Zur Schmiedin geboren

5  21.02.2008

Pro:
Schöne Geschichte, eindrucksvoll erzählt,

Kontra:
Leider bleiben Fragen offen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


Babbel

Über sich: Das Leben ist schön... lalala

Mitglied seit:05.04.2000

Erfahrungsberichte:254

Vertrauende:52

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"Das kupferne Zeichen" habe ich mal wieder bei "Der Club" für 18,85 EUR erworben. Das 636 Seiten starke Buch ist im Juli 2007 erschienen. Es ist gebunden und über die ISBN-10: 3404157001 oder ISBN-13: 978-3404157006 erhältlich.

Das Cover:

Dieses Mal bin ich vom Cover nicht enttäuscht. Man kann durchaus Parallelen zum Inhalt ziehen. Ein Schwertgriff mit Prägung an der Parierstange, oranges Band Dass den Griff umschmeichelt und das ganze auf geschmackvollem Grün. Perfekt!
Die Story:

Ellenweor wächst als Tochter eines Schmiedes auf und liebt es, dem Handwerk ihres Vaters nachzugehen bzw. ihm dabei zu helfen. Doch für eine Frau aus dem England des 12. Jahrhunderts ziemt sich dies nicht und als sie auch noch sieht, wie ihre Mutter eine Affäre mit einem hohen Adligen hat, muss sie fliehen, um am Leben zu bleiben. Fortan reist sie als Junge durch die Welt und landet schließlich beim größten Schwertschmied Englands, Donovan, der sie als Lehrjungen aufnimmt und ausbildet. Gemeinsam gehen sie in die Normandie, wo Ellen oder Alan nicht nur ihren Vater trifft, sondern auch ihren Halbbruder und den Mann, in den sie sich verliebt. Kurz nach Abgabe ihres Gesellenstücks muss sie jedoch wieder fliehen.

Die Protagonisten:

Ellenweore ist jung, aber bereit, alles zu tun, um ihren Traum zu leben: Die beste Schmiedin zu werden und ein Schwert für den König zu schmieden. Ob es ihr gelingt, solltet ihr allerdings selbst herausfinden.

Donovan ist der beste Schmied des Landes. Wer als sein Schüler aufgenommen wird, kann sich darauf etwas einbilden. Dennoch, als er erfährt, dass Allan in Wirklichkeit eine Frau ist, trifft es ihn schwer.

Guillaume ist ein strahlender Ritter, immer lieb und nett zu Ellen, so nett, dass sie irgendwann beschließt, ihm ihr Geheimnis anzuvertrauen. Doch ist er dieses Vertrauens würdig?

Thibeault ist genau wie Guillaume ein Ritter, doch er ist neidisch auf alles und jeden. Am meisten jedoch hasst er Allan alias Ellen, denn der junge Schmied scheint bei allen beliebt zu sein und ihn in einigen Dingen übertrumpfen zu können.

Leseprobe:

Ellen fühlte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss und eine wohlige Wärme verbreitete. "Aedith!", stöhnte sie leise, als die schwere Holztür der Werkstatt aufgerissen wurde und ihre Schwester auf der Schwelle stand.

Wie üblich weigerte sich Aedith, die Schmiede zu betreten, aus Furcht, ihr feines Kleid schmutzig zu machen. Kenny, Osmonds Jüngster, zerrte verbissen an ihrem Arm. Je stärker er sich wehrte, desto fester krallte sie ihre Finger um sein dünnes Handgelenk. Blitzschnell packte sie ihn am Ohr und zog heftig daran. Kenny streckte sich, so weit es ging, und zappelte nicht mehr. "Mutter hat gesagt, ich soll ihn dir bringen", sagte Aedith verächtlich und stieß ihren kleinen Bruder in die Werkstatt hinein. Sie deutete mit dem Kinn in Richtung ihrer älteren Schwester. "Ellen soll Wasser holen und Holz sammeln gehen." Aedith blieb in der Tür stehen und wippte ungeduldig mit dem Fuß. "Na los, komm schon! Oder glaubst du etwa, ich habe den ganzen Tag Zeit?", zischte sie Ellen an.

Osmond hatte sichtlich Mühe, ruhig zu bleiben. Der Zuschläger, der ihm bei größeren Arbeiten half, war schon seit einer Woche krank, deshalb brauchte er Ellen für den nächsten Schritt. Kenny war noch zu jung und keine große Hilfe. Ellen wusste genau, dass sich Osmond trotzdem nicht gegen die Anweisungen seiner Frau auflehnen würde. Das hatte er noch nie getan. Schweren Herzens legte sie die Zange aus der Hand, nahm betont langsam die geliebte Schürze ab und bückte sich, um sie ihrem kleinen Bruder umzubinden. Das Leder reichte ihm bis über die Knöchel, und die Bänder waren so lang, dass Ellen sie zweimal um seinen mageren Bauch schlingen musste.

Osmond beobachtete sie schweigend. Erst als sie zu ihm hochsah, nickte er ihr ungehalten zu. "Ist noch was?", fragte ihre Schwester schnippisch. Ellen schüttelte den Kopf und folgte ihr zum Haus. Sie schob den schweren Eisenriegel hoch und stieß die Tür auf. "Habe ich dir nicht schon tausendmal gesagt, du sollst dich in der Werkstatt nicht immer vordrängen?", keifte Leofrun. "Doch Mutter, aber ..." "Widersprich mir nicht immer, du vorlautes Ding", unterbrach ihre Mutter sie schroff. "Kenny soll Osmond in der Schmiede helfen, das weißt du genau. Du bist die Älteste und hast dich um das Haus zu kümmern, ob dir das passt oder nicht. Na los, mach dich an die Arbeit!"

Die schallende Ohrfeige traf Ellen ohne Vorwarnung. Hoch erhobenen Hauptes wandte sie sich ab. Ihre Wange glühte, aber um nichts in der Welt hätte sie dem Verlangen nachgegeben, mit der Hand darüber zu streichen. Diesen Triumph gönnte sie weder ihrer Mutter noch Aedith. Die Schmerzen der Schläge auszuhalten, daran hatte sie sich schon früh gewöhnt. Genau das war ihre Stärke: der Mutter die Stirn zu bieten, indem sie weder heulte, noch klein beigab. Aber das bittere Gefühl und die Wut ließen sich nicht so leicht hinunterschlucken. Nur weil sie ein Mädchen war, sollte sie sich um all diese langweiligen Dinge kümmern? Jeder Dummkopf kann Wasser holen, Holz sammeln, das Haus sauber halten und Wäsche waschen, sogar Aedith, dachte sie herablassend. Sie kniete sich vor die Feuerstelle und fegte die Asche zusammen. Wenn sie die Augen schloss, roch es fast wie in der Schmiede. Aber nicht sie, sondern Kenny würde einmal Schmied werden. Dabei hatte sie, solange sie denken konnte, die meiste Zeit bei Osmond in der Werkstatt verbracht. Dort fühlte sie sich geborgen und sicher, vielleicht weil Leofrun niemals auch nur einen Fuß hineinsetzte. Kaum den Windeln entwachsen hatte Ellen zu Osmonds Füßen die Holzkohle der Größe nach sortiert und mit fünf oder sechs zum ersten Mal die Esse ausgefegt. Den Blasebalg bedienen und beim Zuschlagen die Zange mit dem Eisen halten, durfte sie schon seit drei Wintern. Und im Frühling des vergangenen Jahres hatte sie zum ersten Mal selbst einen Hammer benutzt und die Kraft gespürt, die von dem Metall ausging. Schlug man auf ein heißes Eisen, klang es dumpf, weil es die Muskelkraft gierig in sich aufnahm, um sich zu verformen. Auf dem kalten Amboss jedoch war der Ton hell, und der Hammer federte wie von selbst zurück. Drei, vier Schläge auf das Eisen, einer auf den Amboss, das sparte Kraft und klang wie Musik. Ellen atmete tief durch. Es war einfach nicht gerecht! Mit Leofrun zu streiten hatte keinen Sinn. Sie hasste Ellen als Einziges ihrer Kinder und ließ keine Gelegenheit aus, es sie spüren zu lassen. Ellen nahm die beiden neuen Ledereimer, goss einen Rest Wasser in den Kessel neben der Feuerstelle und machte, dass sie nach draußen kam. Im Gemüsebeet neben dem Haus kauerte ihre jüngste Schwester Mildred und sammelte geduldig die gefräßigen Raupen vom Kohl. "Heb mir ein paar für Aediths Bett auf!", raunte Ellen ihr grinsend zu. Mildred schaute erstaunt auf und lächelte verschämt. Sie war das stillste und duldsamste von Leofruns Kindern. Ellen wanderte lustlos den steinigen Weg hinunter bis zu dem breiten Bach, der sich hinter der Schmiede durch die Wiesen schlängelte. Um die Eimer leichter füllen zu können, zog sie die Schuhe aus und watete mit geschürztem Kittel bis zu den Knien in das kühle, glitzernde Wasser. Auf einmal tauchte ein prustendes Etwas vor ihr auf und spie sieh an.
Die Autorin:

Katia Fox wurde 1964 geboren und hat ihre Schulzeit und die Ausbildung zum Dolmetscher/Übersetzer in Deutschland und Frankreich absolviert. Zuletzt war sie als selbstständige Immobilienmaklerin tätig. Seit 2003 widmet sie sich nur noch ihrer Leidenschaft zum Schreiben historischer Romane. Mit ihrer Familie lebt sie in einer Kleinstadt bei Frankfurt und verbringt viel Zeit in der Provence.

Fazit:

Das kupferne Zeichen ist auf jeden Fall ein guter, ein lesenswerter Roman. Auch wenn der Klappentext nicht hundertprozentig dem Inhalt entspricht, so ist dieser ein Muss für alle Mittelalter-Fans. Die Autorin hat eindrucksvoll geschildert, wie eine junge Frau als Schmiedin bzw. Schmied zurecht kommt und welche Gefahren ihr während ihres Lebens drohen. Dennoch muss ich sagen, dass ich einige wenige Dinge schlecht umgesetzt finde. So bleiben irgendwie alle Bekannte auf der Strecke. Ellen rauscht durch die Leben anderer ohne Rücksicht auf Verluste. Abgesehen davon wird man die Fragen nicht los, was aus Guillaume oder Thibeault und einigen anderen wird. Sie verschwinden einfach aus dem Geschehen.

Dennoch, alles in allem bleibt "Das kupferne Zeichen" eine Empfehlung von mir an jeden, der sich dafür interessiert.



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
deGlory

deGlory

05.09.2009 12:57

wow liest sich prima!

esp1

esp1

12.03.2009 12:45

schön zu lesen. lg

redel99

redel99

06.03.2008 10:23

sehr interessant geschrieben. LG. Niklas

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