Wenn der Wahnsinn beginnt ...
15.01.2009
Pro:
einzigartig genial
Kontra:
leider unvollendet
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 XXXX_XXXXXXXXXX
Über sich:
Ist eine Gesichtscreme, die 20 Jahre jünger macht, lebensgefährlich, wenn man erst 19 Jahre alt ist?...
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Zum Inhalt Was wäre einfacher und gewöhnlicher, als in einem dörflichen Wirtshaus um Übernachtung nachzusuchen? Nun, bei Kafka ist dazu die Erlaubnis des Schlosses erforderlich. Was wäre einfacher, als den Schlossherrn persönlich um diese Genehmigung zu bitten? Nun, nur an diesen gräflichen Schlossherrn zu denken, dessen Namen zu erwähnen, ist wagemutig. Was wäre einfacher, als den verantwortlichen Schlossdiener zu kontaktieren? Nun, diese Schlossbediensteten sind nicht ganz so einfach zu sprechen, und das Schloss ist scheinbar unmöglich zu betreten. Aber man sollte doch zumindest mit dem Verantwortlichen telefonieren können? Textauszug 1 "Es war spät abend als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehn, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führt und blickte in die scheinbare Leere empor. Dann ging er ein Nachtlager suchen; im Wirtshaus war man noch wach, der Wirt hatte zwar kein Zimmer zu vermieten, aber er wollte, von dem späten Gast äußerst überrascht und verwirrt, K. in der Wirtsstube auf einem Strohsack schlafen lassen, K. war damit einverstanden .…Aber kurze Zeit darauf wurde er schon geweckt …. Der junge Mann entschuldigte sich sehr höflich K. geweckt zu haben, stellte sich als Sohn des Schlosskastellans vor und sagte dann: Dieses Dorf ist Besitz des Schlosses, wer hier wohnt oder übernachtet …. Niemand darf das ohne gräfliche Erlaubnis. In welches Dorf habe ich mich verirrt? Ist denn hier ein Schloss? Allerdings, sagte der junge Mann langsam, das Schloss des Grafen Westwest. Und man muss die Erlaubnis zum Übernachten haben? fragte K., als wollte er sich davon überzeugen, ob er die früheren Mitteilungen nicht vielleicht geträumt hätte. Die Erlaubnis muss man haben, war die Antwort und es lag darin ein grober Spott für K. …." Aber: keiner der Schlossbeamten antwortet jemals, nicht einmal der Schlossvorsteher (Kastellan), sondern nur ein Beamter zweiten Ranges (Unterkastellan), ein Beamter unter vielen, und das was er schließlich antwortet, ist wohl eher vage und unverbindlich, oder es hat genau die gegenteilige Bedeutung dessen, was es in Wirklichkeit zu bedeuten scheint, und eventuell ist das alles niemals gesagt worden, sondern lediglich ein Geräusch, das sich der Wunsch des Hörers unten am Telefon seinen Interessen entsprechend vormacht und einredet. Unter dem neugierigen Blick des Landvermessers K. entwickelt diese unfassbare Schloss-Bürokratie eine albtraumhafte Kompliziertheit, die jede Hoffnung, es könnte sich irgendetwas zum Vorteil des Bittstellers wenden, zu einem naiven Kinderwunsch herabsetzt. Als K. zu Beginn der Erzählung in dem Dorf eintrifft, hat er noch ungetrübt hochtrabende Pläne. Aber es sieht beinahe so aus, als fordere er damit sogar das Schloss selbst zum Duell heraus. K. interessiert sich zunächst überhaupt nicht für das Leben im Dorf; später aber interessiert es ihn dann doch, soweit er dieses Leben bzw. die dörfliche Gemeinschaft für seinen Konflikt mit
Bilder von Das Schloss / Franz Kafka
dem Schloss denkt gebrauchen zu können; dann interessiert ihn auch sein Ärger mit dem Schloss vor allem deshalb, um in dem Dorf eine "Aufenthaltserlaubnis", soll heißen eine Existenzbescheinigung zu erlangen: Logis und Arbeit. Am Schluss dieses (leider unvollendeten) Romans ist aus dem wirklich oder auch nur scheinbar oder vorgeblich ernannten, hochnäsigen Landvermesser K. ein ziemlich Kleinlauter geworden, ein fast unsichtbar lebender Gehilfe der Wirtshaus-Mägde.Je mehr er über das Schloss in Erfahrung bringen wollte, desto schonungsloser hat er seine Hilflosigkeit und Ohnmacht zu spüren bekommen; je intensiver seine Bemühungen ausfielen, desto stärker wurde er zurückgewiesen. Genau das ist es, was "Das Schloss" erzählt: ein Bemühen, das langsam erkennen lässt, welche irrsinnigen Widerstände ihr entgegenwirken. Je mehr der Landvermesser weiß, umso weiter rückt das eigentliche Ziel in die Ferne. Textauszug 2 "Die Besprechung mit dem Vorsteher machte K. fast zu seiner eigenen Verwunderung wenig Sorgen. Er suchte es sich dadurch zu erklären, dass nach seinen bisherigen Erfahrungen der amtliche Verkehr mit den gräflichen Behörden für ihn sehr einfach gewesen war. Das einerseits daran, dass hinsichtlich der Behandlung seiner Angelegenheiten offenbar ein für alle Mal ein bestimmter, äußerlich ihm sehr günstiger Grundsatz ausgegeben worden war und andererseits lag es an der bewunderungswürdigen Einheitlichkeit des Dienstes, die man besonders dort, wo sie scheinbar nicht vorhanden war als eine besonders vollkommene ahnte. K. war, wenn er manchmal nur an diese Dinge dachte, nicht weit davon entfernt, seine Lage zufrieden stellend zu finden, trotzdem er sich immer an solchen Anfällen des Behagens schnell sagte, dass gerade darin die Gefahr lag. Der Versuch einer Analyse Wenn man in diesem Verlauf selber das Objekt des Buchs sieht, so muss die unausweichliche, aber nie voll befriedigte Frage, was das Schloss wirklich bedeute und was des Landvermessers eigentlicher Kampf gegen das Schloss sei, zwangsläufig an Dringlichkeit einbüßen. Kafkas Freund Max Brod, der "Das Schloss" im Jahre 1926 gegen die ausdrückliche Anweisung des Autors aus dem Erbe veröffentlichte und dem wir damit überhaupt seine Erhaltung verdanken dürfen, hat die Serie der unbestimmten Deutungen eröffnet. Brod war der Meinung, das Schloss bedeute das Paradies und Ks. Auseinandersetzung die Bemühung um eine Gnade von Gottes Hand. Nicht in der Lage zu begreifen, weshalb die alptraumhafte Schloss-Bürokratie ausgerechnet den Himmel bedeuten soll, lehrte Siegfried Krakauer diese Allegorie um und meinte in den Schlossbeamten den Teufel bzw. die Hölle zu erkennen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dann die ganze religiöse Deutung einfach niedergelegt; nun war das Schloss plötzlich ein Symbol genau für die Religionslosigkeit, eine Transzendenz ohne jeden Inhalt. Wieder andere Kritiker entfernten sich von jeder Form einer Deutung im religiösen Sinne und interpretierten den Roman als eine sozialgeschichtliche Auslegung des jüdischen Widerstands um Anerkennung in der existierenden Gesellschaft. Anhänger des Marxismus wiederum lasen "Das Schloss" als Bild einer hoffnungslosen Entfremdung im späten Verlauf des Kapitalismus und verwarfen es, oder sie glaubten darin eine Revolution gegen unerträgliche Herrschaftsformen und Machtstrukturen zu sehen und verteidigten es deshalb. Meiner Meinung nach lässt sich die Beziehung zwischen dem Schloss und dem Dorf als das Verhältnis zwischen Leben und Kunst begreifen und K.s Bemühen als eine Parabel für Franz Kafkas eigenen Kampf um die Ermöglichung einer besseren, künstlerischen und höheren Existenz, eine Auseinandersetzung, die teilweise Lesensunfähigkeit verursacht. Und der größte Teil der Leserschaft schließlich dürfte stets der simplen Ansicht gewesen sein, im Schloss eine brutale Satire auf das Beamtentum und die Bürokratie, ihre unglaubliche Unbeweglichkeit, ihre Willkür, ihre unausweichliche Übermacht, ihre verworrenen Dienstwege vor sich zu sehen. Oder sollte Das Schloss das eigene Unterbewusstsein versinnbildlichen und K.s Kampf also eine Form der Psychoanalyse, oder ist sie die Rebellion gegen die Überfigur des eigenen Vaters, überhaupt gegen all jene Einrichtungen, die Franz Kafka dauernd als "die Erzieher" vor Augen waren, gefährlich, umworben und bedrohlich, geschätzt und verachtet? Ist der Landvermesser K. ein Lucien de Rubempre des 20. Jahrhunderts, zerfressen von einem wagemutigen, undefinierten gesellschaftlichen Drang, der ihn in den Abgrund führt? Einigkeit besteht noch nicht einmal darin, ob Kafkas Landvermesser. nun als Held im positiven oder negativen Sinne anzusehen ist: Ist K. ein Protagonist, der nur sein einfachstes Grundrecht einfordert, wo die meisten sich bereits mit der Ungerechtigkeit arrangiert haben, oder ist er ein egoistischer berechnender Mensch, der gegen eine über alle Zweifel erhabene, wenn auch eigenartige Obrigkeit rebelliert, wo nur ihre uneingeschränkte Respektierung ihm ein volles soziales (Mit-)Leben gestattete? Existentialisten, Revolutionäre, Gläubige, Strukturalisten, Bürger und Nihilisten, eingeschworene Kommunisten und Fahnenflüchtige: Jedermann findet im Schloss genau das, was er sucht, mit leichter Hand scheint der Roman jeden Wunsch zu erfüllen. Der französische Literaturnobelpreisträger Albert Camus hatte zu Kafkas "Schloss" einmal gesagt, dass die Wirklichkeit, die der Roman beschreibt, nichts anderes sein kann als des Landvermessers Projektion, und K. und damit auch der moderne und aufgeklärte Mensch, der überall nur Projektionen wahrnimmt und keine Zugehörigkeit in der Realität findet: Er erkennt nicht die Welt an sich, er erfährt in seiner Welt immer nur sich selbst. Auf sehr ähnliche Art und Weise hält das "Schloss" für jeden Leser genau das bereit, was dieser hineinsteckt.Mir persönlich scheint es völlig vermessen und unangebracht, einem Genie wie Franz Kafka zu unterstellen, er hätte diese beinahe unendliche Definierbarkeit seines Vexierbildes nicht erkannt und nicht auch gewollt und eher eine spezielle Bedeutung in dem Werk schier unlösbar codiert, die irgendwann in ferner Zukunft ausgegraben sein wird. Viel lieber möchte ich jede überhaupt nur denkbare Auslegungen auch für richtig halten, solange man sich nur dessen bewusst ist, dass man diese Erzählung mit keiner Interpretation von ihr exklusiv für sich hat und dass jede Auslegung mindestens genauso viel über ihren Urheber erkennen lässt wie über den Roman. Es offenbart die Merkmale einer grundlegenden menschlichen Aktion, der Aktion auf ein bestimmtes Ziel, das sich während dieser Aktion als immer ungreifbarer entpuppt, so wie jedes noch so kleine Teilchen der Realität selbst sich unter dem Mikroskopblick als irrwitzig kompliziert darstellt und immer unerreichbarer wird. Das Komplizierte daran: Franz Kafkas trauriger Protagonist trifft auf ein Objekt, das sich für das Interesse des Neugierigen zu rächen scheint, indem es stetig anwächst und dem Herausforderer seine Unbedeutendheit vor Augen hält.Dieses Schema verführt den Leser dazu, ihm Deutungen anzupassen; Schattengleich kommen sie daher und breiten sich über dem Buch aus wie ein Tuch um sich dann wieder lautlos von ihm zu lösen. "Das Schloss" nicht als unknackbare Codierung irgendeiner Idee, welche es zu lösen gilt, sondern als eine Vorstellung aus einer Grundlage, die Franz Kafka selber als vollendete Ergriffenheit bezeichnete; erlangte, eigenständige Fantasie, die ein elementares menschliches Aktionsschema projiziert und es dem mündigen Leser überlässt, in welcher genauen, menschlichen Handlung er dieses Verlaufsschema am besten wieder finden möchte: ein Buch, das zum einen den Leser ultimativ zurückweist und ihm zum anderen den Spiegel vors Gesicht hält. FazitIch persönlich kenne kein Buch, das dem "Schloss" von Franz Kafka auch nur im entferntesten vergleichbar wäre. Angenommen, alle großen literarischen Werke seien Sonderfälle, die eine eigene Gattung erschaffen oder auch wieder auflösen, ist "Das Schloss" weit mehr als ein großes Werk: es ist so sehr ein Sonderfall, dass es selbst eine literarische Gattung gar nicht erst aufhebt und nicht erschafft, es ist eine Gattung für sich … Franz Kafka ist für mich persönlich einer der bedeutendsten und genialsten Schriftsteller überhaupt. Seine psychologischen Analysen, sein Schreibstil, mit dem er alles haarklein seziert, vom hundertsten ins tausendste geht, sein ständiges "einerseits - andererseits" ist ebenso einzigartig wie faszinierend. Kafka ist im Grunde sehr einfach zu lesen, aber dennoch schwer zu verstehen. Ich möchte für "Das Schloss" im speziellen und Kafkas wenige Werke im allgemeinen eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Franz Kafka ist für mich das wichtigste Glied im Übergang der Literatur vom 19. Jahrhundert in die Moderne Literatur des 20. Jahrhunderts. Zum Autor
- geboren am 3.Juli 1883 in Prag
- Franz Kafka entstammt einfachsten Verhältnissen einer jüdischen Familie
- wie etwa 10 Prozent der damaligen tschechischen Bevölkerung beherrschten auch die Kafkas die deutsche Sprache
- von 1889 bis 1893 besuchte Franz Kafka die Volksschule, von 1893 bis 1901 (Abitur) dann das Gymnasium in Prag..
- 1901 bis 1906 absolvierte Kafka verschiedene Studiengänge in Chemie, Jura, Germanistik und Kunstgeschichte an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag.
- Nach kurzer Tätigkeit bei einer privaten Versicherungsgesellschaft arbeitete Franz Kafka von 1908 bis 1922 Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen.
- Wichtigste Werke:
- Das Urteil (1913) - Die Verwandlung (1915)
- postum veröffentlicht:
- Der Prozess (1914/15), unvollendet - Das Schloss (1922), unvollendet - Der Verschollene (1912), unvollendet
- Tod am 3. Juni 1924 an den Folgen einer Lungentuberkulose
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26.08.2009 17:12
Dies war mein zweites Buch von Kafka und ich war ziemlich verwirrt hinterher. Mir war beim Beginn des Lesens von Kafkas "Schloss" nicht bewusst, dass es nie vollendet wurde. Dementsprechend groß war mein Fragezeichen über dem Kopf, als ich am Ende des Buches noch so viel Geschichte offen war. Ich las mehrfach die letzten Seiten vor den Fragmenten (K. und die Wirtin) und grübelte die halbe Nacht was dieses Ende nun zu bedeuten habe. Nun, jetzt weiss ich es :o) Das Ende ist eigentlich die Mitte...
20.05.2009 10:48
Top Bericht, auch wenn ich mich mit Kafka nie wirklich anfreunden konnte. b.h. LG ZYan
28.03.2009 19:24
Alle Achtung!