Erfahrungsbericht über

Das siebte Kreuz - Ein Roman aus Hitlerdeutschland / Anna Seghers

Gesamtbewertung (17): Gesamtbewertung Das siebte Kreuz - Ein Roman aus Hitlerdeutschland / Anna Seghers

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Zuletzt stirbt die Hoffnung

5  29.07.2002 (30.07.2002)

Pro:
eindrucksvoll, historisch lehrreich, Schreibstil

Kontra:
erfordert aufmerksames Lesen

Empfehlenswert: Ja 

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Unterhaltungswert

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sincerity

Über sich:

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Zur Autorin:

Am 19. November 1900 wurde Anna Seghers in Mainz als Kind jüdischer Eltern geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Köln und Heidelberg Kunstgeschichte, Geschichte und Sinologie (Chinastudien) und beendete mit Promotion. Thematisch konzentrierte sie sich in ihren Schriften vor allem auf die soziale Ungerechtigkeit und das Schicksal der Arbeiter, ab 1928 wurde sie als Mitglied der KPD aktiv.

Nach der Machtergreifung Anfang 1933 wurde sie vorübergehend verhaftet und floh anschließend durch quer Europa nach Mexiko. Im Exil entstand nun ihr bekanntestes Werk "Das Siebte Kreuz", das 1942 erschien, also zu einem Zeitpunkt, da das Dritte Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Das Buch fand sehr schnell internationalen Anklang und kann zu den wichtigsten Werken deutscher Literatur gezählt werden.


Zum Buch:

Die eigentliche Handlung beginnt mit der Flucht Georg Heislers und weiterer sechs Inhaftierter aus dem KZ Westhofen. Jeder versucht auf eigene Faust, den Häschern zu entwischen. Sofort beginnt eine großangelegte Suche von SA und SS, die Flüchtlinge müssen unbedingt gefunden werden. Lagerkommandant Fahrenberg, ein grausamer und machtbesessener Mann, tobt vor Wut. Er weiß, daß er aus dieser Sache nicht ohne Konsequenzen herauskommen wird, schon gar nicht, falls es die Flüchtlinge über die Reichsgrenze schaffen sollten.

Aber die Menschenhatz ist alsbald von Erfolgen gekrönt, die ersten Geflohenen werden gestellt und wieder ins Lager zurückverfrachtet. Fahrenberg läßt die sieben Platanen seitlich der Baracke III abhauen, so daß nur die Stämme zurückbleiben; quer daran werden in Schulterhöhe Bretter genagelt, die aus den Baumleichen Kreuze machen. Das Ultimatum: Binnen einer Woche müssen alle sieben Flüchtlinge gefaßt sein, um an den Kreuzen ihr Ende zu finden.

Der Flüchtling Heisler, gleichsam Protagonist des Romans, hat mehr Glück als seine Leidensgenossen. Er hat die Flucht im kleinsten Detail mit seinem Mithäftling Wallau durchgeplant. Irgendwie gelingt es ihm trotz seiner miserablen körperlichen Verfassung, bedingt durch die Behandlung im KZ, und seiner ungeheuren Angst, den vielen Kontrollen zu entkommen. Er bewegt sich auf seine Heimatstadt zu, wo er noch Verbindungen aus früheren Zeiten hat.

Derweil schläft die Gegenseite nicht, die Gestapo hat die Sache in Form der Kommissare Fischer und Overkamp in die Hand genommen. Jeder Spur, die Heisler hinterläßt, jedem Kontakt, jedem Kleidungsstück wird nachgegangen. Sie sind ihm dicht auf den Fersen. Im Laufe der Woche spinnt die Gestapo ihr feines Netz von Fallen immer weiter. Ehemalige Freunde Heislers, seine Frau Elli und sein Schwiegervater werden ständig überwacht, in der Hoffnung, Heisler würde in die Falle tappen. Overkamp lädt alle verdächtigen Personen zu Verhören vor, um die benötigten Informationen mithilfe von Hinterlist und Drohungen aus ihnen herauszupressen.

Im Verlaufe der Handlung ist es nicht immer leicht, den Szenenwechseln innerhalb der sieben Kapitel zu folgen. Aber Seghers gelingt es vortrefflich, die Methoden des Nazistaates, das Alltagsleben der einfachen Leute und das tägliche Grauen im Hintergrund der Haupthandlung und im Umfeld Heislers zu beschreiben: die Angst der Menschen, etwas "Falsches" zu sagen, die Angst vor den Konsequenzen für sich selbst und die Angehörigen und nicht zuletzt die Angst, irgendwie mit Heisler oder den anderen Flüchtlingen in Verbindung gebracht zu werden.

Aber, wie Seghers feststellt: Egal, wie eng ein Netz gesponnen ist, zum größten Teil besteht es doch aus Löchern. Heisler gelingt es, Kontakt zu Röder herzustellen, einem Freund aus Jugendzeiten, der noch nicht in das Blickfeld der Geheimpolizei geraten ist. Dieser hilft ihm, obwohl bei seiner großen Familie im Falle der Enttarnung einiges aus dem Spiel steht. Nun geschieht es, daß die alten Verbindungen aus der Zeit der Arbeiterbewegung wieder aufgebaut werden, was unendlich gefährlich ist. Wen soll man in das Geheimnis einweihen, ohne zu wissen, wer auf der Seite des Staates steht oder wer unter Angst zum Verräter werden könnte? Mit Vertrauen und List gelingt es, die richtigen Leute für die gemeinsame Sache zu gewinnen.

Auch Heislers Bruder, Franz, ein alter Freund Heislers, und Elli treffen trotz der Überwachung Vorsichtsmaßnahmen, um ihn rechtzeitig warnen zu können, falls er sich bei ihnen blicken ließe. Schlußendlich, die Woche ist abgelaufen, ist das Unmögliche gelungen: Dank seiner ehemaligen Genossen mit Geld und Papieren versorgt, trotz der Verfolgung durch SA, SS und Gestapo und ihrer mehr oder minder freiwilligen Handlanger schafft es Heisler, unentdeckt aus dem Hexenkessel auf einem Schiff ins Ausland zu entkommen. Das siebte Kreuz im Lager Westhofen bleibt leer - als Symbol der Hoffnung und als Demütigung für den totalitären Staat.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, daß es auch zu diesen Zeiten Menschen gab, die unter höchster Gefahr für ihr Leben und das ihrer Familie bereit waren, ihrem Empfinden von Gerechtigkeit zu folgen. Und diese hat es ja tatsächlich gegeben, nicht nur in diesem Roman. Letztlich bin ich der Meinung, daß man "Das Siebte Kreuz" unbedingt einmal gelesen haben sollte, auch wenn es nicht immer einfach ist, dem Verlauf der Geschichte genau zu folgen. Ein wirklich eindrucksvolles und fesselndes Buch, ob als Kriminalroman oder als anschaulicher Einblick in die damaligen Verhältnisse.

sincerity@ciao (29-07-02)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
UnSinn

UnSinn

02.02.2004 22:26

Gute Zusammenfassung. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich lese es gerade im Deutschunterricht.

sp_66

sp_66

23.09.2002 21:05

Dieses Buch ist das beste, das eine Autorin über die NS-Zeit geschrieben hat. Treffend beschrieben. Mfg Stefan

Onkelpunkska

Onkelpunkska

02.08.2002 14:55

Sounds interesting!! Schöner Bericht!!

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