Erfahrungsbericht über

Das Haus der Schwestern - Roman / Charlotte Link

Gesamtbewertung (49): Gesamtbewertung Das Haus der Schwestern - Roman / Charlotte Link

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Meine Reise ins Haus der Schwestern

5  10.01.2005

Pro:
Fesselnd, mitreisend und involvierend

Kontra:
man bekommt keinen Schlaf mehr, bis man es durch hat .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Ladylove

Über sich:

Mitglied seit:13.08.2001

Erfahrungsberichte:20

Vertrauende:6

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das Haus der Schwestern

Zu meinem Geburtstag bekam ich das Taschenbuch „Das Haus der Schwestern“ von der Bestsellerautorin Charlotte Link geschenkt. Nachdem ich mir die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches durchgelesen hatte bedankte ich mich herzlich, beschloss aber gleichzeitig, dieses Buch würde wohl vorerst im Regal liegen. Nach allem was ich gelesen hatte war dies wohl eigentlich nicht unbedingt ein Romanthema, welches mich brennend interessiert und ich hatte außerdem den neuen Steven King und Walter Moers „Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär“ zum lesen (genau in dieser Reihenfolge natürlich...:-).
Doch vor einer Woche war es dann soweit. Ich hatte einen kleinen Unfall, bei welchem ich gründlich eine Treppe vermessen habe und muss nun wohl oder übel mein farbenfrohes Bein auf der Couch schonen. Dummer Weise hatte ich alle interessanten Sachen ausgelesen. Also beschloss ich mir das Geschenk vor zu nehmen.
Widerwillig und gelangweilt begann ich zu lesen....
Doch dann konnte ich nicht mehr aufhören!

Zuerst Details zum Buch:
Das Haus der Schwestern
Roman (mir vorliegend im Taschenbuchformat 19. Auflage von Mai 1999)
Genau 600 Seiten (mal abgesehen von der Buchwerbung zum Schluss des Buches)
ISBN 3-442-44436-5
9,00 Euro
Goldmann Verlag
Erstauflage 1997 by Blanvalet Verlag München

Das Cover:
Ist schon auf den ersten Blick sehr ansprechend. Es zeigt auf der Vorder- und auch Rückseite ein einsam, vor einem grünen und in der Sonne unterschiedlich leuchtendem Bergrücken stehendes weißes Häuschen. Im Vordergrund leuchtet ein grünes Feld und ganz nah beim Zuschauer einige, Abenteuerlust hervorrufende Steinplatten. Hinter den Bergen erkenne ich (vielleicht auch meine Phantasie) ein Meer, was aber nicht unwahrscheinlich ist, da dieses Häuschen sicherlich das verhängnisvolle Haus darstellen soll, indem die Geschichte sich abspielt, welche die Autorin erzählt. Wenn ich mir an Hand der Beschreibungen im Buch Englands Yorkshire und „Das Haus der Schwestern“, den Hauptspielort der Geschehnisse im Buch, vorstellen sollte, dann würde ich es mir wahrscheinlich genau so vorstellen!

Zur Autorin:
(Da ich sonst eigentlich noch nichts weiter über die Autorin gehört und auch ´noch´ nichts weiteres von ihr gelesen habe, nehme ich mir hier einmal die Freiheit und zitiere die Kurzbeschreibung aus dem Romandeckel, um euch einen kleinen Eindruck zu geben).
„Charlotte Link, Jahrgang 1963, gehört inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Ihre hohe Popularität verdankt sie insbesondere ihrer Vielseitigkeit. Sie machte sich mit großen Gesellschaftsdramen (darunter die Bestseller-Trilogie >>Sturmzeit<<, deren TV- Verfilmung mit überwältigendem Erfolg ausgestrahlt wurde) ebenso einen Namen wie mit psychologischen Spannungsromanen. Auch ihr zuletzt erschienenes Buch >> Am Ende des Schweigens<< steht seit vielen Wochen auf der Bestsellerliste.
Charlotte Link lebt bei Wiesbaden.“

Weitere Bücher von Charlotte Link könnt ihr sicher über den Verlag herausfinden.


Zum Inhalt:
Charlotte Link erzählt eine Geschichte in drei großen Handlungssträngen, wobei es ihr brilliant gelingt, diese, nicht nur am Ende, miteinander zu verschlingen.

Einer der Handlungsstränge erzählt die Geschichte des Ehepaares Ralph und Barbara Amberg. Barbara hatte ihrem Mann zum Geburtstag eine Reise nach Yorkshire geschenkt, die sie über Weihnachten antraten, um dort, in absoluter Abgeschiedenheit ihre Eheprobleme zu bekämpfen. Beide sind erfolgreiche Anwälte, denen aufgegangen ist, dass sie durch ihren Job beide nur noch aneinander vorbei lebten. Ralph ist sehr unglücklich mit dieser Situation. Barbara ist sich noch nicht sicher was sie will oder nicht, nur eines weiß sie genau: Sie hat wahnsinnige Angst davor die Kontrolle zu verlieren.
Plötzlich sitzen sie allein in dem alten Haus in Yorkshire fest, kein Telefon, keine Heizung, keine großen Vorräte. Ein Schneesturm hatte sie komplett von der Außenwelt abgeschnitten und in eine sehr schwierige Lage gebracht. Ihre Eheprobleme können sie nicht bereden, aber gemeinsam schaffen sie sich Grundlagen zum überleben. Auf der Suche noch Feuerholz für Ofen und Kamin findet Barbara dann ein geheimnisvolles Buch. Geschrieben von der längst verstorbenen ehemaligen Besitzerin von Westhill, der kleinen Farm und dem Haus in Yorkshire, in welchem Barbara und Ralph gerade hungern. Die Neugierde erwacht in Barbara und trotz der Einwände ihres Mannes beginnt Barbara die Lebensgeschichte von „Frances Gray“ zu lesen und kann nicht mehr aufhören. Auf den letzten Seiten stößt Barbara auf ein schreckliches Geheimnis, welches vom Haus und der derzeitigen Besitzerin, Laura ihr Leben lang streng gehütet wurde.

Zweiter Handlungsstrang:
Das Buch welches Barbara findet, wurde von Frances Gray geschrieben. Es enthält ihre ganze Lebensgeschichte, angefangen in ihrer Kindheit, in welcher sie auf eine Art Fraueninternat geschickt wurde, in welchem es ihr ganz und gar nicht gefällt. Schon kann der Leser herausfinden, dass es Frances überhaupt nicht gefällt, wenn sie sich an irgend welche Regeln halten muss und eingeschränkt bzw. „eingesperrt“ wird und schon da kann man im weiteren Verlauf des Buches eine spannende Story erahnen.
Frances wird eine Art Rebellin. Sie rebelliert gegen die Erwartungen, die an Frauen in dieser Zeit gestellt wurden und schließt sich sogar kurz vor dem ersten Weltkrieg den Frauenrechtlerinnen an, die damals für das Frauenwahlrecht kämpften. Frances älterer Bruder George wurde von ihrem Vater Charles sehr verachtet, weil dieser vor dem ersten Weltkrieg vor hatte, Alice Chapman zu heiraten, welche bekennende WSPU (Frauenrechtlervereinigung) Mitglied ist und sich natürlich nicht zurück halten kann, als Charles ihr deshalb Vorhaltungen macht.
Bei einem Londonaufenthalt gerät Frances mit in eine Straßenschlacht der Frauen mit der Polizei und kommt sogar ins Gefängnis, wo sie sich an einem Hungerstreik beteiligt und sogar zwangsernährt wird. Daraufhin wird auch sie vom Vater ihr Leben lang verachtet und ihre Schwester Victoria wird noch mehr Vaters Liebling.
Frances bekommt eine schwere Lungenentzündung, stirbt fast daran und leidet anschließend unter schweren Depressionen. Mit der Hoffnung die Heimat könne sie heilen, fährt sie dorthin und fährt aber wenig später noch niedergeschlagener zurück.
Denn ihre Jugendliebe John Leigh, der Sohn der reichsten Familie in der Gegend um Westhill, der Farm von Frances Eltern, macht ihr zweimal einen Heiratsantrag und zweimal schlägt sie ihn aus, mit fatalen Folgen... Doch die Beiden können ihr Leben lang nicht voneinander lassen...
Ein junger Mann bringt sich wegen Frances unerwiderter Liebe ums Leben und Frances muss hart arbeiten, um leben zu können. Inzwischen wohnt sie bei Alice. Mit ihr zusammen fährt sie später in ein Krankenlager nach Frankreich direkt hinter der Front, um ihren verletzten Bruder zu pflegen und wieder zurück nach Hause zu holen und um etwas über John heraus zu finden, der inzwischen auch an der Front kämpfte. Als sie ihn in einem Krankenhaus findet beginnt das unvermeidbare...
Zurück in Yorkshire will George Alice nicht mehr und wird ein Einsiedler, bis er schließlich heimlich ganz verschwindet.
Alice heiratet einen anderen Mann, mit welchem sie zwei Kinder bekommt, Laura und Majorie. Beide Kinder werden von Frances aufgenommen, als im zweiten Weltkrieg London bombardiert wird. Majorie geht schließlich zurück zu ihrem Vater, Laura bleibt in Yorkshire auf der Westhill Farm.

Es gibt noch viele sehr interessante und brisante Dinge, die sich in Frances leben abgespielt haben und entscheidende Rollen spielen in der Entwicklung der Geschichte, aber wenn ich noch mehr erzähle, dann braucht ihr das Buch nicht mehr zu lesen und alle Spannung ist weg. Daher nur noch kurz...

Nach und nach „verstarben“ Alle Familienmitglieder und nur noch Frances und Laura blieben auf der Farm. Frances vererbte Laura Alles nach ihrem Tod.

Dritter Handlungsstrang:
Als Laura siebzehn Jahre alt war, geschah auf der Westhill Farm etwas, was ihr Leben lang immer ein Geheimnis zwischen Frances und ihr geblieben war. Doch Laura wusste, dass Frances es aufgeschrieben und ihre Aufzeichnungen versteckt hatte. So gut versteckt, dass sie Jahre lang ohne Erfolg nach ihnen suchte. Sollte jemand die Aufzeichnungen finden und das Geheimnis erfahren, dann wäre es gut möglich, dass sie Westhill verlieren würde.
Fernand Leigh, der Sohn von John Leigh besaß schon jetzt sehr viel Land, was einmal zur Farm gehört hatte. Sie wollte nicht noch das Haus an ihn verlieren.
Daher machte es sie sehr unglücklich, dass sie jeden Winter das Haus vermieten musste, um ihre laufenden Kosten für das Haus begleichen zu können. Sie lebte ständig in der Angst, dass wild Fremde in ihrem Haus herum schnüffeln würden. Gerade bei diesem Mal hatte sie Angst, mit Recht...

Mein Fazit:
Ich bin sehr froh, dass ich nicht nach dem Lesen der Inhaltsangabe aufgehört habe zu lesen, mir wäre eine großartige Geschichte entgangen.
Frances ist eine sehr starke Persönlichkeit. Ihr widerfahren die schrecklichsten Dinge und es gelingt der Autorin hervorragend diese Geschehnisse und Frances Gefühle, sowie ihre Reaktionen so ausführlich und bildhaft, dabei aber nicht zu langatmig zu beschreiben, dass man sich als Leserin sofort mit Frances identifizieren kann und mit ihr mit fühlt und leidet. Bzw. ich glaube, manchmal habe ich mir gewünscht, zumindest was die Charakter- und Willensstärke angeht, so zu sein, wie Frances und ihren Mut zu haben.
Andererseits identifiziert sich die Leserin aber auch sofort wieder mit Barbara, wenn die Autorin in diesen Handlungsstrang verfällt und ich steckte in ihrer Haut. Es brannte mir auf den Nägeln immer weiter zu lesen und mehr von Frances zu erfahren. Ich machte mir Sorgen um Ralph und „unsere Eheprobleme“ und andererseits überlegte ich fieberhaft, wie es wohl weiter gehen würde in Frances Familie. Ich litt mit Frances mit, als der Vater sie verstieß oder George sehr verändert aus dem Krieg zurückkehrte. Ich kämpfte an ihrer Seite in der Frauenbewegung... Charlotte Link erzählt hart, aber nicht zu langatmig vom Krieg und Frances Erlebnissen an der Front. Sie berichtet kurz, aber eindrucksvoll und auf den Punkt bringend über die ungeheuer schrecklichen Bilder, die sich dort boten, so dass man den Eindruck hatte, Charlotte Link sei tatsächlich selbst dort dabei gewesen. Sie muss eine ungeheure Recherche betrieben haben...
In anderen Teilen des Buches zeigt sich wohl eine ungeheure Liebe von Charlotte Link zu Yorkshire. Denn sie beschreibt das Land, die Natur und auch die Menschen so, als hinge ihr eigenes Herz und nicht das von Frances an diesem Land. Nach ihren Erzählungen stelle ich es mir unglaublich schön vor, zumindest in den Landstrichen, wo sich seit damals noch nicht so viel verändert hat. Durch die Beschreibungen der Autorin kann man sich selbst ein sehr genaues, fast traumhaftes Bild von Westhill machen und wünscht sich, es tatsächlich einmal zu sehen.
Die Charaktere scheinen durch Charlotte Links Beschreibungen und die Dialoge fast lebendig zu werden. Ich fühlte mich, als sei ich ein Teil der Familie Gray und würde Alles aus nächster Nähe miterleben und mitleben!
Das Buch regt nicht nur die Phantasie an, sondern es gibt mir auch einige Denkanstöße. Ich meine, dass muss man sich mal vorstellen.... Es hat ja tatsächlich Menschen gegeben, die beide Weltkriege bewusst miterlebt haben und mit all diesen grausigen Bildern in ihrem Kopf ihr Leben trotzdem weiterleben mussten.
Was wäre, wenn die Frauenrechtlerinnen damals nicht so rabiat und trotz schlimmer Folterungen und Missachtung ihre/ unsere Rechte durchgesetzt hätten?
Was wäre wenn?...


Ich hoffe, ich habe nicht zuviel geschrieben und euch war das Lesen nicht zu lang...
Mir liegt sehr viel daran, euch dieses Buch schmackhaft zu machen, ich bin begeistert, wie man wohl merkt...*g*
Nehmt euch nur Zeit zum lesen und am besten habt ihr am nächsten Tag frei. Ich habe das Buch in zwei Tagen und Nächten durchgelesen. Man kann es nicht weg legen!

Viel Spaß!
Lieben Gruß Jenny

P. S. Weiß jemand, ob eigentlich schon eine Verfilmung existiert oder in Arbeit ist? Hm... ich weiß gar nicht, ob ich sie ansehen würde. Ich habe mir selbst so viel ausgemalt, dass der Film wohl eine Enttäuschung wäre...
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
civic106

civic106

29.01.2005 20:22

Aha, hört sich gut an....

Beavi

Beavi

10.01.2005 10:51

Muss ich auch mal wieder lesen! Eine Verfilmung des Buches gibt es (ZDF), finde den Film aber nicht gut gelungen (soweit ich mich erinee, hat der Film ein anderes Ende, bin mir jetzt aber nicht 100% sicher). Gruß Beavi

Geli3006

Geli3006

10.01.2005 10:21

Dieses Buch ist wirklich super, habe es auch gelesen. Liebe Grüße Geli3006

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