Marge lauscht einem heiligen Spiel
22.04.2012
Pro:
Thema ist interessant, meist spannend
Kontra:
Zweite Hälfte etwas zu knapp
Empfehlenswert:
Ja
 Homer_und_Marge
Über sich:
Hallo, wir sind ein Kölner Pärchen, das hier seine Erfahrungen berichten will. Mal schreibt Homer, m...
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Autorin: Ursula Niehaus wurde 1965 geboren. Ihre Leidenschaft für Stoffe führte dazu, dass sie sich nach dem Studium mit einem Stoffgeschäft selbstständig machte. Ihr erster Roman war "Die Seidenweberin", "Das Heiligenspiel" ist ihr zweiter. Inhalt: Augsburg zum Ende des 15. Jahrhunderts: Anna Laminit wächst hier in armen Verhältnissen, aber dennoch weitgehend glücklich auf. Ihr Vater ist früh verstorben und so schlägt sie sich allein mit ihrer Mutter und der kleineren Schwester durch. Ihr Leben ändert sich, als sie durch eine Intrige die Stadt verlassen muss. Sie findet aber Aufnahme bei der Kräuterfrau Oda, die ihr in den nächsten Jahren die Heilkunst nahbringt. Schließlich wird Anna als junge Frau wieder erlaubt, die Stadt zu betreten, doch sie muss bei den Ordensschwestern leben. Als Anna sich eine Magenkrankheit zuzieht und für eine Weile keine Nahrung verträgt, wird sie fälschlicherweise für eine sogenannte Hungerheilige gehalten - eine Frau, die durch göttliche Kraft nur von der heiligen Hostie lebt und sonst keine Nahrung braucht. Anna wagt es nicht, das Missverständnis aufzuklären und wird von nun an regelmäßig von Pilgern besucht, die sich ihren Segen erhoffen. Pater Quirinus kennt die Wahrheit und drängt die junge Frau, sich weiterhin als Hungerheilige auszugeben, da es viele Spenden einbringt. Anna ist nicht glücklich in dieser Rolle, doch es freut sie auch, den Menschen Kraft zu geben. Sie lebt aber auch ständig in Angst, dass jemand hinter die Wahrheit kommt ... Meine Meinung: Anna Laminit hat es wirklich gegeben und so auch zahlreiche weitere Figuren aus dem Roman, darunter sind auch so berühmte Personen wie Martin Luther und König Maximilian. Ursula Niehaus erschafft ein sehr realistisches Porträt von Augsburg in der Zeit zwischen Mittelalter und Renaissance mit viel Lokalkolorit. Trotz vieler historischer Details bei den Charakteren nimmt sich die Autorin aber auch einige Freiheiten heraus. Anna Laminit hat seinerzeit offenbar ganz bewusst die Menschen getäuscht und sich als Heilige inszeniert, hier ist sie eindeutig das Opfer unglücklicher Umstände und wird mehr oder weniger dazu gezwungen, diese Maskerade aufrecht zu halten. Für den Hörer ist sie eine gute Identifikationsfigur. Sie ist keine strahlende Schönheit, eigentlich nicht einmal besonders hübsch, aber sie hat Ausstrahlung und einen cleveren Charme. Dem verfällt später auch der reiche Kaufmann Anton Welser und die beiden bilden ein ziemlich ungleiches Paar: Er viele Jahre älter als sie und verheiratet, sie die angebliche Heilige, der man auf den ersten Blick keine erotischen Reize anmerkt. Weiterhin gelungen ist die Darstellung der alten Kräuterfrau Oda. Sie ist anfangs nicht gerade erfreut darüber, dass sie sich um das junge Mädchen kümmern muss und tut es eher notgedrungen. Anna entwickelt sich dann aber zu einer brauchbaren Gehilfin und die etwas einsilbige Einsiedlerin und das junge Mädchen ergänzen sich gut. Die Geschichte ist spannend, denn ständig fragt man sich, ob Annas Spiel auffliegen wird. Natürlich wird es über die Jahre immer schwieriger, zu verbergen, dass sie doch essen muss und es gibt mehrfach brenzlige Situationen. Sie wird Spielball einiger Intrigen und muss sich zwischen den Mächtigen behaupten, mit denen sie in Kontakt kommt. In der zweiten Hälfte des Romans empfand ich die Handlung ein bisschen zu kompakt gefasst. Es vergehen immer wieder Jahre und die werden so übersprungen, als wären die für die Handlung nicht wichtig, wovon aber eigentlich nicht die Rede sein kann. Während im ersten Teil des Buches noch alles schön ausführlich erzählt wird, wird dann gerafft, als stehe man unter Zeitdruck, das erscheint mir etwas unausgewogen. Das liegt auch nicht nur an Kürzungen, sondern betrifft auch die Romanversion, ist also eine generelle Kritik an diesem Werk. Sicher kann man auch darüber streiten, wieviel dichterische Freiheit erlaubt ist, da die Überlieferung eben eine andere Version von der Geschichte der Hungerheiligen wiedergibt und man darf keine historische Aufarbeitung erwarten. Das Ende ist auch anders als es die Fakten sagen, aber das hat mir wiederum gefallen, und es wurde plausibel gelöst, was mit Anna Laminit schließlich geschehen ist. Das Hörbuch wird von Birgitta Asshuer vorgetragen, einer erfahrenen Sprecherin für Funk und Fernsehen. Sie hat eine warme, weiche Stimme, der man gerne lange zuhört. Ihr Vortrag ist an sich gut, nur stört mich hin und wieder, dass mir manche Passagen ein bisschen zu dick aufgetragen, zu melodramatisch klingen, wobei das sicher auch Geschmackssache ist. Mein Fazit: Von mir gibt es vier Sterne und eine Empfehlung für dieses Hörbuch, das sich einer interessanten historischen Figur annimmt. Die wirklichen Ereignisse werden bewusst etwas verändert. Davon abgesehen ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, die Hauptfigur reizvoll. Die zweite Hälfte kann nicht so ganz überzeugen wie die erste, die Lesung empfinde ich auch nicht immer als ideal, aber insgesamt ist es hörenswert für Historienfreunde. Fakten: Verlag: Argon Verlag GmbH; Auflage: 1 (12. Januar 2009) 6 CDs, 465 Minuten ISBN-13: 978-3866105638
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04.05.2012 12:54
Guter Tipp
02.05.2012 23:18
schön beschrieben, wenn auch nicht mein Geschmack
26.04.2012 13:28
Hörbücher sind nicht so meins, das hier klingt aber durchaus ansprechend. Wär vielleicht was für meinen Vater, der liest gerne Historienromane. Viele Grüße, Ky