Die glorreichen Sieben!
12.11.2004 (13.11.2004)
Pro:
Western - Zitate, Spannung, Action
Kontra:
schwieriger Anfang, ein paar unnötige Zeitlupeneinstellungen, Situation ist doch recht konstruiert
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 BillMaplewood
Über sich:
Mitglied seit:26.09.2001
Erfahrungsberichte:513
Vertrauende:79
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 76 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein Wespennest ist nicht nur ein sehr kunstvolles Gebilde, sondern auch höchst verworren und nur schwer durchschaubar. Ähnlich verhält es sich mit „Das tödliche Wespennest“ einem französischen Action-Thriller aus dem Jahr 2002 von Florent Emilio Siri. Zu Beginn sind die Geschehnisse auf dem Bildschirm ähnlich undurchschaubar, wie das Gängesystem eines Wespennestes. Man weiß gerade noch, dass es der 14. Juli, also der französische Nationalfeiertag ist und kann sich so die Militärparade erklären, die man in einer Szene zu sehen bekommt. Doch die anderen Szenen fügen sich nur langsam zusammen. Da ist eine Truppe von Männern und einer Frau, die in einem Auto die Titelmelodie von „Die glorreichen Sieben“ pfeifen, da ist ein Flugzeug, welches scheinbar einen prominenten Gast transportiert, da sind zwei Elite-Polizisten, die ihre Arbeit antreten und schließlich sind da zwei Nachtwächter, die das gleiche tun. Erst nach und nach fügt sich das Bild zusammen.
Der Mann im Flugzeug heißt Abedin Nexhep (Angelo Infanti). Er ist ein albanischer Mafia-Boss, der europaweit für Aufsehen gesorgt hat. In einem hervorragenden Beweis für gute internationale Zusammenarbeit schafften es deutsche, italienische und französische Polizisten ihn nun zu verhaften. In Straßburg soll ihm nun der Prozess gemacht werden, weswegen ihn eine Gruppe von Elite-Polizisten in einem Panzerwagen unter dem Kommando von Laborie (Nadia Fares) vom Militärflughafen nach Straßburg bringen soll, begleitet von einer Armada von Polizisten in Autos und auf Motorrädern. In Straßburg hat für diesen Tag aber noch eine andere Gruppe etwas vor. Die Brüder Nasser (Samy Naceri) und Santino (Benoit Magimel) haben mit ihrer Gang lange einen großen Coup geplant. Man will ein Lagerhaus überfallen, welches einsam gelegen ist. Es ist so einsam, dass dort nicht einmal Handys funktionieren. Ein todsicherer Plan, denn nur zwei Wachmänner, der Ex-Feuerwehrmann Louis (Pascal Greggory) und Angsthase Spitz (Martin Amic), bewachen das verlassene Lagerhaus, in dem sich eine große Menge verlassener Notebooks befindet.
Eigentlich dürfte bei beiden Unternehmungen nichts schief gehen, alles ist bis ins kleinste Detail durchgeplant. Doch ein - wie sich herausstellt inszenierter - Unfall auf der Autobahn wird der Auslöser zum Scheitern beider Unternehmungen. Der Gefangentransport muss eine andere Richtung nehmen. In einer verlassenen Gegend wird er aus dem Hinterhalt attackiert. Ein Blutbad ist die Folge, die Armada von Polizisten in den Begleitfahrzeugen wird dahingemetzelt. Doch Einsatzchefin Laborie kann mit wenigen weiteren Männern und dem Gefangenen in dem schwer lädierten Panzerwagen fliehen. Sie schaffen es sich in ein verlassenes Lagerhaus durchzuschlagen, wo sie sich verschanzen wollen. Es ist jenes Lagerhaus, in dem Nasser und Santino gerade ihren Coup durchführen. Der Schreck über die Ankunft der Polizisten und das daraus folgende Feuergefecht dauert nicht lange an, denn bald erfordert die Situation ein ungewöhnliches Zweckbündnis: Gangster, Polizisten und Nachtwächter müssen zusammenhalten um zu überleben, denn das Lagerhaus ist umzingelt von unzähligen Mafia-Schergen. Nachdem viele der Eingekreisten die erste Schlacht nicht überleben, nehmen die letzten den aussichtslosen Kampf auf. Wie einst die glorreichen Sieben stehen sie in einer Übermacht von Feinden gegenüber. Der Vergleich mit den glorreichen Sieben zeigt schon, wie sehr die Macher des Films wohl Western mögen. Wird der bekannte Western einmal durch das Pfeifen des Titelliedes zu Beginn zitiert, beginnt auch der Abstand mit einem Zitat des Films: Die Helden und der Bösewicht werden begleitet von der markanten Titelmelodie noch einmal gezeigt. Es ist nicht das einzige Westernzitat, so erinnert die Ausgangslage doch sehr an Howard Hawks Klassiker „Rio Bravo“. Ein ungewöhnliches Zweckbündnis steht einer Übermacht von Männern gegenüber, die zu allem bereit sind um ihr Ziel zu erreichen.
Damit allerdings genug der Verweise auf prominente Vorbilder, denn „Das tödliche Wespennest“ ist durchaus ein Film, der es wert ist, als eigenständig betrachtet zu werden. Der bisher eigentlich kaum aufgefallene Regisseur Florent Emilio Siri erzeugt ausgehend von der interessanten Konstellation des Films eine ungemeine Spannung. Es dauert zwar einige Zeit bis man sich in der Handlung zurechtgefunden hat, da diese ja erst nach und nach zusammenläuft, doch wenn man hier von Beginn an konzentriert ist, dann packt einen dieser Film sehr schnell. Die Lagerhalle bietet fast eine klaustrophobische Situation, da jederzeit aus allen möglichen Richtung die überlegenen Feinde zuschlagen können. Dazu ist das Zweckbündnis zu Beginn recht brüchig, ist sich doch nicht jeder Gangster sicher, ob er mit Polizisten zusammenarbeiten will, oder sich aus der ganzen Sache raushalten soll. Der Film gönnt dem Zuschauer dadurch so gut wie keine Auszeit, denn selbst in den ruhigen Momenten liegt ein ungeheures Knistern in der Luft, da es jeden Moment wieder losgehen könnte.
Die Actionszenen sind fast alle richtig gesetzt und gewichtet. Sie geraten nicht zu lange und reißen den Zuschauer nicht aus der Spannung, wie es bei einigen Filmen passiert, die plötzlich nur noch ein reines Actionfeuerwerk abbrennen wollen. Stattdessen dienen sie ausschließlich der Spannung und der Handlung. Sie sind zudem gekonnt inszeniert, auch wenn die ein oder andere kleinere Zeitlupeneinstellung unnötig ist. Darüber hinaus hat der Film nur wenige Schwächen. Sicher wirkt die Situation etwas konstruiert und die Entstehung des Zweckbündnisses geschieht etwas zu schnell, vor allem die gefesselten Wärter erkennen nach ihrer Befreiung durch die Gangster zu rasch, was vor sich geht, aber das sind Kleinigkeiten.
Im Gegensatz zu vielen Actionthrillern bemüht man sich sogar die zahlreichen Figuren zu charakterisieren und ihnen Hintergründe zu verpassen. Das muss durch die Fülle von Figuren zwar recht oberflächlich ausfallen und ist auch nicht immer ganz gut gelungen, bringt dem Zuschauer aber die Charaktere näher als bei manch anderen Genrekonkurrenten, was eine bessere Identifikation zur Folge hat, was somit wieder der Spannung dient. Bei den Schauspielern hat man auf bekannte französische Namen gesetzt, wobei überrascht, dass der in Deutschland Bekannteste, Samy Naceri, trotz der Vermarktung als Hauptdarsteller insgesamt nicht die wichtigste Rolle spielt. Recht früh wird er schon niedergeschossen und ist ab da nur noch ein mit dem Tode ringender Zuschauer der Verteidigungsarbeiten seiner Leidengenossen und darf sich nur gegen Ende noch einmal martialisch aufbäumen.
So ist „Das tödliche Wespennest“ alles in allem ein sehr zu empfehlender Film. Über die kleineren Schwächen kann man getrost hinwegsehen und wenn man sich von Beginn an mit höchster Konzentration auf den Film einlässt, bekommt man einen hochspannende Action-Thriller geboten, der deutlich aus dem Genreeinerlei heraussticht. Mit „Das tödliche Wespennest“ kommen sicher nicht nur Genreliebhaber auf ihre Kosten. Darsteller: Samy Naceri (Nasser), Benoît Magimel (Santino), Nadia Farès (Laborie), Pascal Greggory (Louis), Sami Bouajila (Said)
Regie: Florent Emilio Siri Produktion: Claude Carrère, Guillaume Godard, Patrick Gouyou Beauchamps Buch: Florent Emilio Siri, Jean-François Tarnowski Kamera: Giovanni Fiore Coltellacci Musik: Alexandre Desplat Schnitt: Christophe Danilo, Olivier Gajan http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=35375
http://german.imdb.com/title/tt0280990/ © Björn Becher 2004
Bilder von Das Tödliche Wespennest
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14.11.2004 14:40
Nie gehört... könnte aber tatsächlich gut sein... :) Gruß, Benjamin
13.11.2004 15:43
ich spende mal ein " nicht" für den letzten Satz. Oder soll der so sein???
13.11.2004 11:09
Werde ich ansehen. Danke.