Dead Man Walking

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Sein letzter Gang

5  05.06.2003

Pro:
beide Seiten (Befürworter und Gegner) kommen zu Wort, schockierende Wirklichkeit

Kontra:
scockierende Wirklichkeit

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

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ST_yeti

Über sich: Der neue Bericht ist da: Pizzaofen "Alfredo", Bestron DLD9016 +++ Ältere Berichte können o...

Mitglied seit:19.05.2003

Erfahrungsberichte:41

Vertrauende:14

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 71 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute gibt es von mir (ausnahmsweise) mal etwas schwerere Kost. Es geht um die Todesstrafe, die bei uns (zum Glück) abgeschafft ist, in anderen (zivilisierten??) Staaten aber immer noch (oder besser gesagt schon wieder) angewendet wird. Genau, ich spiele auf die USA an... auch wenn sie dort nicht unumstritten ist. So ist es kaum verwunderlich, dass es auch einen Spielfilm, der dieses Thema behandelt. Die Rede ist vom Film "Dead Man Walking", der 1995 von Tim Robbins gedreht wurde. Er ist etwas länger als zwei Stunden und in den Hauptrollen sind Susan Sarandon und Sean Penn zu sehen. Doch zunächst gibt es erst einmal eine Zusammenfassung der Handlung.


Handlung:

Der Film basiert in gewisser Weise auf einer wahren Geschichte. Er ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches der Nonne Helen Prejean (gespielt von Susan Sarandon), die in den 1980er Jahren zwei Mörder bis zur Exekution betreut hat. Der Film handelt von dieser Nonne, die im "Hope House", im Haus der Hoffnung, in einem Armenviertel angestellt ist. Die Schwestern bekommen oft Briefe von Häftlingen aus der Todeszelle, die meist darum bitten, dass die Schwestern einen kostenlosen Anwalt für sie besorgen können.

Eines Tages bekommt auch Schwester Helen einen solchen Brief, Matthew Poncelet (Sean Penn), der Absender, bittet um ein persönliches Gespräch mit Schwester Helen, wozu diese - trotz aller Bedenken ihrer Familie und Ordensschwestern - schließlich zustimmt. Während des ersten Gespräches mit Matthew Poncelet, der wegen Mordes, obwohl er daran nicht direkt beteiligt gewesen ist, zur Todesstrafe verurteilt wurde, werden immer wieder Szenen aus der Mordnacht eingeblendet. Erst im weiteren Verlauf des Filmes erfährt man, daß Vitello, ein damaliger Freund von Poncelet, der wahre Mörder ist. Matthew schiebt die Schuld zunächst auf Vitello, dann darauf, daß er am dem Abend zuviel Drogen - Acid und Alkohol - zu sich genommen hat. Von seiner Unschuld ist er jedoch vollkommen überzeugt, so dass er auch seine Berufung selbst verfaßt hat. Schwester Helen soll nun einen Anwalt finden, der diese Berufung einreicht. Mit Schwester Helens Hilfe gelingt es den fähigen Anwalt Hilton zu engagieren. Dieser hält mehrere Varianten für möglich: 1. Gnadengesuch beim Begnadigungsausschuss, 2. Berufung beim Bundesberufungsgericht und 3. Begnadigung durch den Gouverneur. Alle drei Möglichkeiten scheitern während des Filmes. Nach dem Gnadengesuch beim Begnadigungsausschuss, lernt Helen zunächst die Eltern der Ermordeten kennen. Mr. Delacroix, Mr. Percy und Mrs. Percy. Auffällig ist, daß Mr. Delacroix den Mord an seinem Sohn, und auch die kurz vor dem Tod Poncelets von seiner Frau beantragte Scheidung mit Fassung erträgt (Mr. Delacroix mit leicht ironischem Unterton: "...bis das der Tod uns scheidet"). Der Unterschied zu den Percys liegt darin, dass diese den Tod ihrer Tochter offenbar noch nicht bewältigt haben. Schwester Helen versteht sich - den Umständen entsprechend - mit Mr. Delacroix relativ gut, während die Percys mit falschen Erwartungen das Gespräch mit Schwester Helen beginnen. Sie gehen - fälschlicherweise - davon aus, daß Schwester Helen mittlerweile zu den Gegnern der Todesstrafe gehört. Nach diesem Gespräch zeigt sich die psychische Instabilität der Schwester. In den verschiedenen Gesprächen mit den Wachmännern erfährt die Schwester dann, dass sie das Töten als Teil des Berufes empfinden und sich nur wenige Gedanken darüber machen. Für mich ist das eine relativ klatblütige und gefühllose Haltung, die ich einfach nicht nachvollziehen kann - aber vielleicht stumpft man auch einfach ab, wenn ständig Menschen vor seinen Augen getötet werden. Doch zurück zur Handlung: Einzig und allein der Oberaufseher scheint den Tod zu berühren, der Gefängnispfarrer lässt sogar durchblicken, dass er die Todesstrafe befürwortet.

Nach der Verhandlung vorm Begnadigungsausschuss nimmt Schwester Helen die Bitte von Matthew Poncelet an, sein geistlicher Beistand zu sein - übrigens ist sie die erste Frau die diese Arbeit übernimmt. Infolgedessen fährt sie täglich zum Gefängnis, um Matthew zu besuchen. Dieser ist schwer beeindruckt von ihr, da sie nicht - wie sonst üblich - nur alles auf Gott bezieht. Außerdem ist er von der Moral der Schwester ("... wo ich arbeite, wohne ich auch") beeindruckt, da "... dort wo sie herkommen, jeder Nigger 'ne Kanone hat". Es entsteht eine vertrauliche Beziehung zwischen beiden.

Wenige Tage vor seinem Tode lässt Poncelet in den Medien noch einige abwertende Äußerungen über Nigger und andere Nicht-Arier fallen, was ihm (man kann dies nur vermuten) schließlich endgültig um die Chance einer Begnadigung bringt. Die Folge davon ist, daß das "Hope House" rasant seine Besucher verliert. Doch je näher der Tod Poncelets rückt, desto eifriger liest dieser - durch die Schwester beflügelt - in der Bibel und lädt schließlich die Schuld des Mordes auf sich. Die Schwester spielt insofern eine wichtige Rolle, als dass sie - durch die Gespräche mit den betroffenen Eltern - die Empfindungen der Opfern sehr gut nachvollziehen kann und dies Matthew auch mitteilt. Je näher Poncelets Tod rückt, desto stärker ist er von seiner Schuld überzeugt. Die Szenen aus der Mordnacht werden immer deutlicher und vollständiger, so dass man den wahren Mörder nun erkennen kann. Zwischenzeitlich verabschiedet er sich von seiner Familie (18:45 Uhr). Sein letztes Telefonat mit Schwester Helen führt er um 23:30 Uhr.

Die eigentliche Hinrichtung schließlich wird sehr detailliert in etwa fünf Filmminuten geschildert. Hier zeigt sich die auf die Sekunde genau geplante Tötung eines Menschen. Nach der Hinrichtung wird kurz die Beerdigung gezeigt. Außerdem kann man den einstmalig starken Befürworter der Todesstrafe, Mr. Delacroix, mit der Schwester in einer Kirche sehen. Er ist offenbar in Anwesenheit der Exekution zu einem Gegner derselbigen geworden - kein Wunder bei einer mit äußerster Präzision geplanten Tötung eines Menschen.


Bedeutung des Filmes für die Diskussion um die Todesstrafe:

Der Film ist sehr wertvoll in der Diskussion um die Todesstrafe, da er die jeweiligen Positionen überzeugend darlegt und auch auf die Empfindungen der Betroffenen eingeht, was wohl besonders wichtig ist, da dies in einer Diskussion dieser Art oft vernachlässigt wird. Aber auch das Leiden des Täters, der (wie im Film) sechs Jahre auf seine Hinrichtung warten muß, wird dem Zuschauer detailliert näher gebracht. Mich hat es während des Films immer wieder zwischen den beiden Standpunkten, zwischen Befürwortern und Gegner der Todesstrafe hin- und hergerissen.

Anhand des Filmes kann man auch die immense politische Bedeutung der Todesstrafe ablesen (Anwalt Hilton: "... die Politik spielt eine wichtige Rolle"), denn schließlich wird Matthew Poncelet ein Tag vor der Wahl des Gouverneurs hingerichtet, (in diesem Fall) eine ideale Basis für eine Wiederwahl des Gouverneurs - was wohl auch heute noch in den USA zutrifft. Aber auch der indirekte Einfluß der Politik wird an der Tatsache deutlich, daß die Ausschüsse von Vertretern aus der Politik besetzt werden. Außerdem kann auch der Gouverneur selbst eine Begnadigung aussprechen.
Ein weiterer, äußerst wichtiger Punkt, in der Diskussion um die Todesstrafe ist, dass Matthew Poncelet zwar am Tatort anwesend war, und dort auch Hope Percy, zusammen mit Walter Delacroix ermordet, vergewaltigte, jedoch nicht die Ermordung dieser Personen durchführte. Trotzdem bekam er eine härtere Strafe als der Haupttäter, der "nur" lebenslänglich bekam, da er offenbar einen besseren Anwalt hatte, während Poncelet aus Geldmangel nur einen Steueranwalt vom Staat zugewiesen bekam. Hier zeigt sich auch (mal wieder) wie ungerecht die Justiz sein kann und - vor allem - was Geld für eine enorme Bedeutung in Gerichtsverfahren einnehmen kann. Letztendlich basiert die Dramatik des Filmes darauf, dass eine unschuldige Person zum Tode verurteilt wird und später hingerichtet wird, während der wahre Täter, aufgrund eines besseren Anwaltes, am Leben bleibt, wenn auch mit lebenslanger Haft.


Fazit:

Was mich außerordentlich beeindruckt hat sind die Darsteller, die ihre Rolle wirklich überzeugend und sehr einfühlend gespielt haben. Für mich ist "Dead Man Walking" einer der größten Filme der letzten Jahre, auch wenn er an einigen Stellen nicht ganz einfach ist und gewissem Anspruch hat. Durch Schwester Helen erhält der Film außerdem in gewisser Weise einen religiösen Touch, oder besser gesagt: es findet eine Rückbesinnung auf alte biblische Werte (die so schlecht nicht sind!) in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft statt. Am Konzentriertesten ist der Film wahrscheinlich in der der Aussage von Schwester Helen: ?Die Würde des Menschen ist größer als all seine Verbrechen?.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Im_Blockhaus

Im_Blockhaus

13.04.2004 17:45

Ich persönlich würde den Bericht kürzer formulieren, vor allem bezogen auf den Handlungsverlauf

reenste

reenste

15.12.2003 15:12

Den Film habe ich damals im Kino gesehen, danach nicht mehr (ist ja auch ein anstrengender Film), das ist ja doch schon lange her. Ich hatte es allerdings so in Erinnerung, dass Poncelet tatsächlich eines der Opfer selbst getötet hat. Da muss ich wohl doch noch mal reingucken.

winterspiegel

winterspiegel

05.06.2003 17:13

wirklich guter film, mit bestechenden darstellern...mfg

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