Dancer in the dark

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Dancer in the dark

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Ganz großes Kino

5  11.02.2001

Pro:
Atmosphäre, Bilder, Darstellung, Aussage

Kontra:
nicht bekannt

Empfehlenswert: Ja 

MartinLudwig

Über sich:

Mitglied seit:23.10.2000

Erfahrungsberichte:15

Vertrauende:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 5 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es tut gut, wenn man sieht, daß die europäische Filmindustrie in der Lage ist, Werke zu schaffen, die ob ihrer Brillianz und ihres Niveaus alles in den Schatten stellen, was aus den USA kommend, hierzulande die Kinos füllt.

"Dancer in the dark" ist ein Film, der fast gänzlich ohne Spezialeffekte auskommt und es trotzdem schafft, beim Betrachter verschiedenste, starke Emotionen auszulösen.

So ist es kaum verwunderlich, daß sein Regisseur Lars von Trier, das europäische (und dänische) "Enfant Terrible" der Filmkunst, mit Preisen überhäuft wurde.

Selma (beeindruckend gespielt von Björk, die sonst nur als Musikerin bekannt ist) ist eine tschechische Einwanderin, die mit ihrem Sohn in den USA lebt.
Sie arbeitet in einer Fabrik und wohnt auf dem Grundstück des örtlichen Polizisten und seiner Frau.

Selma leidet an einer Erbkrankheit, die zur vollkommenen Erblindung führt und weiß, daß auch ihr Sohn daran erkranken wird.
Alles, was Selma verdient, legt sie in eine Keksdose, denn nur hier in den USA gibt es eine Möglichkeit ihren Sohn operieren zu lassen.

Selma ist praktisch blind und schafft es nicht mehr, dies vor ihrer Umwelt zu verstecken, letztlich verliert sie ihren Job.

Als einem der ersten, erzählt sie ihrem Vermieter, dem Polizisten, von der Krankheit und vom Verwendungszweck des gesparten Geldes und auch der Polizist vertraut ihr ein großes Geheimnis an.

Einst wohlhabend durch eine kleine Erbschaft, ist der Polizist nun ruiniert, da alles Geld von seiner verschwendungssüchtigen Frau ausgegeben wurde und die Bank das Haus einziehen will.

Seine Frau weiß von alledem nichts und der Polizist sucht es auch weiter zu verheimlichen, da er befürchtet, seine Frau würde ihn dann verlassen.

Nachdem er Selma darum gebeten hat, ihm ihr Geld zu leihen und sie es unter dem Hinweis auf seinem Verwendungszweck abgelehnt hat, stielt der Polizist es unter Ausnutzung von Selmas Blindheit.

Selma bemerkt den Diebstahl, sie will das Geld zurückfordern, aber die Weichen sind schon gestellt, denn der Polizist will das Geld behalten und hat zusätzlich noch seiner Frau erzählt, Selma habe versucht, ihn zu verführen.

Im nachfolgenden Streit bedroht er die blinde Selma mit einer Waffe und beim Versuch sie aus dem Haus zu werfen, löst sich ein Schuß und verletzt den Polizisten schwer.

Der Polizist stirbt und Selma schafft es das Geld für die Augen-OP ihres Sohnes einzuzahlen.

Nach ihrer Verhaftung wird sie vor Gericht gestellt und in einem unfairen Verfahren zum Tode verurteilt.

Selma stirbt, festgeschnallt an einen Brett, am Galgen!


Diese atmosphärisch stimmige und dichte Tragödie überzeugt einerseits durch die großartige schauspielerische Leistung aller Akteure, wovon Björk und Catherine Deneuve nur stellvertretend genannt werden sollen, andererseits fallen dem Betrachter sofort die wundervolle Fotographie und die ungewöhnlichen Kamerafahrten auf.

Als Parabel auf die amerikanische Gesellschaft im allgemeinen und dem Zustand menschlicher Beziehungen im Besonderen versteht es der Film etwas zu vereinen, was bisher als unvereinbar gegolten hat, denn diese Tragödie beinhaltet Gesangs- und Tanzeinlagen, die den Film abrunden und Einblicke in die gedankenverlorene Gefühlswelt der Hauptfigur Selma geben.

Ohne dabei kitschig zu werden, schafft es Lars von Trier hier, immer wieder von der "realen Welt" in Selmas "Innenwelt" überzublenden, normale Aktion in Tanz und Gesang gipfeln zu lassen.

Ein sehr sehenswerter Film und sicher eine der besten Produktionen der letzten Jahre!


Und hier noch ein kleiner Tip für alle, die den Film nicht im Kino gesehen haben:

Da der Film auch vom öffendlich-rechtlichen Fernsehen mitfinanziert worden ist, wird er sicherlich bald auch im TV zu sehen sein.

Trotzdem wirken Kinofilme natürlich nur im Kino am besten!

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