zum Shop
Amazon.​de Marketplace DVD Amazon.​de Marketplace DVD Grooves-​inc.​com
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 596 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (89%):
  1. Cuchulainn1981
  2. logan
  3. Dr.Claudia
und weiteren 30 Mitgliedern

"hilfreich" von (11%):
  1. Susanna_USA
  2. jochenn
  3. risti
und einem weiteren Mitglied

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.