"Feuchtes" Lesevergnügen
6. Nov 2003
Pro:
anregende, sinnliche Geschichten - auch zum Vorlesen geeignet
Kontra:
kann zu ungehemmter Leidenschaft führen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 caitriona
Über sich:
Nach langer Zeit wieder zurück in der Ciao-Community -kennt ihr mich überhaupt noch?!?
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 67 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dieses Buch von Anais Nin ist die erste erotische Literatur, die ich mir als junges Mädchen gekauft habe. Ich hatte im Fernsehen eine Reportage über Henry Miller und Anais Nin gesehen. Daraufhin bin ich neugierig geworden und habe den nächsten Buchladen gestürmt.
Damals wie heute bin ich von der Sinnlichkeit dieses Buches fasziniert. *** Die Autorin ***
Anais Nin wurde 1903 in der Nähe von Paris geboren. 1931 lernte sie Henry Miller kennen, die beiden erkundeten zusammen das Pariser Nachtleben und beeinflußten sich gegenseitig künstlerisch. Anais hatte verschiedene Liebeleien und Affären, sowohl mit Männern als auch Frauen. Ihre größte Leidenschaft blieb jedoch das Schreiben. Ihr bedeutendstes Werk sind ihre Tagebücher - ein Hohelied der Psychologie und zugleich ein Steinbruch seelischer Abenteuer. Als 1966/67 die ersten beiden Bände ihres Tagebuchs erschienen, die den Zeitraum von 1931 bis 1939 und damit die gemeinsam mit Henry Miller, dessen Frau June und Lawrence Durrell verbrachten Pariser Jahre umfassen, wurde die damals 63-jährige Anaïs Nin schlagartig berühmt. Ein bemerkenswertes Detail von Anaïs Nins Biographie ist die Tatsache, dass sie zwei Ehemänner hatte, die bis zu Anaïs' Tod nichts voneinander wussten. Ihr Leben teilte sich nach 1947, als sie den um siebzehn Jahre
jüngeren Harvard-Absolventen Rupert Pole kennen lernt, auf in ein Existenz an der Westküste in Los Angeles und eine andere an der Ostküste in New York. Anaïs Nin stirbt 1977 in Los Angeles an Krebs. Ein Grab gibt es nicht. Ihre Asche wurde von einem Helikopter aus über dem Pazifischen Ozean verstreut. *** Das Buch ***
Das Delta der Venus ist eine Sammlung erotischer Geschichten – eine Auftragsarbeit, die damals mit 1 Dollar pro Seite vergütet wurde. Jede Geschichte erzählt von Verlangen, Leidenschaft, Liebe, Verführung manchmal Perversion, Fetischismus oder Zügellosigkeit. Männer treiben es mit Frauen, Frauen mit Frauen, Männer mit Männern, Schwarze mit Weißen, Bekannte mit Unbekannten. Sogar Orgien werden sehr eindrucksvoll beschrieben.
Manche Personen lernt der Leser näher kennen. Jede Emotion, das Aufwallen des Verlangens, die körperliche Erregung, die Leidenschaft und am Ende die Erlösung durch einen oder mehrere Orgasmen erlebt man mit. Ich möchte euch jetzt keine Inhaltsangabe der einzelnen Erzählungen geben. Bei der Zusammenfassung der Geschichten geht sehr viel von der enthaltenen Erotik verloren. Da ich euch das Lesevergnügen diese Buches nicht schmälern möchte, stelle ich euch lieber eine meiner Lieblingsgeschichten vor.
-- Linda -- Linda ist eine Frau über Dreißig und mit einem Mann verheiratet, der sie früher nach allen Regeln der Kunst verführt und befriedigt hatte. Inzwischen beschäftigt er sich auch mit vielen anderen Frauen. Eines Tages erhält Linda eine Einladung zu einer Party im Bois de Bologne (Park in Paris). Natürlich keine normale Party, eher eine Art Swinger Club im Freien. Dabei lernt sie ihren zukünftigen Liebhaber kennen. Er befriedigte sie so sehr, dass die nach einem wiederholten Orgasmus die Besinnung verliert. Die Affäre mit ihm dauert ein Jahr, bis der Mann eine andere Frau heiratet. Weitere heiße Sexabenteuer erlebt sie mit einem Mann, der ein sehr erregendes Parfum trägt. Sie spricht ihn darauf an, weil sie das Parfum an einen Araber erinnert, in den sie verliebt war. Der Unbekannte (dessen Namen wir nicht erfahren) lädt sie in seine Wohnung ein. Trunken von dem umwerfenden Geruch des Parfums wird Linda immer erregter. Als der Unbekannte sie küsst und auszieht, denkt sie an den Sex mit ihrem Araber und sie lässt sich wild von ihm ficken.
2 Monate nach ihrer ersten Begegnung fühlte Linda sich plötzlich nicht mehr zu dem Unbekannten hingezogen. Es stellt sich heraus, dass er das Parfum nicht mehr hat. Linda ist verzweifelt, weil ihre ganze Leidenschaft und ihr grenzenloses Verlangen nach ihm mit dem Parfum verschwunden sind. Daher verlässt sie ihn. Die Erzählung von Linda endet mit einer Begebenheit aus ihrer Kindheit. Während sie in der Kirche vor einem Priester kniet und beichtet, reibt sie sich an der Quaste des Gürtels des Priesters. Die beruhigende Stimme des Priesters treiben sie dazu an, sich immer fester und schneller zu reiben, bis sie schließlich einen Orgasmus bekommt. Der Priester bekommt davon nichts mit, weil er denkt, dass ihr Zittern und Beben ein Zeichen von Schuld und Sühne sei.
Ich mag diese Geschichte, weil sie verschiedene Begebenheiten erzählt und die Gefühle Lindas für mich zum größten Teil nachvollziehbar sind. Manches habe ich selber erlebt und andere Dinge würde ich gerne noch erleben.
*** Fazit ***
Das Buch kann ich Männern und Frauen gleichermaßen empfehlen. Sowohl beim Vorlesen als auch beim selber lesen kann ich garantieren, dass die Phantasie sehr angeregt wird bzw. der Leser sexuell erregt wird. Feuchte Träume bleiben nicht aus.
Anais Nin benutzt eine sehr direkte Sprache, die jedoch nicht pornographisch wirkt. Der Sex und das Verlangen werden ganz natürlich beschrieben. Sowie in der Geschichte die Erregung steigt und die Leidenschaft wächst, so verändert sich auch die Sprache. Am Anfang ist sie ruhig, dann wird sie verführerisch und am Ende hemmungslos und direkt. Ich vergebe 5 Sterne für das sinnlichste Buch, das ich kenne.
Das Buch umfasst in meiner Ausgabe 327 Seiten und kostete damals 12,90 DM.
Danke fürs Lesen und sinnliche Träume
Caitriona
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Das Delta der Venus / Nin, Anais
Taschenbuch, 336 S., Erschienen: 2005 - Neuausgabe.
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Buch, gebundene Ausgabe, 326 S., Beilagen: Lesebändchen, Erschienen: 2006
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01.03.2005 21:11
ich mag nins schreibstil, ihre tagebücher sind der wahnsinn. eine sehr bemerkenswerte frau, die allein meine hochachtung verdient, weil sie es einigermaßen mit dem schwierigen miller aushalten konnte. schöner bericht. grüße aus bremen nach bremen. cob
23.09.2004 20:02
Anais Nin war eine sehr interessante Frau, ich habe ihre "Tagebücher". LG Claudia
11.02.2004 12:54
schöner bericht! *gg*