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Der Bogen des Cellisten / Andromeda Romano-Lax, Ulrike Thiesmeyer, Andromeda Romano- Lax

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Er wurde beinahe glücklich geboren...

5  11.01.2008

Pro:
Rahmengeschichte (bes .  das Ende); Bonus - CD

Kontra:
teilweise langatmig

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Cata92

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Der Bogen des Cellisten


von Andromeda Romano-Lax

Story

Der Bogen des Cellisten erzählt aus dem Leben eines hochbegabten Musikers und lässt ein halbes Jahrhundert spanischer Geschichte auferstehen. Eine atmosphärisch reiche Hommage an Pablo Casals, der ebenfalls ein außergewöhnliches Leben gehabt hatte...
Nachdem Feliu Delargo 1892 beinahe glücklich (ein Notar hatte seinen Namen falsch geschrieben; eigentlich sollte er Felix heißen) in Campo Seco auf die Welt kam, erbte er beim Tod seines Vaters einen unfertigen Cellobogen - der Beginn einer großen Musikkarriere.
Mit vierzehn geht er nach Barcelona, um Untterricht bei dem berühmten Cellisten Alberto zu nehmen, geht mit siebzehn an den spanischen Hof nach Madrid, wo er unter anderem die Freundschaft der Königin erlang. Dort begegnet er auch Justo Al-Cerraz, einem exzentrischen Pianisten, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft, aber auch Rivalität verbinden wird, nicht zulezt wegen ihrer gemeinsamen Liebe zu Aviva, einer geheimnisvollen italienischen Geigerin.

Die Autorin

Über Andromeda Romano-Lax gibt es nur sehr wenig. Da "Der Bogen des Cellisten" ihr erstes erschienenes Werk sein wird, gibt es weder große Biographien noch Buchrezensionen über diesen Roman. Die einzige Quelle ist ihre offizielle Homepage (romanolax.com), auf der es auch eine kleine Biographie gibt. Ich versuch, sie euch notdürftig ein wenig zu übersetzen:
Sie wurde 1970 in Chicago, Illinois, geboren und arbeitet nun als freischaffende Journalistin und Reiseschriftstellerin und Bücher über die Geschichte von Mexiko und Alaska. "Der Bogen des Cellisten" ist ihr erster Roman. Anfangs hatte sie eigetnlich vorgehabt, ein Sachbuch über den spanischen Cellisten Pablo Casals zu verfassen. Ansporn zu diesem Roman gab ihr der 11. September. Sie kam nicht umhin , sich Fragen zu stellen: Wenn ich in meinem Leben nur noch ein Projekt angehen könnte, wenn ich nur noch über ein einziges Thema schreiben könnte - welches wäre das? Sie sehnte sich danach, in etwas Schönem, Hoffnungsvollem zu versinken, und der Klang des Cellos hatte für sie schon immer den Klang von Hoffnung und Menschlichkeit verkörpert. Warum gerade das Cello - das herauszufinden war auch eines ihrer Gründe, dieses Buch zu schreiben.

Leseprobe

1: Zu Beginn seiner Karriere, er ist in Barcelona auf der Suche nach einem Cellolehrer:
Und seit wie vielen Jahren spielt er?", fragte Don José meine Mutter, nachdem wir All-Cerraz' Brief am Konservatorium in Barcelona vorgelegt hatten.
"Zwei Jahre lang Geige - er lernt schnell, sogar ohne einen guten Lehrer. Und ungefähr genauso lang Klavier. Sein Vater..."
Der Professor unterbrach sie. "Nein Senora, wie lange spielt er schon Cello?"
"Noch gar nicht, aber er möchte es unbedingt lernen."
Don Jose, der bei unserem Eintreten gerade fünf Schülern Privatunterricht erteilte, murmelte in sich hinein.
"Es ist ein seltenes Instrument", sagte meine Mutter. "Er hatte noch keine Gelegenheit..."
"Selten? Wenn es denn so wäre", sagte er und blickte in den Halbkreis seiner Schüler. Ein Junge in meinem Alter schlug sich mit dem Bogen ans Knie. Ein Mädchen gähnte.
"Ich nehme keine Anfänger", sagte Don Jose. Als er den niedergeschlagenen Gesichtsausdruck meiner Mutter sah, fügte er hinzu: "Aber Sie haben einen lange Weg hinter sich. Ich werde Ihnen den Namen eines Lehrers geben, der Ihrem Sohn Privatunterricht erteilen kann."
Er nahm einen Bleistift von dem Notenständer neben ihm und zog einen Zettel aus der Jackentasche.
"Aber wo soll Feliu wohnen? Wir haben keine Verwandten hier in der Stadt. Wir hofften eigentlcih auf eine Ganztagsschule, vielleicht sogar ein Stipendium..."
"Ihr Sohn hat keinerlei Fähigkeiten aufzuweisen. Offen gesagt, ist er zu alt, um erst jetzt ein neues Instrument zu lernen."
"Zu alt? Er ist erst vierzehn."
"Ich habe mehr begabte Celloschüler, als die ganze Welt braucht. Vielleicht finden Sie einen Beruf für ihn, bevor er Ihnen und Ihrem Mann zur Last fällt."
"Mein Mann lebt nicht mehr."
"Mein Beileid", sagte Don Jose, schrieb hastig etwas auf den Zettel und reichte ihn dann meiner Mutter. "Meine Studenten warten auf mich."

2. Feliu ist am königlichen Hofe in Madrid. Er spielt hin und wieder privat für die Königin Cello. Immer während er spielte, wandte sie ihren Kopf weg und schaute ihn nicht mehr an, während er im Zimmer war. Einmal nahm er sich vor, herauszubekommen, was los war. Er wartete vor der Tür und hörte, dass sie weinte. Ein Wachsoldat sagte ihr, dass tue sie jedes Mal, wenn Feliu ihr vorspielte:
Ich fühlte mich verantwortlich. Doch war dieses Gefühl von Verantwortung eher ein dumpfer Schmerz oder ein wohliges Glühen? Ich spielte mit dem Gefühl, drückte darauf herum, als wäre es ein blauer Fleck. Tat das weh? Fühlte es sich gut an? Es war ein Gefühl - das war die Hauptsache. Nach Monaten der Trägheit und Isolation hatte meine Musik etwas Reales bewirkt, sie war empfangen worden. Jetzt hatte sie ein Eigenleben, und ich wusste nicht recht, ob das bedeutete, dass ich vor ihr davonlaufen oder ihr vielmehr nachlaufen sollte, um sicherzustellen, dass sie kein Unheil anrichtete.
Ich nahm all meinen Mut zusammen. Als Königin Ena mich beim nächsten Mal entließ, leistete ich nicht sofort Folge. Sie wiederholte ihre Handbbewegung - ein kurzes Wedeln, als wollte sie Wasser abschütteln. Ich legte meinen Bogen beiseite, blieb aber sitzen und widerstand mit aller Macht dem Drang davonzulaufen.
Ein weiteres Mal die Handbewegung, um mich zu entlassen.
"Bitte"sagte ich. Es scheint mir nicht recht, sie allein zu lassen."
Endlich wandte sie sich um, zutiefst erbost. "Reden Sie keinen Unsinn."
Ich stammelte irgendwelche tröstlich gemeinten Floskeln.
"Nein, nicht", sagte sie. "Sie dürfen bleiben, wenn Sie nichts sagen. Worte verderben alles."
Sie wandte mir wieder den Rücken zuu, schickte mich aber nicht hinaus, diesmal nicht und auch künftig nie wieder.
[...]
Sie fuhr fort: "Die frommen Katholikinnen der gehobenen Gesellschaft, die sich weigern, mich zu akzeptieren. Was für einen Wirbel sie wegen eines Kreuzes veranstaltet haben - eines 'protestantischen' Kreuzes -, das in der Stadt aufgehängt wurde. Als hätte ich irgendetwas damit zu tun, wo ich doch meinen eigenen Glauben aufgegeben habe. Denen wäre es am liebsten, wir würden im Mittelalter verharren, ohne jede Toleranz. Ich bin versucht, Sie nach Ihrer Meinung dazu zu fragen, wo Sie doch aus einem kleinen Dorf stammen. Aber das tue ich nicht. Was Sie mir geschenkt haben, Feliu", dabei ergriff sie wieder meine Hände, so fest, dass ich sah, wie sich die Sehnen weiß über ihre Knöchel spannten, "ist eine Zuflucht vor alldem. Eine Atempause."

Fakten

Übersetzerin: Ulrike Thiesmeyer
Seitenanzahl: ca.640 (gebundene Ausgabe)
ISBN-13: 9783827006738
Erscheinungstermin: 10. Januar 2008
Preis: ca. 22€
Verlag: Bloomsbury Berlin
Extras (ich bin mir nicht sicher, ob die beim Öffentlichen auch dabei ist): CD mit Cellostücken, die Feliu Delargo gespielt hat. Inhalt:
1.) Johann Sebastian Bach, Suite für Violoncello solo Nr.1 GDur (BWV 1007, Präludium) 2:40
2.) Camille Saint-saens, Karneval der Tiere, "Der Schwan" 3:34
3.) Edward Elgar, Konzert für Violonce,llo e-moll opus 85 (1. Adagio - Moderato) 8:53
4.) Ludwig van Beethoven, Menuett Nr.2 G-Dur 2:34
Angegeben sind auch immer noch die Seitenzahlen, an denen man die CD hören kann. das ist zwar am Anfang sehr praktisch und schön, nachher aber, als das Spiel nur noch in einem Satz beschriebehn wird, eher lästig. Die Stücke finde ich aber total schön.

Meine Meinung

Das Buch ist meiner Meinung nach richtig gut gelungen. Ich habe es zu Weihnachten geschenkt bekommen und in der Nacht zum 2. Januar fertig gelesen, trotz den 650 Seiten, die mich bei vielen Büchern daran hindern würden, mehrere Kapitel am Stück zu lesen. Der ganze Roman ist von einer Rahmengeschichte umrahmt, wer genau der Reporter ist, über den am Ende des ersten Kapitels geredet wird, verrate ich lieber nicht, weil es eine schöne kleine Überraschung ist und dem Buch noch ein schönes Ende gibt.

Das Thema ist sehr gut gewählt; ein Cellist, dessen Lebensweg begleitet wird, bzw. rückblickend erzählt wird. die Autorin hat sehr detailgetreu geschrieben, man hat also oft das Gefühl, sich mitten im Geschehen zu befinden. Da die Autorin auch selbst Cello spielt, kann sie sehr gut die Gefühle rüberbringen, die der Erzähler Feliu Delargo während des Spielens hat. Gefühle, mit denen man sich, spielt man selbst Cello, auch recht gut identifizieren kann.

Zudem gibt die Autorin in vielen Dingen auch ihre eigene Meinung wieder, die zwar manchmal nicht ganz der Massenmeinung entspricht, aber das ist ja auch nicht immer nötig und vorteilhaft.
Als sich das Buch dem Ende neigte, war für mich ein kleiner Tiefpunkt erreicht. Es wurde seitenlang über die spanische Geschichte vor und währen der Nazizeit erzählt, was mir teilweise überflüssig erschien, teilweise sogar störend. Als das Buch aber nun endgültig zu Ende ging, wurde alles durch ein fulminantes Ende wieder aufgewogen - Das Vorspielen beim Zusammentreffen von Hitler und Franco.

Überhaupt machte das Buch auch spannend, das Feliu Delargo nicht nur für die Musik lebte, sondern auch in seiner Umwelt Dinge wahrnahm, die ihm nicht richtig erscheinen und er versucht, sie zu lösen oder zumindest dafür zu kämpfen. Man merkt, dass er nicht einfach ein durchgedrehter Musiker ist, sondern auch ein Mensch, dem seine Familie und sein Land und dessen Bewohner sehr am Herzen liegen. Er macht sich oft Gedanken darüber, was Musik eigentlich bewirkt, warum sie wichtig ist bzw. ob sie überhaupt wichtig ist, teilweise sogar, ob das Leben nicht ohne Musik besser wäre; auch ein interessanter Aspekt, den man mal überdenken sollte. Besonders Gedanken machte er sich noch relativ am Anfang des Buches, als er im Opernhaus die Worte geschrieben sah: Musik ist das einzige sinnliche Vergnügen, dem das Laster nichts anhaben kann; und: Die Kunst hat kein Vaterland. Ich fand es nur schade, dass die Meinung der Autorin in diesem Punkt nicht wirklich zum Vorschein kam.

Fazit

Ich gebe diesem Buch fünf Sterne, einfach weil es inhaltlich für mich spitzenmäßig war und obwohl die Geschichte teilweise langatmig erzählt wurde, was durch den Supereinfall mit der Bonus-CD aber wieder wettgemacht wurde.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jockel2001

jockel2001

22.08.2008 18:38

Sers. sowas liest man gerne. viele Grüße

Volker111

Volker111

30.06.2008 19:30

Eine gut begründete Leseempfehlung ;-)

knopfi.de

knopfi.de

26.06.2008 21:32

Wäre nichts für mich! Gruß vom KN☼PFi

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