Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Spannend, informativ, kritisch |
| Kontra: |
kein Kontra |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Im Dezember 1973 erschien es erstmals: Das Rocklexikon von Siegfried Schmidt-Joos und Barry Graves. Hatte es damals nach ca. 350 Seiten, so ist die jetzige Auflage (1998) zwei Bände stark und zählt 1231 Seiten. Zierte vor 28 Jahren Jimi Hendrix den Einband, so heute Madonna und Michael Stipe von R.E.M. die zweibändige Ausgabe. Nach dem Tod von Barry Graves 1994 ist Bernward Halbscheffel Mitautor des Lexikons.
Der Vorzug dieses Lexikons im Vergleich zu anderen besteht für mich darin, dass die einzelnen Gruppen, Sänger oder sonstigen Musiker nicht einfach nüchtern vorgestellt werden, sondern auch die kritische Musikpresse bzw. die eigenen Meinungen der Autoren wiedergegeben werden. Nun ist Musik sicherlich Geschmackssache; trotzdem sind die, zum großen Teil auch ironischen, aber nie unter der Gürtellinie ansetzenden Kommentare gut dazu geeignet, »Stars« von ihrem Sockel zu holen bzw. sie – wenn sie einen Sockel verdient haben – dort so zurecht zu rücken, wie sie es nach nüchterner Anschauung verdient haben. Trotz so mancher Zitate aus »Rolling Stone«, »Sounds« oder auch der Autoren selbst verbleibt nach der Lektüre vieler Artikel der Grundton: »We love RocḱńRoll.«
Das Lexikon ist in folgende Abschnitte aufgeteilt:
Nach zwei Vorworten folgen zwei Artikel unter dem Titel »Was ist Rockmusik«, der eine von 1975, der andere von 1998, und es ist schön zu lesen, wie sich da einiges an Beurteilung geändert, aber auch gleich geblieben ist.
Nach einem kurzen Abriss zum Thema »Musik, Schallplatten und Diskographien« sowie einem Abkürzungsverzeichnis folgen die lexikalischen Artikel zu den einzelnen Musikern, Gruppen usw., die in aller Regel so ausführlich wie nötig vorgestellt werden, einschließlich Diskographie. Man kann durch den Aufbau der Artikel und den darin enthaltenen Querverweisen mit den beiden Bänden tatsächlich wie mit einem anderen Lexikon auch arbeiten.
Auf S. 1032 folgen dann Sachstichwörter zu Begriffen wie A cappella, Boogie Woogie, Car Radio, etlichen bekannten oder weniger bekannten Musikfestivals usw.
In einer ab S. 1094 beginnenden Diskographie führen die Autoren ab 1967 (bis 1998) pro Jahr etliche Schallplatten (bzw. CDs) auf, die für das jeweilige Jahr, sei es aus kommerziellen Gründen oder, weil sie musikalisch gelungen waren, ihrer Meinung nach bedeutsam waren.
Im Anschluss sind Rock-Zeitschriften alphabetisch aufgeführt. Dann folgt ein Kapitel über »25 wichtige Bücher zur Rockmusik – Grundstock einer Bibliothek«. Es schließt sich ein wirklich ausführliches Literaturverzeichnis nach einzelnen Sparten (Rock allgemein, Nachschlagewerke, Geschichte der Rockmusik, Punk, Blues, Folk, Jazz usw.) sowie Monographien zu einzelnen Künstlern bzw. Bands an.
Den Abschluss bildet ein doch sehr ausführliches Personenregister (69 Seiten).
Ich will hier nicht zu einzelnen Biographie-Artikeln des Lexikons zitierten oder etwas sagen; das würde den Bericht zu ausführlich machen. Am besten ist es, man schaut sich die beiden Bände einmal selbst an, schmökert, blättert und erinnert sich an das eine oder andere, was man längst vergessen hatte.
Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos, Bernward Halbscheffel, Das neue Rocklexikon, Reinbek bei Hamburg 1998, 1231 Seiten, rororo 16352, 16353, DM 24,90 pro Band.