Hartzer Käse
09.07.2002
Pro:
siehe jinky
Kontra:
siehe jinky
Empfehlenswert:
Nein
 dahmane
Über sich:
Entwicklungshilfe ist der Transfer von Geldern von den armen Menschen in reichen Ländern zu den reic...
Mitglied seit:07.03.2000
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Diesem Thema sollte man sich in konzentrischen Kreisen nähern. So etwa wie die Katze dem heißen Brei. Dem sie sich dann doch nähern wird; wir hoffen, daß sie sich dabei nicht die Barthaare verbrüht. Sollten Ihnen die wesentlichen Vorschläge der Hartz–Kommission gerade nicht oder nicht hinreichend geläufig sein, sollten Sie hier nicht weiterlesen, weil ich diese Kenntnisse voraussetze. Es gibt aber Rettung. Lesen Sie bitte nach bei jinky. Dort werden Sie geholfen. Ihr Beitrag ist sachlich vollkommen zutreffend, sprachlich und gedanklich ebenso brillant wie unterhaltsam, und er regt an, selbst nachzudenken. (1) Mag auch der eine oder andere mich schelten, daß er nicht einen anderen Beitrag lesen möchte, sondern diesen hier: so funktioniert die Welt nicht immer. Manchmal müssen wir etwas länger herumschleichen um den Brei; aber seien Sie versichert: jinky lohnt sich. Immer. Und damit setze ich voraus, daß Sie sich, auf die eine oder andere Weise, mit den Vorschlägen der Hartz–Kommission vertraut gemacht haben und auch die wesentlichen Argumente dafür und dawider kennen. Das ist schön. Es ist aber nicht wichtig. Die Vorschläge dieser Kommission interessieren ohnehin niemand. Sie werden auch nicht realisiert werden. Die FDP hat versucht, aus grundlegenden Vorschlägen eine Gesetzesvorlage zu machen. Die rot–grüne Mehrheit im Bundestag hat eine Beratung dieser Gesetzesinitiative verhindert – schon die Beratung, wohlgemerkt. Wir können deshalb darauf vertrauen, daß sie auch alles weitere Fortschreiten zu verhindern wissen wird. Vor der Wahl wird es nur Ankündigungen geben und nach der Wahl nicht viel mehr. Andererseits... Ein paar grundsätzliche Anmerkungen zur Arbeit der wohlmögenden Kommission werden vielleicht doch nicht schaden.1. Überlegung: Wie funktioniert die Gesellschaft? Im großen und ganzen funktioniert sie auf den Grundlagen von Angebot und Nachfrage. Ich meine das nicht tautologisch. Wenn wir wollen, können wir dieses Prinzip überall wiederfinden. Das wäre banal. Wir leben aber in einer dynamischen und offenen Gesellschaft, in welcher das Zusammenkommen von Angebot und Nachfrage permanent geregelt werden muß, damit dabei ein optimales Ergebnis herauskommt. Z.B. ein Pareto–Gleichgewicht. In diesem unserem Lande funktioniert der Arbeitsmarkt vollkommen falsch. Ungeachtet aller guten Vorsätze können viele, viele offene Stellen nicht besetzt werden, weil es keine befähigten und willigen Bewerber gibt, während die vorhandenen Fähigkeiten und die Willigkeit der meisten Bewerber nicht den Ansprüchen der offenen Stellen genügen. Wir leben in einer globalisierten Welt, ob und das gefällt oder nicht. Die Anforderungen an einen Arbeitsplatz werden durch den Stand der Technik (im allgemeinen Sinne: also auch der Logistik oder der Datenverarbeitung) vorgegeben. Wer sich nicht daran gewöhnen will oder kann, hungert oder stirbt. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Wir wollen es ja auch nicht wirklich ändern. Wir wissen ja, warum es kaum noch Hufschmiede, Faßmacher oder Schleimer (2) gibt. Wir sind nur nicht ehrlich. Wir behaupten, daß es sinnvoll ist, wenn neue Bergleute ausgebildet und die alten in Lohn und Brot gehalten werden. Das ist eine teure Romantik. Erster Vorschlag einer Kommission zur Senkung der Arbeitslosenzahlen hätte also sein müssen, massiv in Qualifikationsmaßnahmen zu investieren, die nicht in Selbstfindungsgruppen, Yogaübungen oder Ikebanakursen enden oder in der Verteilung von EDV–Führerscheinen, sondern in aktuellen Qualifikationen. Begleitend dazu müßten wohl oder übel die Sanktionen verschärft werden für alle diejenigen, die sich um solche Qualifizierungsmaßnahmen drücken. Es geht also erst einmal darum, die Arbeitslosen in Wesen zu verwandeln, die ihre Arbeitskraft überhaupt verkaufen k ö n n e n, weil sie über gesuchte Qualifikationen verfügen, und die ihre Arbeitskraft auch verkaufen w o l l e n, weil es ihnen besser geht, wenn sie das tun.Eine Gesellschaft funktioniert durch die Regelung von Angebot und Nachfrage. Wir werden dafür Sorge tragen müssen, daß auf eine schnell wechselnde und spezifizierte Nachfrage ein deutlich verbessertes und wettbewerbsfähiges Angebot trifft. Nachbemerkung: Unnötig eigentlich, zu erwähnen, daß wir nicht nur ein Recht auf Arbeit haben, sondern auch eine Pflicht zur Arbeit. Daß wir endlich begreifen müssen, wie sehr wir in uns selbst investieren sollten, um für andere attraktiv zu werden und zu bleiben. Es wird viel zu wenig in die Persönlichkeitsentwicklung investiert.2. Überlegung: Fehlt es an Arbeit oder woran? Neuere Vorschläge von Michael Sommer, einem der vernünftigeren Gewerkschaftsbonzen, machen deutlich, daß immer noch versucht wird, die vorhandene Arbeit auf die vorhandenen Menschen aufzuteilen. Das ist natürlich vollkommen falsch. Niemand versucht, die Luft im Raum so lange auf die vorhandenen Menschen aufzuteilen, bis alle erstickt sind. Er macht statt dessen rechtzeitig das Fenster auf. „Da draußen“ gibt es mehr als genug Luft. Auch zum Atmen. Wir leben nun einmal in einer sich zügig entwickelnden Gesellschaft. Darin wird es niemals ein bestimmtes Kontingent an Arbeit geben. Statt dessen wird ständig neue Arbeit geschaffen. Im übrigen leuchtet uns ein, daß sich unser Leben nur durch Arbeit verbessert, und daß wir in der einen oder anderen Form dafür bezahlen müssen, sei das nun fremder Leute Arbeit oder auch durch eine Veränderung unseres eigenen Lebens und seiner Umstände. Natürlich hat sich auch die Produktivität erhöht. Weniger Leute können inzwischen, auch durch den Einsatz von Maschinen, mehr produzieren (was auch immer). Aber wir müssen nicht denken, damit hätte sich das Problem erledigt. Der Wohlstand einer Volkswirtschaft drückt sich letzten Endes immer aus in produzierten Einheiten von irgendetwas: Waschmaschinen, Bücher, ärztlichen Beratungen (aber nicht: Gesetzestexten)... Mit der Bewertung dieser Leistungen hat das nichts zu tun. Andererseits können nur diese Leistungen an das gesamte Volk verteilt werden. Auch das hat mit der Bewertung der erbrachten Arbeit nichts zu tun. (3) Woraus folgt: wenn Arbeitslose arbeiten, wird ein Volk reicher, als wenn man die vorhandene Arbeit den Leuten wegnimmt, die sie gut ausführen, um Arbeitslose damit zu beschäftigen.Es fehlt an Arbeit. Arbeit gibt es von selbst, wenn unsere Wirtschaft sie zu guten Preisen in neue Produkte und Dienstleistungen verwandeln kann, weil sie (unsere Wirtschaft) damit auch konkurrenzfähig ist. Das ist sie aber nur, wenn jeder solche Zusammenhänge begreift und auch in sein eigenes Leben überträgt. 3. Überlegung: Wie kombinieren wir das?3.1. Seit Jahr und Tag predigen sozial gesinnte Zeitgenossen, daß dem arbeitenden Menschen der Ertrag seiner Arbeit zufließen muß, aber sie nehmen ihm immer mehr von diesem Ertrag ab, um damit Staatsdiener zu füttern, die nicht in allen Fällen volkswirtschaftlich sinnvolle Leistungen erbringen. Wir lesen täglich wie wenig effizient viele staatliche Einrichtungen arbeiten, aber jetzt wollen wir (wenn Herr Hartz sich durchsetzt) noch mehr staatliche Firmen am Markt auftreten lassen. Es bleibt dabei, daß der Bürger weitaus mehr vom Ertrag seiner Arbeit nach eigenem Gusto verwenden können sollte als bisher. Das gehört zu seiner unantastbaren Würde und Integrität. Alles andere ist Schutzgelderpressung. 3.2. Wir hätten nicht die PISA–Studie gebraucht, um zu wissen, daß eine kluge Investition in eine effizient arbeitende Bildung den Wohlstand weitaus mehr erhöht als Investitionen in Betriebsprüfer oder Hilfspolizistinnen. Auch Teilnahme an Schulungen ist Arbeit. Das gilt nicht zuletzt auch für den erschreckend hohen Anteil von Leseschwachen oder Analphabeten in unserer Gesellschaft. 3.3. Im Grunde verhindern viele arbeitsrechtliche Bestimmungen (Arbeits– und Kündigungsschutzregelungen und dergleichen mehr) die rasche Einstellung und Kündigung von Arbeitnehmern. Es scheint der Würde des Menschen mehr zu entsprechen, wenn er zwei Jahre arbeitslos ist – am Stück! –, als wenn er einige Monate arbeiten kann und dann wieder gefeuert wird. E scheint auch volkswirtschaftlich gesünder zu sein, wenn zunehmend weniger Menschen zunehmend mehr für den Unterhalt und die Altersabsicherung der Arbeitslosen arbeiten müssen, anstatt diese Arbeitslosen wenigstens zuweilen, eine Zeitlang jährlich arbeiten zu lassen. Mir erscheint diese Art von Fürsorge zunehmend als eine Form besonders perfider Entmündigung. Wenn man also bedenkt, wie viel getan werden müßte, wie wenig darüber nachgedacht und geredet (oder geschrieben) wird – und wieviel von dem wenigen am Ende auch noch durchgesetzt wird –, dann wird einem schlecht. Vermutlich ist der Leidensdruck immer noch nicht hoch genug, und es ist schrecklich genug, daß solche Gedanken auftauchen.Fußnoten:(1) Und das ist jedenfalls besser, als sinnfreie Blödeleien, z.B. über Werbeplakate oder –spots oder überflüssige Bücher, die mit einem überaus verdünnten Humor verfaßt werden (sowohl die Werbung und die Bücher als auch die Berichte darüber). Die Kommentarspalten in solchen Berichten stehen voll von mehr oder weniger geistreichen Anmerkungen. Anscheinend haben die Leser Angst, der Humorlosigkeit bezichtigt zu werden, wenn sie solchen Quatsch nicht goutieren. Wir warten noch auf das Kind, das ruft: „Aber er (bzw. sie) hat doch gar nichts an.“ So – das mußte mal gesagt werden. Ich habe ein „weniger hilfreich“ verteilt heute für derartigen Schwachsinn. Vielleicht meldet die Autorin sich heute in meinem Gästebuch und verlangt Satisfaktion oder etwas dergleichen. (2) Diese Berufsbezeichnung ist vor fünfzehn Jahren aus dem Verzeichnis der Schlüsselzahlen für Berufe des Arbeitsamtes verschwunden. Seitdem gibt es bei uns keine Schleimer mehr. Das waren übrigens Leute, die die abgezogenen frischen Tierhäute einschleimten, damit sie hinterher gereinigt werden konnten. (3) Weshalb ja auch Lohnerhöhungen nur psychologisch wirken. Jede Lohnerhöhung schmälert den zur Verfügung stehenden Reallohn. Beweis gefällig? Eine Volkswirtschaft produziert eine gewisse Menge von Gütern. Einen Teil davon exportiert sie, um davon Zitrusfrüchte und ausländische Fußballspieler importieren zu können. Nur das, was an solchen Gütern und Dienstleistungen da ist, kann verbraucht werden. Lohnerhöhungen erhöhen nicht die Menge an Gütern und Diensten. Sie verschieben höchstens Kaufkraft. Noch schlimmer: Lohnerhöhungen fügen nicht nur den vorhandenen Gütern und Dienstleistungen nichts hinzu (sie benachteiligen nur die Alten und Schwachen und Waisen, deren Bezüge nicht so schnell zu steigen pflegen wie Löhne und Gehälter); es bleibt auch aufgrund der massiven Steuerprogression zunehmend weniger in der eigenen Tasche hängen. Die Staatsquote steigt; der Staat konsumiert also zunehmend mehr selbst.
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 Trisa
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09.10.2007 01:20
Die von Ihnen gesuchte Person ist kein Ciao-Mitglied mehr. Das Mitgliedsprofil wurde deshalb von der Ciao-Plattform entfernt. jinky gibt es nicht mehr hier - ob es den Artikel noch irgendwo gibt ?
18.11.2004 17:31
Das ist ein Thema, das kann ich nicht so ohne weiteres verdauen, deshalb kopiere ich mir den Bericht in WORD und lese ihn dort ausführlich und verutlich mehrmals. Du hast prima gegliedert und der Bericht ist auch sehr informativ. Ich habe im Februar Umschulung beantragt und bekomme sie erst im herbst 2005, ich falle also in HARTZ IV. Jetzt ist guter Rat teur. Danke für Deinen Bericht.
04.08.2002 12:07
Ein bißchen am Thema vorbei, aber eine interessante volkswirtschaftliche Betrachtung des Arbeitsmarktes. Wichtiger Aspekt wäre aus meiner Sicht auch das Jahresarbeitszeitvolumen.