Das Boot (Director's Cut)

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Das Boot (Director's Cut)

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... Die Rede ist von „Das Boot – Director’s Cut“. Der gute Kahn hat ja inzwischen gut und gern schon seine fast 30 Jährchen auf dem Buckel und ich hatte die Abenteuer der U-96 schon einmal, vor Jahren, im Fernsehen gesehen. Aber irgendwie gelang es dem Film, mich doch wieder in seinen Bann zu ... Bericht lesen





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Ein Film wie ein Rammstein-Song
Erfahrungsbericht von pinkdawn über Das Boot (Director's Cut)
19.05.2009


Produktbewertung des Autors:   

Humor wenig humorvoll 
Spannung sehr spannend 
Anspruch anspruchsvoll 
Action: sehr viel 
Romantik: wenig 

Pro: ein Klassiker, spannend, atmosphärisch dicht, gute Kamera, Ausstattung, Musik
Kontra: viele Klischees

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich war nicht sicher, ob ich mir wirklich diesen ganzen langen Film im Fernsehen ansehen würde. Die Rede ist von „Das Boot – Director’s Cut“. Der gute Kahn hat ja inzwischen gut und gern schon seine fast 30 Jährchen auf dem Buckel und ich hatte die Abenteuer der U-96 schon einmal, vor Jahren, im Fernsehen gesehen. Aber irgendwie gelang es dem Film, mich doch wieder in seinen Bann zu schlagen, obwohl ich ihn diesmal mit etwas kritischeren Augen sah als beim ersten Mal, wo ich mich eher auf die actionreiche Handlung konzentrierte.

Dem Fernsehprogramm entnehme ich, dass der Film 1981-96 in Deutschland entstanden ist und 195 Minuten Länge hat.

Der Film ist ein Klassiker – keine Frage. Es gibt wohl kaum einen, der ihn nicht kennt.

Ein typisch deutscher Film

Die Handlung ist ja weitgehend bekannt: Wir schreiben das Jahr 1942 und der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer) geht in La Rochelle, Frankreich, an Bord der U-96, um – natürlich propagandistisch – über die Heldentaten des Kapitäns (Jürgen Prochnow) und seiner 50 Mannen zu berichten.

Damit nimmt die Tragik ihren Lauf. Nein, eigentlich hat sie schon früher begonnen oder war immer da. Alles, was man über den Film und seine Stimmung wissen muss, liegt bereits in der berühmten Musik von Klaus Doldinger. Wer kennt sie nicht? Mir liegt sie noch im Ohr – überhaupt wenn ich an diesen Film denke.

Bei Opern ist es ja auch so, dass die Ouverture in die Stimmung einführt, die uns erwartet oder besser gesagt, uns in die entsprechende Stimmung versetzt.

Für mich ist „Das Boot“ ein typisch deutscher Film: schwermütig, heroisch, pathetisch, grüblerisch und vor allem tragisch. Wenn’s um die Darstellung von Tragik geht, waren deutsche Künstler seit dem Nibelungenlied groß – und wenn die Tragik mit Heroik verknüpft ist, sind sie sozusagen in ihrem Element.

Ich habe, wie gesagt, den Film – erstmals in der Langfassung – mit etwas kritischerem Bewusstsein gesehen. Gleich in der ersten Szene, die in einem Lokal in einem französischen Hafen spielt, wo der letzte Abend vor dem Auslaufen gefeiert wird, wird – politisch sehr korrekt - klargestellt: Unsere Helden sind keine Nazis. Führerwitzchen machen die Runde. Harmlose zwar, aber immerhin… Wer würde oder könnte sich wohl auch mit Helden identifizieren, die überzeugte, stamme, zackige Nazis wären?

Ein „tausendprozentiger“ Nazi ist nur der erste Offizier – und der wird von der Mannschaft entsprechend „geschnitten“ und von Regisseur Wolfgang Petersen auch brav lächerlich dargestellt. Vielleicht wäre etwas weniger hier mehr gewesen. Aber okay.

Die objektive Zuseherin fragt sich natürlich, wie realistisch es ist, dass deutsche Soldaten mit besonderem Genuss und natürlich zum Ärger des offenbar einzigen Nazis an Bord „It’s a long way to Tipperary“ grölen.

Hier sei ein Wort über die Musik gestattet. Sie ist schlicht kongenial in der Schaffung von Atmosphäre und Stimmung. Gerade in einem Film, der zwar actionreich ist, aber von den Schauplätzen her eben - naturgemäß – fast nur das Innere eines U-Boots bietet, kommt der Musik als Stimmungsträger besondere Bedeutung bei. Und die alten Chansons und Schlager dieser Zeit sind praktisch fast immer gegenwärtig – nostalgisch, elegisch, irgendwie fern und doch vertraut. Und stimmen sehr wehmütig - durch die zeitliche Distanz. Zumindest ich hab es so empfunden. „J’attendrai“ (gesungen von Rina Ketty)

Krieg als Pflicht

Natürlich sind der „Herr Kaleu“, wie der Kapitän liebevoll, aber mit Respekt, von seinen Männern genannt wird, und die Besatzung schneidige Burschen bzw. Männer, wobei „schneidig“ nicht die ganze Wahrheit ist. Hier wird das alte Landser-Motiv bedient (womit ich jetzt nicht diese unsäglichen, rechtslastigen Schundhefte gleichen Namens meine) und der - durch schreckliche Kriegserlebnisse bereits desillusionierte - Soldat als ideologiefern oder ideologiefrei oder sogar ideologiefeindlich dargestellt. „Die da oben“ befehlen – sie müssen gehorchen. Ob sie nun wollen oder nicht. Sie erleben Krieg als Pflicht, als Verpflichtung. Keiner strebt nach Heldentaten, keine Phrasen werden gedroschen. Es geht eher darum, den Krieg zu überleben.

Ist „Das Boot“ ein Antikriegsfilm? Geht man nach Konsumation des Gezeigten heim oder ins Bett, falls man das Ganze im Fernsehen gesehen hat, und sagt sich: Nie wieder Krieg?! Nun ja, die meisten werden sich das hoffentlich sowieso immer denken. Aber geriert sich der Film als Antikriegswerbung? Ich wage zu behaupten, nein. Gäbe es nicht das tragische Ende, für das es wirklich keinen anderen Ausdruck gibt, als eben tragisch.

Fast könnte man sagen, dieser traurige Schluss sei quasi eine letzte Alibiaktion des Regisseurs gewesen, um den Film doch noch als „Antikriegsfilm“ „durchzubringen“ oder zu „verkaufen“. Allerdings ist diese Szene so stimmig, dass ihm selbst eine solche Alibiaktion – sofern es eine solche gewesen wäre – verziehen sei. Doch ich will hier das Ende nicht vorausnehmen.

Zurück zur letztlich doch sehr entscheidenden Frage, wie dieser Film den Krieg, dessen Protagonisten und Handlungen zeigt. Auch darauf gibt es nur eine Antwort: erwartetermaßen grausam.

Aber – parallel zu diesem politisch korrekten „Pflichtprogramm“ - läuft etwas meiner Meinung nach doch zu Hinterfragendes mit: die doch sehr glorifizierte Kameradschaft. Und hier werden – wieder meiner Ansicht nach – fast zu viele Klischees bedient. Natürlich können die Mannen – auch – lustig sein, wenn sie ausgelassen feiern und einer als Tänzerin verkleidet zwei Zitronen oder was es schon war als Titten auf der flachen Männerbrust baumeln lässt. Aber wenn die Pflicht ruft, herrscht eiserne Disziplin. Einer kann und muss sich auf den anderen verlassen.

Wie menschlich sind die Helden?

Gerade fällt mir die Szene ein, wie Schiffstechniker oder Maschinisten – ich bin leider mit dem einschlägigen Vokabular nicht so vertraut, man verzeihe mir – das lecke Boot, das in der Meerenge von Gibraltar auf Grund gesetzt wurde, wieder flott kriegen. Tränen in den Augen. Männliches Understatement. Verhaltener Stolz, später Freude und Jubel…

Ja, sie zeigen Emotionen – Ausgelassenheit, aber auch harte Disziplin, Unterordnung, Zusammenhalten. Wirken die Protagonisten des Spiels um Krieg und Tod aber deshalb wirklich menschlich? Vielleicht sogar sympathisch oder liebenswert?
Würde man/frau sich gern mit dem „Kaleu“ oder einem der Offiziere oder Mannschaft einmal auf ein Bier oder was auch immer zusammensetzen und reden? Und worüber würde man dann reden?

Einer, der Obermaschinist Johann, dreht im Wasserbombenhagel sogar einmal durch, verlässt seinen Gefechtsstand oder wie das heißt, will am Grund der Meerenge von Gibraltar in 280 m Tiefe einfach aussteigen. Feigheit vor dem Feind nannte man das wohl damals. Der Druck war zu stark – nicht nur der Wasserdruck auf das Boot, der wirklich beängstigend intensiv vermittelte Geräusche produziert: ein stetes Knacken, Knirschen, Bersten…, sondern der psychische Druck: der Tod vor Augen – nicht unmittelbar durch Feindeshand, zerdrückt vom übermächtigen Wasserdruck.

Der „Kaleu“ greift gnadenlos zur Pistole. Befehlsverweigerung muss sofort mit dem Tod bestraft werden. Wir Zuschauer sind uns sicher: Dieser harte Typ hätte das durchgezogen. Kameraden bringen den offensichtlich Verwirrten aber rasch in Sicherheit. Ob er vors Kriegsgericht gestellt wird, bleibt offen. Wir dürfen annehmen: nein. „Kaleu“ wird Gnade walten lassen.

Da ist der Mann, dessen französische Verlobte von ihm, einem deutschen Soldaten, ein Kind erwartet – keine einfache Sache für eine Französin. Ein anderer, der leitende Ingenieur, hat eine schwer erkrankte Frau, zu der er gern möchte. Es darf und soll also Menschlichkeit gezeigt werden.

Eine der eindrucksvollsten Szenen: das Duell mit einem britischen Transportschiff und seinem Begleitschutz. Das U-Boot gerät dabei durch feindliche Wasserbomben in schwerste Bedrängnis, geht aber aus dem nicht undramatischen Scharmützel letztendes doch siegreich hervor. Soll heißen: Zwei der Versorgungsschiffe werden versenkt, eines gründlich in Brand geschossen. Als es den Fangschuss (sic!) erhält, springen brennende Seeleute ins Wasser, schwimmen verzweifelt und hilferufend um ihr Leben auf das deutsche U-Boot zu. Und werden ihrem – gewissen – Schicksal überlassen. Denn der „Herr Kaleu“ gibt Befehl, rückwärts fahren zu lassen. Einige Deutsche beginnen zu weinen. C’est la guerre. Die eigenen Leute haben diese armen Teufel nicht gerettet. Befehl von oben. Pech.

Wie realistisch ist die Tendenz des Films?

Wie realistisch diese Szene ist, bleibe dahingestellt. Ich hatte einen Mann in meiner entfernteren Verwandtschaft, der noch im hohen Alter davon geschwärmt hat, feindliche Panzer „abgeschossen“ zu haben. Er wusste die Zahl genau. Ich habe sie vergessen oder verdrängt. Er sprach oft und gern von diesen „Heldentaten“ und seine Augen leuchteten dabei. Der hat nicht geweint über die Männer, die in ihren Panzern elendiglich und unter unvorstellbaren Schmerzen durch seine Attacken gebraten wurden! Und auch die – wenigen - Filmsoldaten auf der Brücke des Boots wurden erst traurig, als sie die zum Tod verurteilten feindlichen Marinesoldaten brennen und im Wasser verzweifelt um Hilfe schreien sehen und hören.

Gerade diese „Schlüsselstelle“ hat in der Romanvorlage zu diesem Film entscheidende Bedeutung. Das Erlebnis dieser versagten Rettung, des Im-Stich-Lassens von Marinesoldaten, die die Männer im „Boot“ in gewisser Weise durchaus als „Schicksalskameraden“ empfindet, hat einen tiefen Effekt – auch auf die Mannschaft im Boot, die diesen Anblick nicht persönlich hatte. Ich beziehe mich hier auf einen Vergleich zwischen der Romanvorlage und der Filmhandlung aus Wikipedia. Ich selbst habe den Roman nicht gelesen.

Ich weiß nur, dass ihn Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) geschrieben hat. Der ehemalige Kunststudent war Kriegsberichterstatter auf einigen Kriegsschiffen, darunter der U-96 – zuletzt immerhin im Rang eines Oberleutnants - und hat zwei längere sogenannte Feindfahrten Anfang der vierziger Jahre mitgemacht. Der in der Ich-Form geschriebene Roman basiert auf seinen Tagebüchern, die er damals verfasst hat. Interessant ist, dass er dieses erfolgreiche Buch erst 1973 veröffentlicht hat. Es ist sein bekanntestes Werk. Außer diesem hat er mehrere Bücher über seine Kriegserlebnisse geschrieben und publiziert, auch kunsthistorische Schriften über moderne Malerei. Er verfügte auch über eine große Begabung als Maler und Zeichner und galt diesbezüglich in seiner Jugend sogar als Wunderkind.

Eine amerikanische Produktion des Filmstoffes war schon in den 70er Jahren geplant. Aus ideologischen Gründen („zu amerikanisch-patriotisch“) konnte aber keine Einigung zwischen der Produktionsfirma einerseits und Regisseur Petersen sowie Autor Buchheim andererseits erzielt werden. Quelle: Wikipedia

Aber back to topic! Dass sowohl Roman als auch Film sehr stark verknappen und verdichten, hat Vor- und Nachteile. Die Handlung wird „actionreicher“, keine Frage, und spannender. Episches, Literarisches, vielleicht Psychologisches bleiben dafür aber auf der Strecke. Buchheim hat aus seinen Tagebüchern sozusagen den Succus gezogen. Das ist durchaus medien- und massenwirksam, aber nicht realistisch.

Wir erleben also nur die atemberaubenden Highlights der Feindfahrt, die in Wirklichkeit an die 40 Tage gedauert hat, verkürzt auf einige Stunden. Es entsteht dadurch der – natürlich falsche – Eindruck, dass die Mannschaft mehr oder weniger ständig unter massivem Druck stand und ein Abenteuer das andere jagte. Sicher leidet die Spannung darunter, wenn auch die Totzeiten im Film dargestellt werden. Gute Regisseure schaffen so etwas allerdings durch entsprechende Andeutungen.

Regisseur Petersen ist zweifellos ein guter Regisseur, der einen - handwerklich für damalige Verhältnisse durchaus beachtlichen – Kriegsfilm geschaffen hat, der solide gemacht und auch heute noch spannend und bewegend ist.

Die Kamera ist bemerkenswert, der Ton und die Geräusche sowieso – allerdings ist die Sprache oft schwer zu verstehen, wenn man die Lautstärke nicht voll aufdreht!

Die Schwächen des Films

Die Schwächen der Regie bestehen meines Erachtens zunächst darin, dass der Film für meinen Geschmack etwas zu „brav“, „bieder“ und konventionell ist – verglichen etwa mit anderen berühmten Kriegsfilmen wie den „Soldaten Ryan“, „Apocalypse Now“ oder „Full Metal Jackett“. Gerade wenn es sich ein Regisseur gestattet, auch hin und wieder die sprichwörtliche Sau rauszulassen – was nicht unbedingt in blutrünstigen Horrorszenarien erfolgen muss -, erreicht er die Menschen in einem reizüberfluteten Zeitalter und inspiriert sie, weckt ihre Fantasie, regt sie zum „Weiterdenken“ an, vielleicht auch zur Parenthese. Soll ja sein!

Geniale Regisseure wie Francis Ford Coppola schaffen es, Bizarres zu zeigen, aber trotzdem menschliche Nähe zu ihren Protagonisten herbeizuzaubern. Sein „Apocalypse Now“ ist in diesem Sinne ein Jahrhundert-Filmereignis, das alles beinhaltet, was einen Film zum nachhaltigen Erlebnis macht: Fantasie, traumhafte Sequenzen, die in ihrer irrealen, aber suggestiven Faszination die ganze Ungeheuerlichkeit des Kriegsgeschehen greifbar machen. Dazu gehört, Mut, Können und eine gute Vorlage, wie sie Coppola in Joseph Conrads Meisterwerk „Heart of Darkness“ fand. „Das Boot“ spielt leider nicht ganz in dieser spektakulären Liga.

Meiner Meinung nach liegt eine der größten Schwächen des „Boots“ darin, dass, obwohl die Charaktere bemüht menschlich dargestellt werden – vielleicht sogar zu bemüht und das merkt man eben! -, es ihnen kaum gelingt, echtes Mitgefühl zu erregen. Letztlich regieren hier doch viel zu sehr die üblichen vielstrapazierten Klischees, die aus der guten und vor allem schlechten Kriegsliteratur („Landser“-Hefteln) sattsam bekannt sind.

Das dabei erfolgreichste Motiv ist das der Kameradschaft von Soldaten, die auf Gedeih und Verderb zusammenhalten und dabei in Konfrontation bzw. Antagonismus mit „denen da oben“ stehen, denen sie sich – gewiss nicht zu Unrecht - ausgeliefert fühlen. So wird im Film etwa dem Antrag des Kommandanten, zwei Soldaten von Bord gehen zu lassen, von den Befehlshabern nicht stattgegeben. Der Kommandant wollte vor dem Himmelfahrtskommando der Fahrt durch die – von den Alliierten beherrschte - Meerenge von Gibraltar den Kriegsberichterstatter und den ersten Offizier zu seiner schwerkranken Frau nach Hause schicken. Man kann das auch so interpretieren, dass der „Kaleu“ düstere Vorahnungen hatte – ein Topos, der ja die deutsche Literatur seit dem „Nibelungenlied“ prägt als ein masochistisches Sich-Ergeben in eine aussichtslose Schicksalhaftigkeit. Man mag diese dumpf-tragische Stimmung nun lieben oder nicht. Ich hab durchaus ein gewisses Faible für eine derartige Tragik.

Im „Boot“ lässt sich aber offenbar eine gewisse Pathetik nicht vermeiden. Die Schwere tragischer Wagner-Opern fällt einem ein. Aber auch Rammstein, die mit Elementen des Pathos ihr gekonntes Spiel treiben. Pathos, Heroik, Tragik und Kameradschaft sind Handlungselemente, die äußerst schwierig einzusetzen sind, da sie sich naturgemäß immer am Rande von Kitsch und Klischee bewegen. Um damit erfolgreich umzugehen, muss man schon eine/r der ganz großen KünstlerInnen sein. Rammstein operieren erfolgreich mit Ironie, um die Gratwanderung zu meistern.

„Das Boot“ wurde für 6 Oscars nominiert – und erhielt keinen einzigen. Die Konkurrenz von „Gandhi“ und „E.T.“ war damals – 1983 – zu groß.

Wenn Helden sterben…

„Das Boot“ ist ein spannender, durchaus sehenswerter, interessanter Film, bemüht und im besten Sinne unterhaltend, aber ein wirklich großer Film ist er nicht – obwohl er zu den zehn meistbesuchten Filmen Deutschlands zählt.

Aus meiner Sicht wirkt vieles beim zweiten Mal Sehen übertrieben. Die Szene mit der Weihnachtsfeier auf der „Weser“ etwa. Da kommen unsere gerade erst wieder einmal frisch dem nassen Tod entgangenen U-Boot-Helden aus ihrer klaustrophobischen Enge und den damit verbundenen Einschränkungen und Entbehrungen plötzlich zu einer Fete offensichtlich linientreuer Marineoffiziere. Ein üppiges Buffet ist aufgebaut. Die Gastgeber erscheinen in tadellosen Uniformen. Die Crew der U-96 kommt hingegen bis auf einen ziemlich abgefuckt daher: bleich, bärtig (um Wasser zu sparen rasierten sich U-Boot-Mannschaften während eines Einsatzes bekanntlich nicht!), alles andere als zackig und auch nicht uniformiert. Helden dürfen so etwas natürlich. Jovial werden sie ausgefragt. Nu erzählt doch mal, wie war das doch gleich mit diesen Wasserbomben…?! Aber Helden hassen Smalltalk. Helden sind verschwiegen, ernst, bedeutend, tragisch und in sich gekehrt. Anders erleben wir sie nur in Otto-Filmen mit entsprechend lächerlicher Wirkung. Die erwarteten Klischees werden also voll bedient. Weniger wäre wieder einmal mehr gewesen. Um dem heroischen Klischee zu entsprechen, hat man einen tatsächlich 30-jährigen Kapitän mit einem 40-jährigen Schauspieler besetzt, der keinen Tag jünger aussieht. Lächeln sieht man ihn nie. Dazu drückt ihn Erlebtes und die große Verantwortung wohl zu sehr. Dass er kein strahlender Held, sondern ein eher grüblerischer Nemo, wenn schon kein philosophischer Hamlet ist (Kapitän Nemo aus dem Jules-Verne-Roman - nicht der unsägliche Comics-Fisch), entspricht dem üblichen Bild deutscher Helden in der Kunst. Daher konnte man sich wohl auch mit den Ami-Produzenten nicht einigen!

Meine absolute Lieblingsszene aus dem Film ist die Schlusssequenz. Da läuft die U-96 sozusagen mit letzter Kraft total abgewrackt in den Hafen bzw. die Werft ein und wird mit Sang und Klang und Fähnchen – auch weißen Fahnen für jedes der versenkten „Feindschiffe“ (was die Nazis alles für Rituale hatten, frau staunt…) – gefeiert. Die Boys haben allesamt wundersamerweise überlebt und werden als Helden gefeiert. Aber am Höhepunkt dieser Willkommensfeier - ein unerwarteter Fliegerangriff. Regisseur Petersen hat dabei sogar Originalwochenschauen verwendet! Panik, jeder läuft um sein Leben, Schüsse aus den Fliegern auf die überraschten Fliehenden. Und die Helden, die Stürme, Wasserbombenattacken, Richtungskursverluste, Defekte und alle erdenklichen Qualen, Strapazen, Leiden und Drangsale, die der Krieg einem U-Boot nur immer bescheren kann, gemeistert haben, sterben im Kugelhagel einfach so dahin… wehrlos, sinnlos, zufällig, bedeutungslos. Die Botschaft erinnert an den Schluss des „Zauberbergs“ von Thomas Mann, dessen mühsam aufgebauter Held Hans Castorp auf einmal nur ein belangloses Pünktchen in der Landschaft ist, ein Soldat, der, wie wir wissen, erbarmungslos „verheizt“ werden wird. C’est la guerre.

Im letzten Bild beobachtet der offenbar einzige Überlebende des Fliegerangriffs – Berichterstatter Werner – den tödlich verwundeten Kommandanten, der sich noch einmal aufrichtet und zusieht, wie sein Boot unter schweren Treffern sinkt und mit ihm stirbt…

Die Szene sieht sich wirklich so pathetisch an, wie ich sie hier beschrieben hab. Sie wirkt auch und verleiht dem Ganzen einen Touch „Antikrieg“. Aber selbst im Sterben bleibt der Kommandant seiner heroischen Rolle treu. Es ist kein Wunder, dass dieses Heldenklischee im Film als Einziger keinen Namen hat. Er ist eben ein Archetyp: der „Alte“ (wir erinnern uns, er ist 30!), der immer besonnen reagiert – was filmimmanent allerdings bei genauer Betrachtung so auch nicht stimmt. Er macht nämlich entscheidende Fehler wie etwa ein „falsches“ Schiff zu torpedieren und lässt sich sehr wohl von Emotionen hinreißen wie in der Szene, in der er den Befehlsverweigerer beinahe erschießt. Diese Patzer an seiner heldenhaft weißen Uniform zeigen ihn aber dennoch nicht sehr menschlich.

Die sympathischste Figur ist natürlich der junge Berichterstatter, dem seine Naivität allmählich abhanden kommt. Auch so ein deutsches Motiv von Parzival bis Hans Castorp.

Aus der Distanz von 30 Jahren ist es natürlich leicht zu sagen, man hätte mehr aus dem U-96-Thema machen können. Es ist aber auch die Frage, ob der Film dies überhaupt wollte.

Facts:

Regie und Drehbuch: Wolfgang Petersen
Produzent: Günter Rohrbach
Musik: Klaus Doldinger
Kamera: Jost Vacano
Schnitt: Hannes Nikel

Darsteller:

Jürgen Prochnow: Kommandant
Hubertus Bengsch: 1. Wachoffizier
Klaus Wennemann: Leitender Ingenieur
Herbert Grönemeyer: Leutnant Werner
Martin Semmelrogge: 2. Wachoffizier
Uwe Ochsenknecht: Bootsmann Lamprecht
Erwin Leder: Obermaschinist Johann
Jan Fedder: Bootsmaat Pilgrim
Claude-Oliver Rudolph: Dieselheizer Ario
Ralf Richter: Dieselmaat Frenssen
Oliver Stritzel: Dieselheizer Schwalle
Heinz Hoenig: Funkmaat Hinrich
Bernd Tauber: Obersteuermann Kriechbaum
Martin May: Fähnrich Ullmann
Otto Sander: Kapitänleutnant Thomsen
Günter Lamprecht: Kapitän der „Weser“
Sky du Mont: Offizier der „Weser“
Uraufführung 17.9.1981 München
1997 „Director’s Cut“ in Kino und als DVD

© DMK 5/09

(um keine Urheberrechte zu verletzen, verzichte ich auf Fotos zu diesem Bericht
   

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15.09.2004

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Einfach Genial
Bewertung für Das Boot [DC] (DVD) von  albertas

Pro: Neue Szenen, toller Sound
Kontra:

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