Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sehr informativ, vollgepackt mit Bildern & Texten, ausgezeichnet gedruckt & übersetzt |
| Kontra: |
hoher Preis; CGI wenig berücksichtigt |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Habe ich auf ein weiteres Begleitbuch zum "Herr der Ringe"-Film gewartet? Eigentlich nicht, aber auf ein solches schon. Hier finde ich nämlich rund 500 Abbildungen (Fotos, Zeichnungen, Gemälde), die zeigen, wie das Gesamtkunstwerk meines derzeitigen Lieblingsfilms in künstlerischer Hinsicht entstand.
Allerdings wird Computergrafik kaum berücksichtigt. Hier geht es "nur" um altmodische Technik wie etwa Kostümierung, Modellbau, Schmiedetechnik und viele, viele Illustrationen.
Wie die Extended-Fassung des Films im November 2002 zeigt, stellt der gezeigte Streifen das Ergebnis einer Auswahl dar, aus einer Vielzahl von Möglichkeiten. Diese Varianten findet man in diesem Buch. Es ist verblüffend zu sehen, was alles möglich gewesen wäre. Und es ist interessant zu erfahren, warum sich Regisseur Peter Jackson gerade für eine Variante entschied.
Im vorliegenden Band geht es nur um den 1. Teil der Trilogie. Der nächste Band ist bereits in Vorbereitung - ein kleiner Hinweis findet sich am Schluss. Wann Klett-Cotta den 2. Band herausbringt, ist noch nicht offiziell, es dürfte aber noch mindestens ein halbes Jahr bis dahin vergehen.
Der Autor
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Gary Russell hatte während der fünfjährigen Vorarbeiten zum Film uneingeschränkt Zugang zu allem künstlerischen Material in den neuseeländischen Studios. Russell hat als Herausgeber eines Magazins, als Romanautor, Kolumnist und Hörspielproduzent gearbeitet. Er kam laut Verlag relativ spät zu Tolkien und dessen Mythologie. Frühere Publikationen beschäftigen sich mit der britischen Science Fiction-Kultserie "Doctor Who" und mit den Simpsons.
Inhalte
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Die Innenseiten des Hardcover-Umschlags zieren jeweils doppelseitige "Breitwand"-gemälde: vorne ist das idyllische Auenland zu sehen, mit den Bergen des Ered Luin im Hintergrund; hinten sehen wir als Kontrastprogramm Frodo und Sam vor Mordor, in einer schaurig-schwarzen Landschaft (Emyn Muil), an deren Grund sich aber eine weiß schillernde Ebene erstreckt, die vielleicht die Sümpfe der Toten darstellt. Über die gesamte Seite zieht sich jeweils die Inschrift des Einen Rings in feurigen Elbenrunen. Die Kommentare zu den zwei Gemälden finden sich auf den Seiten 96 und 97.
Das Titelbild zeigt das Filmplakat: die Gefährten in ihren Booten auf dem Anduin-Strom, vor ihnen ragen die Zwillingsstatuen der Argonath gen Himmel auf.
Vorwort
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Der Autor beschreibt die Entstehung des Buches und bedankt sich bei den Mitwirkenden, die ihm seine Arbeit über fünf Jahre hinweg ermöglicht haben, allen voran natürlich Peter Jackson. Hier sehen wir schon die ersten Entwürfe und Filmfotos: die Gefährten, der Eine Ring.
Einleitung
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Wohl vom Ideengehalt her der wichtigste und interessanteste Teil des Buches! Es mögen zwar nur 5,5 Seiten sein, aber der Text ist in so winziger Schrift gesetzt, dass es sich um ein umfangreiches Kapitel handelt. Hier hat Russell wichtige Interviews eingearbeitet: mit Peter Jackson, mit dem Special Effects Director Richard Taylor, den Designern Grant Major (Production Design), Ngila Dickson (Kostüme), Paul Lasaine (Breitwandgemälde) und vielen anderen. Die einzelnen Mitwirkenden sind auf S. 189 detailliert aufgeführt.
Besondere Bedeutung kommt den beiden Konzept-Designern Alan Lee und John Howe zu, den eigentlichen Ideenlieferanten. Alan Lees HdR-Illustrationen befanden sich zunächst in einer britischen Jubiläumsausgabe des "Herr der Ringe", auf die sich das komplette Produktionsteam stützte und die auch die Schauspieler lesen mussten. Lee lieferte beispielsweise das Design für Elronds Haus Bruchtal. Howe lieferte u.a. das Design für Gandalf, den grauen Wanderer (Mithrandir).
Als Illustration der Einleitung dienen die Entwürfe für die Vorspannsequenz: das Schmieden des Einen Rings.
Für alle folgenden Kapitel gilt das gleiche Aufbauprinzip: ein bekanntes Endmotiv aus dem Film, eventuell ein Detail daraus und dann mehrere Entwürfe für Einzelaspekte, besonders wenn es sich um einen Schauplatz handelt.
Schauplätze
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Am Anfang steht, wie erwähnt, Bruchtal (Lee), und gleich danach kommen Hobbingen und Beutelsend, Bilbos gemütliches Höhlenhaus (von Howe). Während Bilbos Fest sehen wir mehrere CGI-Entwürfe von Gus Hunter - natürlich auch den fantastischen Drachen.
Weitere Schauplätze: Bree (Illustrationen), Wetterspitze (Filmfotos, Modelle), Isengard (sehr umfangreich), Bruchtal. Bruchtal ist insofern interessant, weil es sich von allen anderen Bauten unterscheidet: Die Bäume wachsen durch das Haus hindurch! Das Wasser umspült alle Gebäude. Und so eignet diesem Ort ein völlig anderer Charakter als allem, was wir auf der Erde kennen. Das Gleiche gilt natürlich, in geringerem Maße wohl, auch für Moria und Lothlorien. Daher sind die Entwürfe extrem interessant, zu denen die Designer (allen voran Lee) jeweils informative Kommentare beigefügt haben.
Zuweilen zeigen die Bildstudien bizarre Effekte, so etwa in Paul Lasaines Farbstudie für die Stadt in den Bäumen: Hier scheinen Zeichenstriche Alan Lees noch in einer einkopierten Filmszene hindurch, ergänzt durch Übermalung in Adobe Photoshop - digitale Bildverarbeitung macht's möglich.
Das Ende dieses Abschnitts steht paradoxerweise der Anfang des Films: die Schlacht gegen Sauron. Es bietet sich an, den entsprechenden Sauron-Abschnitt im Kapitel "Rüstungen" zu lesen.
Kostüme
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Einer der Gründe, warum Peter Jacksons Film sich von gewöhnlichen Fantasy- und Ritterfilmen unterscheidet, besteht darin, dass die Schauspieler ganz anders gekleidet und ausstaffiert sind. Jedem Volk wurden charakteristische Köstümdesigns zugewiesen. Und wie die zuständigen Künstler zugeben, war es manchmal gar nicht einfach, die richtigen variationen herzustellen - so etwas gab es bislang auf der Erde noch nicht.
Ich fand dieses Kapitel nicht sonderlich aufregend. Dem fertigen Filmkostüm sind jeweils ausgearbeitete Entwürfe für die Hauptfiguren beiseite gestellt, abgerundet durch Kommentare.
Rüstungen
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Hier sehen wir nicht nur zahlreiche Waffen von Elben, zwergen und Sauron, sondern auch die dazugehörigen Rüstungen. Bemerkenswert ist v.a. der Detailreichtum, mit dem Nebenfiguren wie Elendil und Gil-Galad, die in der Anfangssschlacht auftauchen, ausgestattet sind. Die Entwürfe stammen von Daniel Falconer und ben Wootten. Falconer entwarf diverse Wappen-Embleme für die einzelnen Elben (Gilgalad, Galadriel, Elrond, Cirdan, Glorfindel); sie knüpfen an Tolkiens Entwürfe für das "Silmarillion" an, etwa für Feanor oder Luthien.
Am interessantesten sind die Entwürfe für Saurons kantige schwarze Rüstung, seinen verhüllenden Helm und seinen Streitkolben.
Kreaturen
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Es ist kaum zu glauben, wie viele Varianten von Orks sich die Jungs aus Neuseeland haben einfallen lassen. Es dürften an die 20 sein: große, kleine, mickrige - allesamt abstoßend. Danach die ebenso unappetitlichen Uruk-hai Isengards sowie die Stein- und Höhlentrolle.
Höhepunkte dieses Kapitels sind sicherlich der Wächter vor den Toren Morias (der Krake) und das Verhängnis Gandalfs: das Balrog, der Feuerdämon aus Mittelerdes Urzeit. Dessen Modelle und Masken dürften zum Furchterregendsten des ganzen Buches gehören. Aber hatte es nun Flügel oder keine? Da Tolkien sagte, dass da "Schatten waren, wie Flügel", entschied Jackson, dass da Flügel hätten sein können. Also kommt sein Balrog mit Flügeln, Flammen und Peitsche daher. Entsprechend eindrucksvoll sieht so ein Actionentwurf dann aus.
Mein Eindruck
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500 exklusive Entwurfsskizzen und Fotos aus dem Film sind zu bestaunen und zu "verdauen". Man sollte sich einfach zwei Stunden Auszeit nehmen, sich zurücklehnen und in eine andere Welt entführen lassen. Trotz dieser Bilderflut bleibt die eigene Vorstellungskraft unbeeinträchtigt, wie ich finde. Denn die vielen Varianten sagen unausgesprochen: "Das, was man im Film zu sehen bekommen, ist nur eine individuelle Auswahl. Wie du dir das Ganze vorstellst, ist genauso berechtigt wie das hier Gezeigte. Denn der Film könnte auch ganz anders aussehen." Wie sich ja schon an Jacksons Änderungen der Story zeigt.
Die fotografische und drucktechnische Wiedergabe sind von ausgezeichneter Qualität. Die Kommentare etc. sind von Hans J. Schütz einwandfrei übersetzt, obwohl eigentlich Wolfgang Krege als "der" Tolkien-Experte gilt. Der Preis für solch ein Werk ist keineswegs zu hoch; Kunstbände sind weitaus teurer.
Für wen sich das Buch eignet
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Dieses Buch will sicher jeder haben, der sich ernsthaft mit dem Film und vielleicht auch mit Tolkiens Roman auseinandersetzt. Es gewährt ja einen Blick hinter die Kulissen, aber in künstlerischer Hinsicht. Und so liefert es eventuell dem einen oder anderen Fantasykünstler Ideen und Anregungen, sei er nun ein Designer für Computer- oder Konsolen-Spiele, Rollenspiele oder gar Filme.
Denn dies hier ist der "Stand der Technik", was die Konzepte angeht. Im Computer werden die Dinge nicht entworfen, sondern ausgearbeitet, verfeinert, koloriert usw. Was wir hier sehen, sind die ursprünglichen Grundlagen des Production Designs: Die Ideen, mit denen dann CGI-Bearbeiter, Schneider, Bühnenbauer, Schmiede und all die anderen Handwerker als Grundlage arbeiten.
Insofern stellt ein solches Buch einen Meilenstein auf dem Weg der Weiterentwicklung des Fantasyfilms dar. Jacksons "Lord of the Rings", ausgezeichnet mit seinen Oscars etc., setzt ja bereits jetzt Maßstäbe, und künftige Filmemacher werden sich daran messen lassen müssen. Wie armselig und unglaubwürdig sieht doch bereits jetzt der Film "Dungeons and Dragons" aus!
Wer das Buch nicht braucht
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Wer nur Spaß an einer guten Fantasystory sucht, braucht das Buch nicht - dem reichen das Buch (schon schwer genug zu lesen) und der Film. Man kann ja das gesparte Geld in die DVD mit all ihren Making-ofs und "Featurettes" investieren und so fünf schöne Stunden verbringen (drei für den Film, zwei für die Extras).
Michael Matzer (c) 2009ff
Info: Lord of the Rings - The Art of The Fellowship of the Ring, 2002; Klett-Cotta 08/2002, Stuttgart; 192 Seiten, EU 29,50, aus dem Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93331-X
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Bewertung für Der Herr der Ringe - Die Gefährten: Die Erschaffung eines Filmkunstwerks / Gary Russell von
Prisca
Pro: fast "nur" Bilder - und trotzdem sooo informativ - tolle Ausstattung
Kontra: teuer ist es schon, aber ...
...Heute soll es mal wieder um ein Buch gehen – aber um ein ganz besonders Buch
HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN
Nein, nein, nicht gleich entnervt wegklicken und denken: jetzt schreibt die auch noch einen Bericht über diesen Roman! Gibt es denn nicht sch ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
26.01.2004
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Eigentlich gut, aber Knzentration ist gefragt!
Bewertung für Der Herr der Ringe - Die Gefährten: Die Erschaffung eines Filmkunstwerks / Gary Russell von
Fussyli
Pro: sehr viele details
Kontra: langwärig und leider auch sehr teuer
Das Buch Herr der Ringe und hierbei meine ich das dreier Set, das es zu kaufen gibt, hat mich ziemlich viel Zeit gekostet es zu lesen. Teilweise fand ich es ziemlich anstrengend, aufgrund der vielen Personen, die am Anfang auftauchen. Ansonsten ist dieses ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als nicht hilfreich |
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03.11.2003
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