Das Kartengeheimnis (ab 13) / Gaarder, Jostein

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Das Kartengeheimnis (ab 13) / Gaarder, Jostein

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Ein Joker unter 52 leblosen Zwergen

5 31. Mai 2006

Pro:
philosophisch, phantastisch, ideenreich, spannend, unterhaltsam, lehrreich

Kontra:
nicht jeder wird es mögen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert:

Humor:

Spannung:

Niveau:

Aufmachung:

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marina71

Über sich: Danke an alle meine Leser!

Mitglied seit:01.08.2005

Erfahrungsberichte:222

Vertrauende:110

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 114 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

>>>"Es geht ein Narr durch die Welt, dem der Zahn der Zeit nichts anhaben kann...">>>

Das ist der Untertitel zu einem Kapitel ("Herz Zehn") aus dem Buch, über das ich heute berichten möchte: "Das Kartengeheimnis" von Jostein Gaarder. Wieder ein typisches Buch dieses Schriftstellers: philosophisch und zum Nachdenken anregend und gleichzeitig phantastisch. Wie auch in einigen anderen seiner Bücher handelt es sich hier um zwei scheinbar verschiedene Geschichten: Die Urlaubsreise von Vater und Sohn und Die Geschichte aus dem Brötchenbuch. Dem Buchrücken nach handelt es sich sogar um drei Geschichten:
"Die Geschichte einer dreifachen Reise: einer realen nach Griechenland, einer phantastischen auf die magische Insel und einer gedanklichen in die Philosophie".

Zum Autor:
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Jostein Gaarder, am 8. August 1952 in Oslo geboren, studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaft in seiner Heimatstadt und unterrichtete danach zehn Jahre lang als Lehrer Philosophie an Schulen und in der Erwachsenenbildung. Daneben schrieb er Romane und Erzählungen für Erwachsenen und Kinder. 1982 debütierte er mit der Novelle >Katalog<, 1986 erschien sein erster Erzählband für Erwachsene, 1987 das erste Kinderbuch. Nach seinem Welterfolg mit >Sofies Welt< 1993 konnte er seinen alten Beruf aufgeben und sich ganz auf das Schreiben konzentrieren. >Sofies Welt< wurde mittlerweile in 40 Sprachen übersetzt und weltweit viele Millionen mal verkauft. 1999 wurde das Buch verfilmt. Heute lebt Jostein Gaarder mit seiner Frau Siri, einer Theaterwissenschaftlerin, und seinen zwei Söhnen in Oslo.

Auszeichnungen in Deutschland/Österreich:

1993 Luchs 84 (für »Sofies Welt«)
1994 Deutscher Jugendliteraturpreis (für »Sofies Welt«)
1995 Preis der Deutschen Schallplattenkritik (für »Sofies Welt«)
1995 Jugendbuch des Monats März der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (für »Das Kartengeheimnis«)
1996 Jugendbuch des Monats September der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1996 Das Goldene Kabel (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1996 Platz 2 der Jungen Jugendbuch Jury (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 Preis der Deutschen Schallplattenkritik (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 Österreichischer Jugendbuchpreis der Jury der jungen Leser (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 Buxtehuder Bulle (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)

Quelle: http://www.dtv.de/dtv.cfm?wohin=autor309&dtvnr=20789

Zum Inhalt:
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Hans Thomas, ein zwölf Jahre alter Junge, und sein Vater fahren quer durch Europa nach Griechenland, auf der Suche nach der Mutter des Jungen, die ihn acht Jahre vorher verlassen hat, um sich selbst zu finden. Zwischendurch machen sie einige Pausen, in denen der Vater, ein starker Raucher, eine Zigarette raucht und dem Sohn philosophische Denkanstöße gibt.
An einer Tankstelle gibt ein merkwürdiger kleiner bärtiger Mann Hans Thomas eine Lupe. Den Zweck dieses Geschenkes versteht Hans Thomas erst später. Der Zwerg schickt sie in ein kleines Dorf namens Dorf. Durch das Schaufenster einer kleinen Bäckerei entdeckt Hans Thomas ein Glas mit einem einsamen Goldfisch, an dessen Glasrand eine Ecke fehlt, die ungefähr die Größe der Lupe hat, die er von dem geheimnisvollen Zwerg an der Tankstelle erhalten hat. In der Bäckerei ist ein freundlicher Bäcker, der ihm Rosinenbrötchen für die Reise schenkt.
Zur großen Überraschung von Hans Thomas versteckt sich innerhalb eines dieser Brötchen ein winzig kleines Buch, dass nicht mit bloßem Auge gelesen werden kann.
Hans Thomas fängt an, das kleine Buch mit seiner neuen Lupe zu lesen, und die Geschichte wechselt dann zwischen Hans Thomas Reise und der Geschichte im Brötchenbuch. Die Geschichte handelt von einem alten Bäcker, dessen Großvater ihm ein Getränk einer wundervollen Flüssigkeit gab, die er Purpurlimonade nannte. Dieses Getränk kam von einer magischen Insel, auf der ein alter Seemann namens Frode lebte, und es dort ein lebendiges Kartenspiel mit 53 Personen (52 Karten plus 1 Joker) gab. Diese Personen sahen aus wie Zwerge, und ihr Leben auf der Insel war von einem rätselhaften Geheimnis umwoben. Die Geschichte des Brötchenbuches deckt einige Verknüpfungen zu Hans Thomas eigenem Leben auf.

Leseprobe:
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KARO BUBE
...seine ganze Eitelkeit hing damit zusammen, dass er ein Joker sein wollte...

Als wir wieder in unserem Hotelzimmer saßen, fragte ich Vater, ob er bei der Suche nach Mama schon etwas erreicht hätte.
"Ich war bei einem Agenten, der Models vermittelt", sagte er. "Er hat mir versichert, dass es in ganz Athen kein Model namens Anita Torä gibt. Er war sich sogar ganz sicher. Er behauptet, alle Models hier zu kennen- jedenfalls die ausländischen."
Ich muss ausgesehen haben wie ein Sonnenuntergang im September - bei dem es gleich darauf auch noch zu regnen anfing, denn jetzt spürte ich, wie die Tränen von innen gegen meine Augenlider drückten. Wahrscheinlich fügte Vater deshalb eilig hinzu: "Da habe ich ihm das Bild aus dieser Modezeitschrift gezeigt, und schon kam er in Schwung. Er hat mir erzählt, dass sie hier den Künstlernamen Sol Strand angenommen hat. Und der hat gesagt, dass sie seit Jahren zu den begehrtesten Models von Athen gehört."
"Und weiter?" fragte ich.
Er breitete die Arme aus und sagte: "Ich soll ihn morgen nach dem Mittagessen anrufen."
"Das ist alles?"
"Jepp. Bis dahin können wir nur abwarten, Hans-Thomas. Und jetzt setzen wir uns auf die Dachterrasse. Morgen fahren wir nach Piräus, da gibt es auch Telefone."
Dass er die Dachterrasse erwähnte, brachte mich auf eine Idee. Ich sammelte erst Mut, dann sagte ich: "Da ist noch was."
Vater sah mich verständnislos an. Oder wusste er schon, worauf ich hinauswollte?
"Du wolltest dir was überlegen. Und wir haben verabredet, dass du es dir schnell überlegst."
Er versuchte ein entspanntes Lachen, das ihm nicht so recht gelang.
"Ach das" sagte er. "Wie gesagt, Hans-Thomas, ich denke darüber nach. Aber heute war ein ziemlich anstrengender Tag."
Mir kam eine Idee. Ich ging zu seiner Reisetasche und fand zwischen Socken und T-Shirts eine Flasche Schnaps. In null Komma nichts war ich damit im Badezimmer und goss den ganzen Dreck ins Klo. Gis Vater hinterher kam und kapierte, was ich getan hatte,hätte er sich nur noch bücken und den letzten Rest aus der Kloschüssel trinken können, ehe ich abzog. Aber so tief war er zum Glück noch nicht gesunken. Als er mich ansah, hatte er sich noch nicht entschieden, ob er wie ein Tiger fauchen oder wie ein kleiner Hund mit dem Schwanz wedeln sollte. Schließlich sagte er: "Okay, Hans-Thomas. Du hast gewonnen"
Wir gingen wieder ins Zimmer und setzten uns vors Fenster. Ich blickte zu Vater hoch, und er zur Akropolis.
"Glitzergetränk lahmt Jokers Sinne", sagte ich.
Mein Vater sah mich verblüfft an.
"Was faselst du da, Hans-Thomas Spürst du noch den Martini von gestern?"
"Natürlich nicht. Ich meine nur, dass ein echter Joker keine geistigen Getränke trinkt. Denn ohne geistige Getränke denkt ein Joker klarer."
"Du bist ein bisschen verrückt", sagte er kopfschüttelnd. Aber das ist wohl erblich."
Ich wusste, dass ich ihn an seiner empfindlichsten Stelle getroffen hatte, denn seine ganze Eitelkeit hing damit zusammen, dass er ein Joker sein wollte...

Art und Stil des Romanes:
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Jostein Gaarder nimmt auch hier wie bei Sophies Welt ein Kind als Hauptfigur und schreibt aus dessen Sicht in Ich-Form. So kann der Leser die Erlebnisse durch die Augen eines Kindes sehen, was uns als Erwachsene wieder in die Vorstellungskraft eines Kindes hineinversetzen hilft. Ein Kind sieht die Welt eher noch mit anderen Augen, es schätzt sie anders und ist noch sehr bemüht darum, Antworten auf Fragen zu bekommen, während man als Erwachsener oft vieles einfach hinnimmt oder gar ignoriert. Außerdem ist auch so ein jugendlicher Leser in der Lage, die Gedanken des Jungen nachzuvollziehen.

Der Roman ist in einer einfachen, verständlichen Sprache geschrieben. Der Autor verwendet viel wörtliche Rede, welche die Geschichte auflockert und unterhaltsam macht. Der gesamte Schreibstil ist sehr locker und flüssig zu lesen. Man merkt, dass Gaarder hauptsächlich für ein junges Publikum schreibt. Aber zwischen den Zeilen steckt manchmal mehr Bedeutung, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Dazu muss man das Buch sehr genau lesen, um den philosophischen Erklärungen Gaarders zu folgen. Dennoch wird auch ein Jugendlicher dadurch gut in die Philosophie eingeführt.

Der Roman wechselt immer zwischen den zwei Plots (der Vater und der Sohn in Griechenland und die Geschichte im Brötchen-Buch), was mich als Leser aber nicht verwirrt hat, weil die beiden Geschichten sehr gut miteinander verbunden sind und sich am Ende vereinigen.

Die Kapitel der Romane sind sehr einfallsreich durch ein Kartenspiel benannt, je Kapitel eine Karte. Unter dem Kapitel steht jeweils ein aus dem Kapitel hervorstechender Satz. Ein Beispiel habe ich bereits am Anfang des Berichtes aufgezeigt.

Jostein Gaarder benutzt die Karten als Kommunikationsmittel zwischen der Wirklichkeit und der Fantasie. Mit Hilfe der Karten kann man sich vorstellen, wie die Wirklichkeit sein könnte. Die Parallelen zwischen den Karten und dem eigenen Leben werden aufgezeichnet, was sehr faszinierend funktioniert.

Wie ich das Buch verstanden habe:
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Dieses Buch fordert heraus, sich Gedanken zu machen, sich einzulassen auf die Ideen und Betrachtungen, die in uns wohnen und neues Bewusstsein zu schaffen, das voraussetzt, nicht alles so hinzunehmen, wie es ist. Ich glaube, der Autor will uns damit auch sagen, dass wir ein Teil der Welt sind, einen Platz in ihr haben und dass wir sie uns lebendig machen können.

Anhand der Geschichte der Karten kann man sein eigenes Leben reflektieren. Der Autor hebt eindeutig die Ähnlichkeiten zwischen den Welten der zwei Geschichten hervor. Wenn man das Brötchenbuch liest, glaubt man sich in einer Geschichte innerhalb einer Geschichte wiederzufinden und bemerkt dabei, wie Fantasie und Wirklichkeit ineinander verfließen.
Der Joker im Buch übernimmt die Rolle des Denkers, der sehr tiefgründig denkt und so auch oft auf unangenehme Wahrheiten stößt. Solche sind bei anderen nicht unbedingt beliebt, und so wird er fast durch die anderen Karten getötet. Denn diese ziehen es vor durch das Trinken der Purpurlimonade ihren Verstand abzustumpfen.

Die Idee, dass es eine ganze Welt von Leuten gibt, die das Leben hinnehmen, ohne Fragen zu stellen scheint fast wie eine große Übertreibung. Doch wenn man etwas nachzudenken beginnt, dann stellt man fest, dass es in der Tat viele Leute gibt, die nach einem Schema leben und sich gar nicht bewusst sind, dass es da noch mehr geben könnte. Das Trinken der Purpurlimonade soll wohl auch verdeutlichen, dass viele Leute versuchen, durch Alkohol, Drogen oder andere Suchtmittel der Welt zu entfliehen. Im Buch kommen die Karten, die diese Limonade trinken, sehr verrückt, fast sogar geisteskrank herüber. Das Trinken lässt ihren Geist und ihre Wahrnehmungen verblassen und schadet auch dem Körper, und ändern tut sich dadurch nichts. Hier gibt es auch nochmal eine kluge Verbindung zu Hans Thomas: Sein Vater trinkt auch gerne mal einen über den Durst und sein Sohn macht sich Sorgen darüber, dass ausgerechnet der scharfe Verstand seines Vaters sich in Alkohol auflösen könne.

Die Geschichte bekommt auch noch eine geheimnisvolle Atmosphäre durch die Tatsache, dass die Karten im Brötchenbuch die Entwicklungen zwischen Hans Thomas Familie später scheinbar voraussagten. Da wird die Idee aufgegriffen, dass einige Dinge geschehen werden, egal was man tut - es ist Schicksal.

FAZIT:
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Das Kartengeheimnis von Jostein Gaarder ist eine interessante und märchenhafte Geschichte, die in einer Art geschrieben ist, die jungen und erwachsenen Lesern gleichermassen gefallen kann. Für junge Leser kann das Buch auch als Einleitung zur Philosophie betrachtet werden. Der Autor benutzt das Kartenspiel als Mittel, um Fragen des Lesers zu erklären und sie anzuregen, philosophisch zu denken. Es ist ein Buch mit viel Phantasie und Ideenreichtum, das mir persönlich sehr gefallen hat und welches ich gerne weiter empfehle.

Buchdaten:
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Sprache: Deutsch
Broschiert - 338 Seiten - Dtv
Erscheinungsdatum: April 1998
Taschenbuch: EUR 9,50
Lesealter: ab 13 Jahre 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Whitejunglehb1

Whitejunglehb1

24.06.2006 08:33

Das ist einfach Perfekt ,super :O)))

store_troll

store_troll

23.06.2006 23:04

Gaarder ist einer meiner Lieblingsautoren. Prima Bericht ! Trollige Grüße

Fiderallala

Fiderallala

21.06.2006 20:38

super-schöner Bericht von dir, habe mittlerweile alle anderen Gaarder-Bücher gelesen, aber das fehlt mir noch :-) Aber nu kommt es bald dran! LG Stefanie

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