Über sich:Hallöle! Ich komme noch aus dem mehr oder weniger (eher mehr) öden Dresden, werde aber schon bald na...
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Das schauspielerische Debüt von Björk erstreckt sich auf 140 anstrengende, aber lohnenswerte Minuten im Kinosessel - und auf noch ein paar Minuten nach dem Film, indem jeder mit jedem diskutiert - sei es über die Frage, ob der Film wirklich so ein Meisterwerk sei, wie es einem die Medien und die Goldene Palme von Cannes glauben machen wollen oder wie man selbst an Selma's Stelle gehandelt hätte.
Selma ist eine junge Mutter, geboren im alten Osteuropa, die an einer unheilbaren und stetig fortschreitenden Augenkrankheit leidet, die sie eher früher als später in die Blindheit führen wird. Leider hat sie das auch ihrem kleinen Sohn vererbt, jedoch besteht bei ihm die Chance einer Heilung. Nun sind die Vereinigten Staaten nicht das Schlaraffenland, für das sie viele halten und gleich gar nicht geht alles so frisch und fröhlich zu, wie in den ganzen Musicals, die Selma so liebt und mit ihrer Freundin Kathy (stark: Catherine Deneuve) auch "sieht". Will heißen: die OP, zeitlich gebunden an 13ten Geburtstag von Gene, kostet mehr Geld, als Selma verdienen kann. Trotzdem spart sie sich und ihrem unwissenden Sohn alles vom Munde ab, arbeitet Doppelschichten und schlägt sich dann noch mit kleinen Nebenjobs durch. Hilfe bekommt sie von Bill und Linda, auf deren Grundstück sie mit ihrem Wohnwagen wohnen darf. Leider hat Bill ein mittelschweres Problem, dass er seiner Frau aus falschem Stolz verheimlicht, Selma anvertraut und das im weiteren Filmverlauf zu einer tragsichen Wendung führt. Bei der anstrengenden Arbeit in der Fabrik unterstützt Kathy Selma nach Kräften, sie rettet die verträumte und zunehmend blinde Einzelgängerin vor so mancher Kündigung und wird die beste Freundin, die Selma braucht.
Wenn man dem Film soweit folgen konnte, wird man sich die restlichen Minuten der Magie nicht mehr entziehen können. Immer wieder wird der Handlungsverlauf durch grandios choreografierte Musicalszenen unterbrochen, in denen Farbe in die triste farbarme Welt der 60er Jahre kommt, in der Björk gelöst und lächelnd ihr Gesangstalent unter Beweis stellen kann. Überhaupt verdankt der Film vor allem ihr einen Großteil der Faszination. Sie spielt die naive, weltfremde, idealistische und grundgute Selma so schmerzhaft intensiv, dass man ihr, die man sonst nur als immer gutgelauntes Popgirlie kennt, das ohne mit der Wimper zu zucken abnehmen mag. Durch die Regiearbeit von Lars von Trier, der mit viel Handkamera und wenigen Schnitten fast Dokumentarfilmatmosphäre schafft, kann man sich der immer größeren Tragik der Geschichte nicht mehr entziehen.
Der Soundtrack besteht natürlich aus den ganzen Musicalszenen, in denen Björk dankbarerweise so sein kann, wie man sie kennt. Schrill und irgendwie anders, aber immer wunderbar. Wer sich die Wartezeit aufs nächste Album verkürzen will, kann ruhigen Gewissens zur CD zum Film greifen.
Fazit: "Dancer In The Dark" hat all die Vorschusslorbeeren wirklich verdient. Wer sich auf einen außergewöhnlichen, mitunter anstrengenden Film voller Wendungen und hochtragischem Finale einstellen mag, der wird einen wunderbaren Kinoabend erleben. Diskussionen um (falschen?) Idealismus, Musicals und einige Zustände im Strafvollzug der USA inklusive.
Da Björk nach der Arbeit mit Lars von Trier, bei der sie (sichtbar) an die Grenzen des Möglichen ging, angekündigt hat, das hier sei ihr erster und letzter Film, sollte man die Chance nutzen.
28.10.2000 13:08
Björk scheint manchmal von einem anderen Stern zu sein. Alles, was sie tut ist ungewöhnlich. Werd mir den Film anschauen. CU. Jarun