Ist das ein Mensch Fragezeichen
6. Nov 2000
Pro:
deutliche Sprache gegen Willkür und Machmissbrauch
Kontra:
*
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Wallace-Gromit
Über sich:
Heut' ist der letzte Tag dieser Welt. Also geb'n Se mir noch schnell Ihr Geld. Denn es ist Aschermit...
Mitglied seit:02.10.2000
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Vertrauende:30
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Wenn ihr mich schlagt, so blute auch ich." So oder so ähnlich könnte man die Quintessenz des großen Monologs Shylocks, des Kaufmanns zu Venedig, auffassen. In diesem bilderreichen und moralischen Drama, das Shakespeare am Ende des 16. Jahrhundert schrieb, werden Gesetz und Ordnung der ständischen Gesellschaft hinterfragt. Der Jude muss, wie so oft in der Geschichte, büßen für die Verfehlungen anderer. Der Kaufmann darf bürgen, er ist wohlgelitten als Finanzier, doch gesellschaftlich bleibt er ein Außenseiter im spätmittelalterlichen Venedig, ein Mensch zweiter Klasse. Das Menschsein an sich wird ihm von denen abgesprochen, die eigentlich in seiner Schuld stehen. Erst wird er seines Geldes beraubt, das er dem unvorsichtigen, jungen Geschäftsmann Antonio geliehen hat. Dieser hatte es seinem besten Freund Bassanio geliehen, der damit ein riskantes Schiffahrtsunternehmen finanzieren wollte. Nach dessen Scheitern wird der alles andere als einsichtige und uneigennützige Antonio wortbrüchig. Finstere Intrigen werden gegen Shylock gesponnen. Die Justiz zeigt sich korrupt und völlig parteiisch. Da das Geld nicht zurückbezahlt werden kann, muss der Jude büßen. Auch seine eigene Tochter, Jessica, verschwört sich gegen ihn.
Ausgerechnet den Betrüger, der ihren Vater so betrogen hat, muss sie begehren. In einem falschen Tribunal werden Shylock alle Rechte abgesprochen. Auch dass er sich als Mensch unter Menschen zeigt, nutzt ihm wenig. Schändlich ist sein endgültiger Ausschluss aus der venezianischen Gesellschaft. Dieses Drama steuert mit mit seinem gebrochenen Helden Shylock auf ein klares Ziel zu. Vorurteile und Antisemitismus machen einen Unrechtsstaat aus, der keine gleichen Rechte für seine Bürger kennt und in dem Willkür und Korruption herrschen. Eine klare Anklage gegen Rassismus und Diskriminierung, die bis heute an Aktualität nicht eingebüßt hat. Denn wie Shylock vergeblich um seine Rechte kämpft, so ergeht es auch heute vielen. In Unrechtsregimen überall auf der Welt, und vielleicht sogar auch bei uns.
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24.11.2000 11:32
Mal wieder ne gute Literaturkritik, uch wenn ich das Buch selber nicht kenne, es gibt viel Literatur mit dem gleichen Problem. Ich habe in der Schule mal eins gelsen "Gebrüder Oppermann" . Gruß Lunaticus
19.11.2000 01:16
Habe das Buch vor vielen Jahren gelesen, und hab nicht, wie du hinterfragt. Wäre vielleicht sinvoll gewesen. Ich bezeichne mich als völlig neutral. Aber die Angelegenheit der Juden, ist ein unerschöpfliches Thema, welches heute noch so aktuell, wie vorgestern sein wird.
07.11.2000 10:23
"Oh then I see Queen Mab hath been with you !" I really like your style.