Schuldig im Sinne der Durchschnittlichkeit
08.02.2012
Pro:
Öh . . . warte . . . na ja, kein völliger Reinfall
Kontra:
Aber fast
Empfehlenswert:
Nein
 MissVega
Über sich:
Endlich wieder Hamburg-Stammi! Am 20. Juli 2013! ;-) Im Juli London, im August Las Vegas - Hawaii - ...
Mitglied seit:28.02.2007
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 69 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Der Mandant" ist einer dieser Filme, die neben ihrer Durchschnittlichkeit nur noch durch ihre ideenarme Umsetzung hervorstechen. Die Story ist leidlich spannend, die Umsetzung stereotyp und das Auffallendste an Hauptdarsteller Matthew McConaughey ist neben der komischen Schreibweise seines Nachnamens seine Selbstverliebtheit. Am Einfallslosesten ist aber wohl der deutsche Titel des Films, der im Original erstaunlich originell daherkommt. "The Lincoln Lawyer" bezieht sich hier nicht auf den ehemaligen amerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern auf das Auto unseres Winkeladvokaten, das ihm größtenteils als Büro dient. Dadurch wird der Film allerdings auch nicht besser, wenngleich die Handlung, zumindest für ungeübte Seher dieses Genres, ein, zwei kleine überraschende Wendungen birgt. Für all diejenigen, die sich im Thriller-/Crime-Genre wie zu Hause fühlen, sind diese Wendungen leicht vorherzusehen und somit nicht minder ärgerlich als der Rest dieses Law & Order-B-Movies. Mick Haller (Matthew, "Ich-zeige-meinen-tollen-Körper-und-das-hohle-Lächeln-meist-nur-in-albernen-Romantikkomödien" McConaughey), seines Zeichens schmierlappiger Verteidiger mit recht kreativer Auslegung von Wahrheit und eigenwilliger Berechnung der eigenen Honorare, tätigt seine Geschäfte aus einem Lincoln heraus, in dem er sich von Earl (Laurence Mason, "Prison Break") rumchauffieren lässt. Durch den ebenfalls schmierigen Kautionsvermittler Val Valenzuela (Pornoname! - John Leguizamo, "Spun") gerät Haller an seinen nächsten Mandanten, den reichen Immobilienmakler Louis Roulet (Ryan Phillippe, "Eiskalte Engel", "The Bang Bang Club"), der eine Prostituierte vergewaltigt und fast getötet haben soll. Bei der Fallrecherche mit seinem Ermittler Frank Levin (William H. Macy, "Fargo") stößt Haller allerdings schnell auf gefährliche Ungereimtheiten und Spuren, die zu einem bereits verurteilten Mörder führen, den Haller einst verteidigt hatte. Und alsbald ist nicht nur Hallers Leben in Gefahr, sondern auch das seiner Ex-Frau Maggie (Marisa Tomei, "The Ides of March") und seiner Tochter.
Regieneuling Brad Furman, der mit "Der Mandant" erst seinen zweiten Langfilm abliefert, verzettelt sich in satten 118 Minuten im langatmigen Drehbuch von John Romano ("Ein unmöglicher Härtefall", "Das Lächeln der Sterne"), das wiederum auf einem Roman von Michael Connelly basiert. Besonders der Nachklapp nach dem eigentlichen Showdown zieht sich unnötig in die Länge und schlägt ein paar wirklich überflüssige Haken, die man ruhig etwas eleganter und nicht im Hauruck-Verfahren hätte auflösen können. Immerhin stand hier ein Budget von geschätzten 40 Millionen Dollar zur Verfügung, da hätte man doch nun wirklich nicht alles in Gage und Haargel für Herrn McConaughey investieren müssen, sondern lieber John Romano ein paar Nachhilfestunden im schnittigen Drehbuchschreiben gönnen sollen. Darüber hinaus schlage ich irgendwann einfach allen Kameramännern die wackelnde Handkamera aus den Klauen, weil dieser pseudokreative Wackel-Blickwinkel für mich Dilettantismus ist und bleibt. Irgendwie wirkt an diesem Film alles latent bocklos. Der Regisseur wurschtelt sich langatmig und uninspiriert durch eine größtenteils einfallslose Geschichte, die zwar an ein, zwei Stellen zu überraschen weiß, was aber für einen zweistündigen Film kaum ausreicht. Der Kameramann versucht, seinen Tatter in den Griff zu kriegen, was ihm mal mehr, meistens aber weniger gut gelingt und den Darstellern sieht man in fast jeder Einstellung an, dass "Der Mandant" einer der Filme ist, mit denen man ohne große Anstrengung seine Miete in den Hollywood Hills oder auch weiter unten bezahlen kann. Der Film ist in allen Belangen Durchschnitt, wenngleich die Brücke, die Furman von Hallers ehemaligem zu seinem aktuellen Mandanten schlägt, nicht ganz ohne Reiz ist. Man könnte das allerdings auch "ziemlich konstruiert" nennen, je nach Tagesform. Goodie on top ist die überwiegend peinliche und unpassend Rap-Musik, zu der Don Coolio Haller durch die Straßenschluchten von L. "motherfucking" A. cruist.
Die Ausstattung kommt ähnlich 08/15-mäßig daher: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, Untertitel in deutsch. Extras: Making-of, Featurettes, Interviews, entfallene Szenen, Trailer des Films sowie weitere vier Trailer. Viel mehr muss man über "Der Mandant" eigentlich auch nicht wissen. Das Budget hat, neben McConaugheys Beauty-Case, noch für ein paar anständige Locations und den klapprigen Lincoln gereicht und für zumindest halbwegs solide agierende Darsteller. Ryan Phillippe, der sich mit Filmen wie "The Bang Bang Club" und "Franklyn" bereits erfolgreich aus der Mainstreamecke herausbewegt hat, legt mit seiner Rolle in "Der Mandant" eindeutig einen Rückschritt hin. Außer ein paar sinisteren Blicken und Bemerkungen, die die Ambivalenz seines Charakters andeuten sollen, einem genaueren Blick aber kaum standhalten können, guckt er genauso bubihaft-gelangweilt in die Kamera wie in vielen seiner früheren Filme. Und über McConaughey braucht man darstellerisch eh kein weiteres Wort verlieren. Er trägt seit Ewigkeiten konsequent die schmalzige Lockenfriese oberhalb seines latent echsenhaften Gesichts und ist offensichtlich wirklich der Meinung, ein Sunnyboy-Grinsen, das sich nur marginal durch zusammengezogene Brauen in einen "ernsten" Gesichtsausdruck verwandelt, reicht aus, um aus ihm einen guten Schauspieler zu machen. Wahrscheinlich ist er einfach einmal zu oft vom Surfbrett gefallen oder hat sich beim wiederholten Zählen seiner Bauchmuskeln verrechnet, anders ist nicht zu erklären, woher dieser bestenfalls mäßig begabte Darsteller seine grenzenlose Selbstüberschätzung und -verliebtheit hernimmt. Ergo:
"Der Mandant" ist langweilige und größtenteils vorhersehbare Dutzendware mit überwiegend unsympathischen Charakteren, der viel zu viel Zeit braucht, um seine stereotype und klischeehafte Geschichte zu erzählen. Für die wenigen gelungenen Twists und einen zumindest glaubwürdigen Sub-Cast gerade mal noch zwei von fünf Freisprüchen, die eigentlich weder Regisseur noch Hauptdarsteller verdient hätten.
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22.11.2012 12:38
*gähn*
11.02.2012 18:03
Der Titel klingt schon so langweilig ;)
11.02.2012 17:20
Wieder mal ein BH für dich. Diesen Film kann ich mir also sparen :-)