Der perfekte Rasen - Tipps & Tricks

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The green green Grass of Zurich

5  29.08.2001

Pro:
Macht schon was her, so ein British Lawn und die Nachbarn haben was zu kucken

Kontra:
Die Nachbarn kucken dann auch immer

Empfehlenswert: Ja 

garlicpress

Über sich: Wieder zu Hause, aber noch nicht so richtig hier...

Mitglied seit:28.03.2000

Erfahrungsberichte:40

Vertrauende:49

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Was ich gleich zu Anfang mit aller Heftigkeit festhalten möchte, ist, dass es sich hierbei um Gras der Drauftrittart handelt und nicht um ein illegales Gewächs gleichen Namens. (Über Drogengebrauch steht bestimmt auch was in den AGBs, kann mir da nicht jemand eine Zusammenfassung zustellen? Ich schreib mich sonst noch mal in Teufel‘s Küche).

Aalso und so wollen wir uns hinsetzen und der Mär zuhören. Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da haben die Knoblauchpresse und ihr Herzbube mit sehr viel mehr Glück als Verstand mitten in der Stadt Zürich ein Haus gefunden, geräumig, alt und sogar mit Garten.

Dieser Garten nun war fürchterlich vernachlässigt und weil die beiden gerne draussen ein Glas Wein zu sich nehmen, war der Plan gefasst, das Ding auf Vordermann zu bringen. Die Garlicpress und der Mann verfügten insgesamt über etwa 15 linke Hände und stellten daher für die Umlage von Bäumen und die Anlage von Weg- und Sitzplatzgegebenheiten Fachleute an. Nicht billig, aber doll schnell und unsere Wege werden, lange nachdem die Erde explodiert ist, noch intakt durch's All trudeln.

Aber jetzt wird's persönlich und drum wechsle ich dramaturgisch geschickt in die erste Erzählperson!

Wie andernorts bereits erwähnt stammt mein Herzallerliebster von der Nebel- und Nieselinsel auf welcher der Rasen erfunden wurde. Aufgrund mehrerer persönlicher Augenscheine im Vereinigten Königreich, die zu nehmen ich nicht umhin kam, muss auch ich zugeben, in der Schweiz hat's keine Rasen, nur flache Wiesen. Nun, mir persönlich bereitet diese Tatsache erstaunlich wenig schlaflose Nächte, im Gegensatz zu meinem Gegenstück. No way, werde ich die Anlage meines Rasens einem Schweizer Dilettanten überlassen, sprach er mit gefährlichem Funkeln in den Augen und ich griff schon mal zum Telefon. Nein, nicht für die nahegelegene psychiatrische Klinik sondern um sämtliche Notwendigkeiten wie Rotivator, Aussäh-Geräte, mehrere Kubikmeter frischen Humus, hochwertige Rasensaat, Starterdünger, Rasenwalze und dergleichen zu organisieren. Während mein Honey nämlich genau weiss wie ein Rasen auszusehen hat, sind seine Deutschkenntnisse aufgrund des erst elfjährigen Aufenthaltes hier, so gut wie inexistent.

Des weiteren wurde flugs ein Flug nach GB gebucht, weil die notwendige Literatur in Form von rund drei Laufmeter Handbücher zur Erstellung und Erhaltung eines 'proper lawns' war nun mal nur dort erhältlich. Insbesondere ist 'The New Lawn Expert (Expert Series)' (erhältlich über Amazon) hier sehr empfehlenswert, schon allein weil auf der Titelseite der schöne Spruch 'An Enlarged and Updated Edition of the World's Best-Selling Books on Lawns' prangt. Was es nicht alles gibt.

Fertig gerüstet schritten wir nun zur Tat. Zuerst wurde mit einem ziemlich grauenhaft giftigen Unkrautvertilgungsmittel (nicht gerade Agent Orange, aber auch nicht weit davon) dem Bärlauchfeld in unserem Garten der Garaus gemacht (später machen wir dann alles bio sagt mein Honey). Danach mittels Rotivator die gesamte zukünftige Rasenfläche gründlich aufgewühlt. Nun durfte auch ich wieder auf den Plan und unseren gesamten Freundeskreis zum gemeinsamen Steineaufsammeln aufbieten. 'Wir würden uns freuen, Euch auf ein Gläschen Wein begrüssen zu dürfen…'. Erst jetzt wurde uns so richtig bewusst, dass wir ja eigentlich steinreich waren. Zum Glück bauten Nachbars grad einen Teich und konnten die Knubbel bestens gebrauchen.

Der so gesäuberte Untergrund wurde nun mittels langer Balken und breiter Rechen glattgestrichen. Ich möchte darauf hinweisen, dass ab sofort die Fläche nur noch mit unter die Schuhe gebundenen Holzbrettchen betreten werden durfte, um keine Dellen zu riskieren. Am nächsten Tag fuhren dann mehrere Lastwagen mit schöner brauner Muttererde bei uns vor und kippten die Geschichte auf den Garagenplatz. Wer nicht weiss wie rund 15 Kubikmeter Erde aussehen, kann sich eigentlich glücklich schätzen. Nachdem mehrtägige Regenfälle und die Kids des nahen Kindergartens ihren Unfug mit derm braunen Stoff getrieben hatten, kam der Tag der Wahrheit. Wiederum wurden Freunde zum Apéritiv eingeladen, wobei fast alle dringend ihre kranke Mutter besuchen mussten, da ging grad so eine Seuche um. So waren wir dann zu dritt und fassten mutig Spaten, Schaufel und Schiebkarre und keine vier Tage später hatten wir die braunen Krümel auch schon verteilt (immer noch mit Brettchen an den Füssen, wohlgemerkt).

Nun erfolgte eine erste Walzung, d.h. eine tonnenschwere Eisenwalze wird möglichst gleichmässig (hihihi) über die gesamte Fläche gerollt um den Untergrund zu festigen und gleich hinterher wird die Oberfläche mit einem Rechen wieder etwas aufgekratzt, damit die Rasensamen sich auch richtig einkuscheln können. So sind wir dann, mitten in der Stadt, wie ein Breughel-Gemälde unterwegs. Er voran mit der Walze, ich hinterher mit dem Rechen, beide mit den saublöden Brettchen am Fuss und dreckverschmiert wie's halt so geht. Die Nachbarschaft nimmt rege Anteil und spart auch nicht mit Kommentaren.

Wir liessen uns jedoch nicht unterkriegen, Honey versteht schliesslich kein Deutsch und ich bin etwas schwerhörig und schritten zügig vom Breughel zum VanGogh (der Säämann). Wiederum in Zweierformation, diesmal ich voran mit Rasensaat und Honey hinterher mit Starterdünger, Brettchen am Fuss wie gehabt und gleich danach nochmals mit der Walze drüber, denn Rasensamen keimen nur im direkten Kontakt mit der Erde.

Nachdem sämtliche Vorbereitungsarbeiten im strömenden Regen stattgefunden hatten, kam nun die Sonne durch und brannte mit voller Wucht auf unser frisch bestelltes Feld. Dies war äusserst günstig, denn ab sofort sollte die Geschichte gleichmässig feucht gehalten werden und wir hatten daher eine gute Ausrede, ein komplettes Bewässerungssystem zu kaufen und dieses zuerst falsch und dann noch fälscher, schlussendlich aber doch richtig zu installieren und unter den (zwischenzeitlich gut verständlichen Kommentaren der weiteren Nachbarschaft) in Betrieb zu nehmen.

Nun hiess es warten. Wir nahmen mehrere Wochen Urlaub und verlegten das Bett in's Freie um auf keinen Fall den Durchbruch des ersten Halmes zu verpassen. Des weiteren mussten auch die Vögel vom Fressen der Samen und die Katzen vom Fressen der Vögel abgehalten werden. Die ersten zwei Tage half ein heftiges Händeklatschen, dann mussten auch vokale Lautgebungen folgen und nach drei weiteren Tagen kugelten sich die Spatzen vor Lachen auf ihren rasensamengefüllten Rundbäuchen wenn mein Honey einen Vogelabwehrtanz vollführte.

Nach etwa 10 Tagen jedoch zeigte sich ein erster zartgrüner Schimmer über der braunen Erde auf welchen wir, wie es sich für stolze Eltern gehört, mit einem Vintage Champagner anstiessen und auch dem Rasen ein Schlückchen gönnten. Der Schimmer wuchs und wuchs und stellte sich als Unkraut raus aber auch die Gräser hatten sich nun endlich zur Keimung entschieden. Der Rasen bekam dann nach 6 Wochen seinen ersten Haarschnitt und nochmals eine Fütterung verpasst. Das gröbste war nun überstanden.

Seither wird dreimal die Woche gemäht, viermal im Jahr gefüttert und mehrmals monatlich das Unkraut von Hand gejätet (also nicht von mir, mein Mann schämt sich da weniger vor der Nachbarschaft). Frühlings und Herbsts wird gelüftet, Dellen aufgefüllt und wo nötig nachgesäht. Wir sind nun im dritten Jahr und soweit ganz zufrieden mit den Fortschritten, wobei natürlich noch meilenweit vom Idealzustand entfernt. Dieser ist jedoch einfach zu erreichen, wenn man dem Gärtner einer alten Universität in Oxford glauben schenkt. 'Um den perfekte Rasen zu erreichen muss man im Frühjahr walzen und dann regelmässig schneiden. Wenn man das rund 400 Jahre macht, gelingt's bestimmt'. In diesem Sinne und mit grünen Grüssen gp

ps ein bisschen gelogen habe ich schon. Mein Honey kann natürlich Deutsch, genau einen Satz, der dann da wäre: Oh nein, nicht auf der Rasen treten, you!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
YinYang512

YinYang512

04.06.2009 10:47

Bin auch gerade dabei mich nach dem Umzug zum ersten Mal um den Rasen zu kümmern. Auf einen Neuling kommt da wirklich viel, vor allem wenn man ihn 'perfekt haben will. LG

CyberQueeny

CyberQueeny

04.09.2002 20:56

Deine Tipps werd ich mir mal merken. Ich mäh den Rasen einfach einmal hin und einmal zurück, Kanten mit dem Spaten abstechen und schon sieht er schön aus..CQ

Lady-Shave

Lady-Shave

14.06.2002 05:42

Auf dem Rasen lässt sich gut .... Ähemm falsches Thema *wetz*

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