Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare

Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare

Gesamtbewertung Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare 3 Erfahrungsberichte lesen | Erfahrungsbericht schreiben | Frage stellen | Produkt zur Liste hinzufügen

... Der aber erklärt, warum Shylock ist, wie er ist - und er macht ihn zu einer Figur, die es wert wäre, auf der Bühne gezeigt zu werden. Shylock ist nämlich, wie fast alle großen Shakespeare-Charaktere, kein Klischee (wie besagter Nathan, mit dem Lessing dem damals schon allgegenwärtigen ... Bericht lesen





Bitte warten ....
Dieses Produkt bewerten:  
 

Das könnte Sie interessieren
Villette / Charlotte BrontëVillette / Charlotte Brontë

ISBN: 9783866477063, 9783655087589 - Verlag: MVB E-Books

Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten

Zum Angebot für € 4,50

Grundriss der deutschen Grammatik - Band 1: Das Wort / Peter Eisenberg

ISBN: 9783476021601 - Verlag: Metzler, J B

Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten

Zum Angebot für € 19,95

Stowasser - Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch / Josef M. Stowasser, M. Petschenig, F. SkutschStowasser - Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch / Josef M. Stowasser, M. Petschenig, F. Skutsch

Gebundene Ausgabe - ISBN: 9783486134056 - Verlag: Oldenbourg Schulbuchverlag

 33 Testberichte

Zum Angebot für € 24,95

Literaturwissenschaft - Begriffe - Verfahren - Arbeitstechniken / Ralf KlausnitzerLiteraturwissenschaft - Begriffe - Verfahren - Arbeitstechniken / Ralf Klausnitzer

ISBN: 9783110180237 - Verlag: De Gruyter

Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten

Zum Angebot für € 19,95

Sprecherzieherisches Elementarbuch / Heinz FiukowskiSprecherzieherisches Elementarbuch / Heinz Fiukowski

Taschenbuch - ISBN: 9783110233735, 9783110233773 - Verlag: De Gruyter

Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten

Zum Angebot für € 29,95

Einführung in die Dramenanalyse / Bernhard Asmuth

ISBN: 9783476171887 - Verlag: Metzler, J B

Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten

Zum Angebot für € 14,95


 


   
Der Fall Shylock
Erfahrungsbericht von sycorax über Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare
22.10.2000


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Eine (wohlgelungene) Predigt für Toleranz und Anerkennung
Kontra: -  -

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

In England gehört der "Kaufmann von Venedig" (Originaltitel "The Merchant of Venice") immer noch zu den viel gespielten Shakespeare-Stücken. Fast jeder der "großen" Shakespeare-Darsteller der letzten Jahrzehnte glänzte einmal in der Rolle der Titelfigur Shylock - angefangen vom unvergessenen Lord Laurence Olivier (ein sehr "prachtvoller" Shylock) über Sir John Gielgud (wohl ein eher näselnder Shylock), Peter O'Toole (ein sehr junger Shylock - er spielte ihn nämlich vor "Lawrence of Arabia") bis hin zu den "moderneren" wie zum Beispiel Patrick Stewart (der dafür einen Olivier-Award bekam).

In Deutschland aber wird der "Kaufmann von Venedig" kaum gespielt - was bestimmt nicht daran liegt, dass es ihm an "Unterhaltungswert" oder Bühnenwirkung gebrechen würde, sondern wohl hauptsächlich daran, dass die oh-so-mutigen deutschen Theatermacher offenkundig Fracksausen haben. Mit dem "Kaufmann von Venedig" kann man sich nämlich politisch wunderbar in die Nesseln setzen, weil Shakespeare sich mit dem Shylock eine Figur hat einfallen lassen, der es leider, leider an "political correctness" gebricht. Shylock ist Jude und er ist Kaufmann und er ist wie wild hinter Geld her - so weit gehend, dass er von einem "Kunden", dem er Geld leiht, verlangt, bei nicht rechtzeitiger Bezahlung ein Pfund seines Fleisches aus ihm herausschneiden zu dürfen. Das ist, selbst daran gemessen, was heutzutage die Banken mit uns Kunden veranstalten, ziemlich grausam. Und auch im Umgang mit seiner einzigen Tochter zeigt sich Shylock nicht gerade als kleiner Bruder des oh-so-guten deutschen Lieblings-Theaterjuden Nathan (den ich persönlich immer stinklangweilig, weil nur gut fand), sondern eher als ziemlich unsympathische Figur.

Das hat ihm dereinst einen Mißbrauch eingebracht, den Shakespeare, stets auf Seiten der "Außenseiter" (wie er auch mit seinem "Othello" bewies) sicher nicht im Sinn gehabt hat. Die Nazis haben den "Kaufmann von Venedig" nämlich gerne aufgeführt - allerdings haben sie dabei Shakespeare etwas "bearbeitet", in dem sie kurzerhand Shylocks großen Monolog gestrichen haben. Der aber erklärt, warum Shylock ist, wie er ist - und er macht ihn zu einer Figur, die es wert wäre, auf der Bühne gezeigt zu werden.

Shylock ist nämlich, wie fast alle großen Shakespeare-Charaktere, kein Klischee (wie besagter Nathan, mit dem Lessing dem damals schon allgegenwärtigen Antisemitismus eines auswischen wollte, wobei er in einen Philosemitismus verfiel, der fast genauso unangenehm ist), sondern ein Mensch - und er ist ein Mensch, der uns im Stück nicht nur als die Person begegnet, die er nun, zum Zeitpunkt der Handlung, ist, sondern der uns Einblicke in seine Biographie gewährt. Shakespeare, für mich der Meister der Psychologie, läßt seinen Shylock erklären, was ihn zu dem geizigen, kalt wirkenden Egoisten gemacht hat. Auf die Frage, warum er denn das Stück Fleisch haben will, antwortet - ach, was er schreit fast es hinaus: "Er hat mich beschimpft, mir 'ne halbe Million gehindert; meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein Volk geschmäht, meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde verhetzt. Und was hat er für einen Grund? Ich bin ein Jude."

Und damit haben wir den Grund für seine Verbitterung: Shylock ist der Außenseiter, der immer geschmäht und verachtet war. Er hängt am Geld, weil es seine einzige Chance ist, etwas "Anerkennung" oder doch zumindest Sicherheit vor der Verfolgung zu bekommen. Doch je mehr er an seinem Geld hängt, desto unbeliebter wird - ein Teufelskreis, aus dem er sich auch mit seiner Anklage an die Christen nicht mehr retten kann. Doch uns, sein Publikum, rührt er damit: "Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterweorfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer, als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns bleeidigt, sollen wir uns nicht rächen?"

Ich denke, diese Rede, die dereinst von den Nazis aus dem Stück gestrichen wurde, macht den "Kaufmann von Venedig" heute wieder so aktuell und wichtig, dass man ihm jede Menge Aufführungen an deutschen Bühnen wünschen würde. Er ist ein "modernes" Stück - nicht nur in seiner Frage nach Toleranz und gleichen Rechten für Andersgläubige und -stämmige, sondern übrigens auch - wie so oft bei Shakespeare - in seiner Einstellung Frauen gegenüber. Shylocks "Gegenspieler" ist nämlich nicht eigentlich der Bassanio, dem er das Geld geliehen hat. Der bleibt bläßlich. Wer Form und den Prozess gegen Shylock gewinnt, ist Portia, die schöne, von ihren Verehrern reichlich gelangweilte, daher manchmal kapriziöse Tochter aus gutem Hause. Sie tritt vor des Dogen Gericht gegen Shylock an - und sie schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen: Wortwitz und Eloquenz.

Ihre Szenen mit ihm rechtfertigen, dass der "Kaufmann von Venedig" im Shakespeare-Canon unter "Komödien" gelistet wird. Und auch wenn uns das Thema sehr ernst erscheint: Der große Meister Shakespeare, der Theatermann mit Leib und Seele war, macht uns darin lachen, schmunzeln und nachdenken. Darum bekommt auch der "Kaufmann von Venedig" meine 100 %-Empfehlung.

Und als kleiner Tipp wie immer zum Lesen: Wenn nicht das Original (mir am liebsten in der hervorragend kommentierten Arden-Ausgabe), dann bitte die Übertragung von August Wilhelm Schlegel. Und für die, deren Englisch sehr gut ist und die etwas über die Interpretation wissen wollen: In "Players of Shakespeare, Volume I" gibt es ein Essay von Patrick Stewart über "seinen" Shylock.    
weitere Erfahrungsberichte
Ist das ein Mensch Fragezeichen
Bewertung für Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare von Wallace-Gromit

Pro: deutliche Sprache gegen Willkür und Machmissbrauch
Kontra: *

"Wenn ihr mich schlagt, so blute auch ich." So oder so ähnlich könnte man die Quintessenz des großen Monologs Shylocks, des Kaufmanns zu Venedig, auffassen. In diesem bilderreichen und moralischen Drama, das Shakespeare am Ende des 16. Jahrhundert schrieb ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
sehr hilfreich

06.11.2000
A pound of flesh
Bewertung für Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare von bella2081

Pro: s.T
Kontra: -

...Biographie: William Shakespeares wurde am 23.April 1564 in Stradford on Avon geboren. Auch wenn er als einer der größten Literaten der englischen Literatur gilt so weiß man relativ wenig über sein Leben.Sein Vater, John S. wurde 1565 zum Stadtrat ge ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
sehr hilfreich

14.05.2001

Vergleichen Sie Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare mit anderen ähnlichen Literatur- & Sprachwissenschaft

ähnlich
()
ähnlich nach Format
(Gebundene Ausgabe)
(*) Meinungen von Ciao Mitgliedern


Sind Sie Hersteller/Anbieter von Der Kaufmann von Venedig - aus: [Dramatische Werke] Shakspeare's dramatische Werke, Bd. 5 / William Shakespeare ? Klicken Sie hier