Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sympathische Charaktere, tolle Präsentation, realitätsnah, Ian McShane |
| Kontra: |
Handlungsstränge teilweise undurchsichtig |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
'''Intro'''
Im unbefleckten frisch gebügelten weißen Hemd erwartet der Superschütze und Westernheld, von Frauen begehrt und von Männern beneidet, den Klischee bedienenden grimmig schauenden Bösewicht gegen 12 Uhr mittags auf der leer gefegten Hauptstraße. Nur durch einen durch das Bild huschenden Heuballen getrennt, arbeitet ein Western auf ein Ende hin, dass so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Der böse Cowboy wird in seinem guten Pendant seinen Meister finden, welcher mit seiner Angebeteten, von neidischen Blicken begleitet, Richtung Sonnenuntergang reitet. Viele Menschen stellen sich die Westernwelt und schlimmer sogar, die reale damalige Welt, so in etwa vor und das nicht ohne Grund. Zweifellos gibt es kein anderes reines Filmgenre, welches einen so derart abstrusen, größtenteils selbst verschuldeten, von Klischees regelrecht durchtränkten Mythos, generiert hat, wie der Western.
Doch wie war der Western wirklich? Sollen wir dem von Sergio Leone inspirierten, dreckigeren, düsteren Italowestern mehr Glauben schenken als dem heldenhaften „John-Wayne-Western“. Konnte Clint Eastwood in seinen späteren Western ein reales Bild der westlichen Besiedlung Nordamerikas erzeugen oder schaffen das zeitgemäße Western wie „Open Range“ oder „Todeszug nach Yuma“? Die kurze und simple Antwort lautet: Keiner, weder John Wayne, noch Leone, Eastwood, Costner und Co. stellten den Western in einem glaubwürdigem, realistischem Licht dar. Kenner der Szene würden mich an dieser Stelle auf die Notwendigkeit der Differenzierung aufmerksam machen und in der Tat – es gibt Unterschiede. So konnte z.B. Clint Eastwood immer wieder durch eine ambitionierte realistische Darstellung überzeugen, die jedoch meist von unglaubwürdigen Handlungssträngen und übertrieben „cool“ dargestellten Szenen umrahmt wurden.
Die entscheidende Frage jedoch ist, ob eine realistische Darstellung der frühen Besiedlung Nordamerikas der TV-Serie Deadwood gelang und ob sie es gleichzeitig schafft den Zuschauer zu fesseln und zu unterhalten.
In meinem neuesten Erfahrungsbericht möchte ich die Serie Deadwood (Season 1) vorstellen. Ich werde der im letzten Abschnitt gestellten Fragen nachgehen und werde darüber hinaus den Cast (die Schauspieler), die Charaktere, ihre Merkmale und Eigenschaften, sowie handwerkliche Aspekte (Präsentation, Kamera, Schnitt, Kostüme) etc. vorstellen und jeweilig meine eigenen Erfahrungen zu den einzelnen Punkten integrieren. Da die Serie auf einem tatsächlich zu dieser Zeit existierenden Ort und tatsächlich existierenden Persönlichkeiten beruht, erachte ich es als wichtig, die Serie mit Hilfe eines kurzen „Exkurses“ mit dem noch heute real existierenden Ort zu vergleichen. Darüber hinaus eröffnet dies die Möglichkeit, die Frage nach einer realistischen Darstellung der westlichen Besiedlung Nordamerikas durch die Serie Deadwood zu beantworten.
'''Deadwood – Ein realer Mythos „kurzer Exkurs“'''
Der Ort Deadwood liegt im nördlichen Teil des „Black Hills National Forest“ am westlichen Ende von South Dakota an der Grenze zu Wyoming. Die amerkanischen Bundestaaten von North Dakota über South Dakota bis in den Süden (Texas) werden durch recht niederschlagsarmes, trockenes Klima gekennzeichnet, was die karge landschafltiche Darstellung der Western-Produktionen erklärt. Auch der Begriff Badlands (schwierige landwirtschaftliche Bedingungen), welcher in vielen Western erwähnt wird, stammt hierher.
Vor einigen Jahrhunderten stritten sich die Spanier im Süden, die Engländer im Osten und die Franzosen etwas nördlicher (Kanada) um die Besiedlung des neu entdeckten Kontinents, wobei die Indiander übrigens die Leidtragenden waren. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die angloamerikanischen, ursprünglich aus England stammenden Pioniere in den USA längst die Oberhand gewonnen und standen vor eine fast unmöglichen Aufgabe: Die Eroberung und Ausbeutung des Kontinents Richtung Westen. Die Regierung brauchte nicht mehr als ein paar Anregungen und das Volk machte sich auf nach Westen.
- Sie versprachen jedem Pionier Land. Man musste sich sprichwörtlich nur auf den Boden setzen und sagen: Das ist jetzt meins!
- Sie erlaubten allen Bürgern sich zu bewaffnen, um sich ggf. gegen z.B. Eingeborene durchsetzen zu können.
- Sie verkauften den Bürgern den Glauben an Gott und den American Dream
Nebenbei bemerkt sind diese kurze Ausführungen die Gründe für die tiefe Religiosität der Amerikaner, sowie für das bestehende Waffengesetz und der Erschaffung des „American Dream“.
Zehntausende machten sich auf den Weg nach Westen, wobei der Weg meist beschwerlich und voller Entbehrungen war. Hunger und Krankheiten hatten definitiv ihre Opfer. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zum sogenanten „Gold Rush“ in Kalifornien. Dies veranlasste immer mehr Menschen im Westen ihr Glück als Goldgräber zu versuchen und diese Hintergründe führten auch zur Entstehung des Ortes Deadwood im Jahre 1876.Folgende Merkmale zeichneten den Ort Deadwood aus. Wir wollen sehen, ob die TV-Serie diesen Ausführungen gerecht werden kann.
- Zunächst entstand Deadwood nur als Zeltlager für Goldgräber
- Im Jahre 1877 siedelte sich Al Swearengen als erste Person überhaupt in Deadwood an, welcher das Gem Variety Theatre eröffnete. Dies war zugleich ein Saloon und ein Bordell, in welchem die Goldgräber für wenig Geld verkehrten.
- Die Umgangsformen waren stark frauenfeindlich
- Die „Black Hills“ waren zu dieser Zeit Indianergebiet, weswegen es immer wieder zu Konfrontationen mit dem Stamm der Sioux kam.
Die bekanntesten Charaktere des Ortes waren:
- Wild Billl Hickok, ein Revolverheld, welcher sein Haar lang trug, um die Indianer auf den Arm zu nehmen und teilweise sogar ein Korsett trug, um seine „furchteinflösende“ Figur zu betonen. Angeblich starb Wild Bill bei einem Pokerspiel als er hinterhältich von hinten aus kurzer Nähe erschossen wurde. Ihm wurde laut der Legende zum Verhängnis, dass er an diesem Abend zum ersten Mal mit dem Rücken zur Eingangstür saß.
- Al Swearengen, erster Siedler, Besitzer des Gem Saloon und Pate des Ortes. Swearengen galt als kriminell, hart, aber für seine engsten Bekannteschaften sorgend. Seine Person und Position hatte Mafia-ähnliche Züge
- Seth Bullock, ehemaliger Marshall aus Montana, und Eisenwarenhändler, der später zum Sherrif des Ortes benannt wurde.
DIE SERIE DEADWOOD Fakten und Daten
- erhältlich als komplette Staffel (4 DVDs)
- aktueller Preis bei amazon: rund 23 Euro
- Spielzeit: 640 Minuten
- Freigegeben ab 16 Jahren
- Erscheinungstermin: November 2005
- Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Wichtige Preise/Ehrungen
- 6 Emmys
- 1 Golden Globe (Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie für Ian McShane als Al Swearengen)
Story – Erster Eindruck
Die Handlung beginnt mit Seth Bullock als Sherrif von Montana in einem Streitgespräch mit einem Häftling, welcher dem Tode ins Auge sieht und durch Verhandlungen versucht sich aus dem Gefängnis frei zu reden. Draußen auf der Straße erwartet eine leicht angetrunkene Horde verärgerter Männer die Aushändigung des Häftlings. Bullock entgegnet dieser Situation mit der stringent ausgeführten, exekutiven Gewalt des Gesetzes, in dem er den Häftling an Ort und Stelle hängt. In diesem Moment reitet Sol Star, Seths Partner, die Kutsche vor. Das Vorhaben der beiden beinhaltet die Auswanderung nach Deadwood und die Eröffnung eines Eisenwarengeschäftes. Schon die erste Szene von Deadwood lässt Rückschlüsse auf charakteristische Merkmale der TV-Serie zu (Gerechtigkeitsfanatiker und „Mann der Tat“ Seth Bullock, Gewalt ist an der Tagesordnung, die Atmosphäre deutet auf ein Drama hin).
Kurz darauf wird dem Zuschauer ein Konvoi von Pionieren gezeigt. Er befindet sich kurz vor der Ankunft in Deadwood und in einem der vielen Wägen nüchtert gerade der berüchtigte Schütze Wild Bill Hickock aus. Diesen lernen wir nicht nur als schnellen, nicht zögernden Schützen kennen, sondern auch als Trinker und Spieler.
Einige Momente später sehen wir die Ankunft von Bullock und Star, begleitet durch entsprechende musikalische Untermalung, in Deadwood. Durch geschickte Inszenierung erlebt man die ersten Momente der beiden Eisenwarenhändler fast aus ihrer Sicht. Von der Kutsche aus wird die Kamera wie umherschweifende Blicke nach links und rechts geschwenkt und es werden uns Szenen der noch nicht abgeschlossenen Erstbesiedlung von Deadwood gezeigt. Diese werden durch Nahaufnahmen von Mimik und Gestik der beiden „Neulinge“ unterstützt. Dabei ist es dem Zuschauer gar nicht möglich, alle auf ihn einprasselnten Eindrücke zu verarbeiten, denn Deadwood scheint sehr belebt und dazu auch noch sehr chaotisch. Man sieht z.B. dreckige, recht dürre, starr blickende Arbeiter, die eine Grube ausheben, einen Fleischhändler, der mit blutgetränkter Schürze seine Waren anbietet oder einen einfachen Whiskeystand, der „shots“ für wenig Geld anbietet.
Meine Meinung:Der erste Eindruck von Deadwood macht nicht nur Lust auf mehr, er ist schockierend dreckig und faszinierend zugleich. Eines wird dem Zuschauer von vorne herein klar. Den Machern der Serie ging es wohl ernsthaft um die Darstellung des alltäglichen Lebens in Deadwood mit einer beeindruckend gelungenen Liebe zum Detail. Deadwood ist nicht nur dreckig, sondern auch sehr belebt. Die Menschen auf den Straßen wurden mit hervorragenden Kostümen ausgestattet und vermitteln den Eindruck eines harten Lebens glaubwürdig. Die Fleischhändlerszene, der Whiskeystand und andere Details lassen sich den Zuschauer selbst fragen, ob das alltägliche Leben damals wirklich so unhygienisch, dreckig und hart war. Kurz gesagt: Deadwood sieht unglaublich gut aus und vermittelt einen realistischen Eindruck.
Story – Hauptplot
WORUM GEHT ES IN DEADWOOD EIGENTLICH?
Die TV-Serie Deadwood zeigt die frühe Ansiedlung des Ortes einige Monate nach der Gründung. Das Hauptaugenmerk der ersten Staffel liegt bei den alltäglich auftretenden Probleme der Besiedlung und vor allem der Involvierung der Charaktere. Es geht um Macht, Liebe, Intrigen, Freundschaft und Verrat und die „Zurechtrückung“ der Hierachie der wichtigen Persönlichkeiten im Ort. Weitere Handlunsgstränge, wie die Konflikte mit dem Siuox-Stamm in diesem indianischen Gebiet, werden zwar erzählt, stehen jedoch im Hintergrund. Vorrangig, geht es um die internen Angelegenheiten von Deadwood.
Dazu einige Beispiele:Al Swearengen, Pate des Dorfes und Besitzer des Gem-Saloon, ist ein machthungriger und profitorientierter Mensch. Seine Handlungen und deren Motive haben stets mit der Sicherung seiner Position und der zu erwartenden Gewinnspanne zu tun. Swearengen gerät gleich zu Beginn mit Bullock und Sol aneinander. Das letzte was Swearengen gebrauchen kann, ist ein nicht vor Taten zurückschreckender Gerechtigkeitsfanatiker wie Bullock. Da der Gem-Besitzer jegliche Pachtrechte im Ort besitzt, verweigert er Bullock und Seth zunächst die Mietung eines Grundstückes zur Eröffnung ihres Geschäftes. Swearengen möchte die beiden unter Kontrolle halten, um weiterhin ungestört seinen anderweitigen Geschäften nachzugehen.
Swearengen dreht einem leicht naiven, dem Goldruf gefolgtem, reichen „Ostküstler“ (Brom) und seiner opiumabhängigen Frau eine vermeintlich ergiebige Goldgrube an. Als Brom den Schwindel entdeckt und Swearengen droht, die schwer reiche und gefürchtete Pinkerton-Familie, aus der seine Frau stammt, einzuschalten, lässt Swearengen Brom von seinem Handlanger Dan umbringen. Es sieht aus wie ein Unfall. Verhandlungen wird es keine geben. Wie ist das möglich? Die Staaten Amerikas versuchen das noch unabhängige Deadwood für sich zu gewinnen, doch Angelegenheit ist aus bürokratischer Sicht noch von einer Einigung entfernt. Swearengen manipuliert die Einverleibung mit Schmiergeldern und Morden zu seinen Gunsten. Da Deadwood zu dieser Zeit auch keinen Sherrif hat, ist die Siedlung ein
Ort ohne Gesetz.Meine Meinung:
Die Darstellung der Charaktere und die Verzahnung ihrer Angelegenheiten sind hervorragend ausgearbeitet. Zwischenmenschliche Aktivitäten, ihre Folgen und Auswirkungen auf andere Charaktere stehen im Mittelpunkt. Sie sind größtenteils glaubwürdig und realistisch inszeniert. Mir persönlich gefiel jedoch die Tatsache weniger, dass die Geschichte des Ortes Deadwood im größeren Kontext spärlich erzählt wird. Man erfährt lediglich von den Schmierversuchen und Morden Swearengens, um die Einverleibung zu verhindern.
Hauptcharaktere:
Al Swearengen gespielt von (Ian McShane):
Swearengen ist erster Siedler, Besitzer des Gem-Saloons, welches gleichzeitig ein Bordell ist und Pate des Dorfes. Er ist machthungrig, geldgierig und schreckt nicht vor Gewalttaten zurück. Außerdem leicht reizbar, teilweise unberechenbar, einschüchtern, fordernd und kein Mensch, der gerne verzeiht. Darüber hinaus wortgewandt, hinterlistig, intelligent, manipulierend und skrupellos. Er schart eine Vielzahl von Menschen um sich herum z.B. Dan, eine Art Auftragskiller oder E.B. Farnum, den Hotelbesitzer und späteren Bürgermeister, welcher Swearengen als Ohren und Augen des Dorfes dient. Swearengen pflegt darüber hinaus einen rauhen Umgang mit seinen Prostituierten, wobei eine starke Zuneigung zu „Trixie“ im Verlaufe der Serie öfter angedeutet wird. Dennoch behandelt er sie überwiegend als Sexobjekt, das für ihn anschaffen geht und schlägt bei Missfallen auch hart zu.
Meine Meinung: Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber Swearengen ist für mich eines der am glaubwürdigsten dargestellten Arschlöcher der Fernsehgeschichte. Er zeigt keine Gnade, nutzt Fehler aus, sucht immer nach seinem Vorteil und verfügt über ein einschüchterndes Charisma. Ich habe darüber hinaus ganz selten eine so gute schauspielerische Leistung eines TV-Darstellers gesehen. Mich erinnerte Swearengen ein wenig an Al Pacino in im Aufrag des Teufels.
Seth Bullock (Timothy Olyphant)
Bullock gründet zusammen mit seinem Partner Sol Star einen Eisenwarenladen. Er ist verheiratet und hat einen Sohn, wobei er seine Familie aufgrund der Geseztlosigkeit nicht mit nach Deadwood reisen ließ. Seth zeichnet ein fast ungesunder Hang zur Gerechtigkeit aus, dabei fühlt er sich oft dazu gezwungen seinem „Richterspruch“ sofort Taten folgen zu lassen. Diese Eigenschaft macht aus ihm einen oft hilfsbereiten, jedoch auch angreifbaren Mann. Bullock ist darüber hinaus leicht reizbar, wobei er die Kontrolle durchaus verlieren kann. Auffallend ist, dass Seths Gerechtigkeitssinn stärker als sein Trieb zur Selbsterhatlung ist, weswegen er neben Wild Bill Hickock, Cy Tolliver und Mr. Wu der einzige Mann in Deadwood ist, der Swearengen nicht zu fürchten scheint. Im Laufe der Serie freundet sich Bullock mit Wild Bill Hickock an.
Meine Meinung:Obwohl auch Seth Bullock als Charakter überwiegend überzeugen kann, ist er für mich ein wenig zur Eindimensionalität verdammt. Seth schreitet bei Ungerechtigkeiten ausnahmslos zuerst handelnd ein bevor er über seine Taten nachdenkt, was ihn berechenbar macht und ihn einiges einstecken lässt. Im weiteren Verlauf der Serie wird Bullock, obgleich er dies nicht mehr wollte, zwangsläufig zum Sherriff von Deadwood. Schauspielerisch kann Orphant nicht mit McShane mithalten. Seine Körpersprache und seine Mimik sind im Vergleich dazu einfach zu starr und begrenzt. Diese Rolle jedoch ist ihm auf den Leib geschnitten, weshalb er immer noch überzeugen kann.
Wild Bill Hickock (Keith Carradine)
Wild Bill ist ein berüchtigter Schütze und schnell was das Ziehen angeht. Zu dieser Zeit war es tatsächlich noch üblich einen Mann zu einem Duell auf Leben und Tod herauszufordern. Diese Duelle wurden jedoch nicht nur in Nordamerika und mit dem Schießeisen, sondern auch z.B. in Europa mit dem Degen ausgeführt. Zwar kommt es in Deadwood zu keinem Duell, doch der Ruf von Wild Bill eilt ihm vorraus. Schon als er im Camp ankommt ist er bekannt wie ein bunter Hund. Ein Barbesitzer zahlt im sogar Bares dafür, dass Bill in seinem Laden am Pokertisch sitzt. Hickock geht keiner Tätigkeit im eigentlichen Sinne nach, er hat kein Geschäft und auch sonst keinen Beruf. Die meiste Zeit verbringt er im Saloon beim Spielen und Trinken. Es kommt schon mal vor, dass er betrunken im Flur des Hotels, in dem er untergebracht ist, vorgefunden wird. Bills bester Freund und Mentor ist Charlie Utter, darüber hinaus freundet sich Wild Bill im Laufe der Serie mit Seth Bullock an. Eines Tages jedoch wird Wild Bill hinterrücks am Poktertisch bei Tageslicht aus kurzer Entfernung erschossen. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er an diesem Tag nicht, wie sonst üblich, mit dem Rücken zur Wand, sondern mit dem Rücken zur Eingangstür saß. Der Legende zu Folge spielte er mit einer Dame, zwei Assen und zwei Achten. Diese Hand wird noch heute teilweise als „Dead Man's Hand“ bezeichnet.
Meine Meinung:Wild Bill überzeugt vor allem durch seine Erscheinung und seinen Mythos. Wo er auftaucht, passiert etwas. Dadurch wird eine unterhaltsame Spannung aufgebaut. Darüber hinaus wird Wild Bill trotz seiner tödlichen Fähigkeiten als freundliche, hilfsbereite Person dargestellt, was ihn tatsächlich als sympathischen Charakter erscheinen lässt. Es ist für den Zuschauer sehr schade, dass Hickock recht frühzeitig von seinem Schicksal eingeholt wird. Übrigens rächt Bullock seinen Tod, indem er den fliehenden Mörder fasst, ihn aber nicht tötet, sondern dem Gesetz übergibt und dabei selbst beinahe bei einer Begegnung mit einem Indianer sein Leben verliert. Berechenbar eben.
Cy Tolliver (Powers Boothe)
Tolliver tritt nicht direkt zu Beginn, sondern erst nach einigen wenigen Folgen die Bühne. Er eröffnet direkt gegenüber dem Gem-Saloon das Bella Union, in dem ebenfalls gespielt und getrunken wird und Prostituierte verkehren. Tolliver ist ein überheblicher, schleimiger, geldgieriger, opportunistischer und skrupelloser Charakter, der sich jedoch eindeutig von Swearengen abgrenzt. Während Swearengen in die internen Angelegenheiten von Deadwood involviert ist und seine Machtposition bewahren will, ist Tolliver auf den puren Profit und sein Privatvergnügen aus. Er schreitet nur dann zur Tat, wenn etwas seine Existenz oder seine Gewinnspanne gefährdet. Auch Tolliver hegt Gefühle gegenüber einer seiner Prostituierten (Joannie Stubbs).
Meine Meinung:Cy Tolliver ist ein schleimiger, unbeliebter Charakter, den man gerne hasst. Sein hämisches, falschen Grinsen ist selbst dem Zuschauer teilweise zu viel des Bösen. Ich denke Tolliver wurde hauptsächlich als Konkurrent von Swearengen in die Serie gebracht und als solcher funktioniert er auch, wobei sich beide im Laufe der Zeit erstaunlich gut aus dem Weg gehen. Dennoch bleibt Tolliver für mich persönich eher blass und teilweise langweilig, denn für seine geringere Bedeutung für die Siedlung im Vergleich zu Swearengen oder Bullock, bekommt er meiner Meinung viel zu viel Zeit vor der Kamera.
Nebencharaktere – Kurzbeschreibungen
Doc Cochran (Brad Dourif) – einziger Arzt der Siedlung, welcher sich zunächst vorrangig um die Geschlechtskrankheiten und Abtreibungen der Prostituierten kümmert. Er stellt einen der wenigen Intellektuellen im Ort dar.
E.B.Farnum (William Sanderson) – Hotelbesitzer und Bürgermeister, jedoch ist letztere Posten eine Farce, eine bürokratische Entscheidung zur Sicherung der Unabhängikeit von Deadwood und ohne Bedeutung. E.B. Ist kein Anführer, aber intellligent genug sich wie ein Wurm von Vorteil zu Vorteil zu schlängeln. Er ist überaus unbeliebt, einschleimend und rücksichtslos, ein echtes Ekel und einer der wichtigsten Handlanger Swearengens.
Sol Star (John Hawkes) Star ist Geschäftspartner von Seth Bullock und dessen guten Gewissen – ein aufrichtiger, ehrlicher Typ.
Trixie (Paula Macomson) – Prostituierte im Gem-Saloon und von Swearengen zwar schlecht behandelt, aber geliebt.
Alma Garret – Witwe des Goldsuchers Brom und nach dessen Tod Besitzerin der Goldgrube. Sie kümmert sich zudem um ein Mädchen, das ihre Familie verloren hat, besiegt ihre Drogenabhängigkeit und verliebt sich im Laufe der Serie in Seth Bullock.
Joanie Stubbs (Kim Dickens) – Prosituierte im Bella Union und von Tolliver geliebt, sie verkörpert so etwas wie die gute Seele des Bella Union.
Calamity Jane (Robin Weigert) – stets betrunkene aber herzensgute Frau und gute Freundin von Wild Bill. Sorgt daher für einige Lacher in der Serie.
Ellsworth (Jim Beaver) – Goldsucher und im späteren Verlauf Arbeiter für Alma Garret.
Charlie Utter (Dayton Callie) – Bester Freund von Wild Bill. Eröffnet später eine Poststelle. Ein aufrichtiger und ehrlicher Mann.
Dan Dority (W. Earl. Brown) – Handlanger von Swearengen. Einfacher Mann, der meist mit den Fäusten argumentiert, wie ein Kind Führung braucht.
Reverend Smith (Ray McKinnon) – Gläubiger, der später unter einem Tumor leidet
Mr. Wu (Keone Young) - Betreibt eine Wäscherei und ist Schweinezüchter. Ihm ist seine spärliche Autorität wichtig und er hat aufgrund seine fehlenden Selbsteinschätzung keine Angst vor Swearengen, den er immer liebevoll Swegen nennt, was neben „Cocksucker“ das einzige Wort ist, das er beherrscht.
Meine Meinung:Die Charakterisierung der in Deadwood dargestellten Persönlichkeiten und die gelungene schauspielerische Leistung sind ohne Zweifel große Pluspunkte der Serie. Anders als es in einem Film üblich ist, gelingt es den Schreibern in dieser TV-Serie über die gesamte Spielzeit von 640 Minuten intensiv und detailliert fast jedem Charakter genügend Zeit zu geben dem Publikum präsentiert zu werden. Mir ist vor allem aufgefallen, dass es den Produzenten recht wichtig war, jeden einzelnen Charakter sympathisch wirken zu lassen. Oft ist genau diese Absicht zum Scheitern verurteilt, weil eine zu konstruierte und künstliche wirkenden Figur eher gegenteilig wahrgenommen werden kann, doch Deadwood gelingt dies tatsächlich. Mir sind mit Ausnahme von Tolliver und der Witwe, die ich eher als nervend empfand, eigentlich ausnahmslos alle Charaktere ans Herz gewachsen und dies gelingt nur durch genügend Zeit zur Inszenierung der Persönlichkeiten. Aus diesem Grund sind die Charaktere und ihre Darsteller vielleicht der größte Trumpf der Serie.
Das Filmhandwerk – Kamera, Sound, Schnitt, Kostüme, Präsentation
Neben der hervorragend ausgearbeiteten Charaktere überzeugt Deadwood durch sein gutes Aussehen. Selten habe ich eine so detailliert dargestellte Westernkulisse und so glaubwürdig gekleidete Menschen und so realistisch wirkende, alltägliche Handlungen gesehen. Sieht man Swearengen zum Beispiel morgens aus dem Bett aussteigen, ist der erste Weg zunächst zum Topf neben dem Bett, in den er dann sogleich stöhnend und sich den schmerzenden Rücken greifend uriniert. In welchem John Wayne, Eastwood oder Costner-Western wäre so etwas denkbar gewesen? Weiterhin überzeugt Deadwood, wahrscheinlich dank des ambitionierten Senders HBO. über eine kinoreife Produktion was Kamera, Schnitt und Sound angeht.
Besonderheiten/Wissenswertes
- Es gibt insgesamt drei Staffeln der Serie Deadwood
- Nach der dritten Staffel wurde die Produktion eingestellt. Der Sender bot dem Produzenten (David Milch) die Möglichkeit an ein anderes Format (John from Cincinnati) zu produzieren, möglicherweise, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Diese Serie floppte und wurde bereits nach der ersten Staffel abgesetzt. Die Quoten von Deadwood hingegen, waren ganz gut.
- Deadwood bekam immer wieder Beschwerden aufgrund seiner Frauenfeindlichkeit. Die Frauenrollen jedoch, wurde der damaligen, sicherlich erschütternden Rollenverteilung entsprechend sehr realitätsnah dargestellt.
Realität oder Fiktion?
Abgesehen davon, dass eine TV-Serie immer Fiktion ist, schafft Deadwood ein beeindruckend realistisches Bild des Westerns. Die Intention der Produzenten war in der Tat genährt von einem realitätsnahen Anspruch und diesem wird die Serie auch gerecht. Schwerpunkte liegen dabei auch im detailierten Darstellen von alltäglichen Abläufen umrahmt von damals ebenfalls üblichen Tätigkeiten wie starker Alkoholkonsum, Gewalt, Prostitution und Kriminalität. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen die westliche Welt Nordamerikas sah damalig genauso aus, jedoch kommt die TV-Serie dieser Vorstelllug von allen bisher bekannten Western-Produktionen meiner Meinung nach am Nähesten. Auch wurde darauf geachtet, reale Gegebenheiten (Gem-Saloon) und Figuren (Wild Bill Hickock) aus der damaligen Zeit einzubauen.
Fazit
Deadwood besticht durch herausragend ausgearbeitete Charaktere, welche von einem überaus fähigem Cast dargestellt werden, allen voran Ian McShane, der für seine Darstellung des '''überzeugendsten„ TV-Bösewicht“ seit langer Zeit völlig zurecht den Golden Globe als bester Hauptdarsteller gewonnen hat. Darüber hinaus verfügt Deadwood über eine kinoreife Produktion, die in Sachen Kamera, Schnitt, Sound, Kostüme etc. eine hohe Professionalität aufweisen kann. Weiterhin gelingt es Deadwood die vielleicht glaubwürdigste und realistischste Western-Produktionen überhaupt zu sein. Eindeutige Minuspunkte muss ich leider für die nur angedeuteten externen Handlungstränge (Eingliederung in einen Bundeststaat), die nicht unbedingt mit den internen Angelegenheiten der Siedlung zu tun haben verteilen. Aus diesem Grund vergebe ich vier Sterne.
| weitere Erfahrungsberichte |
Ein verdammt guter Platz, um sein Glück zu machen
Bewertung für Deadwood - Season 1 [4 DVDs] (DVD) von
Gionta
Pro: hervorragende und preisgekrönte Serie, schönes Digipack, gute Bild- und Tonqualität
Kontra: kein Bonusmaterial, schlechte englische Sprachfassung, billiger Pappschuber
1876. Die Indianergebiete der Black Hills von South Dakota, zwei Wochen nach General Custers letzter Schlacht. Hier im Westen entsteht eine Stadt - und mit ihr der unbarmherzige Kampf zwischen Recht und Unrecht. Es ist die Zeit des Aufbruchs und der Gier. ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
07.01.2006
|
Eine Serie die sich lohnt!
Bewertung für Deadwood - Season 1 [4 DVDs] (DVD) von
TomEicki
Pro: Super Bildqualität, Schöne Verpackung, macht Lust auf mehr
Kontra: kein Bonusmaterial, kein Booklet
Inhalt:
01 - Verpackung
02 - Ausstattung
03 - Allgemeine Handlung
04 - Die einzelnen Episoden
05 - Fazit
01 - Verpackung
###############################################################################################
Der Pappschuber
- - - ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
18.01.2006
|
Sodom und Gomorrha
Bewertung für Deadwood - Season 1 [4 DVDs] (DVD) von
DVDs4Me
Pro: geniale, authentische Westernserie, sehr gute Darsteller
Kontra: leider keine Special Features
Inhalt:
1876 zieht es innerhalb kurzer Zeit viele Menschen in eine Gegend, die eigentlich von Indianern bewohnt ist. Der Grund: Eine grosse Goldmine wird hier vermutet. Durch die herbei strömenden Menschen, die illegal noch Gold dort suchen möchten, ents ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich |
|
hilfreich
15.11.2005
|