Muß die Bibel neu geschrieben werden?
06.12.2002 (01.12.2005)
Pro:
spannende Idee, leicht ketzerisch, etwas Action
Kontra:
unausgegoren, klischeehaft, überzogene Figuren
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Action:
Anspruch
Romantik:
Spannung
Spaß
mehr
 carmen
Über sich:
manchmal da....
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Schon vor der Erstaustrahlung dieses Abenteuer-Science Fictions nach der gleichnamigen Romanvorlage von Andreas Eschbach im Jahr 2002 wurde im Vorfeld sehr viel Werbung für den Film gemacht, die auch mir nicht verborgen blieb. Und weil ich durchaus ein Fan von Geschichten bin, die die Kirche in Frage stellen, wollte ich den auch unbedingt sehen. Das ist mir damals gelungen, aber meine Einschätzung war nicht ganz so positiv. Trotzdem möchte ich ihn euch als Filmtip vorstellen, da er heute und morgen abend auf Pro 7 wiederholt wird. ** Die Geschichte ** Im Israel 2000 n.Chr. ist der Archäologiestudent Steffen Voigt (Matthias Köberlin) bei Ausgrabungen nahe Jerusalem beteiligt. Eines Tages bricht er in ein Loch mitten in der Wüste ein und findet dort unten ein Skelett. Es liegt ganz friedlich da, auf einer Art Podest inmitten einer Höhle. Neben dem Toten finden die Archäologen unter der Leitung von Professor Wilford (Heinrich Giskes) eine Plastiktüte, die wahrscheinlich darauf hindeutet, daß hier schon mal jemand gegraben hat. An dem Schädel allerdings finden sich Spuren eines Pilzes, der das letzte Mal vor 1800 Jahren auftrat.Bei der Betrachtung des Skeletts werden schier unglaubliche Ungereimtheiten sichtbar. Während die Radiokarbonuntersuchung das geschätzte Alter der Knochen von 2000 Jahren bestätigt, hat der Tote Merkmale, die nicht in jene Zeit passen: ein mit Titan geschienter Trümmerbruch und Spuren von Amalgam in den Löchern der Zähne. Gerade das Verfahren der Schienung ist aber höchstens erst seit 10 Jahren bekannt. In der Plastiktüte findet sich außerdem ein Heft: es ist die Bedienungsanleitung für eine Videokamera von Sony, jedoch eines Modells, das es im Moment noch garnicht gibt, sondern lediglich als Prototyp existiert. Allein Steffen kommt sofort auf die Idee des Zeitreisenden, der aus der nahen Zukunft in das Jahr 0 gereist sein muß und da starb. Klar finden das alle lächerlich. Im Archäologischen Museum in Jerusalem macht man mit einem speziellen Verfahren die Schrift auf dem Papier sichtbar, das mit der Bedienungsanleitung verhaftet war und findet darauf eine Art Brief des Toten, der aber unvollständig ist. Doch ein Wort ist von immenser Bedeutung: Jesus. Hat der Tote Jesus gesehen? Womöglich mit der Kamera aufgenommen? Die Hypothese einer Zeitreise scheint vielleicht doch nicht ganz so unwirklich? Immerhin muß jemand an dieser Theorie Interesse gefunden haben. Denn kurz darauf taucht ein seltsamer Typ auf, der angeblich die Ausgrabungen finanziert und die Dinge von nun an in die Hände nimmt. Und dieser Kaun will niemanden mehr dabei haben. Plötzlich packt Steffen der Ehrgeiz, und er beginnt auf eigene Faust mit Nachforschungen, bricht ins Archäologische Museum ein und macht Kopien des Briefes. Dabei wird er fast erwischt. Mit seiner Initiative ruft er schließlich mächtige Gegner auf den Plan, die ein erhebliches Interesse daran haben, daß die Dinge so bleiben wie sie sind und niemand von dem möglicherweise vorhandenen Video etwas zu Gesicht bekommt. Allerdings glaubt man ihm kein Wort. Nach dem Überfall in seinem Hotelzimmer ist plötzlich alles wie vorher, die Polizei scheint mit den Typen zusammenzuarbeiten, denn auch dort tauchen sie plötzlich auf, als Steffen seinen Paß als gestohlen melden will. Nur knapp entkommt er seinem Tod. Nur bei seiner Kollegin Sharon, selbst Israeli, findet er Unterschlupf. Sie und ihr Freund Joshua helfen ihm und riskieren selbst viel damit. Denn der Tod seines Kollegen Dan beweist, daß die Verfolger nicht mal vor Mord zurückschrecken. ** Darsteller ** Matthias Köberlin bestreitet den Film fast allein. Seine etwas dreiste Art, seine leichte Arroganz und der Hang zum größten Anmacher der südlichen Hemisphäre lassen ihn in dieser Figur nicht gerade sympathisch erscheinen. Aber wenn vom Regisseur die Figur so angelegt ist, macht er seine Sache gut. Das geht allerdings sehr zu Lasten der anderen Darsteller, über die wir oftmals so gut wie gar nichts erfahren. Meist ballern die Bösen nur herum, foltern oder jagen im Laufschritt hinter ihrem Opfer her. Charaktere werden hier nicht entwickelt, alle sind nur Mittel zum Zweck. Benennen könnte ich als einzige Heinrich Giskes (Das Biikenbrennen, Victor Klemperer) und Hans Diehl (Der Schattenmann), die mir aus anderen Produktionen in Erinnerung geblieben sind, so daß ich sie einordnen konnte. ** Filmkritik ** Im Gegensatz zu den Autoren der drei Beiträge in dieser Rubrik kenne ich das Buch überhaupt nicht. Ich kann also keine Vergleiche ziehen. Aber ich kann ja meine eigene Meinung sagen, ohne daß ich mich auf Original und Kopie beziehen muß. Das hilft dann sicher auch den Leuten, die wie ich die Romanvorlage nicht gelesen haben. Was mir ganz gut gefiel, war, daß es dem Regisseur gelingt, eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Ganz langsam werden wir durch die dämmrigen Straßen von Jerusalem, das Schummerlicht in den Büros des Museums, knarrende Türen, den versteckten "Helden", der immer wieder den Atem anhalten muß, um nicht entdeckt zu werden, in Stimmung gebracht. Man ist irgendwann selbst ganz atemlos vor Angst, wenn man sich wie Steffen fühlt, der unter dem Tisch hockt und mit anhören muß, daß der Typ mit der Knarre langsam auf ihn zuläuft. Schauer vom feinsten, allerdings auch etwas zu viel des Guten, vor allem im zweiten Teil. Und die Idee eines Zeitreisenden, der Jesus gesehen hat und ihn dokumentierte, finde ich an sich auch super interessant. Das Thema Zeitreisen gibt es ja schon lange, aber es mit der für die christliche Gesellschaft wichtigsten Figur zu verbinden, die Geschichte so, wie wir sie kennen, in Frage zu stellen, ist schon sehr gewagt, fast blasphemisch. Insofern macht die Vehemenz, mit der die Filmstory ihren Lauf nimmt und immer mehr Interessengruppen diese mögliche Entdeckung verhindern wollen, schon irgendwie Sinn. Denn wir wissen ja alle, daß die Kirche alles, was nur einen Hauch ihrer Allmächtigkeit in Frage stellen könnte, gern und gründlich unter den Teppich zu kehren versucht. Aber das ist dann auch alles. Die Umsetzung des Ganzen läßt in ihrer Logik und Folgerichtigkeit manchmal sehr zu wünschen übrig. Man hat das untrügliche Gefühl, der Regisseur hat eindeutig zu viele Indiana Jones- und andere Actionfilme gesehen und sie sich leider zum Vorbild genommen. Was mich nervte: 1. Die Geschichte ist ein wenig klischeebeladen - Sharon empfängt Steffen mit der Knarre in ihrer Wohnung, weil das ja in Jerusalem wohl so Mode ist. Hallo, was will uns der Regisseur damit sagen? Wenn es eine Bedeutung für den Rest des Films hätte, bitte schön, aber so wirkt es ein wenig lächerlich. Es mußte ja auch gleich eine Uzi sein. 2. Die Geschichte entwickelt sich ziemlich rasch und schon nach einer Stunde habe ich mich gefragt, wie hier noch Steigerung möglich ist und welches haarsträubend positive Ende uns dann aufgetischt wird. Denn die Situation des Verfolgten und die Konstellation seiner Verfolger ist doch so verzwickt und aussichtslos, daß ein Herauskommen absolut unlogisch erscheinen würde. Aber dem wird natürlich nicht so sein. Wie immer der Film ausgeht, realistisch jedenfalls nicht. 3. Auch die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Sharon und Steffen ist eigentlich unnötig und sicher ins Skript geraten, um die Romantiker und Klischeeliebhaber bei der Stange zu halten. Es ist einfach so vorhersehbar! Schon im ersten Teil konnte ich erraten, was dahingehend in Teil 2 passiert. Sharons Freund wird von den bösen Katholiken umgebracht, wahrscheinlich im Zuge einer Verwechslung per Zufall, und die beiden Liebenden können endlich zusammen die Welt retten. 4. So einleuchtend es auch wäre, daß die Kirche einen derartigen Fund verhindern oder verschweigen würde, hier kommt sie mir doch etwas zu barbarisch daher. Es werden alle Kirchenmänner zu Mördern oder Auftraggebern für Mord und Folter degradiert - ein wenig zu rabiat gehalten und zu einseitig gedacht für meinen Geschmack.5. Man hätte die Geschichte wahrscheinlich auf einen Teil zusammenfalten können. Manches wird einfach doppelt und dreifach inszeniert. Pausenlos steht jemand hinter der Gardine, der Held wird ständig wieder erwischt. Das läuft wie ein Ritual ab: die Täter kommen an ihn heran, er flieht, er erfährt weitere Einzelheiten über das Video, die Täter kriegen ihn, foltern und quälen ihn, es gelingt ihm zu entkommen, weitere Auflösungen usw. usw. Er vertaut aber auch jedem, erzählt jedem, was er weiß - das ist manchmal ziemlich nervig. Der Typ hat wohl niemals Krimis gesehen, daß er nicht weiß, wie man sich unsichtbar macht. Die Guten sind immer naiv, die Bösen sind immer brutal und superschnell informiert; aber leider verlieren sie am Ende doch. Und: manche Szenen sind schon richtig hart. Ich habe einige Male weggezappt, wenn die Folterszenen genüßlich ausgewalzt wurden, damit man auch ja merkt, was für unmenschliche Kerle hier am Werk sind. ** Mein Fazit ** Ich werde mir den Film sicher noch ein zweites Mal ansehen, weil Filme dann oft besser werden. Allerdings diesmal vom Band. Wegen diesem in meinen Augen im Grunde doch nur recht mäßigen Möchtegern-Actionthriller lasse ich keine Verabredung zum Essen sausen. Und das hat den Vorteil, daß man Werbung und langweilige Sequenzen schön vorspulen kann. Also, wer sich für solche Theorien interessiert und die Indiana Jones Filme mag, der ist mit diesem leicht sci-fi-angehauchten Abenteuer ganz gut bedient. Er darf eben nur nicht Logik erwarten. ** Daten ** TV-Film Deutschland 2002 Genre: Abenteuer, Romanverfilmung Regisseur: Sebastian Niemann Drehbuch: nach dem gleichnamigen Roman von Andreas Eschbach FSK 16
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08.12.2005 12:20
Hab ich schon wieder verpasst. Lg
06.12.2005 14:38
Ich kenne nur das Buch, das ich ganz fantastisch fand. Das war eines der wenigen Bücher, die von mir 5 Sterne bekommen haben. Da ich aber generell von Buchverfilmungen enttäuscht bin (bis auf gaaaanz wenige Ausnahmen), hab ich mir den Film nie angesehen und auch neulich bei der Wiederholung tapfer entsagt!
03.12.2005 09:56
guter bericht, ich habe immer was anderes geguckt, als das kam. hat mich nicht so interessiert.