Nichts ist, wie es scheint...

1  21.03.2005

Pro:
man findet heraus, wer die wahren Freunde sind

Kontra:
alles andere

Empfehlenswert: Nein 

Pampashase

Über sich: +++ Kein Interesse an Leserunden +++

Mitglied seit:26.05.2002

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Also ganz ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob mein Bericht hier in der richtigen Kategorie ist. Das liegt aber nicht daran, dass ich mir selbst nicht sicher bin, was meine Vergangenheit betrifft, sondern weil ich nie bei einem spezialisierten Arzt war, der mir die Diagnose gestellt hat.
Allerdings informiere ich mich selbst schon seit einiger Zeit über dieses Thema und denke daher, dass meine Selbstdiagnose wohl auch ganz gut ist, um den Bericht zu rechtfertigen.
Ich hab oft und lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Bericht schreiben geschweige denn veröffentlichen soll und hoffe, dass ihr damit etwas anfangen könnt… ich hab auch ein bisschen Angst, dass ihr es vielleicht nicht verstehen könnt… mir hilft es einfach, die ein oder andere Sache mit Abstand zu betrachten und das ganze nicht zu vergessen, aber zu akzeptieren.


Depressionen – einige Infos:
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Ich werde mich hier jetzt relativ kurz fassen, da ich kein Experte bin und auch keinen Unsinn verzapfen will. Zudem gibt es so viele Einteilungsmöglichkeiten und Arten der Depression… es soll ja hier um meine persönlichen Erfahrungen gehen. Und deshalb erläutere ich jetzt auch nur die Form der Depression, die mich betrifft. Zumindest bin ich nach viel Recherche zu diesem Schluss gekommen. Sicher kann ich mich auch irren, aber ich wirklich sehr viele Quellen durchforstet und das scheint wohl am besten meine Situation zu beschreiben…

Ich bin höchstwahrscheinlich ein ziemliches Musterbeispiel für eine Kinder-/Jugenddepression. Diese tritt in jungen Jahren erstmals auf und wird meist verkannt, da sich „das Kind wegen der Pubertät eben im Umbruch befindet“. Dass bei schätzungsweise 5% aller Jugendlichen richtige Depressionen hinter den „Launen“ stecken, wird oft nicht erkannt.
Am häufigsten sind Mädchen von dieser Art der Depression betroffen (im Alter von 15 oder ggf. früher) und die so genannten depressiven „Episoden“ dauern häufig 6-9 Monate, unter Umständen aber auch mehrere Jahre. Folgen sind beispielsweise „Probleme mit Gleichaltrigen oder in der Schule“, „geringes Selbstwertgefühl, Zurückgezogenheit und Pessimismus“.
Depressionen, die im Kinder- und Jugendalter beginnen, verschwinden übrigens nicht immer mit dem Erwachsenwerden; oftmals kehren sie im Leben immer wieder, sie haben eine hohe Rückfallrate.
(Quelle: http://www.depression.ch/formen/kinder.html)

Vorneweg sei noch gesagt, dass ich alle Namen in meinem Bericht mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt habe. Ich lasse auch Einiges aus, weil es dann einfach doch zu privat ist. Wenn es also irgendwelche Unklarheiten in meinen Erfahrungen geben sollte, dann schreibt mir doch bitte ins PGB! Und ich versuche, nur einen groben Umriss zu machen…


Meine Erfahrungen:
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Also wo fange ich an? … Vielleicht ist es am besten, wenn ich erstmal die Situation beschreibe, bevor das alles begann.
Und das ist schon eine ganze Weile her. Nämlich so etwa 6 Jahre. Bis zur 7. Klasse war eigentlich alles noch sehr schön und problemfrei. Ich hatte mich schon längst in meine Klasse im Gymnasium eingewöhnt und hatte sehr viele Freundinnen und Bekannte. Es gab eigentlich nie irgendeinen Grund, alleine zu sein. Immer war jemand da, mit dem ich quatschen oder irgendwas in der Freizeit machen konnte. Ich hatte einen echt großen Freundeskreis (so an die 15 Leute) und so war es eigentlich schon immer, da ich von klein auf sehr kontaktfreudig war und ständig viele Leute um mich brauchte. Schließlich bin ich auch mit zwei Geschwistern aufgewachsen und bei uns zu Hause war eigentlich immer was los… Seit der 2. Klasse sang ich im Gewandhaus zu Leipzig im Kinder- und Jugendchor und daher kannte ich meine beste Freundin C aus dem Chor schon bereits seit dieser Zeit, ab der 5. Klasse gingen wir in dieselbe Klasse.

Naja, ich weiß erst jetzt im Nachhinein, dass ich ab der 8. Klasse depressiv wurde. Ich hatte eben den Chor geschmissen, weil mir 9 Stunden Probe in der Woche zuviel wurden. Damals fühlte ich mich nur unverstanden und gab allen die Schuld, nur nicht mir. Ich hatte mich von meinen Eltern überreden lassen, das naturwissenschaftliche Profil zu wählen (an meiner Schule gab es das sprachliche und das naturwissenschaftliche Profil, für eines musste man sich ab der 8. Klasse entscheiden und die Klassen wurden neu zusammengewürfelt). Das war mein erster Fehler, denn mit Naturwissenschaften hatte ich nie viel am Hut. Ok, bis zur 8. Klasse war ich in Mathe Klassenbeste, aber dass das nicht stellvertretend für alle anderen Naturwissenschaften ist, versteht sich doch von selbst.
Ich fand mich also in einer Klasse wieder, in der ich den überwiegenden Teil der Leute nicht kannte. In meiner damaligen Klasse gab es fast ausschließlich Jungs und nur wenige Mädchen. Und darunter wiederum nur 2 meiner Freundinnen aus der alten Klasse. Ich nenne sie mal M und J. Meine beste Freundin hingegen war nicht dabei. Das ist an sich ja jetzt nichts Schlimmes, denkt ihr euch sicher. Aber für mich war das der Ausgangspunkt ins absolute Chaos. Ich war es immer gewöhnt, dass alle mich mochten, doch in der neuen Klasse war es angesagt, dass die Jungs die Mädels runtermachten, wenn sie nicht „cool“ genug waren. Dazu kamen die typischen Unsicherheiten eines 13jährigen Mädchens, die bei mir besonders ausgeprägt waren und damals entsprach ich auch nicht gerade einem Schönheitsideal (heute auch bloß nicht, aber ich sehe es nicht mehr so eng und weiß, dass es auf andere Dinge ankommt). Ich schottete mich immer mehr von meinen Mitschülern ab. Der Kontakt zu meinen ehemals besten Freundinnen aus dem sprachlichen Profil brach ziemlich schnell ab, obwohl wir uns jeden Tag auf dem Schulhof sahen und auch ab und zu noch redeten. Nur zu C bestand noch ein ziemlich oberflächlicher Kontakt. M entschloss sich, „cool“ zu werden und begann mich abwertend zu behandeln und den anderen Mädels in der Klasse anzupassen. J wechselte in der 9. Klasse auf eine Mittelschule. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon so gefühlskalt geworden, dass ich nicht einmal ein Tschüss herausbringen konnte.
Von da an ging alles nur noch den Bach runter. Ich redete tagelang mit niemandem in meiner Klasse (manchmal sogar nicht mal zu Hause); saß in beinahe jedem Fach alleine an einer Bank. War irgendwie innerlich tot und total gleichgültig gegenüber alles und jedem. Nach dem Chor hatte ich auch kein neues Hobby, bei dem ich hätte Leute kennenlernen können. In mir war nicht viel mehr als eine Mischung aus Wut, Trauer, Verzweiflung, Selbstmitleid. Ich hatte permanent das Gefühl, keine Luft zu bekommen und war unglaublich verbittert. Ich fühlte mich minderwertig und ungeliebt, Zweiteres traf tatsächlich wohl auch in vielerlei Hinsicht zu. Im totalen Gegensatz dazu war ich oft überheblich oder bildete mir ein, schlauer als die anderen zu sein, da ich glaubte, die verschiedensten Dinge durchschauen zu können und die Sinnlosigkeit der Welt erkannt zu haben. Ich ekelte mich vor der Welt, stellenweise flüchtete ich mich deshalb in eine Traumwelt; in meiner Klasse war ich schnell der Außenseiter schlechthin. Obwohl ich kein richtiger Gruftie war, so dachte ich doch oft wie einer und trug nur noch schwarze Klamotten. Oft brachte ich an einem Tag nicht mal ein einziges Lächeln zustande. Ich hatte Selbstmordgedanken, überlegte, ob ich von zu Hause weglaufen soll. Die Schule wurde für mich zur Nebensache; meine Noten sanken in den Keller und schließlich musste ich sogar noch zur Mathe-Nachhilfe, weil ich sonst kaum durchs Schuljahr gekommen wäre.

Es kam nicht selten vor, dass meine Mitschüler sich über mich lustig machten. Als ich mal in Musik einen Vortrag über Marilyn Manson gehalten hab, wurde sofort gemunkelt, ich würde Meerschweinchen schlachten etc. Manchmal lästerten die anderen Mädels in der Klasse sogar über mich, wenn ich in Hörweite saß. Einzig und allein M blieb in dieser Hinsicht neutral. Sie hatte sich angepasst und trug sowohl dieselben Klamotten als auch Haarfarbe wie alle anderen Mädchen in der Klasse (das klingt wie das übelste Klischee, aber es war tatsächlich so!), aber sie lästerte zumindest nicht über mich.
Und auch in meiner Familie lief nicht mehr alles rund. Da ich permanent schlechte Laune hatte, entfernte ich mich immer mehr von meinen Geschwistern. Mit meiner Schwester teilte ich mir damals noch ein Zimmer; sie war eigentlich die einzige, mit der ich über das ein oder andere reden konnte. Aber über lange nicht alles! Meine Mutter hingegen begann damals, mir immer wieder mit dem Psychiater zu drohen, was in mir eine nur noch größere Trotzreaktion hervorrief.

Als ich mich gegen Ende der 9. Klasse verliebte, dachte ich, alles könnte sich vielleicht doch zum Guten wenden. G war nicht nur einer der wenigen netten und lieben Jungs in der Klasse, er behandelte mich auch nicht so herablassend wie die anderen. Parallel dazu freundete ich mich aus dieser Hoffnung heraus wieder ein wenig mit M an. Ich weiß nicht, ob es wirklich aus heiterem Himmel kam oder ob ich es nur nicht sehen wollte… eines Tages kam G in die Klasse und begrüßte M mit einem Kuss, so erfuhr ich: die beiden waren zusammen. Ich saß die gesamte darauf folgende Schulstunde heulend da und keinen interessierte es. Ich wurde wie immer ignoriert. Einzig und allein C hörte mir in dieser Phase zu. Da ich froh darüber war, dass ich mit M wieder gut klarkam, ließ ich mir wegen G nichts anmerken; ging mit dem beiden nachmittags essen etc. und unterdrückte dabei meine Enttäuschung und Trauer und natürlich auch die Eifersucht. Lange hielt ich das jedoch nicht aus und schottete mich wieder ab.

Irgendwann entgleiste alles vollkommen und die körperlichen Beschwerden kamen hinzu. Ich hatte oft starke Magenkrämpfe, Migräne-Attacken (die ich zuvor im Gegensatz zu meiner Schwester nie hatte) etc. Irgendwann bekam ich eine schlimme Magen-Darm-Erkrankung und konnte wochenlang nicht in die Schule gehen. Alle denkbaren Untersuchungen ergaben jedoch, dass ich körperlich gesund war und es konnte keine Ursache für meine Beschwerden gefunden werden, weshalb ich dann mit verschiedenen Tabletten behandelt wurde, die die Symptome zwar bekämpften, aber immer nur für kurze Zeit. Irgendwann verschwieg ich meinen Eltern dann, dass es mir immer noch nicht besser ging und sagte, dass ich wieder gesund sei und auch mein Arzt schenkte dem glauben. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Von da an wurde lügen für mich für eine lange Zeit normal. Mein Essverhalten war katastrophal; oft aß ich tagelang gar nichts und stopfte mich darauf wahllos mit allem Essbaren voll, was ich kriegen konnte.
Als ich dann in der 10. Klasse war, kam es aber mehr oder weniger alles raus: Mittlerweile war für mich das Aufstehen jeden Morgen schon die pure Folter. Ich lag oft den ganzen Tag nur noch in meinem Bett oder starrte aus dem Fenster (mittlerweile hatte ich mein eigenes Zimmer und konnte getrost in meinem Selbstmitleid versinken). Ich wünschte mir so oft, wenigstens einmal richtig Heulen zu können, aber es ging einfach nicht. Ich hatte allein in diesem Schuljahr mehr als 2 Monate Fehlzeit, was mein Lehrer zum Glück nicht nachrechnete, denn eigentlich hätte ich in diesem Fall das Schuljahr wiederholen müssen. Ich war antriebslos und der Streit mit meinen Eltern nahm immer mehr zu. Dann kam das Praktikum in der 10. Klasse; da ich auch keinen Antrieb hatte, mir selbst eines zu suchen, machte ich es bei meinem Vater in der Klinik (er ist Arzt) im Labor. Da ging es mir irgendwie besser. Aus Spaß und Interesse habe ich mit den Schwestern mein Blut getestet und durch diesen Zufall kam heraus, dass ich eine Eisenmangelanämie, kurz: Blutarmut (Folge: zu wenig Sauerstoff im Blut und daher weniger Energie) hatte. Ich hatte die Blutwerte einer frisch Entbundenen und das permanent und anscheinend auch schon eine ganze Weile. Die Gründe dafür lagen für mich auf der Hand; meine Eltern ahnten es wohl schon, aber wir haben nie wirklich darüber geredet.
Ich bekam dann jedenfalls mal wieder Tabletten und es wurde besser. Zumindest physisch.

Ein großer Umbruch folgte dann in der 11. Klasse, nach 3 Jahren Isolation. Erneut wurden die Schüler aufgrund des Kurssystems durcheinandergewürfelt. Ich hatte sehr große Angst davor, ich weiß nicht, wieso. An dem ersten Schultag in der 11. war das erste, was ich tat, mich früh morgens auf die Toilette zu flüchten und mich erstmal zu übergeben. Aber alles sollte sich zum Besseren wenden. Ich war mit C im Leistungskurs, lernte viele „neue“ Leute von meiner Schule kennen. Es war für mich ein vollkommen neues gefühl, dass mich jemand früh morgens zur Begrüßung umarmte und nicht an mir rummeckerte. Ich wurde wieder beliebt, wurde offener. Doch das ging natürlich nicht alles von heute auf morgen. Es war ein für mich sehr schmerzhafter Prozess mit vielen Rückschlägen und erneuten Enttäuschungen:

Ich brachte genug Mut auf, mit M zu reden und versuchte ihr meine Gedankenwelt und meine Gefühle zu erklären. Gleichermaßen war ich jedoch schonungslos ehrlich und sagte ihr ordentlich die Meinung, über ihr besch******* Verhalten über die ganzen Jahre. Sie sagte, sie würde mich verstehen und dass sie mir helfen will – und kurze Zeit später dann meinte sie plötzlich, dass sie nicht mehr die Kraft hat, mir zuzuhören. Nebenbei erfuhr ich, dass sie das mit G aufgrund meines Verhaltens schon von Anfang an gewusst hatte. Ich war in der 11. Klasse natürlich längst drüber weg, aber das versetzte mir doch einen ziemlichen Stich, wo sie mich doch immer gebeten hatte, mitzukommen, wenn sie etwas mit G unternahm (mittlerweile waren die beiden aber wieder auseinander) und ich den beiden dadurch ständig beim Turteln zusehen musste. Des Weiteren war ich immer für sie da: als ihre Oma gestorben war, als sie sich von G getrennt hatte, als ihr Vater arbeitslos wurde… und ich brauchte einfach nur einen Zuhörer und das fand sie schon zuviel verlangt. Ich brauchte lange, um über diese Enttäuschung hinwegzukommen, ich hatte zu dem Punkt einfach noch nicht genug Kraft, um drüber zu stehen.
Auch die Freundschaft zu C veränderte sich über die beiden letzten Schuljahre. Sie war allerdings diejenige, die mir in schweren Zeiten immer zugehört hatte. Sie konnte nichts an meinen Depressionen ändern, aber sie machte die ein oder andere Situation leichter. Leider war unsere Freundschaft nicht stark genug und auch sie wandte sich irgendwann ab, weil ich ihr wohl den Keks ging und mittlerweile ist der Kontakt vollkommen abgebrochen. C ist ein Mensch, dem jedes tiefer gehende Problem fremd ist und der an sich noch sehr naiv ist. Wir hatten mit der Zeit einfach nicht mehr viel gemein.
Was mir durch sie auch klargeworden ist, ist, dass das Vorurteil, dass man nicht wirklich depressiv ist solange man nicht mindestens einmal versucht hat, sich umzubringen, wohl viele haben. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass M und C (die mittlerweile übrigens die allerbesten Freundinnen sind…) so über mich dachten und mir insgeheim vielleicht auch vorwarfen, dass ich mich nur in den Mittelpunkt rücken will. Das hat mich sehr verletzt, letztendlich war ich einfach immer zu feige, mir wirklich das Leben zu nehmen. Ich war oft an dem Punkt, an dem der Druck, der Schmerz und die Angstzustände so groß wurden, dass ich nicht mehr konnte. Ich habe die Hölle durchgemacht. Aber wer garantiert mir, dass alles besser wird, wenn man tot ist?!

In den beiden letzten Schuljahren wurde alles besser, aber noch lange nicht gut. Ich fand viele neue Freunde, die ich auch jetzt noch habe. Ich wurde wieder unbeschwerter, offener und glücklicher. Doch gab es auch immer wieder Phasen, in denen sich alles wieder zum Schlechten wandte. Einmal war es so schlimm, dass ich wieder kurz davor stand, mich umzubringen. Ich verabschiedete mich insgeheim von allen meinen Freunden und plante alles genau. Dann kam aber alles anders: bevor ich mich umbringen wollte, wollte ich unbedingt noch jemandem, A, meine Gefühle gestehen und das tat ich auch. Er erwiderte zwar meine Gefühle nicht, aber er entpuppte sich als eine Art Seelenverwandter und mit ihm konnte ich zum ersten Mal wirklich über alles reden. So verarbeitete ich meine Vergangenheit und wusste, dass man mich versteht. Dafür bin ich A heute noch sehr dankbar, auch, wenn ich den Kontakt zu ihm abbrechen musste, da ich ihn einfach zu sehr liebte, um so was wie eine Freundschaft aufzubauen. Doch das ist eine ganz andere Geschichte.


Nachwirkungen…:
*~*~*~*~*~*~*~*~*
Zu sehr will ich an dieser Stelle nicht mehr ins Detail gehen. Die Schulzeit war die gleichzeitig schlimmste und schönste Zeit in meinem Leben. Oft sah ich mich mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert und war kurz davor, aufzugeben: Aber ich habe es wohl meiner Feigheit zu verdanken, dass ich noch lebe und mittlerweile sogar einigermaßen glücklich. Ich habe die Depressionen noch nicht besiegt; aber ich glaube, dass das Schlimmste überstanden ist. Mittlerweile habe ich solche wirklich schlimmen Phasen nur noch ein paar Mal im Jahr und immer seltener und die Erfahrung hat mir gezeigt, was in solchen Fällen zu tun ist. Ich halte mir immer wieder vor, was ich für ein Glück hatte, dass ich jetzt tolle Freunde habe, auf die ich mich verlassen kann. Dass ich noch so Vieles erleben will und dass ich nicht feige sein sollte. Wenn ich wieder mal tagelang weine (was ich mittlerweile immerhin kann) und keinen Ausweg weiß, dann kann ich immer jemanden anrufen oder mailen und weiß, dass man mir zuhört. (Wobei ich aber das Meiste immer noch mit mir selbst ausmache…)
Trotzdem neige ich noch immer dazu, mir selbst was vorzumachen, mir gewisse Gefühle nicht einzugestehen und anderen was vorzumachen. Das wird jedoch immer weniger.
Eines jedoch ist geblieben und das ist das große Misstrauen gegenüber anderen. Von klein auf war ich eigentlich immer sehr gutgläubig und naiv. Doch seit den ganzen Sachen, die vorgefallen sind, dauert es sehr lange, bis ich zu jemandem Vertrauen aufbauen kann. Mir fällt es auch unglaublich schwer, anderen ihre Versprechen wie „Ich bin für dich da“ etc. zu glauben, weil es bei C und vor allem bei M letztendlich auch nur leere Versprechen waren. Und von der 8.-10. Klasse habe ich gelernt, dass man sich im Grunde genommen wohl auf fast niemanden verlassen kann. Wahre Freunde sind sehr selten… und ich bin froh, mir zumindest bei wenigen Menschen jetzt wirklich sicher sein zu können, dass sie für mich da sind. Obwohl ich mir da nie ganz sicher sein kann… ganz normal bin ich wohl immer noch nicht.


Fazit:
*~*~*
Es fällt mir schwer, an dieser Stelle ein ordentliches Fazit zustande zu bringen. In diesem Augenblick überwiegen gerade die Zweifel, ob ich diesen Bericht wirklich veröffentlichen soll… und ob ihr hier überhaupt etwas damit anfangen könnt!
Wie gesagt, ich war wegen den Depressionen nie bei einem Psychiater o.Ä. Mir ist erst vor vielleicht 2 Jahren klar geworden, was mit mir los ist und ich glaube, dass ich es mittlerweile so gut im Griff habe, dass ich alleine damit klarkommen kann. Ich hab mich über die Thematik im Web und durch Fachliteratur informiert.
Ich weiß, das klingt jetzt total abgedroschen, aber mir ist in diesen letzten Jahren klargeworden, wer meine wahren Freunde sind und woran ich sie erkenne. Es dauert bei mir sehr lange, bis ich zu einem Menschen Vertrauen aufbauen kann und eine Freundschaft zulasse. Ich bin sehr misstrauisch geworden und muss immer wieder gegen „Rückfälle“ in mein altes Denken („Alle sind gegen mich“) ankämpfen. Wenn ich neue Leute kennenlerne, hab ich sozusagen meine „Maske“ auf: freundlich, unbeschwert und wahrscheinlich auch ziemlich oberflächlich. Oft werde ich dann als Tussi abgestempelt, doch das macht mir alles leichter. Ich bin noch lange nicht der Mensch, der ich mal sein möchte, aber ich habe das Gefühl, dass das Ziel schon ein Stückchen näher gerückt ist. Oft bekomme ich zu Hören, dass ich schon so erwachsen sei. Zugegebenermaßen habe ich mir immer gewünscht, die Erfahrungen nicht machen zu müssen und lieber naiv zu sein. Aber letztendlich wäre ich ohne meine Erfahrungen nicht der Mensch, der ich heute bin. Und jetzt gerade befinde ich mich in einer Phase, in der ich mich irgendwie mag ;-)

Liebe Grüße!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Kadano

Kadano

29.10.2009 22:05

Sehr verständlich und einfühlsam erzählt. Ich kann mir genau vorstellen, wie du dich gefühlt haben musst; auch wenn das vielleicht nur ist, weil es mir fast genauso geht ...

imjustme

imjustme

04.07.2009 14:44

BH endlich nachgeliefert :) LG

imjustme

imjustme

27.06.2009 14:19

Ein prima Bericht .. Informativ & sehr ausführlich & persönlich geschrieben .. dafür kann man nur ein BH geben .. ich liefere es nach, sobald es geht .. LG

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