Stanislaw Lems neuester Roman „Der Flop“ ist jetzt bei uns
erschienen, nachdem die anderen neuen Abenteuer Ijon Tichys, die denen
der berühmten „Sterntagebücher“ nicht nachstehen, in
den Bänden „Der Lokaltermin“ und „Der futurologische
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Erfahrungsbericht von Dr.Karsten.Kruschel über Der Flop / Stanislaw Lem 13.01.2000
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Stanislaw Lems neuester Roman „Der Flop“ ist jetzt bei uns erschienen, nachdem die anderen neuen Abenteuer Ijon Tichys, die denen der berühmten „Sterntagebücher“ nicht nachstehen, in den Bänden „Der Lokaltermin“ und „Der futurologische Kongreß“ zu erkunden waren.
In „Der Flop“ geht es um brennende Probleme der Gegenwart, nämlich um Abrüstung und um Superwaffen im Weltraum. Nun wäre Ijon Tichy nicht der Lemsche Schlaumeier, wenn dies ernste Thema auch ernst behandelt werden würde. Nein, es wird nicht flapsig angegangen. Bei allem Ulk und alter Ironie bleibt das Thema präsent, aber diese nur scheinbar unernsten Betrachtungsweisen f”rdern Bedenkenswertes zutage.
Weil die Rüstung einfach zu teuer wird, verlegt Lem im Buch das Ganze auf den Mond, wo sich die intelligentgemachten Waffen selbst vervollkommnen sollen. So hat man auf der Erde seine Ruh und seinen Frieden - theoretisch. Tatsächlich aber weiß keiner, was sich da oben tut, und nach vergeblichen Erkundungsversuchen schickt man Ijon Tichy aus, der mit einem leichten Dachschaden zurückkommt und sich nicht recht erinnern kann. Er besteht quasi aus zwei Tichys, die sich nicht besonders m”gen - eine Folge der Mondwaffen.
Die Handlung beschreibt die hilflosen Versuche, im Gewühl der sich gegenseitig ausschaltenden Geheimdienste zur Erinnerung zurückzufinden, wobei Lem reichlich die Gelegenheit findet, die Psychologen, sich selbst und den Leser nach Kräften zu verspotten. Dazu werden einige der m”glichen (Fehl-)Entwicklungen auf dem Monde vorgeführt, ehe sich die v”llige Sinnlosigkeit der ganzen Anstrengungen herausstellt.
Die Mondroboter haben eine absolute Waffe entwickelt, die innerhalb von wenigen Stunden die Welt gründlich befriedet. Eine Art Superbakterie, die Tichy, ohne es zu wissen, auf die Erde schleust, macht sämtliche Computer unbrauchbar und damit den Weltkrieg unm”glich.
Als Prognose ist das alles natürlich kompletter Unsinn, aber Vorhersagen k”nnen nie ernsthaft Anliegen der Science Fiction sein. Lem geht es um Denkanst”ße, und die vermittelt er auf eine raffinierte Art: Seine stets logischen Aberwitzigkeiten setzen sich wie mit Widerhaken fest. Sein scheinbar bloß skurriler Humor ist sozusagen infiziert mit dem Bewußtsein der Gefahren, denen unsere heutige Welt ausgesetzt ist.
Wie Lem es dabei immer fertigbringt, puren Nonsens und kühle Logik, augenzwinkernde Ironie und bittere Skepsis nicht nur nebeneinanderzustellen, sondern zu einer Einheit zu verschmelzen, macht einen nicht unwesentlichen Teil des Lesespaßes aus. „Der Flop“ ist von allen Ijon-Tichy-Abenteuern wohl dasjenige, das am deutlichsten und unmittelbarsten auf den Menschen auf der Erde verweist. Es lohnt sich schon die Mühe, sich durch die seltsamen Windungen des Buches zu lesen und Spaß und Unbehagen gleichermaßen geboten zu bekommen. Lem scheint zum Erzählen von Geschichten zurückgekehrt zu sein, nachdem er zeitweise zu Essays übergegangen war. „Der Flop“ ist ein neuer H”hepunkt.
In: Volksstimme, Magdeburg, 18.12.1986.Stanislaw Lem:Der Flop. Roman. Aus dem Polnischen von Hubert Schumann. Verlag Volk und Welt. Berlin 1986, 310 Seiten. 9 Mark.