Das ewige Lied

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... Filminfos °°°°°°°°° O-Titel: Das ewige Lied (D/A 1997) FSK: ab 12 Länge: 120 Min. Drehbuch/Regisseur: Franz Xaver Bogner Musik: Haindling, Hans-Jürgen Buchner Darsteller: Tobias Moretti, Heio von Stetten, Erwin Steinhauer, Michael Mendl, Jörg Hube u.a. Handlung °°°°°°°°° An ... Bericht lesen





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Nur wenig jenseits von *Heidi* und Ganghofer
Erfahrungsbericht von mima17 über Das ewige Lied
23.10.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: unterhaltsame Geschichtsstunde; Hube und Mendl; passables Informationsmaterial
Kontra: Tobias Moretti :  als Darsteller & Figur; kein Regiekommentar; Bild -  & Tonqualität; sehr wenig Humor

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Der bayerisch-österreichische Historienfilm erzählt von der Entstehung des bekannten Weihnachtsliedes "Stille Nacht" vor dem Hintergrund eines sozialen Klassenkampfes um das Jahr 1818 herum.

Filminfos
°°°°°°°°°

O-Titel: Das ewige Lied (D/A 1997)
FSK: ab 12
Länge: 120 Min.
Drehbuch/Regisseur: Franz Xaver Bogner
Musik: Haindling, Hans-Jürgen Buchner
Darsteller: Tobias Moretti, Heio von Stetten, Erwin Steinhauer, Michael Mendl, Jörg Hube u.a.

Handlung
°°°°°°°°°

An der Salzach in Österreich ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Nach den Napoleonischen Kriegen hat der Wiener Kongress 1814/15 die Grenzen zwischen Bayern und Österreich neu gezogen. Die neue Grenze verläuft jetzt entlang der Salzach, und das bedeutet: mitten auf der Brücke, die die beidseits gelegene Kleinstadt Oberndorf verbindet. Ein Schildhäuschen beherbergt Wachen, die den Verkehr auf der engen Brücke kontrollieren.

Während auf der einen Seite die armen Flusschiffer leben, die seit dem Mittelalter ein verbrieftes Monopol auf den Gütertransport auf dem Fluss ausüben, lebt auf der anderen Seite ihr wichtigster Auftraggeber: der Kaufmann Burgschweiger (Jörg Hube). Der hat große Pläne, wie sich allmählich zum Leidwesen der Schiffer herausstellt: Er vergibt immer mehr Aufträge an billiger arbeitende Bayern, und außerdem will er den Flusstransport gänzlich über eine neue Eisenbahnlinie abwickeln (und das bereits 1818!?). Dem Chef der Schiffer Schladerer (M. Mendl) wird schon bald klar, was die neue Entwicklung für seine Gilde bedeutet: Hunger für alle Schiffersleute im kommenden Winter. Und Hunger bedeutet Krankheiten, und die treffen die Kinder und Alten als erste.

Kurz bevor diese Spannungen ausbrechen, trifft der junge Hilfspfarrer in Oberndorf ein. Joseph Mohr (Moretti) ist aber reichlich befremdet, als ihm der alte Pfarrer Nöstler vorwirft, sich für die Armen und Bedürftigen einzusetzen, wohingegen Nöstler selbst sich vom reichen Burgschweiger verköstigen lässt. Nanu, was ist aus der christlichen Botschaft der Nächstenliebe geworden, fragt Mohr ganz sachte. Die könne er sich sonstwohin stecken, wenn ihm seine Anstellung lieb sei. Na, Prost Mahlzeit, denkt sich Mohr und macht ordentlich Wind. Dumm ist nur, dass er niemanden von den Dörflern dazu bringen kann, seine Kirche zu besuchen. Predigen is' nich'.

Also muss er zu den Leuten gehen: zum Lehrer Gruber, zur "Kräuterhexe" Agnes, zu stummen Maria, zum kleinen Hannes, zum Schiferboss Schladerer sowieso. Nur zu den Leuten, die auf den Almwiesen arbeiten, den "Berglern", findet er keinen Zugang. Er hört bloss immer rufen, aber für die Entstehung des Liedes "Stille Nacht" sind sie von höchster Bedeutung.

Schon bald sieht sich Mohr zwischen Fronten. Natürlich ergreift er Partei für die Schiffer, seine hoffentlich künftigen Schäfchen. Aber er hat nicht mit dem brutalen Ausbruch der Gewalt gerechnet, der am Ende der Hungersnot steht...

Die DVD
°°°°°°°°°

Technische Infos

Bildformate: 4:3
Tonformate: Dolby Digital ??
Sprachen: D
Untertitel: keine

Extras:

- Fotogalerie: 2 Dutzend Szenen und 3 Fotos vom Dreh
- 10 Bio- & Filmografien
- Historische Hintergrundinformationen: a) Die Entstehung des Liedes, b) Josef Mohr, c) Franz Gruber, d) Zeitgeschichte, e) Frühere Verfilmung von 1934
- Trailer: a) Fußball ist unser Leben; b) Die innere Sicherheit; c) Die grüne Wüste; d) Oi! Warning; e) Die neuen Abenteuer von Pinocchio (mit Martin Landau & Udo Kier).

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°

Heimatfilm oder Sozialdrama? Der Film kann sich nicht entscheiden und versucht beides: sozusagen eine dramatische Histo-Doku mit Herzschmerz-Appeal. Er ist das typische Beispiel für eine allseits beliebt sein wollende Alpensaga, nur eben mit sozialgeschichtlich aufklärerischem Anliegen. Das ist zwar alles schön und gut, aber so richtig vom Hocker reißt es den Zuschauer nur an den wenigsten Stellen, so etwa beim Showdown zwischen den beiden Oberkontrahenten: dem Schladerer und dem Burgschweiger, gespielt von Michael "Vaya con dios" Mendl und Burgschauspieler Jörg Hube. Diese beiden ausgezeichneten und bekannten Schauspieler legen einen ungestümen Kampf hin - Hut ab!

Wie anders hingegen Tobias Moretti. Ob er wohl vor dem Drehbeginn wusste, um was es ging und was auf ihn zukam? Zweifel bleiben bestehen, denn er irrt zunächst ziel- und hilflos von einem Schauplatz zum nächsten, bis sich endlich ein Bild zusammenzusetzen scheint, mit dem er bzw. seine Figur des Josef Mohr etwas anfangen kann. Schon klar, dass er zunächst zwischen allen Stühlen sitzt und sich dazu durchringen muss, für wen er Partei ergreifen will. Dass dies schließlich die Schiffer sind, bringt ihm Sympathiepunkte ein, aber er sieht immer noch wie ein Fremdkörper in ihrer Mitte aus. Ob es wohl an der schwarzen Soutane liegt? Am Zölibat? Am Ende darf er sich zumindest als Kinderretter und Komponist - auf der mitgebrachten Gitarre - bewähren. Und wundersamerweise füllt sich dann auch seine bis dahin leerstehende Kirche.

Regisseur Bogner hatte sichtlich nichts mit Ganghofer-Drama und Heidi-Romantik am Hut, als er seinen Film schrieb. Aber auch so sind ihm einige Szenen unterlaufen, die sich übermäßig in die Länge ziehen, den hier liegen seine Sympathien: in der genauen Veranschaulichung der Sitten und Bräuche der Bergbevölkerung, quasi so, als wäre dies bereits eine ausgestorbene Spezies. (Was nicht unwahrscheinlich erscheint.) Seine Kamera verliebt sich geradezu in die Tänzer, die unten am Fluss ein Fest feiern. Leider verweilt die Kamera so lange, dass man sich fragt, warum dies bitteschön die Handlung voranbringen soll. Und diese Frage bedeutet im Grunde das Ende der Unterhaltung für den Zuschauer.

Die DVD
°°°°°°°°°

Die Qualität von Ton und Bild dieses Films entspricht Fernsehniveau, ist also keineswegs überragend. Das kann man von einem sieben Jahre alten Film vielleicht auch nicht erwarten.

Die Informationsfülle, die die DVD bietet, kann sich zwar sehen lassen, aber es bleiben Wünsche offen. Mit ihren jeweiligen Bio- und Filmografien werden die wichtigsten Darsteller und der Regisseur Bogener vorgestellt. Einige der Schauspieler sind international bekannt, so etwa Hube, Mendl und Moretti.

Die "Historischen Hintergrundinformationen" bestehen aus Texten, die den Zuschauer über die erste, reichlich nationalistische Verfilmung aus dem Jahr 1934 aufklären; über die Hauptakteure des Jahres 1818 (Mohr und Gruber) sowie über die Entstehung des Weihnachtsliedes "Stille Nacht". Bereits 1816 hatte Josef Mohr nämlich den Text fertig! Im Film finden erst die Ereignisse statt, um eben diesen Text zu ermöglichen - aber erst 1818. Die Melodie entstand erst 1818 zusammen mit Franz Gruber, aber ob sie wirklich den Berglern abgehorcht wurde, wie der Film behauptet, weiß nur die Legende.

Über die gesellschaftlich-ständischen Auseinandersetzungen findet man nur im Kapitel "Zeitgeschichte" etwas, doch leider viel zu wenig. Wie es scheint, hat der Drehbuchautor, Regisseur: Franz Xaver Bogner, doch einiges hinzugedichtet, um seinem überlangen Film Substanz und Dramtik einzuflößen - mit mäßigem Erfolg.

Auf Statements zur aktuellen, neuen Produktion oder gar auf einen Regiekommentar hofft der Zuschauer vergebens. Um Infos zur bekannten Musikgruppe Haindling (Stichwort: "Alpenrock") zu erhalten, muss man sich entweder auskennen oder ins Internet gehen.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°

"Gut gemeint" bedeutet noch nicht "gut gekonnt". Mit aufklärerischem Anliegen und dennoch am Schluss sehr emotional arbeitet der Film eine historisch verbürgte Umbruchsituation auf. Doch der Zuschauer fragt sich die meiste Zeit: Wann kommt denn endlich "das ewige Lied"? Und auf die Antwort muss er leider viel zu lange warten.

Das Bonusmaterial ist hinsichtlich seines informativen Gehalts durchaus zufriedenstellend. Doch auf Statements zur aktuellen, neuen Produktion oder gar auf einen Regiekommentar hofft der Zuschauer vergebens. So bleibt der Eindruck einer öffentlich-rechtlichen Gemeinschaftsproduktion, der man keinesfalls eine persönliche Note verleihen wollte. Das hätte ja womöglich missverstanden werden können, um Himmels willen!

Fazit: drei von fünf Sternen

Michael Matzer (c) 2003ff   


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