Erfahrungsbericht von Finnegan23 über Das Buch der Illusionen - Rowohlts Rotations Romane / Paul Auster 24.12.2002
Produktbewertung des Autors:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
Pro:
Paul Auster
Kontra:
Paul Auster im Jahre 2002
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
Das nette an diesen Rubriken ist: Man muss das Buch erst einmal selbst vorschlagen und man ist 100%ig davor gefeit, dass einen die Horden der Alles-Bewerter (ich warte schon gebannt auf den Tag, an dem Aldi ein neues Mikrowellen-Gericht rausbringt) niederwalzen. Außerdem kommt man nicht in den Ruch, etwas wegen der Punkte / wegen Geldes zu besprechen (das liest hier eh kein Schwein *smile*).
Nun denn, vom Leder: Ich biete blind eine Wette an, dass die meisten Auster-Leser in Deutschland über die New-York-Trilogie über diesen höchst bemerkenswerten Austor (sic!) gestolpert sind. Das war eine feine Sache. Tief, intensiv, nicht, dass viel passieren würde in den drei Geschichten, die sich doch sehr ähnelten. Es wird eine Geschichte erzählt, aber keine Handlung, ein sehr europäischer Ansatz mit einem sehr fesselnden (US-)amerikanischem Plot. In a word, ein Ostküsten-Roman. Die NY-Trilogie ebnete P.A. ohne Zweifel den Weg in die glas- und chromverzierten Vorzimmer der wirklich großen Verlage.
Meine persönliche (überhebliche) Meinung: Von da an ging's bergab. Ich habe mir nun seitdem jedes Buch von ihm gekauft, habe ihn über Obdachlose, Hunde, Bombenleger, seinen Vater (seinen?) schwadronieren hören... Niemals mehr hat er die Tiefe und den subtilen Surrealismus der NYT erreicht. Er erzählt seine Geschichten gut, keine Frage, aber sie wirken für mich seit einigen Jahren wie "hey, ich habe jetzt einen fetten Vertrag mit einem großen Verlag, ich habe eine gewisse Verpflichtung, welchen großen Wurf, welche Überraschung bringe ich jetzt am besten, sollte ich jetzt nicht mal was ganz anderes vorlegen?". (Gut, im Endeffekt laufen wir auf die Frage hin, was passiert, wenn das Establishment die Subkultur via Geld auffrisst; wollen wir hier nicht erörtern).
Falls aus meinem lead hervorgehen sollte, dass ich John Irving nicht mag, korrigiere ich dies hiermit. Seine Art, angeblich erstrebenswerte Idyllen zu entlarven, ihre Oberflächlichkeit sezierend zu vernichten, ist eine große literarische Leistung. Wenn allerdings im 10. Roman die Ringer (er war Ringer) der Highschool immer noch eine ähnlich große Rolle spielen wie in "Eine Mittelgewichtsehe", sehe ich eine gewisse Bequemlichkeit. Diese Larmoyance passt einfach zu beider Werk nicht. Beide sind groß geworden über ein gerüttelt Maß an Melancholie / Depression - ich würde mir wieder mehr davon wünschen (nicht, dass ich die Loneliness of the long distance runner zurück haben wollte).
Finally, et a point: Das Buch der Illusionen hat eklatante Brüche. Die Geschichte, die zu Beginn entwickelt wird (der Autor nach dem Flugzeug-Absturz, bei dem seine Familie stirbt), hat eben etwas gewollt Irving-mäßiges, die Geschichte danach (Rückzug in die Einsamkeit, der Haupt-Protagonist wird vom seinem Recherche-Subjekt eingeholt), wirkt unglaubwürdig (es sind einige so haarsträubende Wendungen darin, dass Chandler sie nicht zu Papier gebracht hätte). Es ist fast groß. Aber es ist nur fast ein Hemingway, fast ein Chandler, fast ein Welles. Nah dran an allen. Mir wäre es lieber gewesen, es wäre ein wahrer Auster gewesen.
Das Buch hat nur drei Ebenen, es entwickelt aber keine von diesen (geschweige denn, der Ideen, die durchaus darin enthalten sind), zu Ende. Im ersten Teil spürt man fast wieder diese Faszination - es kann nur so sein, dass Auster von sich selbst erzählt. Dann bricht es weg, episch ergießt er sich in (fiktiven) Recherche-Ergebnissen über Hector Mann, bemüht sich verkrampft, ein lokales und zeitliches Kolorit zu vermitteln - was zum einen nicht gelingt, was andererseits nie der Grund gewesen wäre, weswegen einer von uns zu einem Buch von Paul Auster gegriffen hätte. Wenn er uns dann in die Welt des Hector Mann zu entführen versucht, wirkt alles genau so wie die Welt, die er vergeblich vor uns zu entwerfen versucht hat: Ein Stummfilm, zappelnd, vorhersehbar, wir sind dankbar für die Zwischentitel.
Es gibt Bücher, auch von Paul Auster, die man nicht mehr weglegt. Das Buch der Illusionenn gehört für mich nicht dazu. Selbst das überraschende Ende wirkt konstruiert, man erwartet es geradezu. Es setzt sich eine Tendenz fort, die man von Auster kennt und einst sogar an ihm zu schätzen wusste: Seine Charaktere bleiben flach und sind nur mittelmäßig entwickelt. Früher war es der Abgrund, der im Autor lauerte und der in der scheinbaren Banalität des Plots virulent wurde. Heute könnte man zu dem Schluss gelangen, man hätte Paul Auster lange Zeit überschätzt.
F23
P.S: Irgend jemand (ich glaube, es war die FAZ-Sonntag) hat das Buch total verrissen. Alle anderen fanden es Weltklasse.
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Sommer, Sonne, Illusionen Bewertung für Das Buch der Illusionen - Rowohlts Rotations Romane / Paul Austervon
martinfwall
Pro: Leicht zu lesende Tiefsinnigkeit Kontra: zuviele Nebenhandlungen, zu langatmig
...Paul Auster ist ein Bestseller und das versteht man. Er versteht es den Leser in eine Welt zu entführen, die eine für einige Stunden fesselt und alles um einen vergessen macht.
Ein Mann verliert seine Frau und seine Kinder gibt daher seine Stellung als ...
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Wie ergreifend ist die ...
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18.07.2006
Prosarisches Wunderwerk Bewertung für Das Buch der Illusionen - Rowohlts Rotations Romane / Paul Austervon
mo.art
Pro: Ein wundervolles Buch: Der Erzähler auf der Suche nach Hector Mann, der verschwunden sein soll. Ein tief analytisches und prosarisches Meisterwerk! Kontra: Wer ausführliche und lyrisch verpackte Bücher nicht mag, sollte es besser mit Ellis oder Horvath versuchen.
...Wer Austers Gedichte mag, kann sich ganz sicher ach mit diesem Buch anfreunden ! Auster neigt zu einer intimen Ausführlichkeit, aber gerade das macht sein Buch so lesenswert, denn wer vor Details verschont bleiben möchte, ist sicher kein Freund des amerik ...
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Pro: Paul Auster Kontra: Paul Auster im Jahre 2002
...das Establishment die Subkultur via Geld auffrisst; wollen wir hier nicht erörtern).
Falls aus meinem lead hervorgehen sollte, dass ich John Irving nicht mag, korrigiere ich dies hiermit. Seine Art, angeblich erstrebenswerte Idyllen zu entlarven, ihre Oberflächlichkeit sezierend zu vernichten, ist eine große literarische Leistung. Wenn allerdings im 10. Roman die Ringer (er war Ringer) der Highschool immer noch eine ähnlich große Rolle spielen wie in "Eine Mittelgewichtsehe", sehe ich eine gewisse Bequemlichkeit. Diese Larmoyance passt einfach zu beider Werk nicht. Beide sind groß geworden über ein gerüttelt Maß an Melancholie / Depression - ich würde mir wieder mehr davon wünschen (nicht, dass ich die Loneliness of the long distance runner zurück haben wollte).
Finally, et a point: Das Buch der Illusionen hat eklatante Brüche. Die Geschichte...
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Pro: Leicht zu lesende Tiefsinnigkeit Kontra: zuviele Nebenhandlungen, zu langatmig
...Paul Auster ist ein Bestseller und das versteht man. Er versteht es den Leser in eine Welt zu entführen, die eine für einige Stunden fesselt und alles um einen vergessen macht.
Ein Mann verliert seine Frau und seine Kinder gibt daher seine Stellung als Universitätsprofessor auf und findet Ablenkung in der Beschäftigung mit einem verschollenen Stummfilmstar, Hector.
Dieser Stummfilmstar lebt noch und ist untergetaucht, weil er den Tod seiner Geliebten mitverschuldet hat.
Die die ihn zum Stummfilstar bringt verschuldet den Tod der Frau des Stummfilmstars und verschwindet.
Immmer wieder variiert Paul Auster das Thema Tod von nahestehenden Personen und das darauffolgende Verschwinden der Betroffenen.
Geschickt verknüpft er die handelden Personen und läßt sie sich gegenseitig spiegeln.
Trotz eines traurigen Themas bleibt...
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Pro: Ein wundervolles Buch: Der Erzähler auf der Suche nach Hector Mann, der verschwunden sein soll. Ein tief analytisches und prosarisches Meisterwerk! Kontra: Wer ausführliche und lyrisch verpackte Bücher nicht mag, sollte es besser mit Ellis oder Horvath versuchen.
...Wer Austers Gedichte mag, kann sich ganz sicher ach mit diesem Buch anfreunden ! Auster neigt zu einer intimen Ausführlichkeit, aber gerade das macht sein Buch so lesenswert, denn wer vor Details verschont bleiben möchte, ist sicher kein Freund des amerikanische Bestsellerautors ! Mehr lässt sich zu diesem Buch auch gar nicht erzählen, man will den Schluss nicht vorwegnehmen, aber ich betone hier noch einmal: Wer auf lyrische Prosaarbeiten in Form eines Romanes steht ist bei diesem Buch ganz sicher nicht am falschen Ort ! Außerdem macht sich das Layout des Buches auch ganz gut und wer achtet schon nicht auf ein auffallend schon eingebundenes Buch?! Wer bei diesem Buch auf das erste Auster-Werk trifft, sollte sich vielleicht erst einmal bekannt machen mit den Gedichten des Amerikaners: Ein wirklich empfehlenswerter Band wäre...
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