Der Anfang im Ende
04.05.2012
Pro:
alles
Kontra:
nix
Empfehlenswert:
Ja
 astro13
Über sich:
Mitglied seit:18.04.2012
Erfahrungsberichte:37
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 61 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, liebe Community, heute habe ich mir ein etwas tiefsinnigeres Thema ausgesucht, nämlichden Frageboogen zum TodEinerseits tiefsinnig und schwierig, andererseits mir nicht fremd, da ich beruflich viel damit zu tun habe und damit über die Jahre meine Berührungsängste mit diesem Thema immer mehr verliere.Mal sehen,was sich aus den Fragen so ergibt:
1.In welcher Form bist du dem Tod schon mal begegnet? Als ich ihm das erste Mal begegnete, war ich 7 Jahre alt. Damals starb mein Opa an Krebs.Er hatte einen langen Leidensweg hinter sich gehabt, je weiter die Erkrankung fortschritt, umso mehr häuften sich die Krankenhausaufenthalte.Natürlich bekam ich das alls mit, auch seinen körperlichen Verfall und seine zunehmende Schwäche nahm ich als offensichtliche Veränderung war. Meine Eltern erklärten mir dabei immer wieder, daß das alles so sei, weil Opa sehr krank sei. Anfangs nahmen sie mich noch mit zu ihm ins Krankenhaus,doch als sich sein Zustand dann sehr verschlechterte und klar wurde, daß der unmittelbare Sterbeprozess eingesetzt hatte,durfte ich nicht mehr mitgehen. Als es dann soweit war,wollten meine Eltern bei ihm im Krankenhaus bleiben, um ihn beim Sterben zu begleiten, Ich war unterdessen bei Freunden meiner Eltern untergebracht. Als mich meine Mutter dann am nächsten Tag dorthin abholen kam und sagte "Der Opa ist jetzt im Himmel", wußte ich sofort, was sie meinte und daß ich ihn niemehr wiedersehen würde.Obwohl ich meinen Opa sehr liebte, empfand ich keine Trauer in diesem Moment...vielleicht hatte ich auch nur ein zu "natürliches" Verhältnis zum Tod. Es kam ja auch nicht plötzlich und überraschend und meine Eltern hatten im Vorfeld viel mit mir darüber geredet.Beim zweiten Mal,als ich dem Tod begegnete - ich waar auch noch im Kindesalter - hatten meine Eltern mich mit in eine Kirche mitgenommen, wo in einem Glasschrein eine lokal verehrte Ordensschwester lag. Rückblickend muß ich sagen,war das eine sehr unvermittelte Konfrontation und meine Eltern hatten mein Unbehagen und meinen Schrecken gar nicht wahrgenommen. Ich empfand diese Situation als sehr irreal und bedrückend.Und heute begleite ich mitunter selbst Sterbende bei meiner Arbeit als Krankenschwester. Dabei kann es sich um ganz plötzliche Situationen handeln oder aber um stundenn- oder tagelange Sterbeprozesse. 2.Hast du Angst vor dem Tod? Der Tod an sich - ganz generell- hat für mich seinen Schrecken verloren, weil ich gelernt habe ihm zu begegnen und ein Stück weit seinen Charakter zu erkennen.Was die Angst vor meinem eigenen Tod angeht, nein, davor habe ich keine Angst. 3.Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Ja,ich glaube,daß ich nach dem Tod in einer anderen Daseinsform weiterexistiere.Das ist auch der Grund dafür, daß der Tod mir keine Angst macht.4.Was glaubst du, geschieht mit dir, wenn du tot bist?Ich glaube - wie schon erwähnt, daß der Tod nur der Übergang ist in eine neue Daseinform, in der ich mich genauso weiterentwickeln und lernen muß wie in meinem jetzigen Leben. Wie sich das genau gestaltet, kann ich natürlich nicht sagen.Da muß ich mich überraschen lassen.5.Glaubst du, daß du in den Himmel oder in die Hölle kommst? Himmel und Hölle sind für mich keine Örtlichkeiten sondern Bewußtseinszustände. In welchem von beiden ich mich befinde bzw an welchrn mrin Bewußtsein tendentiell näher heranreicht, hängt davon ab zu welchem von beiden ich mich im Grunde in meinem jetzigen Leben überwiegend hinentwickelt habe.6.Wenn du an ein Leben nach dem Tod glaubst,was meinst du, als was hast du schon mal gelebt? Ich finde diese Frage eigentlich schon wieder ein bißchen zu fiktiv.7.Hast du dich schon einmal hypnotisieren lassen, um festzustellen,ob du schon einmal gelebt hast? Nein, aber ich weiß,daß man so etwas machen kann. Dabei muß ich sagen, finde ich sowas nur dann sinnvoll, wenn man auf diese Weise versucht, sich von Ängsten oder Problemen zu befreien, die im Verdacht stehen, aus einem anderen Leben herzurühren und man ihnen sonst nicht beikommmt. In diesem Moment kann man mithilfe der Rückführungstherapie seine Angst/sein Problem oder u.U. auch ein somatisiertes Problem dorthin zurückstellen, wo es hingehört - nämlich in das entsprechende frühere Leben, das man sich unter der Hypnose anschauen kann und begreift dann, daß das alles im Hier und Jetzt keinen Platz mehr hat. Dann-aber auch nur dann- finde ich Rückführung sinnvoll.8.Glaubst du an Gott? Ja, tue ich.9.Glaubst du, daß mit dem Tod alles vorbei sein wird oder glaubst du,daß danach noch etwas kommt? Eigentlich ist diese Frage mit Frage 3 identisch, sie ist nur anders formuliert.Trotzdem möchte ich nicht einfach nur auf meine Antwort zu Frage 3 verweisen, sondern dazu noch von einer Betrachtungsform berichten, die alles genau andersherum sieht:In der Beerdigungsmesse meiner Oma im Jahr 2002 erzählte der Pastor in seiner Predigt der Trauergemeinde eine interessante und sehr trostreiche Geschichte . Beim Sterben, sagte er, sei es wie kurz vor der Geburt.Um das ganze ein wenig zu verdichten,erzählte er die Geschichte von einem ungeborenen Zwillingspaar im Mutterleib kurz vor der Niederkunft.Die beiden kleinen hatten panische Angst davor, den Mutterleib zu verlassen, der doch ihr Leben war.Sie hatten Angst, ins Nichts zu stürzen und dachten sich alles mögliche aus, um im Mutterleib bleiben zu können. Dabei wurden sie von den werdenden Eltern, Großeltern,Geschwistern, Paten schon sehnlichst und freudigst erwartet.Ihr Zimmerchen war schon eingerichtet, die Bettchen und Babykleidung - alles war schon da für sie. Und dann forderte uns der Pastor auf, diese Situation des ungeborenen Zwillingspärchen auf den Sterbenden zu übertragen ,der angstvoll und unruhig den Übergang vor Augen hat. In dem Moment, wo man begreift,wie irrsinnig es ist, daß sehnsuchtsvoll erwartete Babys,auf die ganz viel Liebe wartet,nicht aus dem Mutterleib herauswollen - obwohl der ja nur die Vorbereitung aufs Leben war und kein Wohnort,in dem man sich einrichten kann, in dem Moment kommt einem die Angst vor dem Tod - und als Angehöriger auch die Trauer - völlig absurd vor. Ich muß sagen, auf mich hatte diese Geschichte eine außerordentliche Wirkung.10.Hast du schon einmal Todesträume gehabt? Diese Frage läßt sich schnell beantworten - denn sowas hatte ich noch nicht.11. Was hälst du von den Aussagen der Menschen, die ins Leben zurückgeholt wurden und erzählen, was sie erlebt haben?Glaubst du, daß der Tod so sein könnte? In Berichten über Nahtoderfahrungen hört man immer wieder, daß die Betroffenen von einer unbeschreiblichen Liebe sprechen, die sie dort erfahren haben und davon, daß sie begleitet wurden, also nicht alleine gelassen wurden.Oft wurde berichtet, daß die Betroffenen nahezu enttäuscht waren, wenn sie von dort wieder zurückgeholt wurden. In gewisser Weise erinnert mich das ein bißchen an die Geschichte mit den Babys, die, wenn sie dann geboren sind, ja auch ganz viel Liebe und Begleitung erfahren.12:Möchtest du gerne wissen, wann du stirbst? Jeder Mensch weiß, wenn er stirbt. Das wann - wenn es noch Jahre entfernt liegt, wissen wir natürlich nicht, Aber ich glaube,in dem Moment,in dem sich die Seele entschließt zugehen, dringt es langsam aber sicher auch in das Bewußtsein des jeweiligen Menschen vor. Ich höre bei meiner Arbeit sehr oft von verschiedenen Menschen den Satz:"Ich gehe sterben..." und bisher haben sie noch alle recht behalten.Ansonsten sehe ich den Tod als letzten großen Reifeprozeß des Lebens an.Da entwickelt man sich hinein, wie auch in alle anderen Phasen seines Lebens. Was würde es für einen Sinn machen, da irgendeinen punktuellen Stichtag in Erfahrung bringen zu wollen?--------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ich hoffe, ich habe euch weder gelangweilt noch zugetextet.Vielleicht hat es dem einen oder anderen ja auch ein wenig gefallen. Ich fand den Fragebogen jedenfalls sehr interessant.Euch allen vielen Dank fürs Lesen, Bewerten, Kommentieren schon im voraus.Ich wünsche euch allen in diesem Leben noch eine gute Zeit. Ciao und LG
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10.06.2012 00:16
Du bist bestimmt eine tolle Krankenschwester.
21.05.2012 17:46
BH und LG, Ralf
20.05.2012 10:13
Sehr offene Antworten!!