Das Leben, das Universum und der ganze Rest / Adams, Douglas

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Das Leben, das Universum und der ganze Rest / Adams, Douglas

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Globbernde Matratzen und nicht endende Partys

5 22. Jun 2002

Pro:
Geniale neue Charaktere, Slartibartfaß' trockener Humor

Kontra:
Für eine (geplante) Trilogie nicht unbedingt der Beste Abschluss

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

Humor:

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Daverigger

Über sich:

Mitglied seit:25.03.2000

Erfahrungsberichte:622

Vertrauende:217

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 151 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Jede Trilogie geht irgendwann einmal einem Ende zu. Die Geschichte findet einen mehr oder weniger würdigen Abschluss und alles löst sich entweder in Nichts oder in Wohlgefallen auf, je nachdem wie die Story oder der Autor es verlangt. Star Wars zeigt uns jedoch sehr schön, das nicht alles Trilogie ist, was allgemein für Trilogie gehalten wird. Plötzlich sieht man einen 4ten Teil, der eigentlich ein erster Teil ist und somit die ersten drei Teile zu drei mittleren Teilen macht, da wiederum literarisch gesehen noch mal drei weitere Episoden folgen. Ein klein Wenig verwirrend, nicht oder?

„Per Anhalter durch die Galaxis“ war von Douglas Adams einst als Trilogie konzipiert worden, und so hat er auch die Romane geschrieben. Alleine der Titel des dritten Buches, „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ hat zwar einen mehr oder weniger abrechnenden Klang und auch das Ende ist nicht besonders offen oder geschlossen, sondern wabert, wie für eine gute Trilogie üblich, irgendwo zwischen „Ich habe fertig!“ und „Wann geht’s denn endlich weiter?“, denn die Kenner wissen, dass es insgesamt 5 Teile sind, und nicht bloß 3.


In den ersten beiden Teilen der Trilogie hat sich die Gruppe zusammengefunden, die den Kern der Geschichte bildet. Das sind zum einen Zaphod Beeblebrox, seines Zeichens Präsident des Universums und seine Freundin Trillian McMillian, Marvin der ewig manisch-depressive Android, Ford Prefect, Zaphods Cousin, Jugendfreund und Redakteur für den Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ und schließlich dessen Freund vom Planeten Erde, Arthur Dent, der seit Anbeginn der Geschichte nur mit Schlafanzug, Morgenmantel und Hausschuhen rumläuft.
Besagte Truppe bewegt sich, nach der Sprengung der Erde, verursacht durch eine außerirdische Rasse namens „Vogonen“, im schnellsten Ruamschiff des Universums fort, der „Herz aus Gold“, die mit ihrem Unwahrscheinlichkeitsantrieb an jedem Ort des Unviersums gleichzeitig sein kann.
Nach einigen verwirrenden Flügen unter anderem zum Planeten Magrathea, wo die Antwort auf DIE Frage nach dem Sinn beantwortet wurde (42!) und Arthur herausfand, das die Erde eigentlich ein gigantischer Computer, der von Mäusen in Auftrag gegeben und regiert wurde, war, und einem erholsamen Aufenthalt im „Restaurant am Ende des Universums“, wo man sich das Ende und danach den Anfang des Universums, geschützt in einer Raum-Zeit-Blase, ansehen kann, wurden unsere Freunde durch einen Zufall und einen technischen Defekt quer im kompletten Weltall verstreut. Arthur und Ford landeten zum Beispiel durch einen Zufall auf der Erde von vor 2 Millionen Jahren, zusammen mit einem riesigen Haufen Außerirdischer, die von nichts eine Ahnung haben. Das klärt übrigens auch die Frage des „Woher“ ... nicht etwa von den Höhlenmenschen und Neandertalern stammt der Mensch ab, sondern von einer Raumschiffladung außerirdischer Telefondesinfizierer, Rechtsanwälte und Friseure, die außer von ihren mehr oder minder überflüssigen Jobs von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Im die eigentliche Trilogie abschließenden, letzten Roman der Reihe, „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“, sind zu Beginn des Buchs ca. 5 Jahre vergangen, die Arthur und Ford getrennt voneinander auf der prähistorischen Erde verbracht haben. Durch Zufall begegnen sie sich wieder und werden von einem mysteriösen englischen Chesterfield-Sofa (mit original Paisley-Samt bezogen!) in der Zeit vorwärts geschleudert, und zwar genau auf den Lord’s Cricket Ground in St. John’s Woods, London, wo gerade das Ende des letzten Meisterschaftsspiels gegen Australien stattfindet. Dort werden sie von Slartibartfaß, dem Erbauer von Norwegen und ein paar Bergketten, in seinem Schiff mit original Bistr’o’matic-Drive (Noch leistungsfähiger als Unwahrscheinlichkeit!) aufgelesen, der sie um Hilfe bittet, da er das Universum retten muss.
Einst gab es im Universum einen friedlichen kleinen Planeten, der nichts vom Weltraum und den vielen anderen Welten darin wusste. Als auf diesem ein Raumschiff abstürzte, wurden die Bewohner des Planeten (Der übrigens Krikkit heißt) durch die Störung plötzlich unglaublich eigensinnig und „Ausländerfeindlich“, was dazu führte, das sie selbst Raumschiffe bauten und dem gesamten Universum den Krieg erklärten. Erst nachdem sie ein paar Galaxien zerstört hatten konnte man ihnen beikommen, und nun fristen sie ihr Dasein in einer verriegelten Raum-Zeit-Blase, zu der es nur einen, zur Zeit zerstörten, Schlüssel gibt, dessen Einzelteile über das gesamte Universum verteilt sind. Doch dummerweise sind ein paar Arbeitsroboter von Krikkit nicht in der Blase mit eingeschlossen worden und suchen nun die Einzelteile zusammen. Einige haben sie schon, und nun müssen sie unbedingt gestoppt werden, denn wenn die sogenannten „Krikkit-Kriege“ wieder aufflammen, könnte dies das Ende des Universums bedeuten.
Da ein Bestandteil des Schlüssels ein Bauteil der „Herz aus Gold“ ist, genaugenommen das Herz aus Gold selbst, ein gigantischer Pfeiler aus Gold, vereint sich die gesamte Truppe unserer Sternfahrer ein weiteres mal, um, mehr oder weniger freiwillig, das Universum vor der Zerstörung zu retten.


Wie schon gesagt, ist „Per Anhalter durch die Galaxis“ einst als Trilogie geplant und geschrieben worden. Dies merkt man an diesem Dritten Teil der „Trilogie in fünf Bänden“ seltsamerweise nicht wirklich.
Zum einen läuft die Handlung nicht, wie in einer Trilogie sonst üblich, auf einen Höhepunkt im dritten Band/Teil/Film hinaus. Es beginnt einfach eine völlig neue Handlung, nämlich die um die Rettung des Universums vor den Krikkit-Robotern, die nur durch die unveränderten Lebensbedingungen von Arthur und Ford an den vorhergehenden, zweiten Band anknüpft.
Zum anderen hat die Trilogie kein wirkliches, endgültig abschließendes Ende. Wie ich schon andeutete wabert es ein wenig zwischen Abschluss und Tor zum nächsten Teil, obwohl es eigentlich als Ende der Trilogie gedacht war.

Sehr interessant finde ich, das in diesem Band die Figur „Slartibartfaß“, der ja bekanntermaßen am Bau der Erde maßgeblich beteiligt war, eine wichtige und fast schon zentrale Rolle in diesem Band einnimmt. Adams hat mit ihm einen wahrlich faszinierend und zu brüllen komischen Charakter kreiert, der für mehr als nur Stirnrunzeln und Kichern sorgt. Er ist so dermaßen trocken und ruhig, das es einem beim Lesen manchmal die Zehennägel aufrollt. Er hat seinen Job auf Magrathea aufgegeben und arbeitet nun in einer Art von Agentur, die größere Auffälligkeiten im Raum-Zeit-Kontinuum aufspürt und beseitigt. Und da die drohende Zerstörung des Universums nun mal eine mehr als nur „größere“ Auffälligkeit darstellt, tritt er auf den Plan.

Ein wenig schade ist es, das Zaphod und Trillian für einen Teil der Geschichte mehr oder weniger in den Hinterrund rücken, und fast nur von Arthur, Ford und Slartibartfaß erzählt wird. Gerade Zaphod hat auf seine spritzige Art oft Farbe in die Geschichten gebracht. Aber das soll nicht heißen, das es ohne ein paar Stellen mit ihm nicht auch ein Lesegenuss aller erster Güte ist!

Ein weiteres, Adams-typisches Schmankerl ist die Einführung des „Bistr’o’matic-Drive“. Dies ist eine neue Erfindung, die als Antrieb für Raumschiffe noch weit mehr Energie liefert als der schon bekannte Unwahrscheinlichkeitsdrive. Man nutzt einfach die Wirren in einem typischen italienischen Restaurant aus um Energie zu gewinnen. Die Schwierigkeit, einen freundlichen Kellner zu finden, der einen prompt und höflich bedient, und die Zusammenhanglosen Posten auf der Rechnung sind hierbei ausschlaggebende Faktoren bei der Gewinnung der Energie.
Es ist einfach unglaublich amüsant zu lesen, wie Adams das Innere dieses Antriebsmoduls und die Vorgänge darin während den Flügen durchs All beschreibt. Wieder einmal tritt, so wie in den ersten beiden Bänden auch, sein Hang hervor, das wirklich Leben unglaublich zynisch und sarkastisch auf die Schippe zu nehmen.

Eine weitere Steigerung der Länge schafft Adams in diesem Band übrigens nicht wieder, wie beim ersten auf den Zweiten, Band drei bleibt mit knapp 220 Seiten im Mittelfeld. Aber ob 10 Seiten mehr oder weniger, an Genialität und Kreativität hat die Geschichte und vor allem Douglas Adams Schreibstil wahrlich nicht eingebüßt! Die gebrachten Pointen sind noch immer scharf wie Rasierklingen, und die Anspielungen auf Ereignisse und Persönlichkeiten so geschickt verpackt, dass man manchmal erst eine oder zwei Seiten weiter die Tiefe eines Gags versteht und von da an viel gewissenhafter liest, um noch viel mehr humorvolle Spitzen zu entdecken. Insofern ist „Per Anhalter durch die Galaxis“ trotz des eindeutig auf Komik und Humor gelegten Charakters eine Lektüre, die zum Nachdenken anregt, und das nicht zu knapp!

Besonders gut hat mir das Kapitel gefallen, in dem geschildert wird, wie Marvin mehrere Millionen Jahre auf einem Planeten auf seine Freunde wartet, um sich nach einem unglaublich lustigen Gespräch mit einer Matratze von Krikkit erst seines Beins, dann seines gesamten Körpers beraubt zu werden. Nach dieser Lektüre weiß man eine ordentliche Matratze erst richtig zu schätzen, wenn man auf einer liegt!


Ich halte „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ für einen durchaus angemessenen und weitgehend gelungenen Abschluss einer Trilogie, die eigentlich keine mehr ist.
Für die üblichen 7 Euro bekommt man als Leser ca. 220 Seiten höchst humorvollen und durchgequirlten Weltraumquark zu lesen, der wie gewohnt in keiner Zeile langweilig wird. Es wimmelt von Insidern, die nur diejenigen verstehen, die auch die vorhergehenden Bände gelesen haben, und strotzt vor neuen, feinen und gut durchdachten Szenarios und Charakteren, welche die Geschichte mehr als nur abrunden.
Wer schon die vorherigen zwei Bände gelesen hat, sollte diesen unbedingt auch noch lesen, wer den Anhalter nicht kennt, der kann bei diesem Band, im Gegensatz zum 2ten Teil, nicht Ohne Spaßverlust einfach quer hereinlesen, da einfach zu vieles vorausgesetzt wird.

Insgesamt kann ich den dritten Teil genauso empfehlen wie die ersten beiden, da er für die Trilogie einen netten Abschluss, für den 5-Teiler einen echten Höhepunkt darstellt und für Fans so oder so Pflichtlektüre ist. 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DHamburg

DHamburg

05.05.2003 11:35

Das mit der 42 ist ja an sich komplizierter da man leider die Frage nicht so genau kennt. :) Gruß, Daniel

Greifenklaue

Greifenklaue

04.07.2002 23:46

Sehr gelungener Bericht, zu Einer sehr gelungenen "Triologie" - ich kenne allerdings nur die ersten drei. Naja, vielleicht lese ich auch mal weiter. Gestern war ich in der Tat fleißig:-)

alteSchwedin

alteSchwedin

29.06.2002 22:06

Ich hab ja schon lange beschlossen, die Reihe zu lesen. Doch mit jedem Bericht den ich bei dir darüber lese, werde ich ungeduldiger. Und du weißt ja, dass das bei mir schnell gehen kann... ;-) Silvi

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