Das Leben der Brontes / Maletzke, Elsemarie

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... Dass diese zum Teil hoch gelobten, aber auch stark kritisierten Werke der Brontë-Schwestern unter Pseudonymen mit männlichen Vornamen publiziert wurden, war nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, wie die Frauenrolle in der viktorianischen Zeit war und was man von Frauen erwartet. Noch ... Bericht lesen





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Die "Skandal-Literatur" der Brontës
Erfahrungsbericht von kroetenfieber über Das Leben der Brontes / Maletzke, Elsemarie
26. Juni 2004


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: durchschnittlich 
Stil: neutral 
Unterhaltungswert: durchschnittlich 
Wie ergreifend ist die Story? ergreifend 
Informationsgehalt: sehr informativ 
Aufmachung: ok 

Pro: Es ist alles enthalten, was wichtig ist .  Anenehm zu lesen .  Insgesamt sehr gelungen .
Kontra: Die Beschreibungen der Roman - Inhalte hätte ich mir vorne im Buch gewünscht, nicht weit hinten .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht


Charlotte, Emily und Anne Brontë sind als Schriftstellerinnen weltberühmt geworden. Vor einigen Jahren schenkte ich einer Engländerin einen Bildband, in dem man die Landschaft betrachten kann, in der die Brontë-Schwestern im neunzehnten Jahrhundert gelebt haben. Ich sah mir die Verfilmung von Charlotte Brontës Roman „Jane Eyre“ auf Video an. Es ist wohl das bekannteste Buch, das aus der Feder der Brontë-Familie kam. Dass diese zum Teil hoch gelobten, aber auch stark kritisierten Werke der Brontë-Schwestern unter Pseudonymen mit männlichen Vornamen publiziert wurden, war nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, wie die Frauenrolle in der viktorianischen Zeit war und was man von Frauen erwartet.

Noch vor zwei Wochen erzählte mir jemand, er könne die drei Brontë-Schwestern nicht auseinander halten - welche Schwester hatte nun welchen Roman geschrieben und worin unterschieden sie sich eigentlich? Hat man mehrere Brontë-Werke gelesen, fällt einem die Antwort darauf etwas leichter. Noch mehr Aufschluss gibt Elsemarie Maletzkes Brontë-Biografie, in der die Brontë-Familienmitglieder dem Leser zunehmend vertrauter werden und man feststellt, wie unterschiedlich die Geschwister in ihrem Wesen waren. Doch diese Biografie enthält noch viel mehr...


Elsemarie Maletzke
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Über die Autorin gibt es nicht viele Informationen. Als Reisejournalistin schrieb sie mehrere Reisebücher, so zum Beispiel solche mit Titeln wie „Very British“ und „Irish Times“. Sie wurde 1947 geboren. In den neunziger Jahren lebte sie in Frankfurt am Main. Ob dies jetzt noch der Fall ist, ist mir nicht bekannt. Biografien scheinen ein zweites Themengebiet von Elsemarie Maletzke zu sein: Neben „Das Leben der Brontës“ schrieb sie auch über Jane Austin und durchleuchtete George Eliots Leben.


Lebensgeschichten
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Das Leben der Brontës kurz und knapp zusammen zu fassen, fällt etwas schwer, wenn man bedenkt, dass die Familie zwar recht zurückgezogen lebte, aber aus ihr drei weltberühmte Schriftstellerinnen hervorgingen. Ich möchte es dennoch versuchen:

Der irische Tagelöhner Patrick Brunty, der sich später in „Brontë“ umbenannte, schaffte einen beruflichen Aufstieg durch ein Cambridge-Studium. Er wurde Dorfschullehrer und später Pfarrer. Er heiratete am 29. Dezember 1812 mit 35 Jahren die damals 29-jährige Maria Branwell, die ihm kurz hintereinander sechs Kinder schenkte. Kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes zog die Familie in ein kleines Dorf namens „Haworth“, das nahe der Industriestädte Leeds und Bradford liegt. Vater Patrick übernahm dort das Pfarramt und die Familie lebte in dem Pfarrhaus in den Hochmooren der englischen Grafschaft Yorkshire. Mutter Maria verstarb aufgrund einer schweren Krankheit (Krebs) im Jahr 1821.

Die sieben Jahre ältere Schwester von Mutter Maria zog in das Pfarrhaus und übernahm den Haushalt. Damit seine Töchter etwas lernen konnten, schickte Vater Patrick 1824 die älteren vier seiner fünf Töchter in ein bezahlbaren Stift für Kleriker-Töchter „Cowan-Bridge“. Dort lebten die Mädchen in einem feuchten Haus, bekamen schlechtes Essen und an Hygiene mangelte es. Die beiden Töchter Maria und Elizabeth starben nach kurzer Zeit im Alter von 11 und 12 Jahren an Tuberkulose. Die anderen beiden Mädchen lebten nun wieder zu Hause mit dem verbliebenen Rest der Familie.

Die Kinder waren wissbegierig und interessiert an Fantasiegeschichten, die sie sich ausdachten, an Politik und vor allem an Literatur. Vater Patrick hinderte sie nicht daran, alles zu lesen, was sie in die Finger bekommen konnten. Alle Kinder fingen auch zu schreiben (Gedichte, Romane u.a.) und übersetzten sogar dieses oder jenes ausländische Buch.

Sowohl der einzige Sohn, Branwell Brontë, als auch Charlotte Brontë erlebten eine unglückliche Liebe in ihrem Leben. Als Erwachsene schlugen sie sich als LehrerInnen und Gouvernanten durch, hielten Briefkontakt zueinander und kehrten zwischendurch immer wieder heim nach Haworth. Sie planten, eine eigene Schule im Pfarrhaus des Vaters zu eröffnen, doch das Projekt scheiterte, da es nicht genügend Eltern gab, die ihre Kinder in dem abgelegenen Dorf unterrichtet wissen wollten.

Innerhalb von neun Monaten starben drei der Brontë-Geschwister: Branwell 1848 im Alter von 31 Jahren, Emily 1848 im Alter von 30 Jahren und schließlich Anne Anfang 1849, als sie Ende 20 war. Branwell starb aufgrund seines körperlichen Verfalls infolge seines sehr schlechten Lebenswandels und die beiden Schwestern an Tuberkulose. Charlotte Brontë überlebte ihre jüngste Schwester um sechs Jahre. Als sie 38 Jahre alt war, heiratete sie Arthur Nicholls, den Hilfsgeistlichen ihres Vaters. Bereits ein Jahr später starb sie an Fieberkrämpfen. Vater Patrick überlebte seine ganze Familie und wurde 84 Jahre alt.

Zur besseren Übersicht hier die Geburts- und Sterbe-Jahre:

Vater Patrick Brontë: 1777 - 1861
Mutter Maria Brontë: gest. 1821
Tochter Maria Brontë: 1813 - 1825
Tochter Elizabeth Brontë: 1814 - 1825
Tochter Charlotte Brontë: 1816 - 1855
Sohn Branwell Brontë: 1817 - 1848
Tochter Emily Brontë: 1818 - 1848
Tochter Anne Brontë: 1820 - 1849


Die Brontë-Schwestern als Schriftstellerinnen
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Zunächst mussten die Brontë-Schwestern Verlegern hinterher laufen, die ihre Bücher unter ihren Pseudonymen veröffentlichen sollten. Charlotte Brontë übernahm die Initiative und schickte die „Poems by Currer, Ellis an Acton Bell“ an etliche Verleger und schrieb als Absender auf die Briefumschläge „C. Brontë Esq.“, so dass die Empfänger nicht wissen konnten, dass sie eine Frau war. (Currer = Charlotte, Ellis = Emily, Acton = Anne.) Dieses Gedichtband wurde gegen Zuzahlung von einem Verleger eintausendfach aufgelegt, jedoch nur zwei- oder dreimal verkauft. (Hier unterscheiden sich die Angabe von E. Maletzke und Angaben in anderen Büchern.) Das Resultat war niederschmetternd.

Mit ihren Romanen waren die Brontë-Schwestern später erfolgreicher: Charlotte Brontë gab sich als „Agentin“ aus, die im Namen der „Brüder Bell“ die Geschäfte führte und fand 1847 einen wohlgesonnenen Londoner Verleger. Charlotte Brontës „Jane Eyre“ wurde schlagartig zum Beststeller. Auf „Sturmhöhe“ wurden Kritiker und Leser aufmerksam, weil es „skandalös“ und „unchristlich“ war. Annes Roman „Agnes Grey“ galt als unterhaltsame Lektüre. Die Öffentlichkeit wurde neugierig, wer hinter den Autoren-Namen steckte. Die Schwestern verdienten nun Geld mit ihrer Schreiberei und „outeten“ sich nach einiger Zeit gegenüber ihren Verlegern. Die Bücher wurden jedoch weiterhin unter den Pseudonymen veröffentlicht. Die meisten Brontë-Werke stammen von Charlotte Brontë, schon auf Grund ihrer längeren Lebenszeit.


Überblick über die wichtigsten Werke:

Charlotte Brontë: „Jane Eyre“, „Der Professor“, „Villette“
Emily Brontë: „Sturmhöhe“, „Julian M.“ (Ballade)
Anne Brontë: „Die Herrin von Wildfell Hall“


Mein Eindruck
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Das Lesen dieser Biografie hat mir nicht nur viele Informationen über Gegebenheiten rund um das Leben der Brontës gebracht, sondern auch Unterhaltung. Elsemarie Maletzke versteht es sehr gut, viele Dinge miteinander zu verknüpfen, möglichst nichts Wesentliches auszulassen und dennoch den Leser nicht zu langweilen - im Gegenteil: Nachdem ich mich nach zwanzig/dreißig Seiten an ihren Schreibstil gewöhnt hatte, wurde das Buch zunehmend interessanter und sogar fesselnd.

Zunächst widerstrebten mir die unzähligen Zitate, die immer wieder in den Text eingebracht wurden. Sowohl Ausschnitte aus Briefen, die sich die Geschwister schrieben, wurden zitiert als auch Tagebuch-Einträge und sonstige Niederschriften. Hier und dort tauchen auch Gedichte auf, die die Brontë-Geschwister schrieben, einschließlich Branwell Brontë. Ich hatte mich allerdings bald daran gewöhnt und stellte immer wieder fest, dass diese Zitate und Gedichts-Einschübe wunderbar in den Kontext integriert wurden. Sie störten den Lesefluss nicht, sondern unterstützten eigentlich nur das, was die Autorin beschrieb. Durch die Zitate wurde ich beim Lesen auch zunehmend in die Stimmung des neunzehnten Jahrhunderts versetzt - eine etwas altertümlich anmutende Sprache, die jedoch klar und gut verständlich ist.

In das neunzehnte Jahrhundert wird der Leser natürlich auch durch die äußerlichen Gegebenheiten versetzt, die Elsemarie Maletzke keinesfalls unbeachtet lässt bei der Beschreibung des privaten und beruflichen Lebens des Brontës: Der geschichtliche Hintergrund (Industrielle Revolution, Weber-Aufstand uvm.) wurden erwähnt und verständlich eingeflochten. Viele Hintergrundinformationen wurden dem Leser nicht vorenthalten und waren zum Großteil sehr interessant: So zum Beispiel Informationen zum Zeitgeist (Frauen hatten häuslicher zu sein als Männer, gehörten ins Heim, reisten nicht allein und konnten vielleicht Bücher schreiben, aber bitte nur im „fraulichen“, sittsamen und passenden Rahmen). Daneben wurde unter anderem auch über die hohe Kindersterblichkeit geschrieben, die damals hauptsächlich aus schlechten hygienischen Verhältnissen resultierte. So beschrieb Elsemarie Maletzke auch den Zustand des Dorfes Haworth mit seinen damals 5.000 Einwohnern: Nur gut vierzig Prozent erreichten das 6. Lebensjahr und das Durchschnittsalter betrug gerade einmal 26 Jahre. Das Wissen um diese Lebensumstände ist für den Leser natürlich auch wichtig und wird von der Autorin in einer angenehmen, korrekten, aber auch unterhaltsamen Art und Weise vermittelt.

Dennoch ist diese Biografie keinesfalls eine Art Roman: Es ist eine Beschreibung der Lebensgeschichten und Elsemarie Maletzke schien sich sehr viel Mühe damit gemacht zu haben, viele Dinge zu belegen, die sie in ihrem Buch niederschrieb. Sie lässt den Leser zum Teil sogar teilhaben an ihrer Recherche, indem sie bemerkt, dass in den und den Jahren nicht viele Hinweise und Unterlagen existieren und warum dies so sein könnte.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass man sich die Brontë-Familienmitglieder charakterlich gut vorstellen kann: Charlotte war sehr klein, hatte schlechte Augen und war ein ernster, sehr zurückhaltender und schüchterner Mensch. Als Leser dieser Biografie wurde mir bewusst, dass man doch erstaunt ist, wie einer solchen Frau, die in der Gesellschaft unbeholfen und unsicher gewirkt haben muss, einen Liebesroman wie „Jane Eyre“ geschrieben haben kann, in dem es um große Gefühle, aber auch um die eigene Bewältigung ihrer eigenen Vergangenheit geht. Branwell Brontë kann man sich sehr gut vorstellen: Er war ein rothaariger Mann, der im Berufsleben nicht sehr gut zurecht kam, eine unglückliche Liebesaffaire zu seiner sehr viel älteren verheirateten „Chefin“ hatte und schließlich daran zerbrach. Er hatte einen Hang zum Trinken und machte Schulden und kam trotz des ständig-wieder-aufgefangen-Werdens durch den Vater nicht gut durchs Leben. Und schließlich die temperamentvolle Emily, die starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt war, ihre Eigenheiten hatte und für ihre Zeit extrem autarke Züge aufwies, was im neunzehnten Jahrhundert nicht gerade akzeptiert wurde. Sie wurde als „halbwildes Geschöpf“ zitiert. Wer „Sturmhöhe“ gelesen hat, wird spätestens in dieser Biografie Emilys Wesen wiedererkennen. Der frommen und bescheidenen Anne wird von der Autorin genügend Beachtung geschenkt, obwohl über sie vermutlich nicht viel erfahren werden konnte, jedenfalls nicht im Gegensatz zu ihren Geschwistern. Mir hat es Spaß gemacht, die Charakterzüge der Geschwister, aber auch des Vaters, von Elsemarie Maletzke übermittelt zu bekommen - der interessante, aber auch nicht zu legere Schreibstil passt m.E. wunderbar zu der Familienchronik.

Elsemarie Maletzke zieht in diesem Buch immer wieder Parallelen zwischen den Romanfiguren und den Brontë-Schwestern. Am Anfang des Buches war dies nicht immer leicht zu verdauen, wenn man nicht bereits mehrere Werke der Brontës gelesen hat oder zumindest weiß, worum es dort geht. Erst im hinteren Teil, als es mehr um die Literatur geht, beschreibt die Autorin in groben Zügen den Inhalt der Romane und vergleicht hier abermals das Leben der Brontës mit denen der Roman-Figuren. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Roman-Beschreibungen viel früher im Buch gekommen wären. So habe ich das erste Drittel der Biografie so erlebt, als sei sie hauptsächlich für Brontë-Kenner geschrieben worden.

Das Buch ist in 17 Kapitel eingeteilt, wobei die „Überschriften“ der Kapitel eine Vorab-Zusammenfassung dessen beinhalten, was den Leser im Folgenden erwartet. Die Kapitel-Nummern sind in römischen Ziffern angegeben worden, was sehr gut zum Thema „Die Brontës im neunzehnten Jahrhundert“ passt. Hier ein Beispiel:

„VII
Branwell, der Maler - Exil in Roe Head - Gratwanderung mit Abstürzen - Fiasko in London - Ein Literat rät, ein anderer schweigt - Poesie am Küchentisch - Anne und Charlotte finden einen Gott“

Da es sich bei einer Biografie nicht um einen Krimi handelt, kann man solche Voraus-Ankündigungen ruhig anwenden, finde ich. Sie machen sogar neugierig. Natürlich habe ich diese Überschriften vor den Kapiteln gelesen, und so hat es sich Elsemarie Maletzke wohl auch gedacht. Unter diesen Überschriften stehen auch Zitate aus Brontë-Werken, was mir gut gefallen hat. So zum Beispiel zu Beginn des achten Kapitels:

„Heathcliff, it’s me, Cathy come home
I’m so cold, let me in-a-your window.
Kate Bush
Wuthering Heights”

Ein weiterer Leitfaden sind gut gemachte Stichworte, die auf jeder Seite über dem Text stehen. Stichworte wie „Haworth 1834-1835“ oder „Emilys Visionen“ nahm ich beim Lesen zunächst gar nicht wahr. Doch wenn man sie erst einmal entdeckt hat, sind sie gut und hilfreich. Sollten einem diese Stichworte nicht gefallen, kann man sie auch getrost überlesen, denn sie sind nicht fettgedruckt oder auf andere Weise auffällig gemacht worden.

Das Vorwort und das Nachwort würde ich auf jeden Fall lesen. In dem Vorwort wird der Leser behutsam in das Thema 19. Jahrhundert eingeführt, jedoch nur kurz und nicht zu ausschweifend (knapp drei Seiten). Was ich im Nachwort interessant finde, ist nicht nur, dass Elsemarie Maletzke aufzeigt, warum ein Typ wie Emily Brontë im neunzehnten Jahrhundert auf Unverständnis stieß, sondern auch eine kleine Kritik daran, was Literatur-Touristen wortwörtlich aufgetischt bekommen: Pilgerer, die sich das Pfarrhaus der Brontës ansehen, bekommen sämtliche Reliquien zu sehen und die Autorin fragt sich, meiner Meinung nach mit Recht, ob dies wirklich nötig ist. Hier ein kurzer Ausschnitt davon:

„Im Fall der Familie Brontë ist die Reliquiensicherung als Zugang zu Leben und Werk besonders heftig ausgeprägt. (...) Ihr Heim - ein Museum - wird mit forschreitender Akkuratesse in den Zustand zurückverwandelt, in dem sie es sahen; so weit, dass auf dem Küchentisch Emilys aufgeschlagene deutsche Grammatik liegt. Befördert ein solcher Schrein die Nähe zum Werk? (...) Der Gedanke, dass ihre Socken und Nachthauben einmal den Blicken gerührter Tanten ausgeliefert sein sollten, hätte die Schwestern Brontë sicher schon zu Lebzeiten versteinern lassen. Man muss sie nicht gesehen haben, um ihre Bücher zu lieben. die Sturmhöhe erschließt sich auch ohne eine Pilgerreise über das Moor. Es handelt sich um Literatur, nicht um Heimatkunde.“


Fazit
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Auch wenn ich neugierig bin, wie die Brontës gelebt haben, so kann ich mir die Pilgerreise nach England verkneifen. Diese Biografie jedenfalls hat mir sehr gut gefallen. Sie lässt den Leser nachvollziehen und teilweise vielleicht sogar nachfühlen, wie die Brontës zurückgezogen gelebthaben, ihren Lebensunterhalt bestreiten mussten und dennoch nicht die Schreiberei aufgegeben haben. Die Charaktere der Geschwister und des Vaters werden sehr gut beschrieben. Die geschichtlichen Gegebenheiten der damaligen Zeit werden berücksichtigt und verständlich erklärt. Hintergrundinformationen zum Leben im neunzehnten Jahrhundert gibt es ebenfalls ausreichend. Die Zitate werden gekonnt in den Kontext eingeflochten. Der Schreibstil ist angenehm und anregend. Die Kapitel-Überschriften machen neugierig. Kurz und gut: Diese Biografie ist ohne Frage sehr gelungen und eine der besten und interessantesten, die ich bisher gelesen habe. Ich empfehle sie gern weiter.


derzeit erhältliches Taschenbuch:

Verlag: Btb bei Goldmann
Erscheinungsdatum: August 2000
510 Seiten
ISBN: 3442726026
Preis (Amazon, Juni 04): 12,-- EUR


© kroetenfieber


 

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