Erfahrungsbericht über

Deadly Premonition (Xbox 360)

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Deadly Premonition (Xbox 360)

4 Angebote von EUR 19,99 bis EUR 69,95  

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Gut gemeint ist halt manchmal nicht gut genug oder:

4  22.12.2010

Pro:
Grusel, Humor, Charaktere, Story, "Twin Peaks Flair"

Kontra:
Steuerung, Grafik, Sound

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Grafik

Sound

Multiplayer:

Bedienung

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Franco_Cavalera

Über sich:

Mitglied seit:01.03.2007

Erfahrungsberichte:32

Vertrauende:5

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet

Das wundervollste Zugunglück der Welt!


Ein Spiel, das wahrlich polarisiert. Seit seiner US-Veröffentlichung im Februar diesen Jahres gehen bei keinem Titel die Meinungen weiter auseinander als bei Deadly Premonition. Von "grottenschlecht", "Katastrophe" über "Geheimtipp" oder "kultverdächtig" ist alles dabei. So schlecht soll es sein, dass es schon wieder gut ist. Das sagen die Jungs auf gamespot.com. Der Tester hat sich beim Spielen desöfteren gefragt wieso er eigentlich "diesen Schrott" spielt und konnte doch nicht aufhören. IGN.com dagegen strafte das Spiel mit 2 von 10 möglichen Punkten ab und bezeichnete es als eine der größten Gurken des Jahres.

Mich hat das Teil aber doch irgendwie fasziniert obwohl ich bisher nur Bilder gesehen habe. Da es für den äußerst fairen Preis von rund 30 Euro angeboten wird, habe ich mich entschlossen mir dieses kleine Juwel zu kaufen.
Selbst der Verkäufer im Spieleladen meines Vertrauens hat mir davon abgeraten. "Nach fünf Minuten ausgemacht und nie wieder angefasst diesen Scheiß" hat er mir gestanden. Ich solle mir lieber Dead Space 2 vorbestellen, welches Ende Januar 2011 erscheinen soll oder mir das solide Alan Wake mitnehmen wenn ich schon Grusel auf dem Bildschirm haben will.
"Nein, ich will das!" hab ich ihm klargemacht und ehrlich gesagt machte mich seine Beurteilung nur noch neugieriger.

F K. In the coffee. I knew I could count on it. It never fails.

Dann endlich ist es soweit. Ich lege das Spiel ein und sofort beginnt ein Intro in Spielgrafik. Schnell wird mir klar: wenn die Grafik in den Cutscenes schon grässlich ist, brauch ich vom Spiel selbst gar nichts mehr erwarten.
Im Hauptmenü lassen sich noch Einstellungen durchführen, welche nichts Ungewöhnliches beinhalten. Aber einen Tipp kann ich gleich geben: Stellt die Musiklautstärke mindestens auf den Wert "60" runter. Die Entwickler haben nämlich etwas geschlampt bei dem Verhältnis Dialog und Musik. Manchmal hört man nämlich wegen der lauten Musik kaum etwas von der guten Sprachausgabe.
Vor Spielbeginn kann man noch einen von drei Schwierigkeitsgraden wählen. Die Entwickler selbst empfehlen das Spiel auf "Leicht" zu spielen wenn man die Story genießen möchte und sich nicht lange mit bockschweren Kämpfen abhalten will. Meine Empfehlung ist das übrigens auch. Denn die Kämpfe sind furchtbar, nein ich hatte keine Angst. Die Steuerung in Kombination mit dem verhunzten Gameplay bei den Scharmützeln ist schlichtweg schlecht. Doch dazu gleich mehr.
Nun gut, kommen wir mal zur Story des Spiels. Als Spieler übernimmt man die Rolle des FBI-Profilers Francis York Morgan. Aber nennen wir ihn lieber York. Jeder nennt ihn nämlich so, stimmt's Zach?!
Er soll ins besinnliche Hinterwäldlernest Greenvale um am Mord an Anna Graham zu ermitteln. Doch bevor es überhaupt soweit kommt hat er einen Autounfall und sein Dienstwagen (Ford Mustang) ist schrottreif.
Danach beginnt das Tutorial bzw. der Prolog in der man York endlich selbst steuern darf. Die Steuerung ist nicht sonderlich kompliziert aber hakelig und träge. Das stellt sich schon nach wenigen Momenten heraus. Die Kamera ist dazu auch noch für ein 3rd-Person-Spiel etwas zu nah am Protagonisten wie ich finde. Schon an den letzten Resident Evil-Spielen konnte man das bemängeln, aber Deadly Premonition ist nett ausgedrückt noch "näher am Geschehen" und büßt damit Übersicht ein.
Kurz nachdem die allgemeine Steuerung erklärt wird, geht es recht schnell ans Eingemachte. Zombies greifen an! Die abgehackten Animationen der Untoten erzeugen eine wie ich finde trashige Gruselatmosphäre. Ein anhaltender Grusel der in jeder dieser Spukpassagen vorhanden ist. Allerdings sind diese Kämpfe mit den Zombies alles andere als spannend oder gar fordernd. Wenn York angreifen will muss man als Spieler den rechten Trigger des Controllers gedrückt halten. Ab sofort legt York seine Waffe an und kann sich mit den beiden Schultertasten noch seitwärts bewegen, ansonsten bleibt er wie eingepflanzt stehen. Wie in Resident Evil 4 oder 5 halt. Doch in den Sequels zum Horrorspielklassiker machen die Schießereien Spaß.
Das Zielen in Deadly Premonition mit dem linken Stick ist nämlich dermaßen schwammig und lässt keine präzisen Treffer zu. Die Entwickler haben das anscheinend selbst gemerkt und haben Yorks Standardpistole mit unendlicher Reservemunition ausgestattet. Deshalb ist es halt auch kaum fordernd, da es ja egal ist wenn mal ein Schuss oder zwei, manchmal auch drei oder vier daneben gehen. Zwar kann man durch drücken des linken Triggers sein Ziel markieren, doch dummerweise nur auf die Weichteile. Wer auch nur einen Zombiefilm gesehen hat weiß doch, dass Zombies auf Kopfschüsse allergisch sind. So ist es natürlich auch hier, also wieder hochziehen...
Solche Spukabschnitte gibt es im Spiel desöfteren, werden auch etwas schwieriger und man gewöhnt sich auch daran, aber insgeheim wünscht man sich doch, dass diese Ballereien ein schnelles Ende finden. Dabei haben die Zombies irgendwie ihr eigenes unheimliches Flair. Wenn sie auf York langsam zugehen und ihm ein jammerndes "kill me" entgegenwimmern wird vor allem mir als Spieler ganz anders. Denn ehrlich gesagt finde ich Zombies in Filmen oder Spielen eher belustigend. Wenn sich die Samples nicht ständig wiederholen und damit ihre Wirklung verlieren würden. Eine anfänglich fies aufbauende Atmosphäre die bald auf die Nerven gehen kann.
Auch sind diese Abschnitte mit "Rätseln" bestückt welche in Form "suche das passende Teil" oder "drücke die Knöpfe in richtiger Reihenfolge" daherkommen. Sogar für Adventureneulinge ein schlechter Witz.
Wenn man den ersten Schlauchlevel, äh Prolog (ENDLICH!) hinter sich hat beginnt das erste von sieben Kapiteln. York trifft vor der Stadt den hiesigen Sheriff George Woodman (York bezeichnet ihn wegen seiner autoritären Art als "Monarche") und dessen Gehilfin Emily Wyatt (welche der Schauspielerin Naomi Watts nicht zufällig ähnlich sieht). Diese sagen ihm, dass er nachdem er im Hotel eingecheckt hat beim Revier in der Stadt vorbeischauen soll. Diese ist von 10:00 bis 18:00 geöffnet.
Jetzt beginnt der zweite Spielteil: die frei begeh- und befahrbare mit glaubwürdigen Wetterzyklus ausgestattete Welt in und um Greenvale.
Wie das ist? Die Steuerung der Autos ist grausam schwammig, die Fahrphysik nicht vorhanden, der Motorensound könnte aus der Computersteinzeit stammen und Gott sei Dank haben sie das Tempomat auf 80 km/h gestellt, sonst würde ich wahrscheinlich von Baum zu Baum ans Ziel kommen.
Wie ist die Grafik? Sie ist potthässlich! Matschtexturen (noch nett ausgedrückt) die auch noch flimmern, Effektarmut (noch sehr nett ausgedrückt) und eine schwache Weitsicht (äußerst nett ausgedrückt). Bei Tag wird richtig deutlich, dass das Spiel eine elendig veraltete Grafik besitzt. Naja, um ehrlich zu sein, schon nachts ist einfach an keiner Ecke zu übersehen wie hoffnungslos verstaubt die Technik ist. Einzig die Figuren sind detailliert und liebevoll gestaltet, wenn auch (für heutige Verhältnisse) äußerst spartanisch animiert.
Wartet mal, flimmernde Kanten und Texturen? Das ist doch typisch Play Station 2? Richtig! Deadly Premonition wurde ursprünglich für Sonys Last-Gen-Konsole unter dem Titel "Rainy Woods" entwickelt. Vor drei Jahren entschloss man sich aber das Spiel wieder verdeckt zu halten, da es viele als "das Twin Peaks Spiel" bezeichneten und man sich nicht auf diese eine Eigenschaft beschränken lassen wollte. In diesen drei Jahren hätte man aber schon etwas an der Grafik werkeln können. Aber ehrlich gesagt: selbst vor 10 Jahren wäre das Spiel grafisch nur mit der Masse gegangen. Selbst das über 12 Jahre alte Half-Life ist schöner als das hier! (ernsthaft)
Man merkt aber dem Spiel an, dass das Budget recht klein war und ein recht kleines Team daran arbeitete.
Eine tolle Grafikpracht kann schon einen gewissen Spielspaßfaktor entwickeln. Natürlich hab ich bei Gears of War 2 (Stichwort: Wurm) die Klappe fallen lassen, weil das Gezeigte schlichtweg hervorragend oder passender ausgedrückt: affengeil war. Aber Grafik ist nicht alles. Für mich zumindest nicht. Vor allem wenn sich unter der grässlichen Hülle ein solch herrliches Juwel von einem Spiel befindet. Ja, jetzt beginne ich mit den positiven Dingen dieses Spiels oder Zach?!

Now this is a good biscuit. I've never tasted a biscuit this delicious. The exquisite balance of milk and butter.

Ein Tag in Deadly Premonition ist rund 5 Stunden lang und lässt mir als Spieler viel Freiraum meinen Tag zu gestalten. Je weiter man auch fortschreitet im Spiel (ungefähr ab der dritten Mission) kann man die verschiedensten Dinge machen. Vorausgesetzt man mag es halt gemütlich. York kann sich im Laden eine Angel samt Köder kaufen und an den Stegen Angeln gehen. Dort lässt sich entweder Nahrung oder Boni wie z.B. Munition oder Medipacks finden. Nahrung? Ja, York hat nämlich wie ein Sim ein Hungergefühl, das gestillt werden möchte. Das lässt sich auf verschiedene Art machen entweder Snacks wie Kekse, Chips oder Schokolade über Häppchen wie Sandwiches und Kuchen und natürlich richtige Mahlzeiten wie eben z.B. ein Fisch. Auch Müdigkeit spielt eine Rolle und es gibt im recht weitläufigen Areal verschiedene Schlafplätze für den Ermittler. Bizarrerweise auch in einer Gefängniszelle! Falls man gerade nicht einschlafen möchte oder kann, weil man vielleicht grad am Steuer sitzt gibt es auch Kaffee zu trinken. Kaffee, Yorks absolutes Lieblingsgetränk. Im Hotel ist es ihm in den Morgenstunden möglich am Frühstückstisch beim Kaffeeschlürfen die Zukunft vorauszusagen. Recht nützlich wenn man noch nicht ganz weiß was man so alles anstellen möchte.
Was man noch alles machen kann? Es gibt Nebenmissionen die man für die Bewohner von Greenvale erledigen kann. Alle im Stile von "hol dies und das" recht simpel geraten und doch will man diese kleinen Aufträge immer wieder erledigen. Erstens bringen sie Geld und Zweitens wegen der Charaktere. Den von diesen hat Deadly Premonition ein ganz Dorf und nicht nur blasse Questgeber wie in World of Warcraft & Co.. Richtige Charaktere mit Eigenschaften und Macken die sie einzigartig und erinnerungswürdig machen, stimmt's nicht Zach?!
Bestes Beispiel ist Agent Morgan selbst, aber nennen wir ihn lieber York. Jeder nennt ihn schließlich so. Der kaffeesüchtige, kettenrauchende und arrogante Trashfilmliebhaber führt ständig Selbstgesprächige mit einem gewissen Zach. Selbst wenn man allein mit dem Auto unterwegs fängt er mit ihm zu quatschen an und sinniert z.B. über das lahme Bonusmaterial auf DVDs von alten Filmen oder das er die ersten beiden Supermanfilme mit Christopher Reeve besser findet als die alte Star Wars Trilogie. York liebt es von 80er-, B- und Trash-Streifen zu erzählen. Doch Zach antwortet so gut wie nie und wenn, tja dann...

Aber auch die anderen Leute in Greenvale sind ziemlich schrill. Sheriff Woodman beschwert sich in einer Nebenmission, dass er ohne "Arnold" nicht richtig tranieren könne und auch "Sylvester" fühlt sich dadurch etwas einsam. Also machen wir uns auf um das Dreiergespann wieder zu vereinen.
Witzig ist auch eine Geschichte eines Vietnamveteranen der sich selbst nur als "General" bezeichnet obwohl er die Uniform eines Sergeants trägt. Er erzählt York von einem Kameraden der ihm mit schlechten Essen an der Front das Leben rettete. Der "General" musste zwecks flotten Otto dringend mal für Große und kam damit einem Mörserangriff der seine komplette Einheit zerrieb davon.

Abends kann man sich etwas in der Bar entspannen und Dart spielen oder ganz im GTA-Stil kleine Rennherausforderungen absolvieren. Letzteres macht aber keinen Spaß. Wirklich nicht, stimmt's Zach?!
Auch Yorks Äußeres spielt eine Rolle. Zum Einen kann, aber muss er sich nicht rasieren da sein Bart in Echtzeit nachwächst. Auch seine Kleidung muss regelmäßig gewechselt werden, denn der anstrengende Tag eines FBI-Agenten macht sich durch Schmutz oder gar Gestank bemerkbar. Wer dem nicht nachgeht braucht sich nicht darüber wundern, dass niemand mehr mit ihm reden möchte und ihm höchstens noch herumschwirrende Fliegen Gesellschaft leisten. Also immer schön den Fummel wechseln, reinigen lassen oder einen neuen kaufen.

Bei diesem Angebot vergisst man fast die Story. Diese ist schlichtweg spannend, gut erzählt und motiviert ständig zum Weiterspielen. Vor allem die Erzählweise der Handlung ist großartig oder besser gesagt einfach ungewöhnlich. Von einer durchgehenden Handlung kann man nicht direkt sprechen. Obwohl Agent York ständig am Fall ermittelt entwickelt sich alles total schräg. Der Humor des Spiels ist bizarr, voller Running Gags die absolut kultig sind und manchmal schwärzer als das Hinterteil eines Ochsen in einer mondlosen Prärienacht. Bei einer Autopsie fängt York zum Beispiel an von "American Werewolf" zu erzählen. Das hinterlegt mit fröhlicher Musik (der "Pfeifsong" ist ein absoluter Ohrwurm), als Spieler schüttelt man zuerst den Kopf und bricht dann in schallendes Gelächter aus. Zumindest mir ging es so. Der Humor zündete bei mir auf Anhieb!
Deadly Premonition das witzigste Spiel seit, nunja ich möchte fast schon sagen Monkey Island 3! Ich habe manchmal geschmunzelt, mir kräftig auf den Schenkel geklopft und ich bin immer noch von Bauchkrämpfen gezeichnet. Was habe ich gelacht als York von der verführerischen Kunstsammlerin Diane ein spontanes Angebot zum Beischlaf dankend ablehnt, weil er sich voll und ganz dem Fall momentan widmen möchte. Er komme aber darauf zurück sobald der Fall abschlossen sei und sie nicht mehr auf der Liste seiner Verdächtigen stehe. Was für ein Charmeur.
Der Rollstuhlfahrende Gasmaskenträger Mr. Stewart ist mit jedem seiner Auftritte ein wahres Highlight und bringt einen Brüller nach dem anderen obwohl seine mit Rätsel bespickten Beiträge äußerst nützlich sind. Da er seinen Assistenten für sich reden lässt verwundert es gar nicht mehr, dass er all seine Botschaften in Reimen formuliert und sein Truthansandwich mit Marmelade als Beilage bevorzugt.

Das macht die Suche nach dem Ritualmörder zu einem herrlich schrullig, verschrobenen Spaß. Die Story ist mit sehr vielen Wendungen versehen die mich mitdenken lies, nur um dann all meine Verdächtigungen über Bord zu schmeißen und völlig kehrt machte. Das ist die größte Stärke des Spiels im Allgemeinen: Unvorhersehbarkeit!
Sowohl in der guten Story als auch im fürchterlichen Gameplay, das schon Trashfaktor hat. Es verlangt vom Spieler schon ein dickes Fell und dessen guten Willen um wirklich durchzuhalten. Denn Deadly Premonition ist ein schlechtes und vor allem häßliches Spiel. Vieles bei der man als erfahrener Spieler immer dachte, dass so etwas doch schon längst der Vergangenheit angehöre ist hier wieder zu finden. Ja, manchmal schüttelte ich fassungslos den Kopf was hier mir für eine Schlamperei zugemtutet wird. Schon allein die Landkarte, die locker das Prädikat "nutzloseste Karte der Spielegeschichte" bekommen könnte, ist zum Haareraufen unpraktisch. Sie dreht sich nämlich mit der Blickrichtung der Spielfigur und ist zudem viel(!) zu nah. Es lässt sich nur noch näher ranzoomen was kein vernünftiger Mensch machen wird, weil er um sich Übersicht zu verschaffen rauszoomen möchte was ihm aber nicht möglich ist. Dann gibt es andere Kleinigkeiten die, um es in den sanften Worten der Jungfrau Maria zu sagen, richtig scheiße sind. Hecken über die man locker springen könnte sind ein unüberwindbares Hindernis, da man gar nicht springen kann.
Achja, ich sagte ja "frei begehbare Welt"? Stimmt nicht ganz. Alles was sich außerhalb der vorgefertigten Wege, Gassen und Straßen befindet, ist mit einer unsichtbaren Wand versehen. Dann die gefühlten 3 Musikstücke, es sind natürlich mehr und keines davon ist schlecht, aber manchmal wirkt sie richtig unpassend zum dargestellten. Da stellt sich die Frage:"Ist das alles noch ernst gemeint von den Entwicklern?"
Ja und Nein. Entwickler SWERY hat viele Jahre an diesem Spiel gearbeitet und es wegen sehr geringem Budget in Guerillamanier fertiggestellt. Als erfahrener Spieler glaube ich, dass sie selbst merkten wie überambitioniert und im Endeffekt schlecht ihr Werk doch ist und machen sich in vielen Andeutungen über sich selbst lustig.
Die heruntergekommenste, versiffteste Spelunke der Stadt heißt zum Beispiel "SWERY '65" oder als York seine Waffe zieht sagt er "in einem Ballerspiel würde man jetzt keine Probleme haben, aber das hier ist anders Zach."
Aber dann macht er sich wieder in einer übercoolen Pose eine Zigarette (auf seinem Benzinfeuerzeug ist ein "No Smoking"-Zeichen) an und fängt mit seinem Verhör an oder erzählt von seiner Vorliebe für Filme in denen sich die Figuren in Tiere verwandeln können. Spätestens da verzeiht man diesem Flugzeugabsturz von einem Spiel schon wieder, findest du nicht auch Zach?!
Dieses Spiel ist wahrscheinlich auch das erste , welches als "Trash" durchgehen könnte. Ein "B-Game" sozusagen mit absoluten Potenzial zum Kult! Ein erhobener Stinkefinger in Richtung der angeblich so perfekten "Blockbusterspiele" ala Call of Duty, Assassins Creed oder Crysis. Hier ist trotz der vielen spielerischen Defitzite die Liebe des Entwicklers zu seinem eigenen Spiel zu erkennen und wann gibt es das heute noch? Ziemlich selten um ehrlich zu sein. Heutzutage protzen Spiele mit ihrer kriegerischen Authenzität welche in Gewaltexzessen endet oder mit toller Grafik. Aber die Hauptfigur ist ein stummer, mitlaufender Massenmörder und der Spieler kennt sich sowieso irgendwann nicht mehr aus um was es eigentlich nochmal ging oder kennt jemand noch die Namen der spielbaren Protagonisten aus Call of Duty?
Seit dem Dreamcastklassiker Shenmue gab es noch selten Welten in die man eintauchen konnte und die anderen NPCs nach und nach besser kennenlernte.
Die Idee des Spiels ist genial, schwach umgesetzt (oder besser gesagt: so gut es halt ging) und doch wieder so genial darin, schlecht zu sein!


PRO- & KONTRALISTE
("das wird ein Spaß, nicht wahr Zach?")

Pro


+ schrullige Charaktere mit Ecken und Kanten
+ bizarrer Erzählstil
+ gute, wendungsreiche Story
+ anhaltende Spannung
+ schöner Grusel
+ zum Brüllen komische Cutscenes
+ Selbstgespräche von York
+ Titelsong zum "Mitpfeifen"
+ nimmt sich selbst nicht ernst
+ gemütlicher Spiel-/Tagesablauf
+ 3-Tage-Bababart!
+ Zombies! (gehen immer)
+ freies Speichern
+ gute (englische) Sprecher
+ Twin Peaks Stil
+ lange Spielzeit (locker 15-20 Stunden) und damit auch...
+ äußerst fairer Budget-Preis

Kontra


- grottenschlechte Grafik
- flimmernde Kanten
- Texturen von den Neunzigern
- hakelige, träge Steuerung per Pedes und im Auto
- "nutzloseste Karte der Welt"
- Geräusche (z.B. Motorensound) aus der Vorzeit
- Kämpfe machen keinen Spaß (wirklich nicht!)
- "Rätsel" (gelinde gesagt) kaum fordernd
- spartanische, sich oft wiederholende Animationen


FAZIT & WERTUNG
("Wenn es dir nicht passt, sag es einfach, ok Zach?!")

Fazit

"Boah, der Mann hatte recht." Das dachte ich mir bei den ersten 10 Minuten des Spiels. Aber nach ca. 3 Stunden, als ich mich "reingefuchst" hatte funktionierte es bei mir und lernte es auf seltsame Weise lieben. Das technische Unvermögen grenzt an Sadismus seitens der Entwickler. Vielleicht muss man wirklich etwas masochistisch sein um seinen Spaß am Schlechten zu finden. Denn darin ist es ja gerade so gut. Im Schlechtsein. Das Interesse für das Gebotene muss vom Spieler selbst kommen um vom Spiel belohnt zu werden. Dank einer der besten Charakterisierung seit langer, langer Zeit, die seltsame Grundfaszination und die gute Geschichte machen es zu einem Kleinod für den etwas anderen Spieler.
Man braucht wirklich Geduld und es ist wahrlich ein Nischenspiel oder ich mach es anders...

Deadly Premonition sollte man sich überlegen zu kaufen wenn man...


- ...liebevoll ausgefeilte Charaktere mit ihren vielen Macken wichtig findet und es sogar positiv sieht sich "wie im Irrenhaus" zu fühlen.
-...es auch mal gemütlich angehen möchte und sich gerne seinen "Arbeitstag" einteilt.
-...nicht genug von bizarren und schwarzen Humor bekommen kann.
-...viel Wert auf eine gute Story legt, aber auch nichts dagegen hat wenn sie abschweift.
-...nicht alles auf eine gute Grafik beschränkt, sondern auch mal den Kern des Spiels entdecken möchte.
-...genug hat vom Shootereinerlei, Casualgames zum Vollpreis oder Onlinespielen.
-...gerade nicht weiß, was man mit 30 Euro anfangen könnte oder sich noch nichts zu Weihnachten gewünscht hat.
-...eine XBox 360 besitzt oder zumindest jemanden kennt der eine hat.

Deadly Premoniton sollte man ums Verrecken nicht kaufen wenn man...


-...Grafik als spielspaßbeeinträchtigend sieht.
-...perfekt ausgefeiltes Gameplay ala Mass Effect, GTA 4 usw. als größten Spielspaßgrund braucht.
-...keine schizophrenen Antihelden mag.
-...Nervenkitzel sucht.
-...über spielerische Macken nicht hinwegsehen kann.
-...keine Zeit investieren möchte, sondern schnelle Action sucht.
-...immer noch keine Zeit für etwas anderes hat, weil man noch immer mit World of Warcraft beschäftigt ist.
-...Shenmue damals schon scheiße fand.
-...grad keine 30 Euro zur Hand hat oder sich nichts zu Weihachten wünscht.
-...gar keine XBox 360 besitzt und niemanden kennt der eine hat.

Fazit (Fortsetzung)

Am besten ich komme mal zum Schluß und meiner finalen Wertung, kann mir aber folgendes nicht verkneifen:

Wen technisches Vermögen nicht zu sehr interessiert
auch wenn es sich desöfteren mit lachendem Auge blamiert
und nicht sofort entrüstet schreit es sei riesengroßer Mist
sondern eingesteht es sei so schlecht, dass' schon wieder gut ist!
So spricht Mr. Stewart.

Wertung

Von mir gibt trotz aller Kritik völlig verdiente 8von10 ausgedrückten Kippen und die Empfehlung eines absoluten "Geheimtipps". Hat wahrlich das Zeug zum Kult. Da sind wir uns einig, nicht wahr Zach?

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Anarchyboy

Anarchyboy

21.07.2011 00:32

Deadly Premonition ist definetely a marvelous piece of gamehistory, so says Mr. Steward (: Nein, im Ernst - Ziemlich toller Bericht, den du da abgeliefert hast (:

HvW77

HvW77

14.04.2011 17:01

BH auch von mir für den tollen Bericht! LG, HvW77

Winters09

Winters09

17.03.2011 22:09

bh

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Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 420 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (42%):
  1. Anarchyboy
  2. HvW77
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"sehr hilfreich" von (58%):
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  2. Fanatico
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