1066 William the Conquerer
19.05.2005
Pro:
historisch interessant, mitreißend, beeindruckend, einfach toll
Kontra:
gibt es nicht
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 schranzkaenguruh
Über sich:
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Natürlich habe ich noch einiges an Lesestoff aufzuhohlen, so dass ich den Leser nun vom Fantasy- zum historischen Roman führen möchte... Nachdem ich "das Lächeln der Fortuna" nach Weihnachten verschlungen hatte, gönnte ich mir jüngst das nächste Werk der begabten Autorin "das zweite Königreich"... :: R e b e c c a . G a b l e :: :: D A S . Z W E I T E . K Ö N I G R E I C H ::
I. Der Beginn großer Geschichte... "Das zweite Königreich" thematisiert hinter allen feingewobenen personenspezifischen Geschichten und Dramen die Eroberung Englands durch Wiliam the Conquerer, den Herzog der Normandie, im Jahre 1066. Durch das Leben und Leiden der Protagonisten wird im Zentrum der Romanhandlung der Konflikt zwischen den beiden Kulturen erleuchtet. Wieder einmal ist das britische Inselreich neuen Einflüssen und einer neuen Invasion ausgesetzt. Während die ursprünglichen Britonen längst romanisiert und später durch eine angelsächsische Völkerwanderung weiter von ihrer Ursprungskultur entfernt werden, verschmelzen nun normannische und englische Sitten zu einer neuen, bestechenden Kultur. England, 1066. Der junge Engländer Caedmon wird bei einem ebenso überraschenden wie ineffektiven Angriff der Dänen verwundet, so daß sein Bein fortan lahmt. Der Königsbruder, welcher um die normannische Mutter und deren Liebe zu ihrer Sprache weiß, bittet Caedmons Vater um einen seiner Söhne, welcher ihm bei einer Reise in die Normandie als Übersetzer dienen soll. Nur allzu bereit seinen verkrüppelten Sohn in eine annehmbare Zukunft - und vielleicht aus dem eigenen Wirkungsbereich - zu verbannen, schickt Alfred, der Thane of Helmsby, seinen Sohn Caedmon. Doch schon bei der Überfahrt auf den Kontinent schlägt das Schicksal seinen eigenen Weg ein. Zunächst als Gefangene eines aufständigen, normannischen Vasallen erzielt Caedmon eine Heldentat. Endlich am Hof des normannischen Herzogs, William, wartet ein weiterer Schock auf Caedmon. Bald wird ihm klar, dass es nicht die Absicht des Königsbruders, Harold Godwinson, ist, ihn wieder mit aufs Festland nehmen. In einer schmerzhaft subtilen, unspektakulären und ebenso undurchsichtiger Geiselhaft erhält Caedmon die Ausbildung eines normannischen Knappen, findet Freunde, Liebe, Ehre und gelegentlich sich selbst... Die Begegnung zwischen William und Harold Godwinson, dem Königsbruder, sollte folgenschwer bleiben. William, vom englischen König als rechtmäßiger Erbe anerkannt, soll nach dessen Ableben Englands Thron besteigen und gegen die anspruchnehmenden Dänen und Norweger verteidigen. Harold Godwinson, welcher William in der Normandie die Treue schwor, hat jedoch andere Pläne: Kurz nach dem Ableben seines Bruders wird er zum Ursupator und läßt sich in London zum König krönen. 1066 fällt William in England ein und erobert seinen rechtmäßigen Thronanspruch.Mit der Eroberung Englands zieht auch Caedmon, in Williams Heer, zurück in seine Heimat. Doch sein Abenteuer endet nicht mit dem gnadenlosen Konflikt, Bruder und Vater auf dem Schlachtfeld zu begegnen. Auch nach der Unterwerfung Englands besteht der neue englische König William auf Caedmons Dienste. Seine unerschrockene und oft unerschrockene Ehrlichkeit verschaffen Caedmon einen leichten Zugang zum oft grausamen und jähzornigen König. Doch für Caedmon beginnt eine Zerreißprobe zwischen zwei Völkern, zwei Kulturen und einer Identität... II. Historisch ... William the Conquerer oder William der Bastard ist ein vielgerühmter Stratege seiner Zeit. Als einer der wenigsten Feld- und Kriegsherren konnte er das englische Inselreich militärisch einnehmen und schließt damit an die Erfolge römischer Strategen an. Die Verschmelzung zweier Kulturen, die auch im Vordergrund des Romans steht, ist in Wahrheit Williams normannisches Erbe an England. In den folgenden Jahrhunderten standen die Normandie, England, Aquitanien und das Anjou stets in weiterer Beziehung zueinander. Auch kulturell übertrugen sich normannische Sitten auf das Inselreich, aber auch zB das normannische Vasallentum. Die vom Kontinent oft als Barbaren bezeichneten Angelsachen stehen zum Zeitpunkt der Eroberung unter gleich mehreren Bedrohungen. Die Zeit Hartaknuths ist nicht lange genug vorüber, als das die nordischen Königreiche den Anspruch auf den englischen Thron vergessen haben könnten. Die Dänen fahren plündernd und raubend an der Küste umher und bringen Tod und Verderben über Britannien. Die Wilden aus dem Norden, aus Schottland, fallen immer wieder in die Grenzen des "zivilisierten" Englands ein, während auf dem Kontinent ein Ringen der verschiedenen Kräfte stattfindet. Es ist ein Zeitalter des Umschwungs und des Aufbruchs aber auch eine Zeit großer Entbehrungen. Knappe Nahrung durch Mißernten und politische Zwiste, Epedmien und Rebllion. III. Kommentar In seiner Rolle als Übersetzer gewinnt der Protagonist Caedmon das begrenzte Vertrauen des oft despotischen König Williams. Neben seiner eigenen Geschichte, in welcher er sich zwischen zwei Kulturen und einer Identität zum wahren selbst behaupten muss und immer wieder in einen Völkerkonflikt gerät, ist seine Position Ausgangspunkt für einen näheren Blick auf den oft so grausamen Eroberer William. Informativ schildert Rebecca Gable das Profil eines machthungrigen aber beherrschten Regenten, der eroberte was ihm zustand. Völlig wertfrei schildert und malt sie sein schwieriges, mißtrauisches Wesen und seine aufbrausende Art. Sie zieht Schlüsse aus dessen Vergangenheit und verknüpft die verschiedenen Komponenten, welche einen Menschen zu sich selbst machen, zu einem Netz aus Verständnis: Williams Lebensweg ist - gute wie schlechte Facetten - nüchtern und wertfrei geschildert. Dieser Hintergrund und diese historischen Eckpfeiler sind das eigentlich spannende an dem Roman. Wenn Rebecca Gable von Geschichte schreibt, könnte ich stundenlang lauschen bzw. lesen :-) ! Sie zählt 1 und 1 so selbstverständlich zusammen, stellt Verbindungen und Verknüpfungen so leicht und prägnant her, dass die Geschichte nie klarer gewesen zu sein schien. Besonders beeindruckend finde ich hierbei ihre Fähigkeit herausragende Persönlichkeiten der Geschichte farbig werden zu lassen. In "Das Lächeln der Fortuna" gab sie bereits dem Königshaus Plantagenet im 14 Jhd. ein Gesicht. Mit dem Profil Williams gelingt ihr nun ein weiteres Meisterwerk. William entsteht vor dem Auge des Lesers mit Fehlern und Schwächen, mit einer anziehenden Kraft und einer abstoßenden Grausamkeit. Nie aber steht nur seine Reaktion im Blickfeld sondern auch der Teil seiner Vergangenheit der dafür ausschlaggebend sein mag. Sprachlich richtet sich die Autorin wie immer mal nüchtern mal ausschmückend an den Phantasiesinn des Lesers. Wann immer man möchte kann man es dem Buch gestatten als Gedankenfilm abzulaufen. Die Orte sind atmosphärisch geschrieben und die Charaktere tiefgründig und vielschichtig. Tatsächlich ist dies eines, was ich an der Autorin bewundere: Ein Charakter hat hier selten nur eine Seite, wenngleich es schon den Hang zum bescheidenen Helden gibt ;) . Die Charaktere bestehen aus mehreren Facetten und erscheinen so viel dreidimensionaler als das in Romanen zumeist der Fall ist. Die Autorin hat sich nicht gescheut auch die "guten" Charaktere mit Schwächen und Makeln auszustatten. So wird vor Allem eines klar: Große Geschichte wie auch kleine erfahren ihre Wertung wirklich nur aus dem Blickwinkel des Betrachters - zumeist; Rührend und mitreißend ist auch die Geschichte des Protagonisten Caedmon. Während im angelsächsischen und später normannischen England eine Schlacht der Kulturen ausgebrochen ist, muss sich der junge Caedmon in einer fremden Welt behaupten. Er wird zum Inbegriff der Kulturenverschmelzug und zeigt deutlich auf wie die Übergänge der Kutluren im Einzelnen von Statten gingen. Während Romane meistens mit der Eroberung schließen, fängt Rebecca Gable hier erst zu erzählen an. Das Verschmelzen zweier Kulturen so zart und subtil und dabei so neutral und liebevoll zu schildern ist meiner Meinung nach ein weiteres Meisterwerk. Hierbei bietet ihr Buch ebenso Stoff für Geschichtsfreaks als auch für die Fans schöner Romanliteratur durch die fiktive Figur Caedmon und dessen Lebensgeschichte. Als weiteres Extra sind ach die Zusatzinformationen der Gable - Bücher zu erwähnen. Wieder richtet sich die Autorin in einem Nachwort an den Leser und erklärt kleine Abweichungen vom historischen Ablauf usw. Auch ein Dramatis Personae erleichtert das Lesen. Wirklich toll. IV. Fazit Ich empfehle das Buch aus gleich dreierlei Gründen. Zum Einen ist es ein mitreißender Roman mit großer, historischer Tragweite. William der Eroberer sollte im Allgemeinwissen irgendwo im Hinterstübchen vorhanden sein und sein aufregendes, spannendes und oft auch nicht nachvollziehbares Leben und Handeln ist ein kleines Abenteuer in sich. Neben großer Geschichte vereinen sich hier auch Faszination und Abscheu zu einem Porträit des britisch - normannischen Mittelalters. Zum Zweiten entsteht um den fiktiven Protagonisten Caedmon eine eigene Welt. Er wird Inbegriff einer neuen anglo normannischen Kultur und weist mit seinem Identitätenkonflikt die Probleme einer Volksverschmelzung auf. Sein Leben, Lieben und Leiden wird zum farbenprächtigen Roman. Letztlich aber halte ich Rebecca Gable für die Meisterin des historischen Romans. Ebenso treffend und präzise wie sie die Geschichte schildern kann, kann sie auch sensibel und mitreißend über ihre fiktiven Charaktere schreiben. Sie gestattet ihren Figuren eine seltene Geistestiefe und betrachtet sie stets aus einem neutralen, kritischen Blickwinkel. Schwächen und Makel an ihren Protagonisten sind ihr nicht fremd. Kurzum: Sollte man gelesen haben;
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26.08.2007 17:35
ich lese sehr gerne historische Romane - vor allem, wenn ein realer Hintergrund da ist....
23.07.2007 23:05
Ja, habe ich gelesen! :-) Machte mir Lust auf mehr "Gable" :-)
17.08.2006 02:29
Ich habs mir schon vor 3 Jahren reingepfiffen. Wirklich ein lesenswerter Roman. Prima Rezension von dir.