Die Porzellanvase
17.06.2012
Pro:
günstige DVD - viele Extras
Kontra:
etwas langwierig und trocken erzählt
Empfehlenswert:
Ja
 Prisca
Über sich:
Mitglied seit:02.01.2001
Erfahrungsberichte:1071
Vertrauende:104
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Heute soll es wieder mal um eine DVD gehen, die ich euch gern vorstellen möchte. Wieder einmal habe ich hier eine DVD ertauscht von der ich eigentlich nur recht wenig wusste. Ich hatte auf einer DVD einen Trailer zu dem Film gefunden und fand ihn recht interessant, so dass ich zugeschlagen habe, als ich die DVD recht günstig ertauschen konnte. *** DAS SCHMUCKSTÜCK ***
Keine Ahnung, wie viele von euch schon von diesem Film gehört haben. Ich denke eigentlich nicht, dass er in Deutschland so bekannt ist, auch wenn er bereits bei seiner Premiere auf den 67. Internationalen Filmfestspielen von Venedig von sich reden machte und nach Kinostart in Frankreich einige Wochen lang die Nummer eins der Kinocharts war. In Deutschland ist er nur auf Dvd erschienen. Ich möchte euch also erst mal mit dem
*** INHALT *** des Films bekannt machen.
Suzanne Pujol ist schon lange mit ihrem Mann Robert verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder und ihre Leidenschaft ist schon lange abgekühlt. Während Robert nur für die Regenschirmfirma lebt, die Suzanne mit in die Ehe gebracht hat – und für seine Affäre, die er mit seiner Sekretärin hat – sitzt Suzanne unausgefüllt zu Hause. Wenn es nach ihrem Mann geht, soll sie das Leben genießen und sich nicht einmal um den Haushalt kümmern. Offensichtlich ist Suzanne unzufrieden, findet aber nicht den Absprung. Bis eines Tages das Schicksal zuschlägt. In der Firma kommt es zum Streik, weil Robert mal wieder die – durchaus berechtigten – Forderungen seiner Arbeiter rund heraus abschlägt und von all dieser Aufregung erleidet er schließlich einen Herzinfarkt. Nun ist er gezwungen kürzer zu treten – zuerst im Krankenhaus und danach einen längeren Erholungsurlaub abzutreten.
In der Zwischenzeit sieht Suzanne ihre Chance gekommen. An seiner Stelle übernimmt sie die Führung der Firma – und schafft es sehr schnell, die Mitarbeiter auf ihre Seite zu bekommen, die zu schätzen wissen, dass sie nicht nur fordert, sondern auch mal bereit ist zu geben. Zudem besorgt sie ihren beiden Kindern eine Stelle in der Firma – was ihr Sohn, der eher von einer künstlerischen Karriere geträumt hat, nur widerstrebend annimmt. Ihre Tochter aber, die ihrem Vater ähnlicher ist als man das erwarten würde, ist sofort mit Feuereifer dabei. Die Sache läuft gut – besser als erwartet – bis schließlich Robert nach über dreimonatiger Abwesenheit zurückkommt und gar nicht begeistert ist von den Veränderungen, die Suzanne vorgenommen hat. Er will das Ruder wieder übernehmen, stößt aber auf härteren Widerstand als erwartet …
*** MEINE MEINUNG *** Tcha, wo nach hört sich diese Geschichte nun an? Verkauft wird sie uns Komödie, was ich eigentlich so empfunden habe. Von einer Komödie erwarte ich etwas spritzig Leichtes, obwohl auch eine Komödie ja durchaus Ansätze zur Ernsthaftigkeit aufweisen kann. Andererseits ist der Film aber auch kein Drama, der todernst an die Sache herangeht. Eigentlich kann ich gar nicht genau sagen, was er eigentlich ist. Ein Film, der irgendwie ohne echte Höhepunkte dahin plätschert, der weder lustig noch spannend noch sonst etwas ist. Nein, nicht einmal langweilig würde ich ihn schimpfen – obwohl er teilweise durchaus etwas langatmig herüberkommt.
Ich habe ihn mir bis zum Ende angesehen – ich denke, ich habe auch durchaus die Aussage erfasst, die dieser Film hat – allerdings würde ich jetzt im nach herein nicht behaupten, das er mich richtig gut unterhalten hat. Er ist irgendwie mehr an mir vorbei gerauscht und jetzt werde ich ihn wahrscheinlich schnell wieder vergessen haben. Was bei einem richtig gutem Film ja eigentlich nicht passieren sollte. Was mit gleich aufgefallen ist, ist das dieser Film irgendwie recht altmodisch rüberkommt. Und ich meine jetzt nicht nostalgisch, so dass er bei mir Erinnerungen weckt an die 70er/80er Jahre, der Zeit in dem dieser Film spielt. Sondern ich meine wirklich altmodisch, irgendwie verstaubt. Ich kann nicht einmal sagen warum, aber irgendwie empfand ich das als ziemlich störend.
Der Film erzählt natürlich vorrangig die Geschichte von Suzanne, die im Laufe ihrer Ehe zu einem 'Schmuckstück' geworden ist und die sich endlich wieder daran erinnert, dass alles einmal ganz anders war. Zu Beginn waren da noch Träume – als sie gemerkt hat, dass ihr Mann sich mehr und mehr seiner (oder besser ihrer) Firma widmet als seiner Familie – versuchte sie zunächst diese Leere mit verschiedenen, oberflächlichen Affären aufzufangen. Etwas was sie auch heute nicht bedauert – macht Robert doch nichts anderes und sucht sich sein Glück woanders. Doch heute wäre eine flüchtige Affäre nicht mehr genug – Suzanne will mehr. Sie will sich beweisen. Was ihr nach Roberts Herzinfarkt auch gelingt. Natürlich lässt sich Robert nicht so einfach an die Seite stellen wie sie sich das vorgestellt hat. Nach seiner Rückkehr greift er schließlich zu unfairen Methoden, zieht auch seine Tochter auf seine Seite (die ein ähnlich unausgefülltes Leben führt wie ihre Mutter aber noch um ihre Ehe kämpfen will). Suzanne kapituliert nur scheinbar als sie sich aus der Firma zurückzieht. Und entscheidet sich dafür, jetzt in die Politik zu gehen. Denn:
'Ich habe es geschafft, die Politik einer Firma zu ändern – warum sollte mir das nicht auch bei Frankreich gelingen?' Eigentlich keine uninteressante Geschichte. Aber ich kann mir nicht helfen, je länger ich über den Film nachdenke (und sei es auch nur für diesen Bericht) desto unbefriedigter lässt er mich irgendwie zurück. Es gibt so viele Nebengeschichte um Suzannes Tochter, die sich zunächst scheiden lassen will und sich schließlich an ihren Vater 'verkauft' um ihrem Mann einen Job in der Firma zu verschaffen, damit er wieder mehr zu hause bei Frau und Kinder sein kann. Da ist Suzannes Sohn, von dem man eine zeitlang vermutet, das er mit seiner Halbschwester liiert ist (der Tochter einer Affäre seines Vaters) von dem sich schließlich aber herausstellt, dass er das Produkt einer von Suzannes Affären ist. Der sich aber dann doch von besagter Freundin trennt. Die Beziehung zwischen Suzanne und dem Bürgermeister der Stadt, mit dem sie kurzfristig eine Affäre hatte. Vieles – vielleicht zu vieles – wird in diese Geschichte gepackt und ist letztlich doch nebensächlich, weil sich alles nur um Suzanne dreht.
Nein, einmal ansehen ist ja ganz okay – aber jetzt kann ich den Film getrost in die Schublade: getauscht – gesehen – weiter vertauscht und vergessen packen. *** DARSTELLER ***
Ein paar Worte möchte ich noch zu den Darstellen verlieren. Hier tummeln sich schließlich Namen wie Catherine Deneuve oder Gerald Depardieu (als Suzanne und Bürgermeister Babin). Robert wird gespielt von Fabrice Luchini. Karin Viard, Judith Godreche und Jeremie Renier vervollständigen den Cast. Der seine Sache gut macht, das werde ich nicht abstreiten. Die Rollen passen einfach in diesem Film ... und sind mir wohl gerade aus diesem Grunde weder besonders sympatisch und noch Gedächtnis geblieben.
Zum Schluss noch ein paar nackte *** FAKTEN ***
die den einen oder anderen ja vielleicht interessieren. Das Schmuckstück OT: Potiche (was übrigens übersetzt 'Porzellanvase' bedeutet) nach dem gleichnamigen Theaterstück von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy gedreht: 2010 in Frankreich Regie: François Ozon
deutsche DVD Veröffentlichung: 2011 Lauflänge: 99 Minuten
FSK: 6 Jahre (aber ganz ehrlich, kein sechsjähriges Kind würde sich diesen Film ansehen) Sprachen: Deutsch (DTS 5.1), Franko-Kanadisch , Französisch (beides Dolby Digital 5.1) Untertitel: Deutsch Bild: 16:9 - 1.85:1
Preis: Neupreis liegt bei ca. 8,00 Euro, was ich für recht aktuelle DVD eigentlich okay finde Extras: Making Of verpatzte Szenen Kostümproben 70er Jahre-Teaser Dt. und Original-Kinotrailer
Immerhin sind die Extras mit über 100 Minuten länger als der eigentliche Film. Das finde ich bei einer DVD Veröffentlichung recht ordentlich und wer den Film gut fand, der wird wahrscheinlich auch hier noch das eine oder andere interessante Extra finden. *** MEIN FAZIT ***
Wer an Filmen solcher Art gefallen findet, wird sicherlich auch an diesem Film etwas Gutes entdecken können. Ich persönlich fand ihn doch eher etwas altbacken und teilweise langwierig – auch wenn ich jetzt nicht sagen würde, dass ich mich schrecklich gelangweilt hätte. Positiv finde ich, dass ich die DVD recht günstig zu bekommen ist und das sich zur Abwechslung mal wieder 'richtige' Extras auf der DVD befinden, was heutzutage leider keinesfalls mehr selbstverständlich ist.
Daher denke ich, ich werde die DVD durchschnittlich gut bewerten und eine vorsichtige Empfehlung aussprechen. @ Prisca – Juni 2012
Bilder von Das Schmuckstück (DVD)
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21.06.2012 17:27
klingt interessant! lg jasmina
18.06.2012 12:17
Das erinnert mich stark an nen FIlm, den ich mal als ZDF-Sonntagsfilm gesehen hab... wenngleich der ein wneig anders war. Na, im TV würde ich wohl zuschauen, aber als DVD leg ich mir das jetzt nicht zu :)
18.06.2012 10:56
Ich mag diese Art von Humor ;-))