Spionage am Wattenmeer
06.06.2010
Pro:
Segelromantik und anhaltende Grundspannung
Kontra:
Handlungsablauf sehr gemächlich
Empfehlenswert:
Ja
 Mungi60
Über sich:
Ab sofort werde ich meine Lesegewohnheiten ändern.Bisher habe ich alle Vertrautenberichte gelesen, d...
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Leser von mir wissen, dass ich auf der Nostalgiewelle reite, was die alten Mehrteiler betrifft, die man in den Siebziger und Achtziger Jahren im öffentlichen Fernsehen zu sehen bekam. Eine von diesen ist die 10- teilige Serie Das Rätsel der Sandbank, die von März bis Oktober 1984 gedreht wurde, und 1985 in der ARD ausgestrahlt wurde. Die Box, die 4 DVDs beinhaltet, habe ich bei Amazon.de für 25,99€ erworben, momentan kostet sie 29,99€.
UM WAS GEHT’S EIGENTLICH?
Der Engländer Davies ist mit einer kleinen Yacht auf der Nordsee unterwegs auf Entenjagd. Als sein Begleiter von Bord geht, weil er keine Lust mehr verspürt, gedenkt er seines Studienkollegen Carruthers, und lädt ihn zu sich auf sein Boot Dulcibella ein. Zuerst ist dieser etwas skeptisch, und fragt sich, ob er die Einladung annehmen soll, da er Davis schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch als Sein Chef davon erfährt, drängt er ihn dieses Angebot anzunehmen. Denn Carruthers arbeitet im Foreign Office Großbritanniens (Außenministerium), und dort erhofft man sich Informationen über alle Truppenbewegungen der Deutschen zu bekommen. Denn beide Staaten rüsten in dieser Zeit (Wir haben das Jahr 2004) ihre Flotten auf, und keiner traut dem Anderen. Unterdessen lernt Davis den reichen Kaufmann Dollmann und seine Tochter Clara kennen, sie sollen aus Schweden stammen. Doch Dollmann scheint ein Geheimnis zu umgeben, und als Davis ihm auf dessen Einladung zu einer Segeltour folgt, wird er im Sturm in gefährliches Gewässer gelenkt und strandet. Durch Glück wird er von einem Handelsschiff entdeckt, das ihn rettet. Davis ist nun neugierig geworden, außerdem hat er an Clara Dollmann einen Narren gefressen, die allerdings wieder zurück nach Hamburg gereist ist. Davis geht aber nicht nur auf Entenjagd, er studiert auch die Gewässer in der Ost- und Nordsee, und trägt auch deren Tiefe in ein Buch ein, das er in der Yacht versteckt hält. Damit will er es über Umwegen doch noch schaffen in die Royal Navy einzusteigen, die ihn zunächst abgelehnt hatte. Carruthers weiß zunächst nichts von alledem, kommt aber bald dahinter, dass es hier nicht nur um eine Entenjagd geht. Aber dieser ist nicht nur ein versnobter Lebemann, sondern auch ein Abenteurer, so dass er sich darauf einlässt, auch wenn die beiden verschiedenen Männer immer wieder aneinander geraten. Mehrere Male taucht auf See ein Kanonenboot auf, und als sie aus dem Wasser einen toten Infanteristen bergen, wird den Beiden immer mehr bewusst, dass hier irgendetwas in Gange ist, was nicht jeder mitbekommen sollte. Und plötzlich taucht da auch wieder Kaufmann Dollmann auf, im Schlepptau mit dem deutschen Kapitän von Brüning. Was haben die Deutschen vor? Die beiden Engländer werden immer neugieriger und begeben sich dadurch immer mehr in große Lebensgefahr. Und da ist auch immer wieder der schwarz gekleidete Seemann zu sehen, der überall auftaucht, wo sich die beiden Engländer befinden. Wer ist dieser Mann? Auf jeden Fall scheint er keinen Schlaf zu benötigen, denn er ist Tag und Nacht unterwegs….
DAS TV-AUFGEBOT
Auch wenn hier wieder einige meckern werden, weil ich etwas näher auf die Schauspieler eingehen werde, tue ich es dennoch, denn auch ich wäre daran interessiert, wer denn da eigentlich mitspielt, und woher man die einzelnen Personen kennt. Zu oft sieht man Schauspieler im Fernsehen, und kann sie nicht íhrem Namen zuordnen. Es ist ja nicht jeder so populär wie Brad Pit und Angelina Jolie. Und so ist es auch hier in diesem Zehnteiler.
Heute noch am bekanntesten dürfte Peter Sattmann sein, der den Engländer Carruthers spielte. Der heute 63jährige Zwickauer ist auch aktuell noch in vielen deutschen Serien und Fernsehfilmen zu sehen. Man sieht ihm sein Alter nicht an, so dass seine Rollen auch heute noch auf die des Dundys und Lebemann zugeschnitten sind. Und man nimmt es ihm auch ab. In der Rolle des Carruthers spielt er einen versnobten Engländer, der sich auch auf der kleinen Yacht täglich rasieren, und immer tadellos aussehen muss. Was er wissen will, bekommt er, im Gegensatz zu seinem Partner Davis, eher durch Charme und Witz heraus. Er hat meistens gute Laune, ein großer Optimist und ist auf jeden Fall eine sympathische Figur in der Serie. Zu dieser Zeit war Sattmann noch relativ unbekannt auf der Leinwand. Was sich dann aber änderte. Seine bekanntesten Rollen waren in Das große Geheimnis, Der Havelkaiser, und Abgeschminkt. Von 2009-2010 wirkte er in der Serie Unser Charly mit. Seine Rollen blieben aber hauptsächlich auf das Fernsehen beschränkt. Zum Gegensatz zu Sattman war mir Burghart Klaußner nahezu unbekannt, bis ich ihn kürzlich als Richter in dem Oskar prämierten Film Der Vorleser entdeckte, in dem er den Richter spielte. Klaßner spielt die Rolle des kauzigen, humorlosen, aber mutigen Davis, der beharrlich seinen Weg geht, und sich von nichts abringen lässt. Nicht unbedingt eine Sympathische Figur, die er aber hervorragend spielt. Der Akteur, der auch immer mal wieder am Theater spielt, kann mit „Das weiße Band“, in dem er den Pastor spielt, noch einen weiteren prämierten Film aufbieten. 2005 wurde er sogar mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet, und zwar für eine Nebenrolle in der Miniserie „Die fetten Jahre sind vorbei“. Klaußner ist auch als Regisseur und Autor tätig.
Die Rolle des Dollmann spielte Gunnar Möller, der im deutschen Fernsehen eine recht große Zeit hatte, bis er 1979 im Affekt seine Frau tötete und dafür 5 Jahre ins Zuchthaus musste. Der große Theaterschauspieler wurde 1955 sehr populär mit dem deutschen Kinofilm „Ich denke oft an Piroschka“, der auch heute noch oft im Fernsehen zu sehen ist. Auch in dem Kriegsfilm „Hunde, wollt ihr ewig leben“ wirkte er 1958 mit. Der 82jährige spielt heute meistens nur noch im Theater. Auf jeden Fall noch im Jahre 2008 im Berliner Schillertheater. Im Film spielt er einen welterfahrenen, höflichen Mann, den immer ein Geheimnis zu umgeben scheint. Clara Dollman wurde von der Schlagersängerin Isabel Varell gespielt, die zu der Serie zwar einen Segelkurs absolvierte, aber leider keinen Schauspielerkurs. Und dies merkt man ihr leider an, denn für mich ist sie die absolute Fehlbesetzung des Mehrteilers. Bei ihrem Erscheinen hoffte ich stets, dass sie bald wieder aus meinem Fernsehschirm verschwindet. Dafür ist die Deutsche mit einer ausgezeichneten Stimme gesegnet, denn der Titelsong der Serie (Titel konnte ich leider nicht herausbekommen, ist auch nicht im Abspann zu lesen) ist einer der schönsten der Mehrteilergeschichte. In Pico und Slice of Saturday spielte sie in den Neunziger Jahren die Musicalhauptrollen. Grafi Deutscher produzierte mit ihr mehrere deutsche Schlagertitel. Mit ihm war sie auch zwei Jahre verheiratet. Als CO-Moderatorin erschien sie zwischen 2000-2004 in der Sendung Karnevalissimo. Nachdem sie 1998 noch in Comedysendungen mitwirkte, erlosch ihr kleines Sternchen dann zusehends. Zunächst wirkte sie in der zweiten Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ mit, dann sah man sie in Anrufsendungen bei 9Live, und zuletzt spielte sie nur noch den Lockvogel bei Verstehen sie Spaß.
Der Regisseur Rainer Boldttrat bis Heute nicht groß in Erscheinung, er drehte hauptsächlich Kinderfilme, wie „Neues aus Uhlenbusch“ und war auch für die Serie „Nicht von schlechten Eltern“ verantwortlich.
DIE DREHARBEITEN
Zwischen März und August 1984 wurde diese Serie in Baltrum, Norderney, Brunsbüttel, St. Peter Ording, Flensburg, Hamburg und anderen Orten gedreht. Dabei wurde die Hälfte des Mehrteilers auf See und die andere Hälfte auf Land abgedreht. Die Dreharbeiten waren allerdings alles andere als einfach, wegen den gewaltigen Strömungen veränderten die Schiffe ständig ihre Lage, es mussten deshalb sehr oft Szenen wiederholt werden. Dabei waren immer zwei Speedboote, die die Leute aus dem Wasser fischten, die immer mal wieder im Wasser landeten. Das war notwendig, denn im Mai hatte das Wasser 2-3 Grad, ein Mensch hat dabei eine Überlebenschance von gerade mal 10 Minuten. Außerdem ging wegen der Witterungsverhältnisse einiges zu Bruch. Beispielswiese brach ein Außenbordmotor ab und versank in den Fluten, Klüverbäume brachen ab, Requisiten und Bauten wurden vom Sturm zerstört. Die Gespräche auf den Seglern mussten alle nach synchronisiert werden, da die Nebengeräusche keine guten Tonaufnahmen zuließen. Gleichzeitig entstand übrigens ein eigenständiger Fernsehfilm, der aber nach eigenem Drehbuch entstanden ist.
BUCHVORLAGE UND HINTERGRÜNDE
Die Buchvorlage dieser Serie stammt von dem Engländer Eskine Childers aus dem Jahre 1903. Zu dieser Zeit hatten die Briten eine Heidenangst davor, dass ihre Seemacht in Gefahr wäre, da die Deutschen mächtig aufrüsteten. Die Deutschen waren schon seit Jahren der erklärte Hauptfeind. Und dieser Roman warnte die Landsleute vor dem mächtigen Gegner. Die deutsche Invasion war um die Jahrhundertwende das Hauptthema von Romanen und Buchserien. Childers verband mit seinem Roman Realität und Segelromantik, was vor allem bei den Seeleuten sehr gut ankam. Das Buch galt eine zeitlang als Muss bei der englischen Seglergemeinde. In Deutschland wurde das Buch als Anti-Deutsch eingestuft und längere Zeit konfisziert. Das Buch von Childers wurde in der Ichform geschrieben, und musste deshalb für den Film umgeschrieben werden. Allerdings deutete ein englischer Gentleman nur an, wenn er mit seinem Freund im Clinch liegt. Regisseur Boldt und Drehbuchautor Christoph Mattner konnten deshalb einiges in die Geschichte rein interpretieren. (Frei nach Eskine Childers)
MEINE MEINUNG
Die Serie läuft sehr gemächlich dahin, ohne allerdings langweilig zu werden. Eine Grundspannung bleibt immer erhalten, es bleibt alles sehr geheimnisvoll. Der Film lebt außerdem von der Spannung zwischen den ungleichen Freunden. Man bekommt in diesem Streifen auch interessanten Einblick vom deutschen Wattenmeer und vom Segeln. Wie sehr doch die Gezeiten das Leben in dieser Region bestimmen, ist für einen Schwarzwälder wie mich, schon sehr beeindruckend.. Dennoch hätte ich den Mehrteiler auf etwa 8 Teile gekürzt, ich denke, das hätte ausgereicht. Das Ende konnte mich leider nicht sehr überzeugen, es muss angeblich sehr von der Buchvorlage abweichen. Die Schauspieler können insgesamt überzeugen, wenn man von der Rolle der Clara Dollmann absieht. Aber da bin ich ja schon näher darauf eingegangen. Der Soundtrack von Jens-Peter Ostendorf bleibt im Ohr, man summt die Melodie irgendwann einmal mit, da sie sich stets wiederholt. Die Tonqualität ist ganz gut, auch an der Bildqualität gibt’s nichts auszusetzen. Man sollte aber nicht vergessen, dass diese Serie vor 26 Jahren gedreht wurde. Als einziges Special wird eine 4minütige Doku angeboten, die aus einem Beitrag des NDR stammen muss, denn es wirkt wie eine Vorankündigung der Serie. Heute würde man dazu Trailer benutzen. Natürlich kann man danach wohl kaum mehr aus dem Hut zaubern, heute wird wohl schon bei den Dreharbeiten an die Specials gedacht, Interviews und Reportagen zu den Arbeiten werden am Set gleich gefilmt. Die Box (Außen Karton, innen eine Kunststoffeinlage für die DVDs) enthält 4 DVDs sowie ein 6 seitiges, integriertes Begleitheft, mit Bildern und einem Interview mit dem Regisseur, sowie der Setliste und Zeilen zum historischen Hintergrund. Es gibt auch nur eine Sprache zur Auswahl, Untertitel gibt es keine. Der Mehrteiler ist ab 12 Jahren freigegeben, da er aber fast ohne Gewalt ist, fände ich es absolut unproblematisch, wenn Jüngere diesen Film sehen würden. Für Nostalgiefreunde lohnt sich diese Box bestimmt, jungen Leuten kann ich die Serie aber nur bedingt empfehlen, denn es dauert schon eine ganze Weile bis der Film ein wenig Fahrt aufnimmt. Dies ist man heute (leider) nicht mehr so gewohnt.
DATEN
• Format: Dolby, HiFi Sound, PAL • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono) • Region: Region 2 • Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1 • Anzahl Disks: 4 • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren • Studio: Euro Video • Erscheinungstermin: 24. September 2008 • Produktionsjahr: 1984 • Spieldauer: 633 Minuten
Diesen Teil habe ich von Amazon.de übernommen, allerdings stimmte das Produktionsjahr nicht, dort wird nämlich 1987 angegeben.
PS: Leider verweigert mir mal wieder meine Jenoptik ihren Dienst, die andere Kamera habe ich nicht zur Hand. Deshalb erfolgt das Bild erst morgen.
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