Jesus – Live on Tape?
28. Okt 2002
Pro:
spannende, temporeiche Geschichte / herausragender Erzählstil / lebendige Charaktere / ein Buch, das man nicht aus der Hand legen mag
Kontra:
außer der nicht gerade schönen Aufmachung des Buches, nichts . . .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Espionne
Über sich:
"Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt." Arabisches Sprichwort >>...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 179 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Man stelle sich vor, jemand reist in die Vergangenheit und macht eine Videoaufnahme von Jesus. Man stelle sich weiter vor, diese Video würde auch heute noch irgendwo existieren und man würde es eines Tages finden. Was würde wohl passieren? Wie würde beispielsweise der Vatikan darauf reagieren? Würde man das Video einfach im Fernsehen ausstrahlen? Das sind ein paar wirklich spannende, wenn auch rein hypothetische Fragen, die aber durchaus Stoff für einen spannenden Roman liefern könnten. Genauer gesagt liefern sie genau den Stoff für den spannendesten Roman, den ich in letzter Zeit gelesen habe... [ DIE STORY ]
Wir befinden uns in Israel auf einer Ausgrabungsstätte. Millimeter für Millimeter wird in den einzelnen Ausgrabungsarealen das Erdreich abgetragen, bis Stephen Foxx, Mitglied der New Yorker Explorer's Society, einen sensationellen Fund macht, der den Ausgrabungsbetrieb ganz schön durcheinander bringt. Als Grabbeilage entdeckt er die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die frühestens in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Sollte etwa jemand aus der Zukunft 2000 Jahre in die Vergangenheit gereist sein und Videoaufnahmen von Jesus gemacht haben? John Kaun, Medienmogul und Sponsor der Ausgrabung, ist auf jeden Fall Feuer und Flamme. Wenn es eine Bedienungsanleitung gibt, dann muss auch die Kamera noch irgendwo sein. Möglicherweise gut versteckt an einem sicheren Ort. Also trommelt Kaun ein Beraterteam aus Archäologen und Wissenschaftlern zusammen und macht sich auf die Suche nach der Kamera. Was gäbe es schließlich besseres für seinen kränkelnden Nachrichtensender als die Ausstrahlung eines 2000 Jahre alten Videos mit der Bergpredigt oder der Auferstehung Jesu?
Doch auch Stephen Foxx, der die Anleitung gefunden hat und als einziger Außenstehender davon weiß, ist nicht gerade auf den Kopf gefallen. Und neugierig ist er obendrein... So macht auch er sich zusammen mit zwei befreundeten israelischen Archäologen auf eigene Faust auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Doch in John Kaun hat er einen mächtigen Gegner, der ihm immer dicht auf den Fersen ist. Und auch der ist nicht der einzige der die Kamera gerne hätte... So entbrennt eine spannende und temporeiche Jagd nach einer Kamera, von der niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es sie überhaupt gibt. Vielleicht ist
das alles ja auch nur ein groß angelegter Schwindel? Wer weiß das schon so genau...
[ MEIN EINDRUCK ] Zugegeben, als ich das Buch zum ersten Mal sah, hätte ich nicht damit gerechnet, dass es mich mal so fesseln würde. Sowohl der Titel, als auch die Optik des Buchdeckels fand ich zunächst einmal nicht unbedingt ermunternd. "Das Jesus Video" – Was sollte das denn sein? Und dann dieser nicht gerade hübsche Buchdeckel, der zwei merkwürdig verhüllte Gestalten in einer kargen Wüstenlandschaft zeigt. Das wirkte alles nicht so, als ob ich dieses Buch ins Herz schließen könnte. Doch da hatte ich mich gewaltig getäuscht...
"Das Jesus Video" ist eines der spannendsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ach was gelesen, im Grunde habe ich es eher inhaliert, so schnell wie ich damit durch war... ;-) Am Anfang macht die Story noch einen recht beschaulichen Eindruck. Man lernt einige der wichtigsten Figuren der Geschichte auf einer Ausgrabungsstätte mitten in Israel kennen. Es scheint einen spektakulären Fund gegeben zu haben, dennoch belässt Eschbach es bei ein paar Andeutungen. Dabei lässt er den Leser ziemlich lange schmoren, erst nach 50 Seiten rückt er damit raus, um was es sich bei diesem spektakulären Fund handelt und das, obwohl ohnehin schon jeder, der den Klappentext gelesen hat, Bescheid weiß...
Eschbach inszeniert eine unglaublich spannende Geschichte, die vor atmosphärischer Dichte nur so strotzt. Kaum lüftet er ein Geheimnis, gibt es auch schon wieder neue Spannung, die den Leser fesselt. Der Autor versteht sich auf Andeutungen, hält den Leser immer wieder im Ungewissen und lässt so Geheimnis auf Geheimnis folgen. Dadurch entsteht eine unglaubliche Spannung, bei der man gar nicht anders kann, als immer weiter zu lesen. Doch nicht nur die Spannung trägt so viel zum Lesegenuss bei, auch Eschbach's Erzählstil fällt positiv auf. Er schmückt seine Sätze aus, wählt überlegt seine Worte und kreiert so einen Stil, der angenehm zu lesen ist, aber dennoch einen gewissen Anspruch zeigt. Zur spannungsreichen Atmosphäre der Geschichte passt dieser Stil sehr gut.
Spannungssteigernd wirken auch die Sprünge, die Eschbach immer wieder einbaut. Er wechselt ständig die Perspektive und springt so von einer Figur der Handlung zur anderen. Oft liest man Anfänge von Absätzen, bei denen man nicht weiß, um wen es dabei geht. Das steigert zusätzlich die Spannung und ermuntert zum flotten Weiterlesen, ohne dass großartige Verwirrungen entstehen. Auch die Wissenschaft hat einen gewissen Anteil an der Geschichte, sei es der junge Archäologe Jehoshua, der mit Hilfe verschiedener Chemikalien alte Dokumente wieder lesbar macht oder der Science-Fiction-Autor Peter Eisenhardt, der sich in seiner Funktion als Kaun's Berater mit der Machbarkeit von Zeitreisen auseinandersetzt. An verschiedenen Stellen gewinnt immer wieder die Wissenschaft die Oberhand, dennoch bleibt das Erzählte gut nachvollziehbar und interessant. Eschbach schlachtet die wissenschaftliche Komponente des Romans längst nicht so aus, wie es beispielsweise Michael Crichton wohl getan hätte.
Stichwort Peter Eisenhardt: Irgendwie hatte ich beim Lesen des öfteren das Gefühl, dass die Figur des Peter Eisenhardt hier und da einige biographische Züge des Autors aufweist. Zum einen ist er ein deutscher Science-Fiction-Autor, genau wie Eschbach selbst ja auch und zum anderen wird gerade Eisenhardt häufiger persönlich beleuchtet, teils auch mit einem leichten Anflug von Ironie. Das kann schon mal Anlass zu Spekulationen geben... Allgemein wirken die Charaktere der Geschichte durch Eschbach's ausschmückenden Erzählstil sehr lebendig. Sympathien für bestimmte Figuren stellen sich relativ schnell ein und Gut und Böse sind recht leicht zu erkennen. Trotz der spannungsreichen Handlung nimmt Eschbach sich die Zeit, alle seine Hauptfiguren auch einmal von einer ganz persönlichen Seite zu zeigen. Solche Passagen wirken dabei wie kurze Atempausen in einer spannungs- und temporeichen Handlung. Die Inszenierung der Geschichte verdient also ein dickes Lob.
Der Spannungsaufbau des Buches wirkt absolut überzeugend. Die Geschichte knistert oft nur so vor Spannung, ohne über die gesamten 651 Seiten auch nur einmal abzuschlaffen. Verwicklungen basieren zwar oft auf Zufällen, dennoch geht dies nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Alles bleibt bis zum Ende recht logisch nachvollziehbar, auch wenn die Geschichte ein paar verrückte Wendungen nimmt. Auch die Auflösung am Ende hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte wird richtig gut abgerundet, so dass man am Ende das Buch zufrieden zuklappen kann. Neben einer spannenden Handlung bietet das Buch aber noch mehr. Der Leser erfährt einiges über das alltägliche Leben in Israel und die Lebensart der Israelis...
<Zitat> In Jerusalem kannst du nur beten. In Haifa kannst du nur schuften. Aber in Tel Aviv kannst du leben. </Zitat> ...Eschbach lässt den Leser teilhaben an den unterschiedlichen Lebensrhythmen der unterschiedlichen Städte und scheut sich nicht, den Leser auch mal in die orthodoxesten Viertel von Jerusalem zu entführen. Neben all der spannenden und temporeichen Story erfährt man so auch noch eine Menge über das ganz alltägliche Leben in Israel. Das ergibt eine kontrastreiche Mischung, die dem Buch einen besonderen Reiz hinzufügt.
[ LESEPROBE ] <Zitat> Das wonach er suchte war im Grunde ebenso phantastisch. Eine Kamera finden zu wollen, die möglicherweise eine Aufzeichnung von Ereignissen enthielt, die sich vor zweitausend Jahren abgespielt hatten – manchen Leuten wäre schon die Erwähnung dieser Absicht Grund genug gewesen, seinen Geisteszustand ernsthaft in Frage zu stellen. Aber phantastische Dinge passierten. Ein Wissenschaftler bewies, dass Maschinen, die schwerer waren als Luft, niemals würden fliegen können – und seine Urenkel kauften Kiwis im Supermarkt, die mit Flugzeugen aus Neuseeland kamen. Die gesamte gegenwärtige Zivilisation war lebensnotwendig angewiesen auf Dinge, deren bloße Idee der jeweils vorangegangenen Generation als Hirngespinst gegolten hatte. </Zitat>
[ BUCHDATEN ] Andreas Eschbach – Das Jesus Video 651 Seiten Erstmals erschienen 1998 Bastei Lübbe ISBN 3-404-14294-2 Preis der Taschenbuchausgabe: € 8,90
[ FAZIT ] Wer Bücher mag, die vor Spannung geradezu knistern und dabei vielleicht auch noch ein gewisses Interesse an der Thematik Archäologie und Zeitreisen hat, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. "Das Jesus Video" ist eines der spannendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und seiner Auszeichnung mit dem Kurd-Laßwitz-Preis als bester Roman des Jahres 1998 mehr als würdig.
Ein herausragender Erzählstil kombiniert mit einer atmosphärischen Dichte, die einen beim Lesen fast vor Neugier platzen lässt, all das macht "Das Jesus Video" zu einer erstklassigen Lektüre. Als Bewertung kann es da von mir eigentlich nur 5 Sterne und eine dicke Leseempfehlung geben... Zeitreisende Grüße, Meike
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14.09.2006 17:09
Das ist ein wirklich gutes Buch!!!
17.01.2005 10:08
Bin auch grad dran nen Bericht darüber zu schreiben... Ich fand das Buch am Anfang voll langweilig aber auf den letzten 100 Seiten ist es echt voll spannend... Verdientes SH GLG liane
30.03.2004 03:37
Hallo Maike, habe heute Nacht den Autor Andreas Eschbach im TV beim Talk in Stuttgart gesehen - nicht zu glauben, dass diesem "Hirni" ein so gewaltiger Erfolg mit diesem Buch (mehr als 500.000 verk.Exemplare )gelungen ist...aber das Buch scheint auf eine Marktlücke gestoßen zu sein - und da Du das Buch auch gut fandest, muss irgendwas wohl dran sein...*fg* - absurde Spekulationen bar jeder wissenschaftlichen Grundlage - anscheinend der Stoff, aus dem die Leserträume sind... LG, Roland