Das nette an diesen Rubriken ist: Man muss das Buch erst einmal selbst vorschlagen und man ist 100%ig davor gefeit, dass einen die Horden der Alles-Bewerter (ich warte schon gebannt auf den Tag, an dem Aldi ein neues Mikrowellen-Gericht rausbringt) niederwalzen. Außerdem kommt man nicht in ... Bericht lesen
Das Buch der Illusionen
Professor Zimmer ist ein gebrochener Mann, seit seine Frau und seine Kinder bei einem ... mehr
Flugzeugabsturz starben. Nur die Arbeit an einem Buch über einen 1929 verschollenen Stummfilmkomiker namens Hector Mann erhält ihn am Leben. Dann geschieht Seltsames: Manns verloren geglaubte Filme tauchen auf. Und eines Abends steht eine attraktive Blondine mit einem Revolver vor Zimmers Haustür ...
Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz starben. Nur die Arbeit an einem Buch über einen 1929 verschollenen Stummfilmkomiker namens Hector Mann erhält ihn am Leben. Dann geschieht Seltsames: Manns verloren geglaubte Filme tauchen auf. Und eines Abends steht eine attraktive Blondinemit einem Revolver vor Zimmers Haustür.
Flugzeugunglück hat er seine Frau und seine Kinder eingebüßt; vor dem Alkoholselbstmord retten ihn einzig die komischen Filme Hector Manns, eines längst vergessenen Stummfilmstars, der nach einer kurzen Karriere auf rätselhafte Weise im Nichts verschwand. Für eine Monografie über Hector beginnt Zimmer zu recherchieren, reist durchs ganze Land, um die letzten Kopien von Slapstickkomödien wie Ein Niemand, Der Requisiteur oder Hampelmänner anzusehen. Seine Familie kann er nicht zurückrufen ins Reich der Lebenden, aber Hector gibt er mit seinem Buch eine Stimme zurück. Dann tauchen geheimnisvolle Briefe auf, die behaupten, dass Hector noch am Leben sei, gefolgt von einer geheimnisvollen Frau, die Zimmer mit gezückter Waffe auffordert, mit ihr auf die Farm des todkranken Mimen zu reisen. In völliger Abgeschiedenheit seien hier noch zahlreiche cineastische Meisterwerke entstanden, die bisher nur eine verschworenen Gruppe von Eingeweihten zu Gesicht bekommen habe -- und die 24 Stunden nach Hectors Ableben endgültig verbrannt werden sollen. Ein Wettlauf gegen die unaufhaltsam verrinnende Zeit beginnt, in dem sich Zimmer wieder neu verlieben darf und bis zur großen Katastrophe am Ende die Grenzen zwischen Tod und Leben, Fiktion und Wirklichkeit, Illusion und Wahrheit immer wieder fulminant durcheinander wirbeln. Natürlich ist auch Das Buch der Illusionen wieder ein echter, postmoderner Auster geworden, der meisterlich mit den Versatzstücken des Entwicklungs-, Liebes- und Kriminalromans zu spielen versteht und in seitenlangen Filmbeschreibungen anschaulich ein ganzes Universum nie gedrehter Leinwand-Highlights heraufbeschwört. Bezeichnenderweise spielt der einzige von Hectors Filmen, den Zimmer noch vor ihrer Vernichtung sehen kann, im Kopf eines Mannes, der sich eine Geliebte fantasiert. Es gehört zum faszinierenden Vexierspiel von Austers Roman, dass man am Ende, nachdem alle Beweise vernichtet und alle Beteiligten außer Zimmer gestorben sind, selbst an ein Hirngespinst des traurigen Professors glauben will. Neben der Traumfabrik Hollywoods schafft ja immer noch die Literatur die größten Illusionen, und wenn Zimmers Geschichte auch nicht wahr sein sollte, so ist sie doch brillant erfunden. Auster nämlich hat seinem Helden eine großartige Stimme gegeben. So bleibt nur abzuwarten, wie lange es wohl dauern wird, bis Das Buch der Illusionen seinerseits eine (hoffentlich kongeniale) Verfilmung erfährt. Stoff genug für einen abendfüllenden Kinoerfolg hat dieser großartige Roman allemal. --Thomas Köster
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Erfahrungsbericht von Finnegan23 über Das Buch der Illusionen / Auster, Paul 24. Dezember 2002
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
Pro:
Paul Auster
Kontra:
Paul Auster im Jahre 2002
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
Das nette an diesen Rubriken ist: Man muss das Buch erst einmal selbst vorschlagen und man ist 100%ig davor gefeit, dass einen die Horden der Alles-Bewerter (ich warte schon gebannt auf den Tag, an dem Aldi ein neues Mikrowellen-Gericht rausbringt) niederwalzen. Außerdem kommt man nicht in den Ruch, etwas wegen der Punkte / wegen Geldes zu besprechen (das liest hier eh kein Schwein *smile*).
Nun denn, vom Leder: Ich biete blind eine Wette an, dass die meisten Auster-Leser in Deutschland über die New-York-Trilogie über diesen höchst bemerkenswerten Austor (sic!) gestolpert sind. Das war eine feine Sache. Tief, intensiv, nicht, dass viel passieren würde in den drei Geschichten, die sich doch sehr ähnelten. Es wird eine Geschichte erzählt, aber keine Handlung, ein sehr europäischer Ansatz mit einem sehr fesselnden (US-)amerikanischem Plot. In a word, ein Ostküsten-Roman. Die NY-Trilogie ebnete P.A. ohne Zweifel den Weg in die glas- und chromverzierten Vorzimmer der wirklich großen Verlage.
Meine persönliche (überhebliche) Meinung: Von da an ging's bergab. Ich habe mir nun seitdem jedes Buch von ihm gekauft, habe ihn über Obdachlose, Hunde, Bombenleger, seinen Vater (seinen?) schwadronieren hören... Niemals mehr hat er die Tiefe und den subtilen Surrealismus der NYT erreicht. Er erzählt seine Geschichten gut, keine Frage, aber sie wirken für mich seit einigen Jahren wie "hey, ich habe jetzt einen fetten Vertrag mit einem großen Verlag, ich habe eine gewisse Verpflichtung, welchen großen Wurf, welche Überraschung bringe ich jetzt am besten, sollte ich jetzt nicht mal was ganz anderes vorlegen?". (Gut, im Endeffekt laufen wir auf die Frage hin, was passiert, wenn das Establishment die Subkultur via Geld auffrisst; wollen wir hier nicht erörtern).
Falls aus meinem lead hervorgehen sollte, dass ich John Irving nicht mag, korrigiere ich dies hiermit. Seine Art, angeblich erstrebenswerte Idyllen zu entlarven, ihre Oberflächlichkeit sezierend zu vernichten, ist eine große literarische Leistung. Wenn allerdings im 10. Roman die Ringer (er war Ringer) der Highschool immer noch eine ähnlich große Rolle spielen wie in "Eine Mittelgewichtsehe", sehe ich eine gewisse Bequemlichkeit. Diese Larmoyance passt einfach zu beider Werk nicht. Beide sind groß geworden über ein gerüttelt Maß an Melancholie / Depression - ich würde mir wieder mehr davon wünschen (nicht, dass ich die Loneliness of the long distance runner zurück haben wollte).
Finally, et a point: Das Buch der Illusionen hat eklatante Brüche. Die Geschichte, die zu Beginn entwickelt wird (der Autor nach dem Flugzeug-Absturz, bei dem seine Familie stirbt), hat eben etwas gewollt Irving-mäßiges, die Geschichte danach (Rückzug in die Einsamkeit, der Haupt-Protagonist wird vom seinem Recherche-Subjekt eingeholt), wirkt unglaubwürdig (es sind einige so haarsträubende Wendungen darin, dass Chandler sie nicht zu Papier gebracht hätte). Es ist fast groß. Aber es ist nur fast ein Hemingway, fast ein Chandler, fast ein Welles. Nah dran an allen. Mir wäre es lieber gewesen, es wäre ein wahrer Auster gewesen.
Das Buch hat nur drei Ebenen, es entwickelt aber keine von diesen (geschweige denn, der Ideen, die durchaus darin enthalten sind), zu Ende. Im ersten Teil spürt man fast wieder diese Faszination - es kann nur so sein, dass Auster von sich selbst erzählt. Dann bricht es weg, episch ergießt er sich in (fiktiven) Recherche-Ergebnissen über Hector Mann, bemüht sich verkrampft, ein lokales und zeitliches Kolorit zu vermitteln - was zum einen nicht gelingt, was andererseits nie der Grund gewesen wäre, weswegen einer von uns zu einem Buch von Paul Auster gegriffen hätte. Wenn er uns dann in die Welt des Hector Mann zu entführen versucht, wirkt alles genau so wie die Welt, die er vergeblich vor uns zu entwerfen versucht hat: Ein Stummfilm, zappelnd, vorhersehbar, wir sind dankbar für die Zwischentitel.
Es gibt Bücher, auch von Paul Auster, die man nicht mehr weglegt. Das Buch der Illusionenn gehört für mich nicht dazu. Selbst das überraschende Ende wirkt konstruiert, man erwartet es geradezu. Es setzt sich eine Tendenz fort, die man von Auster kennt und einst sogar an ihm zu schätzen wusste: Seine Charaktere bleiben flach und sind nur mittelmäßig entwickelt. Früher war es der Abgrund, der im Autor lauerte und der in der scheinbaren Banalität des Plots virulent wurde. Heute könnte man zu dem Schluss gelangen, man hätte Paul Auster lange Zeit überschätzt.
F23
P.S: Irgend jemand (ich glaube, es war die FAZ-Sonntag) hat das Buch total verrissen. Alle anderen fanden es Weltklasse.
Pro: Leicht zu lesende Tiefsinnigkeit Kontra: zuviele Nebenhandlungen, zu langatmig
...Auster ist ein Bestseller und das versteht man. Er versteht es den Leser in eine Welt zu entführen, die eine für einige Stunden fesselt und alles um einen vergessen macht.
Ein Mann verliert seine Frau und seine Kinder gibt daher seine Stellung als Universitätsprofessor auf und findet Ablenkung in der Beschäftigung mit einem verschollenen Stummfilmstar, Hector.
Dieser Stummfilmstar lebt noch und ist untergetaucht, weil er den Tod seiner Geliebten ... ...Immmer wieder variiert Paul Auster das Thema Tod von nahestehenden Personen und das darauffolgende Verschwinden der Betroffenen. Geschickt verknüpft er die handelden Personen und läßt sie sich gegenseitig spiegeln.
Trotz eines traurigen Themas bleibt die Erzählung immer leicht und nicht ohne Humor.
Meinermeinung ist dies ein Paul Auster für Einsteiger: Da ich trotz mehrmaligem Versuch bisher noch keinen Zugtang zu diesem Autor gefunden habe. ...
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Pro: Ein wundervolles Buch: Der Erzähler auf der Suche nach Hector Mann, der verschwunden sein soll. Ein tief analytisches und prosarisches Meisterwerk! Kontra: Wer ausführliche und lyrisch verpackte Bücher nicht mag, sollte es besser mit Ellis oder Horvath versuchen.
...einer intimen Ausführlichkeit, aber gerade das macht sein Buch so lesenswert, denn wer vor Details verschont bleiben möchte, ist sicher kein Freund des amerikanische Bestsellerautors ! Mehr lässt sich zu diesem Buch auch gar nicht erzählen, man will den Schluss nicht vorwegnehmen, aber ich betone hier noch einmal: Wer auf lyrische Prosaarbeiten in Form eines Romanes steht ist bei diesem Buch ganz sicher nicht am falschen Ort ! Außerdem macht sich ... ...auffallend schon eingebundenes Buch?! Wer bei diesem Buch auf das erste Auster-Werk trifft, sollte sich vielleicht erst einmal bekannt machen mit den Gedichten des Amerikaners: Ein wirklich empfehlenswerter Band wäre " Vom Verschwinden", Paul Auster, erschienen als Rowohlt Paperback. Dann wünsche ich mit diesen Zeilen schon einmal: Viel Spaß ! ...
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...uns ein Umzug bevor steht und sich die Bücherkartons im Flur stapeln, muss ich mich in die Buchhandlung bequemen, wenn ich lesen möchte. Eine großzügige Menge an sorgfältig ausgewählten Büchern habe ich noch nicht eingepackt, darunter befinden sich PaulAusters „Buch der Illusionen“, Maarten’t Harts „Regenbrachvögel“ und Pavel Kohouts „Henkerin“. Außerdem die Shakespeare-Sonette und Baudelaires „Blumen des Bösen“; man weiß ja nie, ob einen noch der Größenwahn ereilt. Und bis vor wenigen Stunden stand in dieser verwaisten Billy-Regal-Reihe eben auch noch „New York“.
„New York“ ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Texten, die Lily Brett in der „Zeit“ veröffentlicht hat. Irgendwie hatte ich befürchtet, diese kurzen Texte nicht zu mögen, denn...
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hilfreich 27.02.2003
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