Dans An Diaoul - Les Ramoneurs de Menhirs

Bilder der Ciao Community

Dans An Diaoul - Les Ramoneurs de Menhirs

> Detaillierte Produktbeschreibung

100% positiv

1 Erfahrungsberichte der Community

Es gibt leider keine Angebote

Erfahrungsbericht über "Dans An Diaoul - Les Ramoneurs de Menhirs"

veröffentlicht 23.08.2014 | Die-Fischerin-vom-Bodensee
Mitglied seit : 18.06.2011
Erfahrungsberichte : 28
Vertrauende : 6
Über sich :
Das Leben ist ein Irrenhaus!
Ausgezeichnet
Pro Partymusik ohne Kompromisse
Kontra Wenn man den bretonischen Dudelsack nicht liebt, dann hasst man ihn
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Das Dudelsackinferno"

Wer mich kennt, der weiß, dass ich Musik mit Folkeinschlag nicht abgeneigt bin. Während diese Art von Musik in Deutschland im besten Fall leider noch immer mit stupider Seniorenmusik gleichgesetzt wird, so ist es in anderen Ländern gang und gäbe ist, die traditionelle Volksmusik hochzuhalten. Entsprechend bin ich auf meinen Reisen regelmäßig auf der Suche nach neuen Stücken für meine Sammlung.

Im vergangenen Jahr war ich in der Bretagne unterwegs und, schließlich ist die keltische Musik einer meiner Favoriten, natürlich auf musikalischer Jagd. Im Besuchszentrum der Menhiransammlungen von Carnac wurde ich dann fündig. Die CD-Abteilung konnte sich durchaus sehen lassen und neben traditionellen CDs, fiel mir besonders ein Album ins Auge. „Dañs an diaoul“ von den Ramoneurs de Menhirs. Dudelsack- und flöten- ebenso wie gitarrenbewaffnet, das versprach Folkrock vom Feinsten. In meinem Kopf begann sich schon das Bild eines bretonischen In-Extremo-Zwillings zu manifestieren. Also Geldbeutel gezückt und blindlings gekauft. Auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, kurze Zeit später sollte meinen Freund und mich im Auto das akustische Inferno heimsuchen.
.

Die vier Bretonen und der tanzende Teufel

Um es vorwegzunehmen, mit In-Extremo hat die Truppe – abgesehen vom Dudelsack - nicht allzu viel zu tun. Die vier Musiker sind dem Punk deutlich näher als dem Metal und damit eher mit den Dropkick Murphys zu vergleichen, nur dass die bretonische Dudelsackvariante reichlich speziell ist. Gegründet wurden die „Schornsteinfeger der Menhire“ im Jahr 2006. Ein Jahr später erschien dann das Debütalbum „Dañs an diaoul“, der „Tanz des Teufels“.
.

Musik des Teufels

Ein verzerrter Gitarrenton und das Inferno nimmt seinen Lauf. Von der ersten Minute an ist vollkommen klar, welches Musikinstrument den Ton angibt: der bretonische Dudelsack. Wem die schottische Abart etwas zu quäkig ist, dem wird die bretonische Variante den Verstand rauben. Generell eine Oxtave höher gestimmt – also im Prinzip ein Piccolo-Dudelsack – quietscht, dudelt und quäkt es aus allen Lautsprecherboxen.

Punk ist nichts langsames, also wird das alles auch noch in ordentlichem Tempo abgewickelt. Und da es im Punk auch nicht zwangsläufig aus technische Raffinesse ankommt, oft genug auch noch einen Halbton neben der Spur – allerdings habe ich bei der Truppe das Gefühl, dass sie das ziemlich gezielt einsetzen, wenn sie wollen treffen sie nämlich plötzlich jede Note.

Gesanglich darf man sich auf ziemlich herausgeschriene bretonische Lyrik freuen, die im Refrain auch oft im Schlachtenbummlerchor dargebracht wird.

Ich könnte jetzt etwas von Abwechslung schreiben, doch die wird schlichtweg nicht geboten. Zugegeben, es gibt ein englischsprachiges und zwei französische Stücke, aber auch die gehen voll auf die Zwölf. Einfacher Gitarrenunterbau, Tempo und das über allem thronende Dudelsackmassaker in elf Teilen. Wer jetzt denkt, nach dieser Beschreibung könne nur eine schlechte Bewertung kommen, der irrt. So verrückt es klingt, die CD macht unglaublichen Spaß. Das Album beim Auto fahren? Die Gaudi ist riesig. Fenster auf und durch die Innenstadt gebraust, die hohen Frequenzen sorgen dann schon fürs Gehörtwerden ;-) Nach einem Durchlauf hat man zwar erst einmal genug von den Menhirkehrern, doch dafür verging die Stunde wie von selbst – und an Sekundenschlaf braucht man auch nicht mehr zu denken.

Von den sonst bei mir üblichen nachdenklich melancholischen Stücken sind die vier Männer aus der Bretagne also meilenweit entfernt. Hier ist nichts mit mehrmals hören, um den Reiz der Musik für sich zu erschließen; entweder man kann sofort etwas damit anfangen, oder nimmt besser gleich Reißaus. Mancher könnte nun meinen, etwas Alkohol sei sicher von Nöten um das Gehörte zu ertragen, doch dem kann ich nur widersprechen. Sicher, eine gelockert-bierselige Atmosphäre auf einer Party schadet sicher nicht und führt vermutlich zu ekstatischen Tanzbewegungen – gerade bei Stücken wie „Dañs gwadek 1 + 2“, die mit ihrem repetitiven Aufbau geradezu zum Herumhüpfen einladen – doch auch wenn man keine Promille intus hat, kann man bei sich bei sich steigernden Stücken, bestes Beispiel hier „Yaw ha yaw ha yaw“, grandios amüsieren.
.

Beweisführung

1. K.A.
2. BellARB
3. Dañs gwadek 1
4. Yaw ha yaw ha yaw
5. Nomades
6. Eda nur blez
7. Na gast na matezh
8. Captain Kirk
9. Dañs gwadek 2
10. Vive le feu
11. ‘vel un tour -tan
.

Schlussfolgerungen

Ich versuche mich kurz zu fassen.

Langsame und melancholische Stücke: Fehlanzeige
Musikalisch vertrackte Kompositionen: Fehlanzeige
Textlicher Tiefgang: zumindest ohne Bretonischkenntnisse Fehlanzeige

Spaß, abgedrehter Funpunk und tanzbare Traditionals: jede Menge

Die Ramoneurs de Menhir nehmen keine Gefangenen. Mit gellendem Dudelsack und herausgeshouteten Vocals nehmen sie den geneigten Hörer mit auf einen Parforceritt durch die moderne bretonische Musiklandschaft. Vielen dürfte die Musik zwar schon nach den ersten Tönen gehörig auf den Geist gehen, aber wer nichts gegen hohe Töne hat, der sollte unbedingt ein Ohr riskieren.

PS: Dieser Bericht erscheint im Rahmen der Musikwochen 2014. Nähere Infos unter http://www.ciao.de/Musikwochen_2014__Test_8999677

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 811 mal gelesen und wie folgt bewertet:
87% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
sehr hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Leo56 veröffentlicht 11.02.2016
    wunderbar
  • Spassprediger veröffentlicht 22.09.2015
    Oh, wie schön - eine quicklebendige Abhandlung, in der Begeisterung sich aufs Angenehmste mit Aussagekraft und Sachkenntnis paart. In meiner musikalischen Kelten-Ecke stehen zwar auch vornehmlich irische und schottische Sachen, aber ein bisschen was aus der Bretagne (der Dudelsack-Spielzug Bagad Kemper zum Beispiel) hat ebenfalls Aufnahme in die Sammlung gefunden.
  • Sydneysider47 veröffentlicht 24.03.2015
    könnte mich auch interessieren
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

beliebteste ähnlich Produkte

Produktdaten : Dans An Diaoul - Les Ramoneurs de Menhirs

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Schlagworte: Punk

Atomic Veröffentlichungsdatum Jahr: 2012

EAN: 3359340150607

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 03/08/2014