Der Kuss der Schlange - Thriller / Jonathan Nasaw

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Der Kuss der Schlange - Thriller / Jonathan Nasaw

Was passiert, wenn ein Serienkiller die ideale Partnerin findet? Lily leidet unter einem schweren Kindheitstrauma und flüchtet manchmal in fremde Pers...

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67% positiv

6 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "Der Kuss der Schlange - Thriller / Jonathan Nasaw"

veröffentlicht 06.11.2012 | MissVega
Mitglied seit : 28.02.2007
Erfahrungsberichte : 1215
Vertrauende : 135
Über sich :
Duden-Tourette! Waschnüsse!
Durchschnittlich
Pro Einige gelungene Psycho-Sequenzen
Kontra Überwiegend langweilig
sehr hilfreich
Leserschaft
Niveau
Stil
Unterhaltungswert
Spannung

"Bad, Worse, Maxwell"

Buchcover

Buchcover

Jonathan Nasaw - Der Kuss der Schlange
Taschenbuch
444 Seiten
EUR 8,95

Jonathan Nasaw ist ein recht umtriebiger Thriller-Autor. Der bereits 65jährige Kalifornier hat sein erstes Buch bereits 1987 veröffentlicht. In Deutschland ist er mit der Thrillerreihe um FBI-Agent E. L. Pender bekannt geworden, der seinen ersten Fall 2001 in „Die Geduld der Spinne“ löste. Darauf folgten 2003 „Angstspiel“, 2004 „Seelenesser“, 2007 „Der Kuss der Schlange“ und 2010 schließlich „Der Sohn des Teufels“.

In „Der Kuss der Schlange“ spinnt Nasaw die Geschichte um den psychopatischen Serienmörder Ulysses Maxwell aus „Die Geduld der Spinne“ weiter. Da ich „Die Geduld der Spinne“ mit Begeisterung gelesen habe, war ich sehr gespannt auf die mörderische Fortsetzung. Ulysses Maxwell ist wohl einer der abscheulichsten Serienkiller der Belletristik, was Nasaw in seinem ersten Buch über Maxwell eindrucksvoll darlegt. Da der Killer unter einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) leidet, „wohnten“ sozusagen verschiedene Persönlichkeiten (so genannte Alter-Identitäten, kurz Alters) in seinem Körper, die alle unterschiedliche Facetten von Ulysses’ Charakter darstellten. Das machte die Geschichte unglaublich spannend, weil man nie genau wusste, was als nächsten passieren wird, da man immer darauf gefasst sein musste, dass ein anderes Alter die Führung in Ulysses’ Gehirn übernimmt und so den Fortgang der Geschichte immer wieder in eine andere Richtung lenken konnte.

Leider gelingt es Nasaw in der Fortsetzung nicht, einen ebenso spannenden und facettenreichen Roman abzuliefern. „Der Kuss der Schlange“ wirkt wie ein müder und bemühter Aufguss des Originals, der bei weitem nicht so spannend und psychologisch ausgefeilt ist wie der erste Teil. Darüber hinaus präsentiert der Autor eine der unglaubwürdigsten und überflüssigsten Liebesgeschichten der Thriller-Geschichte, auf die man gerne verzichtet hätte. Man kann „Der Kuss der Schlange“ auch ohne Vorkenntnis des ersten Romans um Ulysses Maxwell lesen, da an verschiedenen Stellen immer wieder erklärt wird, was vorher passiert ist. Ich würde allerdings empfehlen, „Die Geduld der Spinne“ dennoch vorher zu lesen…bzw., nur den ersten Teil zu lesen. Die Geschichte ist in „Die Geduld der Spinne“ eigentlich auserzählt, was das Sequel nicht unbedingt glaubwürdiger macht.

Ulysses Maxwell ist nach den entsetzlichen Morden, die er, bzw. seine Alter-Identitäten Max und Kinch begangen haben, in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt untergebracht, in der er von Dr. Corder therapiert wird. Diesem ist es scheinbar gelungen, Ulysses’ „böse“ Identitäten zu vertreiben und nur den unschuldigen, sympathischen Lyssy präsent sein zu lassen. Doch Lyssy hört tief in seinem Inneren schon wieder Stimmen, die die Herrschaft über seinen Körper und Geist übernehmen wollen und versucht verzweifelt, Folterknecht und Psychopath Max nicht wieder die Oberhand gewinnen zu lassen. Als die junge Lily in die Klinik eingeliefert wird, die ebenfalls unter einer DIS leidet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn auch Lily beherbergt mindestens zwei weitere Persönlichkeiten in ihrem Körper, von denen eine, Lilith, ähnlich skrupellos und brutal wie Max ist. Als die beiden Psychopathen die Gewalt über Lyssys und Lilys Geist und Körper übernehmen können, brechen sie aus der Anstalt aus und hinterlassen dabei ein grausiges Blutbad. Was bleibt dem mittlerweile pensionierten FBI-Agenten Pender und der Psychiaterin Dr. Irene Cogan, die sowohl Ulysses als auch Lily behandelt hat, anderes übrig, als ihre Verfolgung aufzunehmen? Denn die beiden Irren haben mehr als nur eine Rechnung offen und brennen darauf, diese zu bezahlen…

Was „Der Kuss der Schlange“ fehlt, ist schlicht eine spannende Handlung. Der vollkommen durchgeknallte Psychopath Max, der mithilfe von Ulysses’ Körper die grausamsten Verbrechen begangen hat, hat hier nur ein paar Gastauftritte, während der gutmütige, naive Lyssy größtenteils die Hauptrolle spielt. Dieser versucht, sich seiner brutalen Alters zu entledigen, woran er aber immer wieder scheitert. Betritt erst einmal Max die Bühne, wird es im Ansatz so spannend und fies wie in „Die Geduld der Spinne“. Recht gut ist Nasaw auch hier wieder der Alter-Wechsel gelungen, da man als Leser zwar mitbekommt, wenn Lyssy seine Identität wechselt, aber dennoch mitfiebern kann, ob er dies vor seiner Umwelt verbergen kann. Ähnlich geht es einem bei der jungen Lily, wenn deren Unter-Ich Lilith von ihr Besitz ergreifen will. Leider sind die netten Charaktere Lyssy und Lily ziemlich langweilig und es interessiert einen kaum, was sie so umtreibt oder wie sie sich verhalten. Da Nasaw diesen beiden Charakteren aber weite Strecken seiner Handlung überlässt, kommt die Geschichte nur sehr langsam in Fahrt bzw. wird immer wieder von langen Passagen über die harmlosen Alters ausgebremst.

Und als wäre das noch nicht genug, entwirft Nasaw eine vollkommen unglaubwürdige romantische Nebenhandlung um den alten, fetten FBI-Agenten in unmöglichen Klamotten und die mindestens 20 Jahre jüngere, emotional zugeknöpfte und wie üblich latent traumatisierte Psychiaterin, die so unerotisch wie überflüssig ist. Weitere Unglaubwürdigkeiten verwässern das Spannungspotenzial der Geschichte zusätzlich (warum fliehen die beiden Psychos ausgerechnet an einen Ort, wo man praktisch als Erstes nach ihnen suchen würde? Besonders, da Nasaw Max einen so hohen IQ angedichtet hat, dass dieser kaum noch messbar ist?), so dass die 444 Seiten oft eine ganz schöne Quälerei sind. Schmerzlich vermisst man die kontinuierlich ansteigende Spannungskurve aus dem ersten Teil und die psychologische Vielfältigkeit der Protagonisten, die hier auf jeweils eine gute und eine böse Identität festgelegt werden. Es gibt ein paar Morde, ein paar wenige sadistische Sequenzen und ansonsten nur viel Gerede, überflüssige Side-Plots und langatmige Verfolgungsjagden, in denen die Alters manchmal so schnell wechseln, dass jegliche Glaubwürdigkeit verloren geht.

Dennoch gelingt es Nasaw ab und an ganz gut, die moralische Verwerflichkeit und das abgrundtief Schlechte seiner beiden Protagonisten zu skizzieren. Darüber hinaus erklärt er schlüssig, wie es überhaupt zu solch einer dissoziativen Identitätsstörung kommt. Dieser geht in der Regel schwerster Missbrauch in der Kindheit voraus, den Nasaw zwar nur andeutet, der dem Leser aber dennoch den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagt. Auch sind einige plötzliche Alter-Wechsel wirklich unheimlich und man kann zumindest streckenweise mitfiebern, wen es wohl als nächstes erwischen wird bzw. ob der Identitätswechsel bemerkt wird. Wenigstens ist das Ende richtig schön fies, da kann sich der Leser wenigsten einmal kurz schadenfroh die Hände reiben, muss dann allerdings auch noch einen schmalzigen Schlag in den Nacken hinnehmen.

Alles in allem kann ich „Der Kuss der Schlange“ nicht wirklich empfehlen. Für die, die den Vorgänger gelesen haben, wird der Fortgang der Geschichte sowohl stilistisch als auch spannungstechnisch eine Enttäuschung sein. Denen, die „Die Geduld der Spinne“ nicht kennen, fehlt es an erklärendem Hintergrundwissen, auch, wenn ab und zu auf die Ereignisse des Prequels eingegangen wird. Beide Fraktionen bekommen einen über weite Strecken belanglosen und langatmigen Thriller ohne Bösewichte, der zudem mit unwichtigen und dämlichen Nebenhandlungen nervt. Dafür, dass Nasaw hier zwei vollkommen durchgeknallte und ultrabrutale Monster ohne Gewissen und Moral auf eine mit Vergeltungsschlägen gespickte Flucht schickt, bleibt „Der Kuss der Schlange“ erstaunlich zahm und ist über weite Strecken eher Psychostudie und Kampf gegen das eigene Böse als adrenalingetränkter Spannungs-Thriller mit schockierenden Details. Deshalb leider nur zwei von fünf anderen Identitäten, die das Buch aber auch nicht spannender finden dürften und eine Empfehlung für „Die Geduld der Spinne“, einen wirklich spannenden und bösen Horror-Thriller.

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 423 mal gelesen und wie folgt bewertet:
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Sendorra veröffentlicht 27.11.2012
    Gut, Spinnen: ja; Schlangen: nein. Check!
  • waugl veröffentlicht 15.11.2012
    Bh + Lg Irene
  • Fliegmaus32 veröffentlicht 11.11.2012
    O je. Das Buch hab ich vor ein paar Jahren mal gelesen - heute frag ich mich, wieso eigentlich. Brrrrrrr.
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Produktdaten : Der Kuss der Schlange - Thriller / Jonathan Nasaw

Produktbeschreibung des Herstellers

Was passiert, wenn ein Serienkiller die ideale Partnerin findet? Lily leidet unter einem schweren Kindheitstrauma und flüchtet manchmal in fremde Persönlichkeiten. In einer psychiatrischen Klinik lernt sie den Serienkiller Maxwell kennen, dem nach seiner Heilung der Prozess gemacht werden soll. Dabei droht ihm die Todesstrafe. In Lily findet er eine kongeniale Partnerin. Da beide noch einige Rechnungen offen haben, planen sie die Flucht. Eine beispiellose Mordserie beginnt.

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - flexibel (Paperback)

Erscheinungsdatum: 2007

Seitenzahl / arabisch: 448

ISBN: 3453432533

EAN: 9783453432536

Titel: Der Kuss der Schlange

Untertitel : Thriller

Übersetzer: Sepp Leeb

Sprache: Englisch

Sprache: Deutsch, Englisch

Höhe: 187 mm

Breite: 118 mm

Lieferstatus: lieferbar

Titel in Originalsprache: When she was bad

Verlag: Heyne

Kategorie: Belletristik / Spannung

Medium: Taschenbuch

Autor: Jonathan Nasaw

Biographische Notiz: Jonathan Nasaw lebt in Pacific Grove, Kalifornien. Mit "Die Geduld der Spinne" schaffte er es auf Anhieb in die Bestsellerlisten.

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 14/06/2013