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Das Fenster zum Hof (DVD)

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Ein Bildreporter lebt gefährlich

5  02.09.2009

Pro:
-  siehe Text  -

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 73 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„See It! - If your nerves can stand it after PSYCHO!“

(Filmwerbung zur Wiederveröffentlichung im Jahre 1962)

Inzwischen ist es ist schon wieder eine ganze Weile her, seitdem ich „Fenster zum Hof“ gesehen habe. Davor hatte ich den Film ebenfalls geraume Zeit nicht mehr gesehen, und entweder war mir vorher nie aufgefallen, was für ein ungemein düsterer Film Hitchcocks Werk aus dem Jahre 1954 ist, oder ich hatte es schlicht vergessen.

Irgendwann habe ich der Versuchung nachgegeben und eine Pappkiste mit insgesamt 14 DVDs gekauft. Bei denen handelt es sich sämtlich um Filme von Alfred Hitchcock, und weil ich im Laufe der Jahre immer wieder habe feststellen dürfen, dass es sich mit Filmen von Hitchcock wie mit gutem Wein verhält, habe ich die knapp 100 Euro für die Box auch ziemlich leichten Herzens auf die Bezahltheke gelegt.

Irgendwann habe ich jeden der enthaltenen Filme schon mal gesehen, und irgendwann habe ich jeden der Filme auch zum zweiten und dritten Mal gesehen. Noch habe ich mir zwar nicht jede einzelne der DVDs in der Box angesehen, aber unter denen, die ich bereits gesichtet habe, war eben auch „Fenster zum Hof“. Entstanden ist der Film nach einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich (ein Autor, von dem ich schon immer mal etwas lesen wollte, weil ich seinen Namen von jeher mit besonders abgründigen Crime Stories verbinde), 1998 gab’s eine Neuauflage, in der der leider allzu früh verstorbene Christopher Reeve die Rolle des an den Rollstuhl (no pun intended) gefesselten Reporters übernahm. Das Remake habe ich bisher nicht gesehen, aber in diesen Minuten spiele ich durchaus mit dem Gedanken, Versäumtes beizeiten nachzuholen.

Die Hauptrolle im Original von 1954 spielt James Stewart. Als Fotograf L.B. „Jeff“ Jeffries findet er sich durch ein gebrochenes Bein an die eigene Wohnung gefesselt. Aber was ein gestandener Bildreporter ist, lässt sich durch solche Malaisen natürlich nicht davon abhalten, auch weiterhin investigativen Journalismus zu betreiben. Schon gar nicht, wenn das rückwärtige Fenster einen Blick in einen derart interessanten Mikrokosmos gewährt, wie Jeffs Hinterhof einer ist. Da gibt es zum Beispiel die Nachbarin, die ihr Hündchen Gassi führt, indem sie ihr Augensternchen an einem Korb in den Garten hinab lässt. Oder den Komponisten vis-à-vis, der verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Melodie ist. Und schließlich gibt es da noch Lars Thorwald (Raymond Burr) und Frau. Eines Tages allerdings gibt es offenbar nur noch einen Mister Thorwald. Das wirft natürlich die Frage auf, wo denn wohl Mrs. Thorwald abgeblieben sein mag. Jeff ist der Erste, der sie sich stellt, und damit bleibt er auch ziemlich lange allein. Weder bei seiner Verlobten (Grace Kelly), noch bei seinem Freund, dem Police Detective (Wendell Corey) und seiner Krankenschwester (Thelma Ritter) findet Jeff Gehör mit seiner Vermutung, der bullige Thorwald könnte seine Frau ermordet haben.

Wo soll Mrs. Thorwald schon sein? Sie wird ihre Eltern besuchen oder sonst wohin gefahren sein, und der Gatte packt nicht etwa die Koffer, um sich aus dem Staub zu machen, sondern ihr demnächst hinterher zu reisen. Jeff allerdings lässt sich nicht beirren, und als er selbst Kontakt zu Thorwald aufnimmt und diesen per Telefon des Mordes bezichtigt, manövriert der gehandicapte Sensationsreporter sich plötzlich in eine ziemlich brenzlige Situation.

Ich war beim erneuten Ansehen überrascht, wie düster „Das Fenster zum Hof“ ist und mit welch sparsamen Mitteln Regisseur Hitchcock für Beklemmung sorgt: Irgendwann ist ein unerleuchtetes Fenster gegenüber eben nicht mehr einfach ein unerleuchtetes Fenster, sondern eine beunruhigende, unheilschwangere Ansicht. Alltägliche Dinge wirken bedrohlich, weil mit neuer Bedeutung aufgeladen: Bis gestern noch hat man sich nichts dabei gedacht, wenn Nachbarins Fifi im Blumenbeet wühlt. Doch jetzt ist nichts mehr, wie es war, und man ertappt sich bei der bangen Frage, wonach das Hundchen wirklich gräbt.

Die DVD

Nicht nur bei manchem spannenden Film, sondern auch angesichts von so manchem Bonusmaterial wird mir angst und bange – insbesondere dann, wenn es darin um die Restauration von Filmmaterial geht und wenn klar wird, dass in der Vergangenheit schon so mancher Film offenbar nur um Haaresbreite davor bewahrt werden konnte, den Weg alles Irdischen zu gehen. „Fenster zum Hof“ scheint einer dieser Kandidaten zu sein, die man allzu lange dem Verfall preisgegeben hatte, bevor man sich dann zur inzwischen offenbar dringend erforderlichen Restauration entschloss. Dank der Bemühungen der einschlägigen Experten erstrahlt der Film jetzt in neuem Glanz.

Das ist offenkundig nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis harter Arbeit, und ich ziehe den Hut vor den Künstlern, die ihr Können in den Dienst der Rettung von Filmen stellen, die ich liebe und von denen ich mir gar nicht vorstellen kann, es könne sie eines Tages nicht mehr geben. Sie sind für mich in diesen Tagen die wahren Spezialeffekt-Experten, und ich schätze ihre Arbeit mehr als die gewisser Pixelschubser, die, gemeinsam mit Heerscharen von Rechenknechten, ständig neue, inhaltslose Hingucker erschaffen, die morgen schon wieder vergessen sind. Anders gesagt: Wie man aus Millionen von Pixeln Flotillen von Raumschiffen baut, interessiert mich längst nicht mehr halb so sehr wie die Technik und das Können, die erforderlich sind, um verwaschene Farben wieder zum Leuchten zu bringen und Schmutz, Kratzer und schlimmere Verheerungen unsichtbar zu machen, die der Zahn der Zeit beharrlich und unablässig selbst in einigermaßen angemessen gelagerte Filmstreifen nagt.

Und denen, die da von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt am Erhalt von Filmen werkeln, wünsche ich Zuschauer, die ihre Arbeit und den neuen Glanz, in dem sie manchen Film schon haben erstrahlen lassen, wirklich zu schätzen wissen.

Neben dem interessanten „Making of“, der unter anderem den Blick für diese Thematik schärft, bietet die DVD noch ein paar weitere Zugaben, die ebenfalls recht sehenswert sind – für wen Bonusmaterial das Zünglein an der Waage ist, der wird hier also gut bedient.

Was neben dem Film noch auf der DVD ist


Die meisten Online-Versender scheinen zu unterschlagen, dass die DVD-Version vom „Fenster zum Hof“ durchaus nicht bar jeder Zugaben ist. Deshalb an dieser Stelle einschlägige Informationen, die ich kurzerhand von einem der wenigen Versender übernommen habe, die die Daten auflisten.

  • 'Rear Window Ethics': an original documentary on the making of the film featuring interviews with cast members, the assistant director, directors Peter Bogdanovich and Curtis Hanson and Hitchcock's daughter Patricia
  • 'A Conversation With Screenwriter John Michael Hayes' featurette
  • Production photograph and poster gallery
  • Production notes
  • Re-release trailer narrated by James Stewart
  • DVD-Rom features: access the original script
  • Interactive menu
  • Scene access

R e s ü m e e

Toller Film von „Hitch“ auf einer schönen DVD. Viele der Wortwechsel im Film sind in der englischsprachigen Originalfassung übrigens noch makaberer als im Deutschen – wer sein Schulenglisch mit „Rear Window“ aufpolieren möchte, wird also zusätzlich mit einigen sehr pointierten Dialogen belohnt.




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Anduil

Anduil

20.12.2011 03:48

Oh, mein Lieber, lange nicht genug geschwärmt! Allein Thelma Ritter ist einen eigenen Absatz wert. Ganz zu schweigen vom Rückgriff auf expressionistische Mittel, derer sich der geniale Dicke hier bedient hat.

CiaoFonzie

CiaoFonzie

17.09.2009 18:09

ein echter Klassiker, toll!!! LG Matthias

GerhardReus

GerhardReus

17.09.2009 01:02

Würd ich jetzt gerne sehen... Spitzen Bericht wieder mal... glg gerhard

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